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Jüdische Volksstimme · 1905-10-01 · 19 (1.10.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
VI (1905)
Issue
19 (1.10.1905)
Date
1905-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volksstiaune Bezugspreise: Kiir Österreich-Ungarn halbjährig H 20יי־ «:anzjährig K .V— Deutschland ganzjährig . Mark 5 — Rußland ganzjährig - Rubel 2Ü0 s<hweiz. Frankreich. Italien. Türkei, Rumänien, Serbien, Bulgarien u.s. w Franks 7. — inklusive Postzusendung. VI. Jahrgang. Brünn, 1. Oktober 1905, 2. Tiscbri 5666. Nummer 19. Redaktion u. Administration : Brünn. Adipr^asse 9. Die ,Jüdische Volksstimme“ erscheint tan! 1. und 1־>. eines jeden Monate* Buchhändleriscbe Vertretung: Ott• Klem|n.]Lei/z)g. _ Postsparkassa-Konto Xr. 85$.t Herausgetier und verantwortlicher R^dakteUr MAX HICKL. Brünn.— Druck KARL HABICHT] Brünn. ff Zum Jahreswechsel 1'iitbii‘ten unseren Abonnenten. Kremlden und Mitarbeitern die lieiv.lielisten Clüikwünäctie ליבנה טובה תכתבו Die Redaktion und Administration. ־f 4 Glücklich sein heißt — Yerständig sein. Neujahrsbetrachtunjr von Professor Dr. Klirre in. Das alte Jahr maclit sieli reisefertig und das neue seliickt sich zum Eintritt an. Beim Abseliiede von dem alten haben wir das (״•- ffilil: ,Etwas ist zu Ende, man hat etwas vollendet.“ Was? das weiß man allerdings zumeist selber nicht. Ein unbewußtes, unerklärlic lies \ erlangen stachelt uns. uns selber lieclienschaft von dem Vergangenen zu geben. Man bat in dem kurzen Zeitraum so viel geleistet — man glaubt es wenigstens — man möchte es sich zum Bewußtsein bringen, möchte es noch einmal überschauen. Man hat so manches, so vieles erlebt, man möchte nachfühlen, wie es auf uns gewirkt hat. Mau hat sich verändert, war es zum (luten oder zum Schlechten? hautet das Endergebnis dieser I fdersuclmng, dieser Erforschung des eigenen Seihst und der eigenen Tätigkeit: , Glück?* (llück! Ein von Menschenmund viel begehrtes, viel gesuchtes und wenig gefundenes Gut! Und doch gibt Ende und Anfang des Jahres jedem nicht allein die Berechtigung, sondern die!'flicht, an sein Glück zu denken. Der Neujahrstag ist ja der Geburtstag der Schöpfung, die von dem Schöpfer als die unerläßliche Mitgabe, die An- Weisung auf Glück erhalten hat. Unter allen Geschöpfen hat vornehmlich der Mensch die Aufgabe, glücklich zu sein, sein Glück zu suchen FEUILLETON. Ein seltenes Interview. Von H. Yprk-Steiner. Schlufj. ,Das war auch ein wunderbar Lied» aber kurz. Sn* lernten es Alle auswendig, die Landleute «׳> war leicht 'zu behalten und trug mir nichts ein." Die zusammengesunkene Gestalt des Königs In gann - sich zu regen, das Gesicht belebte sich. Ifie Erinnerung an seinen Dichterruhm schien ihn r>1 bewegen. . Da dachte ich denn auch meinerseit ein Uebriges zu tun zum Lobe des königlichen Dichters. Denn schließlich, etwas Eitelkeit haftet allen Poeten an. Ich begann nun, die einzelnen Vorzüge seiner Dichtungen hervorzuheben: den Glanz der Sprache, die Plastik des Ausdrucks, die poetische Wirkung der Bilder. Je mehr ich sprach, desto ernster, desto trauriger wurde das Antlitz des königlichen Sängers. Die Augen bohrten sich fragend in mein Gesicht, sie drangen in mein Innerstes und suchten und forschten. Mit einem Male donnerte mir ein kräftiges ,Nein!