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Jüdische Volksstimme · 1905-07-01 · 13 (1.7.1905) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
VI (1905)
Issue
13 (1.7.1905)
Date
1905-07-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Jüdische Volksstimme ־11<,״ wieder die Stimmen? auf das ,jüdische Milieu“ znrückbrachten.111 ׳ das fügte sich so harmonisch eine sehr geei;nete Vorlesung von Brecher aus Herzls ,Neu!5 Ghetto“, 4. Akt und ,eine jüdische Hochzeit“ von York-Steiner. 11ns waren doch ganz andere Themen, als sonst |»-i Kommersen zum Gegenstand der Besprecliiing genommen, das war eben ein jüdischnationaler Kommers. Möchten doch die Antizionisten, die Assimil inten tleißig solche jüdisch-nationale Kommers; besuchen. Sie würden bald die Überzeugt ng gewinnen: Der A-similationsgedanle ist auf den Aussterbeetat geset,! t. Mögen die Alten und die. Alteren noch so s >hr dafür schwärmen, noch so sehr dafür Propaganda machen, er verfängt bei der Jugend nic|1t mehr. Die Allerwcllsmenschen, die Kosmopoliten sind rückständig geworden und alle diejenigen, die sich dafür einsetzen, sind die Reaktionären, die lioinantiker, die eine abgetane Zeit, abgetane Ideen mit einer unbegrei liehen Hartnäckigkeit der Jugend aufzwingen wollen. Die Jugend läßt -ich nichts aufzwingen, wofür sie nicht Gefühl und Verständnis hat und sich nicht begeistern kann. Der moderne Geisl, der Fortschritt in der Gegenwart ist da! Nationalitätenprinzip. Dessen hat sich die Jugend bemach-: ligt und hält es mit der ganzen unbezwing-i hären Macht der kräftigten Jugend lest und; weiß: Nationalität ist mir die eigene, n cht eine fremde Nationalität. Ein jüdischer! Student kann nur-! jjüdisch-nat ional i - e i 11, jede andere Nationalität ist ihm unwahr. .1 heuchelt und die .Studentenohre, die Burschen- ■ .•luv verlangt von ihm. wa 11 r zu sein. Kleid; lind Gesinnung müssen dasselbe sein; daaiin muß der jüdische Studen( jüdisch-national sein. ׳ Das bringt ihm Achturig und Ehre bei den .mdern studentischen Kohiorationen. Die jüdisch-nationalen Studenten haben j den Flügelschlag der Zeit erlauscht und ihn er-; läßt und beginnen nun an der Spitze ihres Volkes den Flug in die Zukunft des jüdischen, Volkes, sie sind die wa Ilsen Fortschrittler.; denn wer dem Geist der Zeit den eigenen aufauclj deutsche Hochschulen aufsuchen, ist begreiflich. da sie die andere Landessprache gar nicht oder nur in zu geringem Teile beherrschen. Nun gibt es aber in Mähren eine splir große Zahl jüdischer Studenten, die, nachdem sie die tschechische Mittelschule absolviert haben, die Wiener Universität beziehen. Man würde sich gewaltig täuschen, wenn man annähtne. daß hier nationale Momente im Spiele sinn. Keineswegs, rein praktische und materielle. Pra [tische; da man in der Provinz noch immer die Glorie um das Haupt der ,Universitas R11dolphina“ schweben sieht. Die Warnen der \\ ii ner Professoren sind in Mähren geläufiger als die der Prager Professoren. Keih zu untersch Uzendes Moment sind die materiellen Gründe. Die mährisch-jüdischen Studenten haben in Wien vielfach Verwandte und Bekannte, die ihn >n