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Jüdische Volksstimme · 1905-11-15 · 22 (15.11.1905) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
VI (1905)
Issue
22 (15.11.1905)
Date
1905-11-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22 all.'!• sein. r Bürger aufgehaiites demokratisches;m,| vülkerversöhntes Oesterrleieh. Statt dessen wurden die unfruchtbaren ־!Experimente eines klerikalen gerniaiiisatorisoheii Absolutismus unter \l.x. Hach, eines pseudolibe1|ale!1 germanisalorischen Seheinkoiistitutionalisrbus zentralistischer Observanz unter Schmerling, eines länderautoiioiiii-tischbji. feudalen Föderalismus unter (iolu- ,h.nv'ki in Szene gesetzt uni endlich die Aera ilcr staatsreehtlichen Experimente mit jen.in ■1 n g I ü e k s e I i ge n [ioistischen Dualismus sehlieUeu, welcher die eigentliche Uuelle aller staatsrechtlichen nationalen Kämpfe' in und zwischen Ci — und Tr■an.sleithnnien seit 1M>7 bildet. -S- ^ckluh folgt Aufruf an die Zionisten! Unser Volk ist wieder von einem ungeheueren Unglück beimgesucht worden, das alle früheren Katastrophen an Grausamkeit, Här;e und Tragweite übert ifft Russland wird frei. Tausende und abertausende Juden haben die Freiheit des russi• sehen Reiches durch unerhörte Opfer, durch Hingabe von Blut und Leben miterobern geholfen. Wir sind dem gewaltigen Kampfe der russischen Völker um die Freiheit immer mit dem grössten Interesse gefolgt, aus unserem Freiheits- und Menschheitsideal heraus, namentlich aber aus dem Grunde, weil das Geschick unserer russischen Brüder aufs innigste damit verbunden ist. Wiewohl wir s’ets an unserem Grundsatze festhielien, dass die endgültige Lösung der Judenfrage weit über die Emanzipation der Juden der einzelnen Länder hinaus in der Befreiung der jüdischen Nation auf eigenem Territorium liegt, haben wir von der grossen Umwälzung Russlands eine Stärkung unserer Volkskraft erwartet Nach namenlosen Leiden fielen die ersten Hoffnungsstrahlen in das entsetzliche Dunkel des jüdischen Lebens. Kaum aber ertönt der erste Freiheitsruf, als schon wieder und grauenhafter denn je, die Mächte des Fanatismus und des Judenhasses, den man eben für gebändigt hielt, entfesselt wurden und unsagbares Unheil über Millionen unserer Brüder gebracht haben. In dieser schweren Stunde, da das jüdi sehe Problem sich wieder in seiner ganzen furchtbaren Grösse vor uns aufrichtet, wollen wir indessen nur an den nächsten Augenblick denken Tausende Juden sind in niederträchtiger und grausamer Weise hingemetzelt worden, die Existenz von Hunderttausenden ist vernichtet. Gedenken wir unserer Pflicht gegen unsere ins Elend gestürzten Brüder! Schaffen wir schleunige Hilfe! Geben und sammeln wir mit all unseren Kräften für die Geplünderten, für die Witwen und Waisen! Millionen sehen mit Bangen den furchtbar drohenden Gefahren entgegen. Denn niemand kann sagen, was die nächsten Stunden bringen werden. Jetzt, da unsere Volksgenossen nur auf sich gestellt sind, ergehe unser Ruf an alle Gesinnungsgenossen und Freunde: Gebet unseren Brüdern und Schwestern die Mittel an die Hand, sich gegen Bestialische Mordbanden zu wehren. Stützet die organisierte jüdische Selbst- Verteidigung! Stärket die jüdische Selbstwehr I Das zionistische Aktionskomitee Judenverfo'gungen in Russland London, 2. November. Alis Kiew wird ™grapliiert: Vorgestern Nacht spielten sich m>b», l.r.-jldiehe Szenen des Schreckens ab. l r rulx l brach in das Hathaus ein und rill ' 3- (n-mäidc des Zaren herab. Die Truppen ui-rlin und töteten 40 Personen, dreihundert ,'.יי'י verhaftet. Soldaten wurden von Pferden י;-"■,.־" und am Boden liegend ermordet. Ein hl r’^ ^as i>orträt des Zaren aus dem ״*״־• .sc*,n‘G den Kopf des Bildes heraus, ׳ kte seinen Kopf hindurch und hielt so eine 1 e a" den Mob vom Balkon des Hathauses. 'TU (ies| sein Hais nachl 1 irehämh• i-ad. auf den dischen Tausend kämpft.