* entgegen. ,Nein, nicht das ist es, was meinen Werken ein langes Leben schuf, was sie unsterblich macht! Der Gedanke, die Empfindung, denen sie entsprungen sind, das gibt ihnen jene geheime Ueberlebenskraft. ״ zu finden. Diese Aufgabe ist f 'ir den ^gar die Zeitung mit der Enthebung diesen beiden Buchstaben. müssen Wir uns doch fragen: Ist nicht unsere Zeit vdrsjän.Iig? Sind wir nicht ganz nüchterne Verstandes- Menschen? Sind wir aber auch glücktet 1? Gebt mit unserem Verstände das Glück Hand In Hand? Warum nicht? Wie bewirkt^ wir die glückliche Verbindung beider? U’m glücklich zu sein, muß mai 1 erständig sein, dennoch begleitet den Verstand nicht immer das.Glück, weh dem Verstände oft,las Verständnis, glücklich zu sei 1. abgeht. Verstand allein ohne Verständnis, d n türs glückliche Leben zu gebrauchen, ist noch immer kein Glück. Die meisten Menschen lial en sich für glücklich, wenn sie den Verstand tesitzen. - Hewlitümer anzusammeln. da< Gold gHch>am aus dem Boden zu stampfen. Belau ■dien wir einen solchen in seinem Tun und *״Deren. Er arbeitet vom frühen Morgen bis /:■in späten Abend, gönnt sich keine Buhe, auch Je; Nachts Hiebt ihn der Schlaf, er reiht Zahlen an Zahlen, an seinem Auge, an seinem GedäHi nis und seinem Geiste ziehen Kiesenkolufuien von Zahlen vorüber. Er denkt in Z-dd^n spricht in Zahlen, träumt in Zahlen, philo^o׳ »Hier! in Zahlen. 'Seine Liebe, seine Güte, Min Mitleid, seine Wohltätigkeit, ja seine HeKgi.u drückt er in Zahlen ^us. alles ist für ihm «irc Be׳ hnnng mit anderen Zahlen. Selbst ins Baus und ins Familienleben drängen sich ihm die Zahlen und entziehen ihn der Zärtlichkeit der Gattin und den stürmischen Liebesbeweisen < e ׳ Kinder. und Menschen die schwierigste und härteste und hat viele schon das L« bensglnck gekost et. Die Aufgabe kennt jeder, doch die Kunst, das Glück zu finden und da« gefundene sich zu erhalten, verstehen die wenigsten. Die hebräisehe .Sprache verrät aber mit einem einzigen W Örtchen den Menschen das Geheim ns, die endlose, ungestillte Glürkessehnsuclit zu befriedigen und dieses Wörtchen lautet . laskej*. glücklich sein heißt für den Hebräer ve *ständig sein. Sei verständig und du. hi st glücklieh, das ist das grolle, den. meistejn unergründliche Glücksgeheimnis. so lesftn wir es in der heiligen Schrift. Will man zuni neuen Jahre jemand Glück wünschen, so wünscht man ihm: Sei verständig. Bei uns Juden gilt nicht: .Der Dumme hat das Glück.'* Wohl >agl de!• Psalmist: Di♦* Einfältigen schützt Gott, und der Talmud deuh t in gleicher Weise einen anderen Vers: Dem Menschen, der hilfios wie das Tie!־, hilft Gott, doch damit ist nur der göttliche Schutz für die Schwachen, keineswegs deren Glück ausgesprochen. D;r Jude betet als erstes Bedürfnis um Verstaut!. Salomon wird darum weise, weil er Weis!eit von Gott gewünscht hat. ist somit Glück und Verstand «leichbedeutend, so müßte unsere Gegenwart die allerglücklichste genannt werden. Niema s waren die Menschen, war die Welt verstaut iger als heutzutage. Wir sind doch die reinslen Verstandsmenschen, lebendige Bechenm ischinen geworden. Das beweisen uns nicht £ Hein die täglich verhiebt ten Erfindungen, die fortschreitendf Technik, das erfahren wir am besten am pseujalprstage. Man >urhe sich 11 och ans alten Briefschaften . der Eltern und < roÜelten eineü ehemaligen Xeujahrswunsch heraus. Mit zierlichen Buchstaben sorgfältig geeh rieben ergießt sieji da ein Strom der innig: ten Gefühle und Empfindungen über mehrere Seiten und , was alles denkbare wird da vom Himmel zürn Glück und Segen lierabgewfmsc.ht und herabgefleht! Legt man dazu die moderne Neujahrskarte, gedruckt oder mit dan armseligpn zwei Buchstaben p. f. best brie )en oder hgpn z-\ Der hie! da lebet, ist alles Jene, die König fuhr fort: .Jene große lldee, die 1zu Hause ist. ans diesem Boden gewachsen, ijeser Luft schwebend, die ist es. Hl׳,- meine Psaljn^n geschaffen hat.