ermöglichen. Lektionen zu linden. Währeu 11 ihnen auf diese Weise in Wien materielle 801 gen erspart bleiben, hätten sie in Prag, wo sie ganz fremd sind, mit materiellen Sorgen zu kämpfen. Nun. so die mährischen Universitäten erric riet werden.!71111 der letzte Gru 1 terjelle Moment, weg. Was werden ul. das manun unsere Absolventen tsehechiligen .alma Milch gibt, iuskrihieren. ihre eigenen der Zeit u'11 d 1 ä ß t c 11. die Zurückbleiben, •liwiiideii. Aus diesen־: drückt, *der geht mit die andern hinter s verloren gehen und vers 1 o finden möchte ich mir( von den griesgrämigen Ernsten mit den Köpfen] voll schwerer Sorgen | für die Gegenwart und, großer Hüne für die! Zukunft nicht schmälern lassen. Laßt mir meine zionistische Jugend ungeschoren, laßt nur sie. | wie sie ist, mit den farbigen Bändern, mit den bunten Kappen, mit den Schlägern, mit dem Trinkkomment und mit Ihren Kontrahagen. Die .lugend muß ihre Jugend haben, sie kann und darf nicht mit der sorgengcfftrchten Stirn des Alters einhergehen. Die Jugend muß auch ihre Eitelkeit, ihre Kindereien, ihre — sagen wir — leeren Formen und ihre! Schmisse haben, sonst wäre sie nicht Jugend, nicht unsere nationale tilgend. Unsere alte und älteste Jugend war ja ¬ס ernst. n;u.׳l1 Bücherwürmern und Uüclierstaiib! riechend, ohne jeden Schläger." aber außer auf; dein Gebiete des Geiste]! stets geschlagen. Sie soll auch schlagen und wissen .Ehre duldet keinen Schlag und läßt sich nicht schlagen1)1111 ־! wird ihr das etwas schaff in die glatten Wangen! und an die schöne Stirne geschrielien, so gibt, ihr das ein erhebende; Bewußtsein, das sind J11 den st reiche, so führt sie die jüdischnationale Klinge. Der jüdisch-nationale Student “oll in gewissem Sinn! den Andersnationalen gleichen, kommt Zeit, ca ist er ein alter Herr, aber bleibt ein nationale ־. und das jüdische Herz, das ihm als jüdisch-nationaler Student im Leibe geschlagen, schlägt weiter mit jugendlichem Mute und erzieht eine lugend, die nimmer ein anderes Ideal sehen 1 nd erstreben wird als unter jüdisch-nationalen Zeichen zu studieren, zu lelien. zu streben und za wirken für eine jüdische Nation, für e i n j ü d i s c 11-11 a t i onales Volkstum, für das ihm das Herz aufgetan der jüd 111 e r s. Zur mährischen Die Tatsache der versitüten in Mähren, tschechischen, ist gewil > Mähren wird nun vc welcher ,alma mater soll. Daß die Absolventen - c 11-n a t i o 11 a 1 e K o m- K. ->- Universitätsfrage. Errichtung zweier Uni- 4ine<• deutschen und einer!. Der jüdische Student in die Frage gestellt, an Brüste er sich werfen deutscher Mittelschulen m? hrischen Studenten sei er Gymnasien, tun? Sie werden die Brüste derje m« ter* erfassen, die ihnen mein Sii werden «in derjenigen Universität die ihnen mehr bietet. Sie würden Feind(.״ sein, wenn sie sieh von nationalen und ni־׳ht rein praktischen und wissenschaftlichen Momenten leiten Hellen. Wenn die' Universität den wissenschaftlichen!Forderungen entsprechen wird, wird sie selbstverständlich \■( n d^n mährisch-jüdischen SUuleinten. die der In hmischen Sprache mächtig sind, aufgesucht werden.. Das wird umsomehr geschehen, als mm innen dort ihr j1"uli!M»-nat10tb\h״s Bewußtsein nicht rauben wirdi Ich glaube diese meine Hbtlining anssprechen in können.