Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 19 (1.10.1905)
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 19 Jüdische Volksstimme. Erfolg oder besser Mißerfolg nur die neu und viel vehementer als im Mittelalter auftretende Judeimot in alle» Ländern zu verzeichnen, so ruft das neue Jahr uns mahnend zu: Verständig sein, heißt glücklich sein! Assimilation war nicht das Verständnis für das Glück des jüdisehen Volkes, versuchen wir also das Verstandnis für das jüdische Volk im Nationalismus. Machen wir die Juden zu Juden, lassen wir sie sein, abstrahieren wir ihnen nicht mit gutem oder . auch bösen Willen die Konfession und die Nationalität, daß vom Juden nur der Schatten bleibe, schaffen wir nationale Juden, eine nationale Judenheit, ob wir dann nicht glücklicher sein werden? Der Zionismus stellt sich dann von selber ein. Wir wünschen ihm Schon«, towo! Kräftiges Gedeihen und langes Leben! Aus der zionistischen Bewegung. Von der neuen jüdisch-territorialistischen Organisation berichtet man aus Deutschland ,Erfolge״. Danach hat sich Dr. l’aul Na tan, der Inspirator des Hilfsvereines der deutschen Juden, der Bewegung angeschlos* sen, und der zum größten Teil durch Geld von Assimilanten einflußreiche Hilfsverein soll, so heißt es, eine Resolution für die neue Organisation beschließen. In Frankfurt gewann Zangwill zwei um die Auswanderungsfrage verdiente Männer: Advokat Blau und Charles I lallgarten. Auch der englische Antizionist L. Wolf hat seine Mitarbeit zugesagt. ^Jn Amerika witbt Sulzberger Parteigänger. Indessen sind diese Errungenschaften nicht zu hoch anzuschlagen. In der ״Hazefirah* bemerkt Sokolow mit Recht, daß der Anschluß dieser eintlußreichen Persönlichkeiten an die neue Bewegung philanthropischen und antizionistischen Motiven entsprungen ist. Die territorialistischen Arbeiter geben in Krakau ein Organ ,Die Freiheit“ als Wochenblalt in jüdischer Sprache heraus. In Deutschland ist zwischen den Territorialisten, besonders aber den ,politischen Zionisten" unter Führung von Dr. Jeremias (Posen) und den Zione-Zionisten unter Führung Heinr. l.öwes der heftigste Zeitungskampf ausgebrochen, dem nun die einzelnen Ortsgruppen in Resolulionen pro und contra folgen. Bei uns in Österreich ist Ruhe — — — Die Generalversammlung der Ko- 1 o n i a I b a n k in London, welche nach den englischen Gesetzen den Beschluß der Baseler Versammlung — Beschränkung der Tätigkeit auf Palästina — legalisieren sollte, verfügte die Vertagung, d. h. nach dem englischen Bankgesetz. sie hob den Beschluß auf. Die Abstim mung erfolgte mit Unterstützung vieler Zione- Zion, welche die mehrere tausende Pfund be■ tragenden Kosten einer Statutenänderung fürch eine Geschlechtsfolge um dje andere zur Höhe stieg, bis daB sie mehr waren als ein halbes Hundert. Die Städte waren erfüllt von Menschen in allerlei Kleidung, mannigfaltig und seltsam zu schauen: sie drängten sich in der Wüste und fuhren in zahl losen Schiffen auf den Meeren. Alle aber schauten sie empor gen Osten. Sie bewegten die Lippen und einten die Stimmen, daB ein mächtiger Chor aufctieg und ein gewaltiges Tönen anhub. ,Herr, was ist der Mensch, daB Du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daB Du ihn so achtest. Ist doch der Mensch gleich wie nichts seine Zeit fährt dahin wie ein Schatten.“ Die Luft erdröhnte von dem gewaltigen Singen und die Erde erbebte. David hob die Arme hoch — der Chor verstammte. — Das Bild schwand meinen Blicken.. . Ich stand wieder im Saale mit Seraja, dem 1Schreiber, vor dem König, den ich tagend anblickte. ,Willst Du wissen, was das bedeutet?“ so nahm er das Wort. Ich nickte, ,Nichts für den, der die Idee nicht kennt.“ ,Jedenfalls eine groBe Perspektive von diesem berge Zion aus, * wagte ich schüchtern zu bemerken. Der König nickte wie einer, der da sagen will: ,Ah, Du fängst an zu begreifen.