Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 18 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Ein Brief der englischen Regiernng. Auf <Ue durch Herrn Greenberg an die britishe Negierung erfolgte Mitteilung 'von dem Beschlüsse des Kongresses in der Ostafrika- Angelegenheit ist Herrn Greenberg folgendes Schreiben zugegangen: Ministerium für Kolonien. Downing Street, 25. August P.H15. Mein Herr! Ich hin von dem Herrn Staatssekretär |,vt ticton beauftragt, den Empfang Ihres Schreibens vom 8. August zu bestätigen, welches im Aufträge des Aktionskomitees der zionistisrlien Organisation mitteilt, dall der vor kurzem in Hasel tagende Zionistenkongrell Ireschlossen hat. sich nicht weiter mit dem Vorschläge zu befassen, der eine jüdische Siedelung auf einem zu ‘diesem Zwecke von der Negierung Seiner Maje-Iäl in Ostafrika bewilligten Territorium in Aus-icht nahm. Was ,len letzteren Teil Ihres Schreibens hclrillt. so habe ich den Auftrag, Ihnen mitzuteilen, dall jedes Bestrehen, welches zur Besserillig der Lage und Hebung des, Standes des jüdischen Volkes unternommen werden sollte, auf die Sympathie und das Wohlwollen der britischen Negierung stets rechnen darf. Ich verbleibe, mein Herr. Ihr ergebenster Diener Herrn J. L. Greenberg. gez. C. I’. Liicas. Jüdische Volksstimme. Seite ■5 Auszug aus den geltenden Bestimmungen über die Beförderung russ. Auswanderer durch Preussen. Erlall vom IS. Juli 18!»2. IN wird namentlich darauf Wert gelegt, dall die Auswanderertransporte mit dem sonstigen l’uhlikum so wenig wie möglich in Berührung kommen, und dall die allgemeinen Einrichtungen sowohl für die Einnahme von Speisen und Getränken als für die Verrichtung von Leibeshedfirfnissen dem Auswandererpublikum tunlichst unzugänglich bleiben. Es wird daher das Folgende allgeordnet: 1. Die russischen Auswanderertransporte sind tunlichst nur mit Sonderzügen zu!«;fördern, welchen unterwegs der Aufenthalt nur an Stationen - zu gewähren ist. wo dies aus bo.!riet,liehen Gründen nötig ist. Um die Befördrrnng nur kn Sonderzügen zu erreichen, haben sich die Direktionen mit den Auswandererkomitees in Verbindung zu setzen. Fahrpreiserinätligungen sind bei der Beförderung in fahrplanmätligen Zügen nicht zu gewähren. 2. Auf den Aufenthaltsstationen ist tunlichst dafür Sorge zu tragen, dall die Auswanderer di!■ Züge nicht verlassen, dall sie mit dem anderen l’ublikuni nicht in Berührung kommen, dal! sie die Bestaurationen und die allgemeinen Aliorte nicht benützen. Es ist Einrichtung Zu trotten, dall die Auswandererzüge mit den erforderlichen Betirade-Einrichtungen versehen werden.!1. Den Auswandererzügen ist ein Aufenthalt auf einer Berliner Station nicht zu gestatten, vielmehr sind dieselben direkt nach Kuhleben durchzuführen. Hierselbst wird eine ärztliche Kontrolle eingeführt. V. Sofern der Transport russischer Aus- Wanderer nicht durchgängig mit Sonderzügen erfolgen kann, ist dafür Sorge zu tragen, dall die Auswanderer bestimmte, von anderen Beisende» nicht zu benutzende Wagen erhalten, und!fall sie auch bei Beförderung in fahrplanmälügen Zügen, soweit dies angängig ist. vom anderen Publikum abgesondert und auf den Aufcnthaltsstationen von dem Betreten der W artosüle, Bestaurationen und Aborte abgehallen werden. Namentlich ist dafür zu sorgen, dall die Auswanderer auf den Stationen Berlins nicht heimlich die Züge verlassen. Die Auswände, erwägen der fahrplanmäßigen Züge sind schleunigst nach Buhleben weiterzuführen. •’>. Die Auswandererwagen sind nach jedes■ maligem Gebrauch sorgfältig zu reinigen,' zu jüfteu und einschließlich der Betiraden in den tilgen zu desinfizieren. Desgleichen wird eine tägliche Desinfizierung der öffentlichen Betiraden mif den Stationen angeordnet, auf welchen ^üge mit Auswanderern halten. Ueber die Art die Desinfizierung vorgenommen werden soll, wird besondere Verfügung erfolgen. l>. Die Auswanderungstransporte sind unterwegs von dem Zugbegleitnngspersonal Zu beobachten. Sofern krankheitsverdächtige Ersehetnungen unterwegs wahrgenommen werden, ist durch die betreffende Station eine telegraphische Benachrichtigung der nächsten Station, auf welcher eine Sanitätskontrolle eingerichtet ist, \ ominehmen und die Sanitätsbehörde hievon in Kenntnis zu setzen. Aut dieser Station hat die Evakuierung der krankheitsverdächtigen lerson nach näherer Anweisung der Polizeibehörde zu erfolgen. 