Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 18 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jndiscbe Vblksrümne Bezugspreise: Für Österreich-Ungarn halbjährig K 2»*0 ganzjährig - . H K ־>•— Deutschland cranzjährig Marko — Kußland ganzjährig Hubel 2 00 Schweiz. Frankreich. Italien. Türkei. Rumänien. Serbien, Bulgarien u.-. w Franks. 7 — inklusive Fostzusondun«־. VI. Jahrgang. Brünn, 15. September 1905. - l(j. Elnl 5665. Nummer 18■ Redaktion u. Administration : Sri Die -•Jüdische Volksstimme-!. und lö. eines jeden Buchhäodleriscbe Vertretung: Otlfc Postsparkassa-Konto Nr. Herausgeber und verantwortlich( * HICKL, Brünn. — Druck KARL Adlergassep. erscheint am lanaies.!Klein■. Leipzig. rD0.0t0. Redakteur NfJlX 4BICHT. Brünn. Ist die Krisis im Zionismus überwunden? Von Oskar Nacht. 111 seiner Schlußrede verkündete Herr Wolfsolin. der neugowäliUe Präsident des Aktion?- Komitee?: .Ich glaube mich keine? übertriebene״ Optimismus schuldig zu machen, wenn ich niiff Genugtuung feslslelle. daß die Krisis im Zionismus überwunden ist.־ und ־lebhafter Heifall dankte ihm für diese schönen Worte. \\ er auf dem letzten Kongresse war und 11m kritisch beobachtet hat. der weiß, welch einen holten Wert schöne Worte, bei denen die I»«‘griffe fehlen durften, diesmal hatten. Den kann es auch nicht verwundern, daß auch jene Worte des k*rasidenten die klat?«־׳!!freudigen Hände /.״'einem Beifallssturm entfesselten. Krisen sind aber dadurch noch nicht überwunden, «laß sie von der Tribüne herab für fibcrwttndett erklärt werden. Vielmehr spricht «las in den meisten Fällen von dem tiegenteil. Hätte wirklich der aut dem Kongresse verübte tiewallukt die Krisis überwunden, so hätte er zugleich «len Zionismus überwinden müssen. Ir, dieser Gefahr schwebte man auch. Wer also an «las Fortbestellen des Zionismus glaubt, der wird viel lieber konstatieren: «Die Krisis im Zionismus ist nicht überwunden!״ Was war die Ursache der Krisis in der Bewegung und worin bestand sie׳־ Der (»rund «h׳r Krisis lag in «lern immerhin verzeihlichen Leichtsinn, mit dem man bis znm VI. Kongreß an der Frage des Territoriums vorhfigegangen. Palä.-tina war unser Kami der Vergangenheit, deshalb muß es auch «las Land unserer Zukunft werden, das war die ganze Logik. Daß während der inzwischen abgglaufenen IMOO Jahre die Beschichte nicht stillgestanden. daß Faktoren «•ingetreten sein konnten, die di«* Besitznahme Pnlä.-tinns mindeste!!? zweifelhaft machte, «las waren Dinge, die man unter sich selbst gar nicht erörterte, über die daher auch kein Zionist du Klaren war. Zur Verteidigung gegen den Antizionismus, der uns besonders in dem l’unkte Palästina angrift, hatte man einige stets gleiche Phrasen zur Verfügung, wie die Finanznot der Türkei, bald ihre Schwäche, bald auch ihre Stärke und dergleichen Dinge mehr, an «len ich zunächst ausbeißt, «las noch ganz Europa genügt«‘ und map die Zähne fühlte sich wohl dabei. Unter sich und für?ich hatte man aber die Möglichkeit oder Unmög ichkeit Palästinas noch gar nicht erörtert. I);1s ist insofern begreillich. weil ,man di«- Wiedererweckung und Gewinnung des Volk׳ s für die zunächst wichj ligste Aufgabe hielt: für Palüstimj glaubte man j dann Hdrzl allein «lenken und handeln lassen zu können. ' Herz! aber, der allein sich des Territoriums gründlich bes Herz! brach(«**■ dem VI. Kongreß eines nicht-palä?tim*nHsch«*n Ten die britische Kegiorung und inbchte es ihm klar, «laß der Zionismus sich «amit befassen müsse. Die damalig«* Majorität sa 1 dies ein und stimmte für das Angebot.• indem jüdischem Sinne sich au den G.*ist an den Wortlaut <l«-s Baseler Pro Grammes hielt nit der Frage < liäftigt hatte. las Angebot torhnns durch in echt und nicht Die Minorität dagegen verging : erste der 10 (lehnte und machte ich gegen da.