“ Dann nickte er abermals, wie zum Abschied — ich war entlassen. Ich verbeugte mich tief, und als ich den Kopf erhob, stand ich auf der StraBe auf dem Berge Zion am Eingang zum Abendmahlsaale, wo das Grab Davids ist, das den Moslim gehört. Alfg. Z. d. J. teteri, zumal auch von territorialistischer Seite <1ie Anrufung der englischen Gerichte angedroht wurde. -0- Judentum und Nationalität. t Das Judentum hat als National tät eine Naturbasis, die nicht wie ein Glaubens bekenntnis durch ein anderes verdrängt werdm kann. Lin Jude gehört seiner Abstammung nach stets d^emi Judentum an, gleichviel, ob er oder seine Vorftiltren Apostaten geworden sind. — Das mag, nach modernen Religionsbegriften paradox erscheinen, ln der Praxis wenigstens habe ich diese Ansicht bewährt gefunden. Auch der getaufte Jade bleibt Jude, wie sehr er s ch auch dagegen sträuben mag. Heute ist ka im noch ein Unterschied wahrzunehmen zwischen den aufgeklärten und den getauften. Mein Freund Armand L., dessen Großeltern sich schon taufen ließen, interessiert sich noch lebhafter. als mancher beschnittene Jude für das Wohl und Wehe seiner Stammesgenossen, und et hat den Glauben an die jüdische Nationalität treuer bewahrt als unsere aufgeklärten Rabbiner. Dem Juden ist nicht der Glaube,! sondern das Forschen nach Erkenntnis Gottes geboten. Das ist eine Gewissensangelegenheit, über weiche man niemand außer sich selbst Rechenschaft zu geben hat, auch nicht zu geben vermag. — Dem flachen Rationalismus ist es freilich ebenso leicht, wie dem blinden Köhlerglaupen. sein Credo abzuleiern. Die Erkenntnis ,dagegen, welche aus dem innersten Geistes- und Gemütsleben herauswächst, entwickelt sich mit dem Individuum und der Menschheit fort, sie kann nicht durch Glaubensartikel ein für allemal festgestellt werden. — Auf der tiefen Dogmenbasis des Judentums konnten sich abweichende Lebensanschauungen entwickeln; für das sdhöpferisclie Judentum selbst sind alle diese Lebensanschauungen nur vorübergehende Momente, die sich nach innen» und äußern Erlebnissen modifizieren, oft in ihr Gegenteil sich zu verkehren scheinen, aber trotz aller Mannigfaltigkeil der Entwickelung den ursprünglichen Typus, aus dem | sie liervorgegangen sind, nicht verleugnen und ihn schließlich als reife Frucht des Lebensbauims repnxluzieren. Die großen Denker und edlen Charaktere haben dieses Wesen der jüdischen Geschichtsreligion aüch nie verkannt: sie erblicken nicht in jeder!.Modifikation der Lebensanschauung eine neue Religion, und bildeten sich nicht ein. die historische Basis unseres Kultus reformieren zu können. — Sadia und Maimuni, Spinoza und Mendelsohn sind, trotz ihrer fortgeschrittenen geistigen Entwickelung, keine Apostaten geworden, obgleich es nicht an dogmatischen Ketzerrichten» fehlte, die sie ausstoßen wollten oder wirklich ausgestoßen hatten. — Auch unsere modernen rationalistischen Dogmatiker würden schon Juden, die sich für Spinoza ausgesprochen haben, als Ketzer aus der Synagoge entfernt haben, wenn sie noch die Macht gehabt hätten, das Horn zu blasen, welches ehemals in Israel eine ganz andere Wirkung hervorbrachte, als die Lärmtrompete eines Frankfurter Rabbiners in einer Frankfurter jüdisch-theologischen Zeitschrift. Moses Hess. ־70 Fahnenweihe. Marienbad, am 1. Seüchothtage. I. Der Morgengottesdienst ist beendet — — Im Herzen des denkenden (oder was dasselbe ist: andächtigen) Beters klingt es nach, das Wort der ersten Selichah: ,Meos wead akoh onu nidochim, neherogim, nisöhehotim wenitbochim“ — —-ר .Von lange her bis nun sind wir die Verstoßenen, wir werden erschlagen, geschlachtet, geopfert!“ _.Dein Erbarmen, o Herr, »st unsere Hoffnung!