*־!l'nd wieder schloß er die Augen ujid sprach wie iunbewußt: ,Gott ist in Allem, was und | alles Seiende ist Gottes and daran Lebende gleich vor ihm. ausgewählt aber ihn!erstellen.* ln Ziklag auf dem Berge wärs, wohin ich * 1vor Saul geflohen, dort ward meine Seele erleuchtet. Ich war geflohen, mein Lehen zu retten, und fürchtete den Tod. Da sah ich hinunter in die blühende Welt unter mir. Die Baume beugten sich: im Wehen des Windes, die Wassei* glänzten im Sonnenlichte, die Ähren schwankten 1 *unter der Last! der Körner. Alles voll Leben und Kraft, und ein j feierlicher Odern zog über die Erile. Mein trübbs Herz ward fröhlich, meine zerknirschte Seele jauchzte. Sie erhob sieb, >i*- schwehM; frei im Rauine, Gott zu suchen — und voll seiner Herrlichlfeit kam sie zu mir zurück. So ward ich Gottes und sang von ihm. der unsterblich ist.4 Die Unterredung begann mich zu interessieren. Ich dachte i nicht jeder Schreibersmami wird so ohne weiteres vom König David empfangen. Das muß man zu einem regelrechten Interview;ausnützenL ,Gestatten Majestät,־ begann ich meine Frage!], ,was Sie da sagen, das ist ja der reine Pantheismus, verwässerter Spinoza! Nach unserer Überzeugung Dt dieser Mann mit seinem Verstände Werden die Kinder der Erziehung dücklich? Val ers jemals etwas zu danken haben <»<! e! werden sie nicht das Zahlenleben des Vater* )(*dauern - und bemitleiden? Die Erinnerung.! vie man glücklich ist, werden sie McherlicU ans dem Eltemhause nicht ins Leben mitnelufo( n. Glücklich nennt man auch diejenigen, die es verstehen, sich alle möglichen Freuden und Genüsse zu verschaffen. Es gibt nju ht selten Mehscheu mit einer unübertroffenen Et tindungsgäbe für noch nicht dagewesene Genüsse und Vergnügungen. Der Verguügungsjägpi hat in unserer Zeit nicht Ursache über \S angel an haben Sie doch einen eigenen, geni\1J umschriebenen Xalioualgott besessen.“ /- Da bekam ich eine Antwort, die 1 ijr kein.- zu seijn schien.; .Saul war ein König, der erste in srael. Das Vojk wollte seine ganze Macht in «nun Mai sehen. Und Saul fiel, weil er den Get a iken niqht faßte. Das Volk wollte seinen Gott seh . doch blieb unsichtbar - - vor ihm her zog c e Gedanlk*. Und ich diente dem Gedanken, der Gettos ist. S|e aber kamen und-baten: Baue ihm eiutn Tempel, Deinem Herrn! A »er ich haute Got kt-in HauA Doch, als sie die Bundeslade brachten, darin dal* Wort des Herrn lug, da tanzte ich v>1 ihr. Untl ich sang ihm Lieder dem großen Ge 1; nkon. der» uns überliefert war •und den nur wir }verstanden und kein anderes Volk zu jener Zeit. ־ Ich suchte das Gespräch zu wende! .Majestät mögen verzeihen, aber iöchstdero Sofm )üben doch schließlich einen Temje errichtet.“ Darauf der König: j .Immer drängen die Menschen zur» Verkörpern de! Idee und dann zerstören sie, was sie $ escliaffen.“ ״Wir meinen,“ warf ich ein. ,dal ler Tempel als Mittelpunkt des Reiches auch polifisc.!qn Zwecken diente.“ Der König seufzte, l ״Es ist ein ewiges Mißverstehe! Die den I Gedanken haben, suchen die Gewalt, lie Herren der Gewalt wollen die Gedanken be) ei rschen. T7־er ־breitet cierr ״J־Tj.cüsclrerr JST ״•

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