7. An den Hafenstationen werden Einnchtungen getroffen werden, daß die Auswhnderer einer nochmaligen ärztlichen Beobachtung unterworfen werden. Die Senate der freien Hansastadte Hamburg und Bremen werden entsprechend ersucht werden. Es ist auf den Hafenstationen dafür Sorge zu tragen, daß die Auswanderer von dem übrigen Publikum tunliehst getrennt gehalten werden. Aus der Brünner Kultusoemeinde. Wie wir dem •deutsrliliberalen׳• ־! .Tagesl*pte“ vor BedaklionsschliiU entnehmen, findet die feierliche Installation des neuen Babhiner nicht am Samstag, sondern am Sonntag statt. Brünn ist angeblich eine deutschliberale Stadt. — Die \ orstandsmitglieder der Brünner Kultusgemeinde dürfen, was l.ilteralismus und Fortschritt betritt(, der Brünner Bathauscli(|ue nicht nachstehen. Um mit Gustav Tandler zu sprechen. Die Nertratung der Brünner Kultusgemeinde muß dem Fortschritte huldigen. Wir wollen uns für heute mit dem Fortschritte! unserer Kultus- Väter nicht beschäftigen. Wir lietrachteli es jedoch für unsere Pflicht, der Bevölkerung die Augen zu öffnen und ihr zu ׳ zeigen, wohin dieser Fortschritt führt — zur Entjudung. Die I,!beraten in Deutschland bemühten sich vor Jahren den Sahhatgottesdienst auf den Sonntag zu verlegen. Unsere Liberalen im I lalial sind zu feige um offen für den Sonntagsg, ittes■ dienst einzutreten. Dafür wird aber jede pas ende und unpassende Gelegenheit benützt וווו an Sonn- oder christlichen Feiertagen irgend einen Festgottesöienst zu ai rangieren. So wurde in Brünn die Konfirmatin 1 der Mädchen eingeführt. Natürlich findet die Konlirmation an den christlichen Ptingstfeiei tagen statt. Das jüdische Kind muß wissen, das die Ghristcn das Pfingstfest I*.■gehen. : Natürlich behiüht sich die liberale jüdische Bevölkerung immer mehr und mehr unsere Jugend unserem Volkstum«■ zu entfremden. — Wie bereits eingangs erwähnt, findet die' feierliehe Installation des Bahhiners nullt am Samstag, sondern am Sonntag, den christlichen Feiertag statt. Wahrlich, unsere Vorstandsmitglieder haben ein Prinhip und dieses Prinzip lautet: .Entjudung*.! Assimilation. Mil einer Konsequenz sondergleichen wird bei uns die Enljudinigspolitik betrieben. Die jüdische Bevölkerung sollte doch endlich aus dem Schlafe erwachen upd die Mitglieder des Vorstandes dorthin senden, wohin sie gehören: zum Teufel. — Es ist direkt eine Schmach, daß unser Sabbat, unsere Festtage mit allen Mitteln ausgemerzt werden. Wahrlich, der Babbiner, der am Sonntag seine Antrittsrede hält, ist am besten Wege im Sinne der Kalialleiter zu arbeiten. Wir hätten von einem Babbiner. der Bückgrat besitzt, erwartet, daß er den Herren zum Bewußtsein bringt daß ein jüdischer Seelsorger sein Amt durch einen Gottesdienst am Samstag und niöht am Sonntag lieginnt. Selbstverständlich wollen und können wir dem ncueif Babbiner die Schuld nicht in die Schuhe schieben. Schuldtragend ist einzig und allein der Vorstand und das treibende Element der Ezrabbi < )ppenheim. — Die Herren, die sich liberal nenlnen, sind in Wirklichkeit nicht liberal, nicht fortschrittlich, sie sind antijüdisch, reaktionär bis in das Innerste ihrer Seele. Es wird jedermann zum Bewußtsein kommen, wohin diese Politik führt zur Taufe. Tatsache Ist es auch, daß in Brünn die Taufen immer mehr zunehmen. Wir werden es unter keiner Bedingung dulden, daß die Entjudungspolitik von den Kahalleitem weiter betrieben wird. Wir werden es nicht dulden, daß das Judentum zerstört wird. Wir wollen, daß das Judentum eine Zukunft habe. — Die Parole muß daher lauten: Fort mit dem Liberalismus! Hinaus miUden Vertretern dieses Scheinliberalismus! -o- Rundschau. Witte und die jüdische Geldaristokratie, j ,Der Fraind* nimmt hiezu wie folgt Stellung: ,Trotz-der Tatsache, daß Ihr (die amerikanis :hen' Finanziers) im freien Amerika lebt und dall wir im Verlauf der letzten wenigen Monate erst angefangen haben, von Freiheit zu hören, körnen wir Ewh sagen, daß wir keine VVaisenknder sind, die Ihr unter Eure Protektion nel!men müßtet. Tausende von Juden haben längs das Betteln aulgegeben, und sie wünschen nicht,! daß andere l!et1te dies ihretwegen fort.