«־ sich steinerne Bötzen daraus. Beide standen somit «auf dem Boden des Baseler Programms* ab bestand die Krise schärfte, sich in seiner verschied«(! pretierung durch die verschiedene Di«׳ Minorität des VI. Kongr auf ihrem verneinenden Shmdp׳ sollt«״ der Schwerpunkt ׳1׳-- P: Wort»* Palästina liegen, ein A1*fg« als alleinige und einzige Verwii klicli »ngdes Zionis mus bedeutete für* sie « in Aufg«*l|en des Baseler Programme? und des Zionismus Das Baseler Programm nur ,Palästina*, sondern d> lieb gesicherte Heimstätte*. Imleih die Minorität im Laufe der Diskussion die .otMdlich-rechtlich gesicherte Heimstätte* als umwsjentlich zurück- und «Palästina* in den Vordergrund stellte, vollzog sie bereits eine Ausleguug. des Baseler Programms, die dem 1. ־Kongreß fremd oder mindestens nicht bewußt war. Hie befand sich somit nicht mehr auf «lern Bo«h*h des Ursprungliehen Baseler Programms. «lad diese Unter- Scheidung nicht kannte. Die zweite Gruppe. Kongresse ihr Entstehen י .politischen Zionisten*, die wie aozeigt. das Schwergewicht auf rechtlich gesicherte Heimstätte lästina. soweit es nicht als s lie el eMails «lern VI. r«la!kt. i*d die der iijr Naim* sclnm jift«* «ÖN, ntliehhegen und Pa- Irin* erreichbar ist. nur als fernliegendes Endziel gelten la-^en wollen. Für sie palästinensisches verwirklicht Territorium «ich ein nichtltn Zionismus. stellt sogar den Weg vor. de 1 der Zionismus und von nun und entwi<(ke-te־ und ver-!artigen Intern (!nippen, •sses heharrte ukt: nach ihr ramm» s im ben Palästinas überhaupt, «*ntludt aber nicht «ößtentli« h-recht- bis zu s» iner Vollendung gelier die «politischen Zionisten* «I; des zionistischen Ideals. Dies ist nicht mehr und 1 Auslegung des Baseler Pr«»g! aijune*. ab der «Palästinenser* war. Wenn man nun di*♦ Tats wie bei •jeder Partei, so auch die Bewegung alles, das End-j weist die Inte!pretierung des 1 die Temtorialisten keinen w« schied auch gegen die »1**1 «politi ־«*)!en Zionist Sie legen wieder das Schweif-:,;wicht auf di« öffentlich-rechtlich gesicherte H nach ihnen, ob nun auf paläst auf einem anderen geeignet«*״ reits den Zionismus verwirklicht. Noch eine vierte Gruppe i als solche nicht aufgetreten, v« FEUILLETON. Ein seltenes Interview. Von H. York-Steiner. Wir sind eine realistische Generation, die nur das anerkennt, was sich im Laboratorium nachweisen oder mit dem Rechenslift «larstellen läßt, selbst der Künstler darf sieb nicht zu sehr von dein körperlich Geschauten entfernen, wenn er nicht •las verwunderte Kopfschütteln aller ernsten Männer ‘•rregen will. Es gibt trotzdem noch immer wirre Köpfe, dis sich in einer nicht nachweisbaren Traumwelt bewegen. Sie leben ein doppeltes Leben sozusagen. Manche von ihnen behaupten, daß wir Realisten an teilweiser Blindheit leiden und daher nur die Hälfte aller Erscheinungen zu sehen bekommen. Sie geben sogar so weit, zu sagen, daß keine große Begeben־ beit sich auf der Erde allein abspiele, daß vielmehr oben in den Lüften eine hohe, «lern gewöhnlichen Sterblichen unsichtbare Welt sich regt, die alles mitfühlt, ordnet und leitet, was da unten sich ent* wickelt. Sie nennen das die Dimension der Idee. Manchmal ist es, als ob man den Phantasten beistimmen sollte: besonders an Orten, an denen große Ereignisse gezeitigt wurden, ist man dazu leicht geneigt. Eine dumpfe Schwere legt sich da auf uns, es ist, als ob die Geister der Lüfte das Gemüt belasteten. Und aus diesem geheimnißvollen Druck heraus löst sich eine neue Kraft, ein kaltes 1 Schauen und Denken wird rege, ein helles Fühlen und zartes Emplimien erfrischt uns^ ein erhebendes Almen zieht uns hinan.!Wenn man vom Zionstor hinaufwandert, «len Hügel « mpor. festen Willens, zu sehen, zu schauen in sieh unterhalb um shch und oberhalb - d;mn führt Einen .