Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 16 (15.8.1905)
- Date
- 1905-08-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Jüdische Volksstimme UHU,״.( י״וי Seite 5 »ricrhisclien Denker, es waren auch nicht jene rul1ii-׳en Weisen, denen die Verriclitung des staatlichen Tagewerkes oblag, wie die Mitglieder Ü,'s Sanhedrin: sondern Historiosophen, welche in ,teil Königen. Hohepriestern und Behörden nur Bläschen erblicken, die der Strom der Geschichte emporgeworfen. Historiosophen. welche!■ich zur Regulierung, ja zur machtvollen Lenkitng dieses Stromes berufen fühlten. Die innere Berufung allein gab die Macht uml das Recht als Prophet aufzutreten. .Wenn Jemand — sagt das jüdische Ge- _ der göttlichen Hilfe in so hohem Malle teilhaftig geworden, daß er durch dieselbe belebt und zu irgend einer großen und heroischen Tat getrieben wird und diesen Trieb in sich deutlich fühlt und wahrnimmt, so nennt man diese Gabe .den Geist des Herrn־ und von dem Menschen, der mit dieser Fähigkeit ausgestattet ist. sagt man, daß der Geist des Herrn in ihn -,1',ihren sei oder daß er über ihm ruhe.*) r .Wer uns als Prophet auferstanden und verkündet, daß der Herr ihn geschickt, von dem j,raucht kein Zeichen verlangt zu werden, wdrhes den Zeichen Mosis oder den Wundern Kiialis ähnlich wäre.‘**) Wir haben also keine Wundertäter in den Propheten zu erblicken, sondern Männer von überlegenem politischen Blick und hoher moralischen Reinheit, vor deren Geiste die Zustände ihrer Zeit mit denen früherer Epochen in klaren ursächlichen Zusammenhang traten, welche die künftigen Zustände als Folgen des 1,’enehmens der entscheidenden Faktoren voran.-sahen und welche in voller Unabhängigkeit die Behörden beurteilten. Das ist der Geist dieser Institution, ln den Propheten fand das Prinzip der unablässigen Kontrolle aller die praktische Macht ausübenden Gewalten seine trefflichsten Vertreter: sie waren zugleich der treibende Faktor, welcher einen -teten Fortschritt der Gesetzgebung und Verfa-sung erzeugte. ■ Aus dem freiheitlichen Charakter der jüdischen Verfassung, welche die Individualität schützte und nicht die materielle Macht, sondern den Geist zu höchst stellte, folgte es konsequent, daß den' berufensten Individuen die unabhängigste Stellung und die höchste Freiheit der Meinungsäußerung eingoräumt wurde. Das Prophetentum ist die edelste Verkörperung der Eigenart des jüdischen Volksgonius. es ist die höchste Schöpfung des jüdischen Nalioualgeistes auf politischem Gebiete. Wenn wir uns innerhalb der modernen Kultur nach einem Elemente, umschauen, dessen Stellung und Aufgabe eine gewiss» Analogie mit denen des Prophetcntums aufwiese, so linden wir nur die Journalistik. Aber die mo- ,lerne Journalistik verhält sich zu dieser grandi- ,,->■» politischen Institution etwa so. wie der triviale irdische Abklatsch zu den großen, reinen I rwesen. welche Plato Ideen nannte. Tische b’ A\v. Von L u d w i ff A u £ u מ t Frankl. Wie peht da» lu, <Ufj dt« heilige Stadt zur Buhlerin gewurdeu ist? Jaaaia. 4 31. Ml schüttle ah den Staub von meinen Schuhen! ml pil^r’re fori aus der Verheißung Land, Vom Hoden fort, in dem Propheten ruhen. In Opferglut Jehovas Altar stand. .Wer weilen dürfte an der heil’gen Stellen!