“-. — N Der Morgengottesdienst ist beendet Ich sitze an meinem Arbeitstische,-Durch das geöffnete Fenster blickt mein Au^e auf ein herrliches Stück der herrlichen Gotteswelt. — Leser, Freund. Bruder! Leserin, Freundin, Schwester! Kennst Du dieses wundervolle Kesseltal, das rings die ewig grün* Wälder überragen; mitten darin leuchten die Dächer der freundlichen Häuser, unter Urnen dehnt sich allem alles ist iück und ,kt, sich Dir lös Ewigen n!r Hände der Wiesen• endloser Plan, und lacht ein wunderblauer Himmel, ui eitel Sonnenschein und Glanz und Frohsinn, und auf die Lippen drän der alte Sang: ,Die Himmel rühmen Ehre und seinen Ruhm preist sei Werk!“ Der alte Sang, den so urspri n flieh und erhaben und darum so schlicht jipr David singen konnte. Der alte Sang, der in seiner 1 I«!ttlichkeit göttlichen Widerhall geweckt in de! föttlichen Künstlerseele, in den rauschenden f .1; mgen der Hayden’sclien Hymne.-— Kennst Du diesen gesegneten Ei an welchem sich täglich neu off^i schauenden Seele das Wunder der in. 1!1 iE ח Der Morgengottesdienst ist beeid Da — mitten in die stille Natur, miltei majestätische Ruhe, mitten in Deine wandten Gedanken, mitten in Deine fassende Stimmung, in welcher Du je: nennen könntest, — mitten hinein C Nicht Musik der Sphären, nicht Chön nein, Musik, die Dich zurück zur Mabsivmusik, Musik, die die Masse t e :1 foixreißt. — — —-— — -; Und Du bist wieder mitten d'1 ig sehen Getriebe — — —: was kq! Klinge, teilweise unterbrochen von wirbel. an der Spitze eines Zuges j נ Gestalten. Jünglinge und Jungfrauen. 11i de(1 Fahnen und fliegenden Bannen Nun. einen Festtag künden sie den Festtagen, wie sie die herrschen stets so trefflich der Menge anzup; 11 ihrem Bedürfnis einzurichten wußte Der katholische Gesellenverein be Fahnenweihe.! Weißt Du. o jüdischer Jüngling, tu o jüdische Jungfrau, weshalb ich dif: e: ganz unwichtige Ereignis hier midb " ahnst Du. o jüdischer Bruder, ahnst diäche Schwester, weshalb ich gerat e Dir spreche, an dem Tage, an ne! bekennen: ,0 groß ist unsre Schuld: nie wir sprechen: ,Wir haben nicht g nein, wir haben gesündigt!״ — Q: Ahnst Du es?! IV. ii d enwinkel, npart der öpfung? f < In et. — — n in ihre erdabgeeltenum- - in Bruder nt Musik! ler Engel, de zieht, äubt und ndJn im irdi-!n diese Tronifeiel- :endneher t tllktern-!inen von le Kirche en. nach 1g 5ht seine Der Morgengottesdienst ist been Die Massivmusik verklingt in jetzt ziehen sie zur Kirche, die neue weihen. — — Mein Blick gleitet wieder hir Wälder und Fluren — hinaus, bis p! lieft an den bayerischen Bergen. Firinament. —- Da — wieder tönt ein Klang Ohr, ei» Klang, den ich heute moi vernommen, der einzige jüdische aus der Väter Zeiten bis auf uns« gekommen, der Klang des Schofs r und auf die Lippen drängt sich mi• das wir tagtäglich spreclien im G«I beschaufor godaul lecherussenu wßo golujaussenu.“ — — — .Stoße dfxjl großen Schofar. Herr, erhebe das zu sammeln aus dem Golus. — — .:g?1 b;l Pu Der Morgengottesdienst ist bee Die Selichoth sind gesagt, verstand sr verstanden, die Alten werden morp kommen um übermorgen und s< weiter treten in dem alten Geleis, aber, Jünglinge und Jungfrauen, jli Selichoth nicht verstehet und auch fühlt Ihr es nicht das Wort der erst« n .Von jeher bis heute sind wir die V! wir werden erschlagen, hingeschl 1< geopfert!״ Und wenn Ihr’s fühlt, waruifl nicht mit Eurer Jugendkraft atjwäl; Schuld vom alten Israel?-Dajß mehr sagen müßten: .Wir haben sondern sagen könnten: ,Wir h; Sünde weggeschafft aus unserer Sünde des laisser aller, laisser fair« Ihr wollt es? Nun wohlan! harret Euer! Schart Euch darum, alfes Judenbanner, und tönen, wiijd Israel von einem Erdenende zum Massivmusik des großen Schofar. - Verlanget in Gastnnd Kaffeehausern die ״Jüdische Volksstimme“. weißt Du, s au sich Allen will; Du. o jüheute zu ehern wir ge 1t können sündigt,“ chamnun. lei.-- Feme; Fahne zu c er aus über sich ver- 4m fernen ir an das ns schon I lang, der Tage ist das Wort, te: ,Tka ß lekaber h in den nier, uns 11 [et: — — Irr et: - oder um- 11 wiederfort und Jungen : Ihr die cht saget, Selichah: •jstoßenen, 1« htet und i!«SI!af) m Yil wollt ihr 1 die alte wir nicht ündigtl*. unsere tte,“ die Dps Banner um unser für ganz indem die