־■* tzen. Wir haben das gelbe Abzeichen abgelegt. Wir sind os überdrüssig, hochgestellte Persöi ilichkeiten anzubetteln, und wir bitten unsere a nerikaniseken Glaubensgenossen, davon Ab •tand zu nehmen, dies in unserem Namen zi tun! Nur durch Kampf ist es möglich. Gerechtigkeit zu erhalten. Wir verlapgen unsere Rechte aber wir betteln nich länger darum. Herr Witte weiß ganz genau,־ was wir verlangen. Wir irüssei fordern und warnen und wir müssen dies »elbs» tun. selbst unsere nächststelieuden Verwandten dünnen uns diese Arbeit nicht abnehmer. Ob 51 r. Witte den guten Willen hat. unserer ' Fotv derungen nachzukommen.״* wissen wir nich(. Sellrsl bei dem besten Willen würde * s ihm aber an der nötigen Macht fehlen, de» n die Erfüllung unserer Forderungen hängt nicl t van einem |>ersönlichen Wunsche, sondern vo 1 dem Wechsel des ganzen Systems ab. Diej! rüge r. die die Macht hal>en. das System au inderj. hal>en nicht das Verlangen dies zu tun AV ir betteln nicht mehr und protestieren d; gegen, daß andere dies in unserem Namen tun * Der sicherste Weg zum Erfolg, I Dieser und ähnlichen marktschreierischen l*ehers< hrift *n begegnet man in den letzten Jahren ül er r> 11־ zähligen Inseraten in den geleseustcn Zei ung< n. Ob die Käufer der Wundermittel darin י :irkl ch auf ihre Kosten kommen, ist aber m •iir ils zweifelhaft. Deshalb will ich an der Hat 11 ei! es konkreten Vorfalles ll,ren Lesern ein — ür gewisse Stände — wirklich erprobtes Mit el. den einzig sicheren Weg zum Erfolg ווו Heil »n. ln einer früheren Nummer der ,Revue*־ wu de die Befürchtung ausgesprochen, es würde nit der Kreierung der Talmudtoradirektorst Ile , ine Sinekure für einen ,verkrachten böh nisc len Babbiner* geschallen werden.. Leider id dese Befürchtung nicht ganz ungerechtfertigt t*we 1en. Denn diese mit 5(KK> Kronen dotierte Seile wurde ohne Konkurs an den Nachoder I abb ner Dr. Brody vergeben. Es ist allgemein »ekaimt. daß dieser — als Bibliograph und Litt rarhbtoriker sonst sehr geschätzte ltah) iner *—־• sich seit Jahren krampfhaft bemühte, sich eine andere Stellung zu verschaffen, ja es i!d 1!och gar nich lange her, daß er sich d»*m Kai fmainsstände widmen wollte. Wodurch hat nun Dr. Brody seine Befähigung für diese Stel ung die einen gewiegten Pädagogen erfordert. irhrichtV Eine Öffentliche Schule kennt er wohl nui von Hörensagen, seine pädagogischen L •isti ngen dürften sich auf Privatunterricht währe nd??iner Studienzeit, vielleicht auf Unterteilt an riner kleinen Winkglschule beschränken. Alle Eigenschaften Dr. Brodys eins 1111־» Ülich seiner Gelehrsamkeit und seiner nu nge nden Qualifikation hätten ihm wohl nicht: genutzt, wenn er nicht eine viel schwerwiege! de14 besäße; er ist nämlich ein Schwieger: ahn und zwar eilt Schwiegersohn des Prager Olwjrrahbiners. Die Erfahrungen, die man ver kürzen, bei der Anstellung der Rabbiner in \\ ien gemacht hat, bestätigen sich von neuem». Schwiegersohn zu sein, das ist der denkbar beste Vorzug. Schwiegersohn kinegid kolonj, Sihwiegersohn-geht über alles, sogar über dipTamudthora. Entwickelt sich die Bedeutung dieses schönen schwiegersöhnlichen Verhüt uiss js im selben Grade wie bisher, dann dürft m \ ir gar bald die Rabbiner eifrig an der Arbeit sehen das Verbot der Polygamie bei den uden aufr zuheben, denn selbstverständlich : lebt dann einem dreifachen Schwiegersohn, Iresmders wenn er seine Schwiegerväter klug väh! t. eine ganz andere Karriere l»evor als einer 1 eir lachen und sei er auch Schwiegersohn ׳ les!Prager Oberrabbiners. Gedenket des jüdischen Nationalfondes!