“ War meiner Jugend Wunsch und früher Traum: Ks sehnt der Hirsch nach frischen Wasserquellen, Wie nach Jerusalem mein Herz, sich kaum! t י lütt’ ich niemals deinen Grund betreten l'nd dich geschaut nur mit der Sehnsucht Blick! Was führte, eüDst’ger mir als dem Propheten, Mich’ in das Land der Väter das Geschick? Gehalk von Zedern sah ich stolz sich lieben, Musik der Psalmen tönte wunderbai, Und schöner als es jemals war im Leben, ln Glorien stellte sich dein Bild mir dar! Ich kam, o nur die Berge sind gebliebefi. /u Gräbern ausgehöhlt bis hoc^i empor, Drin ruh n. vom Zorn Jehovas aufgerieben. Sein Volk, die Könige, der Priester Chor. Wo sind die Psalmen, wo die duft'gen Blumen? Und der so lang nm * Zions Fall geweint. Und Spiegel war von seinen Heiligtum»*«!, Der Kidrn seihst, er ist versiegt, versteint. Unsterblicher Genoß! dein muß ich derken,*) Don auch hierliier geführt der Sehnsueh I Pein. Mit Trane«! diesen heil’gen Staub zu trinken. Ans Herz zif drucken seihst den toten Stein. Wie-eine Harfe^in des Sängers Händer. In Sehnsucht zitterte, wie mir. dein H«rz. W eim Königskronen sich ums Haupt d r wänden. Du Wurdest sie hinschlendem hier im Schmerz. I ndj als du sahst die Hunde hier zerfl?ischen Deiq Volk, den edlen, königlichen Leu ו Als du gehört die Brut der Raben kre sehen. Die Adle? zu verzehren sieh nicht sein n'n. Da iahen Zorn und Gram dein H׳tz »ezwungen. Und auf Ruinen weinend vor den! To . Has du dein schönstes, ew’gos Lied;:esungen. Es!rach wie Wasser aus »1cm Fels 1: error. Rundschau. und der Die andauernden Kämpfe zwi eben Türken Arabern haben die jüdisch« n Bewohner südarabischen Landschaft J, mdn. deren Zahl an 35.000 betragen mag. in die] äußerste Xot gebracht. In ihrer Niedrigkeit und Schwäche sind sie der Willkür der beiden kriegführenden Parteien schutzlos preisgegeben. Gegen 15.000 Juden — wohl eine Uebertreibung — sollen bereits dem Hunger zum Opfer jefallen sehe Besonders schwer wurden die Jude! der Hauptstadt Sanaa. die von den aufrührerischen Ara■ hem besetzt gehalten wird, betroffen suchen quer durch die Wüste di Ein' Reiter sprengte da von Zion 111011 ■r Und warf die Lanze funkelnd dir ins Herz. l"m auf den Lippen noeil das Lied der Lieder Ver;ing dein Geist in wehem Doppels Innerz. Gleicht auch mein Lied nielit deiner Zionide. Jnd 1 Halevi hieß mein Vater auch. Um Zions Untergang im Klageliede | Besing* tnu-li ich. umweht vom’GrälieHiauch. 1 | Docht, iminen Namen nennet ein Jahrhundert Deii andern nicht. w ie deinen stolzes Ruhm. Warum traf mieli. wenn niehl gleich dir bewundert. Auf Zi,«s Srhntt ein grüß'res Martyrium':* Ein Lmzenstoß trat dir das Herz dnichhstoi hen. Mir gingen lausend durch die Seele hier: Ein fremder Feind trat dir das Herz gebrochen. Der Stam1ngeno.se und der Bruder mir!- Du Gtückliehcr! Vorn Feind sah'st da getreten Dein V)dk : ich aber, w ie es seihst sieh schlägt. Und in der Stadt des Herrn und dey Propheten Z1U Sellal! die geistigen Ruiu'-n trägt. ZeFhroi h'm■ Säulen und gehörst'!!׳■ «Juadem. *) Maimonides: ״Moreh Nebuchim* II XLV. *ר -Jad Haehazakach“ (De fundamentis legis, C, X. | 1). ml sie wert noch, denen Gott gegrollt, tem. der um sie weint, ni' ht in den Adern Der warme Strom der erbten Liehe rollt 1־ Sie kommen, in Jerusalem zu Stert»jn Und aiiszuriih'n im Tale Josaphat Es starl» auch mein Herz, als ich diesen Erben Von Gelles heil'gem Königreich genaht. Ich sah auch sie. die neuen Ziensw ichter. Den Reigen tanzen um das gold'ne Kalb. Von Israel verachtete Verächter. Sind halb des Glaubens sie. des Wghnes halb. Jehovas Witwe seit uralten Tagen. Legt sie den Schleier ah, getröstet;rlionV Seli' ich das Heiligste zu Markt sie tragen. Scheint sie vielmehr das. \\ eit» von Babylon! Doch ist der Tempel Gottes nicht lhelir deiner. Diu weine nicht, inein \ olk. an seiner W and - ä^ird!doch in ihm verehrt, wie einst, nur Einer, Unsichtbar der Welten Kreise spannt. 