Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- VI (1905)
- Issue
- 12 (15.6.1905)
- Date
- 1905-06-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Jüdische Volksstimme. 8 tite. 3 die Vollzahl ergänzen kann. Milglieder de« L.-K. und de« D.-K. Wien, können nicht Vorsitzende eines Zionistentagea sein, welchen sie Rechenschaft«- liericht zu erstatten haben. Den Sitz des L.-K. hestimmt der Zionistentag. doch können Mitglieder des L.-K. mit dem D.-K. an seinem Sitze nicht identisch sein. Aufgaben des I..-K. sind lediglich: -> Beaufsichtigung der D.-K. durch Hinweis auf Kongreßu. Zionistentagsbeschliisse und durch Abforderung von Rechensehafls- und Aufklärungsberichten, 1• Vertretung der Partei nach außen, <■! Vermittlung des Verkehrs zwischen den D-K. und den Organen des Kongresses. d) Zentralisierung der Sammlungen des jüdischen Xationalfondes, e) Vorbereitung des Zionistentages, /) Leitung der Kongreßwahlen. Ist ein Distrikt ohne D.-K. oder stellt dieses seine Tätigkeit ein, so hat das L.-K. für diesen Distrikt unverzüglich ein provisorisches D.-K. zur Fortführung der Geschäfte und schleunigster Kinberufung eines eventuell außerordentlichen Distriktstage« einzusetzen. Hauptaufgabe dieses Distriktstages ist die Wahl eines definitiven D.-K. Iler Antrag: ,Mitglieder zionistischer Orga• nisationen dürfen lremdnationalen Vereinen nicht a,!gehören" wurde abgelehnt. F ü r den Antrag stimmten: R. Beck. Rezek. Dr. Katlisch, Dr. Kronberger, (iewitsch, Dr. Zweig. Freud. Markus. Jak. Wertheimer, A. Geller. Wonderan. Viktor Koltn. Dr. Hilfstein, Ing. Leuchter, Klingenberger. H. Bergmann. Taubes, Schubert, Fr. Gehler. Oskar Bard, Ernst Gütig. Gegen den Antrag stimmten: Steiner. Frenkel. l’ropper, Jul. Löwy, Weleminskv. Karpeles. Liebmann. Dr. 8. Margulies, Redisch. Lud. Markus. H. Fischl, R. Markus. R. Kobler. Beutler. Dr. Hirsch. Dr. E. Margulies. Dr. Mahler. >!. Neubauer, J. Beer, Reichmann, Mor. Freud. Frau Robitschek. Frau Löwy. Nachmann. •Schwarz. Borges. B a rd erklärt den Barteitag als Vertretung des böhm. D.-K., die Mitglieder der anderen Landsmannschaften werden von der böhmischen ganz einfach majorisiert. er erhebe Brotes! gegen die Legalität des Parteitages. In seinen Ausführungen wird Bard unterbrochen, worauf er auf das Wort verzichtet. Dr. Kh,lisch als Generalredner pro erklärt die Nichtannahme dieses Passuses sei eine Schmach. Rezek erklärt den Parteitag für einen kläglichen. Von den Verhandlungen des Partei- Inges sind durch den Ort der Tagung desselben unsere östlichen Gesinnungsgenossen ganz ausgeschlossen. Es war ein Fehler des L.-K. den Parteitag nach Prag einzuberufen. Während der Abstimmung kam es zu stürmischen Szenen. Die Worte wie .böhmischer Zionismus“, ,deutschliberale und jungtscheehisehe Wahlmache“ erregten eine gewaltige Aufregung. Nur mit Mühe konnte der Vorsitzende die Ordnung aufrecht erhalten. Hugo Bergmann protestiert dagegen, dali map die Abstimmung über die Zugehörigkeit zu fremdnationalen Vereinen als böhmischen Zionismus ansehe. Redner protestiere gegen die Nichtannahme dieses Punktes. Dr. Wasehitz (westgalizisches D.-K.). Dr. Margulies (innerösterr. D.-K.). Julius Löwy (böhm. D.-K.) geben die Erklärung ab. dal! sie das L.-K. als Zentrale der österr. Bewegung betrachten. Dr. Margulies-Teplitz beantragt, dal! in das Organisationsstatut nur Fragen organisatorischen Charakters aufgenommen werden sollen. Wird mit 26 gegen 12 Stimmen angenommen. Es wurden hierauf folgende Vollzugsbe- Stimmungen angenommen: A. 1. Die Verwirklichung der These I. sowie der These II-, Absatz 1 und 2, ist sofort in Angriff zu nehmen. 2. These II., Absatz 3 und 4, und These III. treten mit der Beendigung des diesjährigen Kongrosses in Kraft. Doch hat im Jahre 1906 jedenfalls ein Zionistentag stattzufinden. 3. These IV., Absatz 1 und 2, tritt sofort in Kraft. . Eine fünfgliedrige Kommission, bestehend aus den Herren Er. Wellcminsky, Dr. Wasehitz, Dr. Margulies (Wien), Färber und Lüw haben diesem Zionistentage fünf in Wien domizilierende Gesinnungsgenossen für das Landeskomitee vorzuschlagen. 4. These IV., Absatz 3, Satz 1 tritt mit dem nächstjährigen Zionistentage in Kraft. 5. These IV., Absatz 3, Satz 2 und Absatz 4 und 5 treten sofort in Kraft. B. 1. Mit der Ausarbeitung eines detailierten Organisationsstatutes auf Grundlage der vom IV. österreichischen Zionistentage beschlossenen Thesen wird eine Kommission, bestehend ans den Herren Dr. Wasehitz aus Krakau, Dr. Margulies aus Wien, Dr. Krenberger aus Wien, Dr. Meisel aus Prag betraut, letzterer hat eineh vollständigen Entwurf auszuarbeiten und ihm den anderen Herren behufs Stellungnahme zu demselben bekannt zu geben. . 