«lie‘große Sehnsucht den recht m Weg in jene höh»*re Dimeiiduii. in die Weit der Geister, an die wir so ungern glauben. Tiefe Ruhe lagert über der Guttesstadt. Aus dem Dunkel des Abends drängt klares Mondenlicht, daß die Lüfte verklärt und die Gebäude ringsum in eine still«•, überirdische-Scl»ö11!1«Mt luncht!Die glatten Mauen! des Zionsklosters dehnen nnd!streckten sich «lie kleinen Kuppeln der Moschee Rebi Da«1d wölben sich ins Weite. Und das schlanke Minarel steigt durch den Dunst elypor. hinan zum Licht. Dort drinnen hat Christus niit seinen Jüngern das letzte Abendmahl genoss׳*» und unterhalb ruhen die Überreste Davids, des Psulmisien. «las Gebäude aber ist im Besitze der Moslem, die David als ihren Propheten verehren und Christus;«ls einen Fürs proeher bei Allah. ■ ’ Die übermenschlichen Geschehnisse des Platzes weiten den Ban vor dem geistigen Auge. Von der Erde znm Himmel steigt er. ein mächtiger, feierlich leuchtender ,Dom. Die Tore öffnen sich weit, wir schreiten empor und kommen in einen eine breite Treppe Nial, an dessen Wänden kostbare Teppiche hänge(!: trotzdem sie kaum bemerkt w injde. >־׳hr zahl-* reich. Es sind diejenigen. 1׳ «.* >t«1lz auf all,* Prinzipien pfeifen, «lie diesmal!gegen Uganda waren, weil die Lag«* im Zioni •nlus es ans«!!«-!- nend forderte nnd auch der 1» *rieht der Exp׳•- «lition die Kolonisierung dies» s Gebietes nicht zu empfehlen s«-hi»׳n. Es sind praktische Mensehen, die ihren Standpunkt licht lest zulegen wünschen, sondern ihn auch um d»m Um-tänden mitbestimmen lassen wollen. Auf di.* Frage, wie sie sich vorkommendenfail: später zu einem nicht-palästinensischen Projekt ertiaßen werden, verweigert diese Gruppe «lie Antwort, «ta sie rirh nicht hindeft will. Daß uitli diese somit einer Auslegung des Baseler P ogramms l>e«larf. ist gar keine Frage. Alle vier g, nannten (»nippen bedurften also einer Auslegung. keiner genügt«* mehr «ler bloße Wortlaut des Programmen. £«»ll. «*r ist für \Ve-enfiicl1st« 11׳t minder eine s* di*' eh»*-zugil>t. daß nnde!• Weg, lei nichts Dt. -n do;vh »•!1tii«־h«*n Unter- ^ejienX g»jwich *iipsiälte, weh-lje!«tnsisdo m «uJvr Territorium!>*•- w.*nn sie an, I! rl aiulen und ist Vor uns eine Schar von sc Isam auss».*i1en׳k־n Männern, «lie sich Alle tief v*-1 r»-ngen. Zw«-i *v»»n ihnen nähern siele Der■*Eine, umhüllt von h-stbaren Gewändern ans St*i«lc un»l ei! cm Oberroek aus Linnen, klug und vornehmen l klick es. «len wohl* gcpllegten langen s< hwarzen B; rt in zwei Spitzen geteilt, glänzen«! von Del und v׳!n Xar«fen duftend, der Andere weniger kostbar, nui in Seid«* gekleidet, in der Hand eine Rolle aus Perg unetif. Er verh.-ugt sich tiefer, da der Vornehme * pricht mul auf ihn «Hier Seraja. der Gehe« ns«d1reitX Majestät.! Er sei Ihnen rüg,-teilt da Sie unter uns weilen. Möge ׳ ihn als Kollegen zu betrachte«.* Seraja verbeugte sich iinm« 1 .Welche, Ehre tut Josaphat, seinem Kiwli) an!“ Josaphat ״stellte die übrigen Herren vor: . Seine Exzellenz Joab.‘ «ler Sohn Z« rnja- der Kriegsminislc'r Seiner Majestät.* J . Das war ein Mann in kun^m Kleide, ringsum von S< hildwerk gehalten, «las Besicht g»*rötet. die Nase gestülpt, der Bart struppig und fliegcli«]. Der grimmig* Herr verbeugt־-׳ sich j kurz und wandte sich rasch ab, daß sein Wehrg« hänge rasselte. «Ihre. Eminenzen Zadök uml Adiimeleeh. Priester des Herrn. Herr Ubers; Benaja, Komma« während der Zeit, es Ihnen, belieben. r tiefer und tiefer, der groß«• Kanzler dunt des Leibgarderegiments: Während ich die Verbeug ll«׳ n erwiderte xethi und Plethi. nt TTer־breitet d-exi. ־־3״ü.<5Ascl^er^ TT013sslcaa.e1a.ca.■ 3r“.