-, Knsthnrl lächelnd Werl-ae Waren 1; I hr I inenden llalkone! Die Ihn-, Brodskv die übii nicres. Pet IVtersbu Telegran die •lud. Witeh-k. 1 und uai Zahl <11 erkannt wie bist Jüdische Volksstimme. Seit ruh - r rslnrmtf* eine Hände Arbeiter(?) ms und riß ihn in Stücke. Um Mitter- 1׳ ■gam, eine .Indenbeiilze: die Marktwurden zerstört, und kein jüdischer ,M unteren Stadt behielt einen Stein andj.ren. Vormittags wurden al's jü- Läden in der Hauatstrasse zerstört von Männern. Frauen und Kinder ui. die V nrieu um die Waren und ,aten. Starke Militärpatrouillen sahen und1 untätig zu. Polizisten steckten en ijn. Kosaken verbargen geraubte ׳ut'-rl ihren Mänteln. Hestern Abend •gann da> Plündern wie.Irr. trotz strö- .egeiis. Die Juden renerten von den ani die Truppen und Loyalistenneu. und dies.״ erwiderten das Feuer, ans find Häuser von Haron (lünzlmrg. Zaitzew lind Epstein wurden zerstört: 11•׳ Juden erwarten heut noch Sctdim- ■rsburg. 2. November. (Meidling der! -er '1 elcgraplien-Ageidur.) Die letzten nie 111‘ri.•Ilten die Fortdauer der gegen 1 gerichteten Unruhen, so in Njeshin. ttoihnc. Kiew. Wilna. Etisahethgrad lentli •11 Odessa, wo unter der großen Verwundeten verkleidete Polizisten wurden. Die Ruhestörungen führten ־׳״ «<״■.er regelmässig zur Plünderung und Inbrands )tzung der Läden der Juden und 6t- ....geg6n die jüdische Bevölkerung, von getötet und verwundet wurden. In Saratow wurde die Synagoge geplündert. Kis׳ hinew, '■!. November. Seit gestern ..11׳ I i.־r wieder grosse Judenhetzsn statt. Der Pöb 11 stürmt viele Häuser von Juden und verwüstete alles iä denselben Acht Personen hierbei getötet. Unendlich groß ist der y.TWpudetell. .Kussisrhe Korrespondenz“ erhält aus irg, p. .November. Xaflim. :! l'hr. Telegrauiüi :Aus Saratow. Kasan. Kiew. Kis. liiiiev(. ltostow. Minsk. Tomsk. Fe.» iisia.Jaroslaw..Mariopei, Etisabeti winden die Zahl Die jPetersh folgende (•dessa. Baelimut grad 1111. vielen anderen Plätzen liegen Nachrichten 1 her Judenaassakres vor. Sogar in dem ,ifliziehei 1 Bericht wird zugegeben, daß eine ungeheure Zahl von Personen ermordet oder verwund91 wurde. Die Verluste an Werten sind nnlieiv. l (•״bar. Je,!,-״falls aber gehen sie in die .Milli,iner. Die reaktionären Elemente betreiben .11 T geheim die antisemitische Agitation. Di׳■ Sterling der Behörden ist zweideutig, cs werden hier in Petersburg hei der Hegierung lihafte Vor.-lellu11g.T1 gemacht, und es liegen 1 1 ihrer Seil.■ Versprechungen vor. Telegramm aus Solotonosch meldet: der ganze Ort ist zerstört, öoo Fasjnd völlig brotlos, allenthalben über- Not alle Grenzen. ,rslmrg. (>. November. Hiesige Privatriiijlten über die Judciihetzen im I'01 Islands verschiedene interessante 11. So wird aus liaelinnit berichtet, schon zwei Tags hindurch ununtereine Judenhetze im Gange ist. Die gewährt keine Hilfe: Der Kosakenlenr Kulganow wollte energisch ein-!!) fand aller keine Unterstützung beim lef. Der!!oiivernenr sendet ebenfalls , fe. Die •Stadt beginnt ku brennen. In rurilc gestern und vorgestern grausam Maßnahmen dagegen sind nicht he- Nach einer Meldung aus Homtnel im ganzen Gouvernement Tschernigow ollen 0,1 auch Ein Nahezu Milieu steigt Pet pdvsonen Innern Meldung daß dort brachen Behörde koniman׳ greifen. ( Militär-( kein.׳ Hi Jesiliin gehaust, merkbar herrscht gebrannt reiche S Magazine heuten wundetei szenen, nicht zu Tel,-gram Personen Privathüi Vorstadt Mitternacht bis Mittag an tausend Leichen (und Verwundete auf der Straße. Sie wurden dann von den Behörden aufgelesen und die (,eiphen in große Massengräber geworfen. Im ludeMviärtel wurden unglaubliche Greuel verübt, alt• Läute, F rauen und Säuglings wurden massakriert viele Kinder worden erwürgt und Hunderte van Ihnen lebendig von hohen Häusern aus den Fpaatem geworfen. Der Pöbel folterte die Opfer zu Tode, indem ek ihnen Nägel in die Köpfe schlug] die Augen ausdrückte, die Ohren abschnitt und die Zunge» mit Zangen ausriss; vielen Fräuon wurden die Eingeweide autgerlssen, altjs Deute und Kränke, die sich in Kellern versteckten, wurden! mit Petroleum begossen und lebendig verbrannt. Die Rasereien des Pöbels kvujüen von Polizisten und Soldaten organisiert ]und geleitet.