11 schüttle ah den Staub von meinen Schuhen d pilg’re fort aus der Verheißung Land \4>m Boden fort, wo die Propheten, ruhen, li Opferglut Jehovas Altar stand. "! •) JudaHalevi, der berühmteste spanich-hebriusche Dichter, wurde vor den Toren Jerus^lemssgetötet idll ׳,in sie Hafenstadt Aden zu erreichen. Viele von i inen erliegen den Anstrengungen des Weges. Uis jetzt sind mehr als 2000 Jemeniten in Adel ei igetroflen und bemühen sich um Reisegele ren!eit nach Ägypten*. Die ersten' 30 haben 1 ne» erreicht. Die herrschende Ansicht bei den Juden Agvptens geht dahin, daß es verhängnisvoll wäre, den Strom der Flüchtlinge nach d« m armen Palästina zu lönken. daß man viel nehr den Versuch machen müsse, sie in A rypten unterzubringen. Jedoch werden die ä; ryptiscliin Juden nicht die ganze Last de■ Kosten des Transports von Suez aus und d *s ו orläufigen Unterlialtes zu tragen vermögen. Di > Alliamte Israelife Universelle hat den l irel tor •iliriir Schule in Cairo mit der Bildm g von HiltT komitees. in Alexandrien und ״!in betraut und ihm fürs erste 2000 Frau ,en zuf Verfügung gestellt. Juden als Ersatz für Neger] Di > zwischen dem zwanzigsten und fünfundzwanzig;steil Grad südlicher Breite gelegene brasifianisc!e Provinz Sao Paulo zählt bei einem Umtang 1 so groß wie das deutsche Reich nur |21/« .Millionen Einwohner, von denen 1 Millio 1 Weißeder Rest Neger sind. Seit der erlslgt.-n Negeremanzipation herrscht in Sao Pa 110 großer Arheitermangel und alle Bemühung en > er dortigen Plantagenbesitzer, weiß,■ Arbeiteii s Land zu locken, sind bislier völlig gesell« iter. Die italienische Regierung verbietet ihr tut Untertanen die Auswanderung nach Brasil! ■n lund selbst die sprach- und stammverwandten Purtngiesen dürfen nicht in das La, ,1 Jes gell»-״ Fiebers. 111 ihrer Not verfielen nun die ehemaligen Sklavenhalter auf die luden und in Herr, der sich Professor August Romas nennt, sitzt gegenwärtig im brasilianischen Konsulat zu London, von w,1 aus er das gesamte Whitechapel mit Bildern. Brosch treu und Flugschritten überschwemmt. 111 duisellien wird verkündet, daß die hrjtsilianis •In: Regierung eine große Vorbei»? tf!r die irmt-n. überall verfolgten Juden liegt und gern bereit ist. für dieselben die Ueborfalirtskosteii nach Sao Paulo zu bezahlen. Nach erfolgter Lai 1! 1 ךg stellt es jedem Immigranten frei, auf einei Ka)ie«»ph1ntage zu arbeiten. Der Bericht verseil veijjt aber, daß die großmütige brasilianische Uegierung wohl die Hinfahrt, aller nicht die Hü Jtfafirt bezahlt. Ferner wird stillschweigend 11b< r d|e Tatsache hinweggeglitteii. daß in SH» Pa ilo?ine andere Beschäftigung als Sklavenarbeiten auf Plantagen überhaupt nicht zu linden ist. E: ist nur ein Beweis dafür, daß der stets reisein ■tig* und immer auf der Flucht vor seinen Verfolgen sich botiudende russische Jude leider auch inLnndon nicht seßhaft geworden ist. wenn der. Lusv{־a11derungsagent, Professor August Roma!. bereits nielit weniger als 1000 Juden in still e■ Netze fangen konnte. Er verspricht ihnen leie 1te . trbeit. hohe Löhne, eigene Wohnung nebst Garten. Wenn sie durch ihre durchaus freie Arlieit in den Plantagen . sich etwas Geld * erd ent haben, können sie selber Pflanzer wer len. 400 solche Leichtgläubige haben sich muimetr nach der Höhle des Löwen, welche wob eiren Eingang, aber keinen Ausgang hat, singeschit l. Der Agent gedenkt nun. sieh nach Rußland m begeben, um daselbst den Fischfang Engeos : n betreiben. ige 1 Glaubens-! in d e Geschichte rrinr ern. welche na! h Sao Paulo lies, r erfahrenen lahr! am gelben Rest durch die in fihre Heimat Hoffentlich werden unsere doi genossen sich noch rechtzeitig der 500 polnischen Bauern e vor Jahren sich verleiten ließen, auszuwandem. Der größte Teil Landarbeiter ging im ersten Fieber zugrunde, während der polnische Rettungsgesellschafl zurückgebracht werden könnt«. Gedenket des jüdischen Nationalfondes!