(da die realistische Partei, die in Mähren grolle Dimensionen mfnimmt. die jüdische Nationalität anerkennt. Es sei mir noch eine Bemerkung gestattet, d e die jüdischen Studenten speziell nicht tangiert. Es herrscht ein Streit über den Ort der Gehe«bischen Universität. Die Deutschen verwahren sieh dagegen, daß die tschechische Universität• in Brünn oder olmütz erbaut werde, d ■1m dort könnte sie zu polit'isclien Agitations- 7. verkeil dienen. Daß sie aber in;einer anderen Stadt allen anderen, nur nicht, Wissenschaftliehen Forderungen entsprechen1 würde, daß vergessen sie, oder wollen sie vergessen. Für eine Universität ist vor allem eine große Bihiinthek notwendig, wie wir sie hn Brünn und Olmütz linden. Mir find solche Bibliotheken in anderen Städten Mährens nicht bekannt. Ohne t«11e solche Bibliothek läßt sich wissenschaftlich nicht arbeiten, denn die Zahl der Professoren genügt nie. Die Professoren können nie das ganz»* Pensum ihrer Disziplin dmvlmehmen und da nuiß der gewissenhafte Student seine Lücken durejh Selbststudium ansfüllen. Wie man sich die Existenz (-hier philosophischen Fakultät ohne große Bibliothek vorstellt, i-t mir unbegreillich. Und eine Bibliothek anzuschatTen. die den l>c- Teils bestehenden gleiche'. obte Sache der Unmöglichkeit. Wird die Negierung objektiv Vorgehen und wird sie sich nicht nur von politischen. sondern auch von wissenschaftlichen Prinzipien leiten lassen, daun wird sie eine Universität nach Brünn, die andere nach Olmütz bestimmen. —r—th. der Leichnam des Vaters im ScHuldfturm verfaulen. Der junge Uharolais urtteribandelt in einem Gasthause mit dem roten lltzi£. der zugleich der Bevollmächtigte der zwei anderen Gläubiger ist. Es ist hier am *utrftglichsten, wenn ich dem Dichter selbst das \Vort gebe; der Freund desjungen Grafen, Hauptmann Bomout meint, daß sie nicht Ein 3 und Namen verkaufen, nur damit der Jud“ zum Gelde komme. Darauf entgegnet Itzig: j Mei Geld könnt’s ihr gar nix zuri ck hur geben! Denn unseraner Geld, dos is nix cn res S An euem klebt manchmal man ■hmal« ־ der Sei weit. 1 Doch fmser’s trieft von unsern eig nen Blut, von Gift und Gail’ und Schand’ und Spott und * *Elehd Nachdem der herbe Ton nhiit Itilfl. bittet der Graf, dem es nicht leicht falp und sagt: .Du bist ein Jud zwar Du hist ja aber auch ein Mensch. Itzig: .Ein Mensch? wie ihr? seit wann hi 1 hl e Mens, h? Mei Lebtag hat man mich's nicht fühh n lassen. Daß ich e Mensch bin; heut’ grad soll ich's sein? Weil s euch so paßt? Und für die ftln ' Minuten. Die 's euch g'rad' paßt? Nein, heut wi lieh nicht! Xtjin! E Jud hin ich! Was wollt's ihr voh dun Jftden? denn etwas wollt’s ihr doch. 4־en1 ihr mir'so k« jniu ls! Nachdem auch dieser Vorstoß vom Juden Itzig zurückgeschlagen, meint d*r Graf. Itzig möge sich in diese trostlose Lag ׳ versetzen und an seinen Vater denken.!1)0111 der Jud erzählt ihm als Antwort den Htoryeakt sein Vaters: (Iran: --ich .Ich denk' ja schon die ganze Ze|t der freilich is verfault nix in e K.jrk! Die Stadt, wo