׳ In den Privatkliniken allein wurden über d(K) Kinder an schweren, von Sjnldhten erhaltenen Säbelwunden an Küpten und Sclmjtern behandelt. Der in Odessa angerichtet,• Schaden wird auf 20 Millionen Mark geschätzt. 1 Wj&sma (Gouvernement Smolensk). 2. November. Das ganze Judenviertel ist asntört und geplündert. Die Verluste sind sehr bedeut '11,1. London, (>. November. Aus Odessa viril telegraphiert, dort herrsche vollständige Anarchie und grauenvolles Gemetzel. Die Zahl der i Getöteten [wurde gestern Abend spät ai f tier- bis fünftausend geschätzt. Die Aufrüh •er benehmen sich wie wilde Bestien und s :hießen ohne Unterschied auf alles. Viele Ein vojincr erwidern das Feuer und überschütten d in Mob mit mökderischen Salven aus ihren H iusern. 111 der Finsternis knatterten nah und fern? ctifisse und krachten Bomben. Schmerzenssclir, .״ und wildes Wutgebrüll erfüllten die Luft. X einan.t wußte, welche Schrecken die Nacht bringen würde... Der Kommandeur der Kosak in, floh 10 Zivil aus der Stadt, um der Wut des Pöbels zu entgehen. Die Juden verteidigen sich tapfer in ihrem Viertel. j Warschau, •'>. November. Die judfc.he Bundpaktei organisiert eine bewaffnete He tijng.— bereitscjiafl: alle Häuser im Judenviertel rer,ton geschlossen gehalten. In der Gensiagässe 1 ׳,irden beute Sechs Diebe von Juden getöte . fünf schwer }verletzt. In der Dzikagasse wuidaein Polizist , erschossen. Viele jüdisch,' Familien halten Sich auf dem Balmliofe verborge!. Odessa, 4. November. Das Biut flosi buchstäblich in Strömen. Auch jetzt ist die S tijasse mit Blutlachen und Leichnamen der Ge‘ernten bedeckt. Ich begreife nicht, dass ich dpn Vor stand ■icht verloren habe, als Ich aus ,dem Fenster die bestialischenjSzenen beobachtete. Unaufhörlich wurden Frauen und Kinder getötet, in den fernergelegenen Stadtteile» Aber geschehen Barbareien, wie eie die Well{ tum gesehen hat. Man sagt, dass über , 2000 Menschen getötet und 15.000 verwundet wo ׳den sind. Die überwältigende Majorität bestellt Juden, aber man zählt auch sehr viele geh tete und 1verwundete Christen, da die jüldi;che Schutzwehr (zu der auch 1-Christen geiö en). namentlich die Studenten, sich voll Verzwpil 1 verteidigen. Mehr als die halbe Stadt geraubt. Kischinew und alle anderen Maedahree, die bis jetzt stattgefunden haben, siäd Kinderspiel im Vergleich zu dem, watz vorgefallen Ist. Judenbet ׳.e. Vollkommen zerstört und niedersind Kmenzy und Nowosibkow. Diese; adt ist am Bettelstab, alle jüdischen und Wohnungen sind in Schutterwandelt. Ode isa, i'>. November. Hier sind fast eämmtlicse jüdische Geschäfte demoliert und ausgerat bt. 010 Opfor an Totan und Var- ■ ■ zählen nachTaueenden. DieSchreckensiie sich liier abgespielt haben, sind lesi hreiben. Kinder und Frauen wurden massakri! rt. Ganze \\ ageoladungen 10n Leichen mußten : ortgenchaffl werden. London, «'׳- November. Nach O'lessaer men pullen dort im ganzen an 3500 rsrsuiioii getötet und gegen 12.000 verwundet worden s :in. Alle Hospitäler, ein halbes Dutzend großer Schulgebäude und viele Kliniken und Iser sind voller Verwundeten. In der Moldavanka lagen Sonnabend von ung 1usein hier Extreme in unserem Volke. Extreme Standpunkte sollen von zeugungstreue zeugen und soll der Kam selben gegen einander zur tieferen Ergrüiu der Wahrheit führen. In der Gescliichl Judentums waren dieselben eher die Qu unermejjicher Leiden, unheilbaren Ungl das no<{h dazu den Hang zu immer n| Differenzierung entwickelte. Hie Territorialismus, hie Zionismus, waren diese laut Beweisführung eines jn Teiles der Besten unserer Führer ider oder wenigstens sich wie Vorstufe und In! zu einander verhaltende Begriffe. Einen torischen Nachweis kann ich mir un< Lesern um so zuversichtlicher ersparen, heute kaum Besseres und Ausführlicheres gesagt werden könnte, als der Begründer mpdemeh Zionismus Dr. Theodor Herzl e dann Dr] Max Nordau, Dr. Franz Oppenhpi Dr. Mapidelstamjn und andere am VI. Ko: eiei Verlanget in Gast- und Kaffeehäusern die ״Jüdische Volisstimme“. rlerung des < Den 1, kes.!ujrer t inst (ßen i: che!1!ziel eriden als!ehr des bst. 11 »er, ngr jsse

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