er gehören war. d*^:lnjt viel kosten lassen seine LeiclicnfeiH Vor Sonnenaufgang war n schon ajusg׳ rückt Sohfaten. die Verein’, die Hmdersphat ׳ de ganze Gi-stli, hkeit! Was für eji» 1 hr das für e Juden ist. Der König sfljh« is dagesessen auf den große»! Platz, der ganze Hof — und alle*־ für Und läuten 1 iahen se lassen alle und mit die Fahnen simt.se vor vorbeigezog<i1: Nedey liam se nu gehalten, spanisch und lateinisch, den ganzen Tag — in Juli, wo , ham se dort ansgehalten auf den h den! 11,., Hei h 11n< cl Vattcr und aö«*s wegen meinen Vatferti am Al»end wie schon dunkel niit eig ner Hand hat angezind’t — wo dmiif mei Natter war. Li noch nix genug Ehr' war für mfaiei war len ham se begonnen schön zu sing 0. Hnd heiß 1> tz. de: Köni^ Holzstoß — d >4eil das all.-*- Natter. ihm zu Ehn*n anetj bemerkt hat: ו U.r Wiener Literatur-Brief. ' Von einem Drama eines jüdischen Dichters will ich vor allem berichten, das. wenn auch nur eine jüdische, doch dafür eine glanzvolle Szetie enthält. Ich meine Richard Beer-Ho ffman ns .Rote Itzig־-Szene des fünfaktigen Verstraiterspiels ,Der Graf von GharoiaJs־ *I und will in kurzen Worten die Vorgeschichte hiezu skizzieren: Der alle. Graf, ei» tapferer General ist im Feldzüge gestorben und hat außer seinem Ruhm und Namen dem Sohne nur immense Schulden hinterlassen, in welche sich drei Gläubiger, ein dicker Müller, ein salbungsvoller Paramentenmaeher und der rote Itzig teilen sollen. Nach dem damaligen Rechte (17. Jahrh.) muß im Falle der Xichttilgung der Schuld. Verlag 8. Fischer, Berlin. weil er doch Jud' war hai ihm vorgesungrn uns’re alten Pf »Im! 1 und ihm zu Ehren *unseren (Jottj geh iuh weiß nur nix. oh Denn da hat er schon aiigcfaugL zu ,brennen *von unten her und hat zu scitrdi'u begonnen, und *hat geschrien. ganz laut halt er geseliri-, n mei Vattcr! laut! und ich hab' ihn.gehört! 8chma Jisr,»el! \ Solchen Argumenten ist U*r (f!raf machtlos, er weist Itzig von sich, imi inu ,Geh, iyh habe Angst vor dir. 1 111 י> V? Itzig.der im BegiiNe ist die ^ren4 : besinnt sich norlk einmal und repliziert: pf! Me^,t > j .E böser Mensch!־ Und warm 1 soll ich sein e guter mit euch : jmj eiuz'gen Grund sagt s mir H weil überhaupt e jeder Mensel» zum andern? ja? Nehmt s er d heb**|ji. Herr Graf, mei Herz, was so zusamin' get mmpft ist von di.׳ gebrennten Leid, was man ihm angetan: steeht's mir die Augen aus, ui d gebt's mir and'ro. die nix entzindt noch sind von den Btfckel schneidt's mir w ihm zuruft k»r Mensch!־ zu verlass« ,!. Nu ן IT <;|־at'! Me^d > ilii. Soll gut sein er ducken hat gemußt sich voi d« andern : g?nts an'd're Fuß’ mir, die nix sind gew«.־sei1 ihr Lebtag mfid und immer ai f der Wander: schlagt's ein den Kopp. reißt: das Gehirn heraus, daß u;h vergessen kann: und ranz zuletzt vielen NVanen: der krumm is. sehneidt's mir die Adern auf mei Blut, damit nix von mei heraus läßt s rinnen Uatter. und mei Yatters Natter, und von : 11' die andern, ka Tropfen Bitt res. NVehes in mir _ bleibt Und wenn ihr alles das getan Hefr tlraf - Verbreitet die ,«Jüdische Volksstimme“.

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