2- Die entgültige Beschlußfassung ii »er das detaillierte Organisationsstatut ist einer Landeskonferenz Vorbehalten, die im Monate ükto >er oder Xovember d. J. stattzufinden hat. An dieser Landeskonferenz haben dl s Recht teilzunehmen: a) Mit Sitz und Stimme: die Mitglieder c es L.-K. Jt 3 Mitglieder des Distriktskomitees und die österr.; Mitglieder des A K H Mit bloß beratender Stimme: die übrigen Mitglieder. Dr. Margulies beantragt die Herausgabe des stenographischen Protokolls über den hentigen Parteitag. Nach einer längeren'׳'!)!>},alte wegen :Bestreitung der Kosten, wurde der Antrag atigenommeii. Hierauf! wurden in das L.-K. gewählt: Dr. Krenlfergter. J. Gewitsch. N. Groll, Dr. Zweig, Drj Schmierer. Zu Punkt Innerpotitische Betätigung spradien: Dr. Zweig. Dr. M;1 rguIies-Wien und Dr. M a rguil ies-TepIrtzr Die Besolnlion von Dr. Margu Iies-Te[slitz wipF zur Grundlage der Debatte genommen. I m 1 2t I hr nachts sind 27 Redner vorgemerkt. Es wurde die Wahl Volt Generalrednerh beschlosst-,1. Es sprachen Dr- Kultisch, Freud — Dr. Wascliitz. Dr. Margulies-Teplitz. Die Abstimmung erfolgte um ty4ä dir nachts. 1 ,etraclitet der .jü- 30 Partei Bitwerks- Antrag Freud: Auf gar keine Besclilntifassung wird :;!)gelehnt. Dr. Margulies schlägt folgende Resolution vor: «Die österr. zionistische 'Partei Iist keine politische, das Bekenntnis steht jedem frei, jedoch darf nichts gegen das Basler Programm., gegen den fortschrittlichen Zionismus und (las jüdisclmationale Prinzip unternommen werden. Dem ll.-T. sielten darüber Beschlüsse tut.“ I. Punkt wird mit 25 Stimmen gegen 11 Stimme angenommen. 2. Punkt, anfangen von dein D.-T. wird mit 21 gegen 11 Stimmen angenommen. Der Antrag Dr. Kultisch: «Der Parteitag erklärt a)!durch Statistik die Lage und Zahl der Juden j festzustellen. b) ihr bisheriges Verlullten zu prüfen und politisch zu erzielten.־ wurde angenommen. Als nächster Ort des Parteitages wurde Krakau bestimmt. ” Aber auch die jüdischen Intel Aktuellen Rußlands scheinen auf auf einmal di, radikale Lösung der Judenfrage in Rußland erfunden zu halten. Sie gründen eine neue Ps rtei. Mit Respekt: eine Kanipfpartei. die ein 11 ettes Pro grainnt. das als -etwas ganz neues werden will, aufstellt: das Programm disclten demokratischen Partei“. ln ihrem Aufruf wendet sich di,: an «die jüdischen Intellektuellen. H; 1 meister und Gehilfen. Handelsangestel Ite. Kaufleute, an die ganze Masse der außer Klassen Stehenden (rasnotchinzi). an das arbeitende und ,lenkende Judentum“ itebufs Vereinigung und Schäftung einer eigenen dt'iiiokrutisclpvi Partei. Ihr Programm bestell! aus folgenden ■i Punkten: 1. Rürgerli,Tie Gteichlx reclitignn;. 1 2. Freiheit der Person mit all, 11 (liesbezügln heu Garantien. j! 3. Demokratische Staatsorganis. I!,(n (geheinn-s und allgemeines Wahlrecht etrihj ' 4. National-kulturelle Freiheit u> <1 religiöses Selhstliestimmungsreclit. I j «Unsere Forderungen werden in ihi־er allgemeinen Form auch von den andere nj l|art,׳i,׳n geteilt“ — fügt der Aufruf hinzu, als 01׳ er ,1,-11 Juden etwas mehr Mut und Selbs;vertivuun eintlüßen wollte.! 1 Nun aller, bekommen wir zu 161411. daß sogar manche Zionisten etwas stutz i Wer,!׳■]!. Und in der Presse wird auch mn tdjmal in einem Tone geschrieben, als 11b um jetzt d Not der russischen Juden ein Er,4׳ werden soll. Jedenfalls begegnen absurden Meinungen viel weniger in tischen Presse Rußlands, als in europas. *) Es bandelt sich also liier Klarheit zu schäften. Nun ist es war, daß Prop lr/teiumren in sozialen Dingen sehr schwer sind! Nicht einmal für die Anhänger der allein st ligjnacheiiden unzweifelhaft wissenschaftlichen «tnaterialistischen Geschiclitstheorie“ ist es lei, 11. Schreibt doch der kluge Eduard Bernstein, deiji die Ironie ziemlich gute Dienste leistet. in einem Artikel über die gegenwärtigen Evignisse in Rußland: «Nun. wenn die material!;tische Geschichtsauttassung, oder wie man di, Marx’sehe Gesehichtslehre sonst nennen will, ■venn diese evolutionistisch-organische Geschieht iuiitTassimg überhaupt einen Wert haben soll, P |m,1ß sie r [emacht vfir {solchen 1,4 zionisihr1 West- N6Ö6 HOffnnngeD — alte Enttänsclllinöfill. )gerade hier Sieb als Mittel einer Prjgrtose be- ~ ״י n*.‘,l,1>on *l I'nrt rliiol, ivlj־t*irr» VA1 1 lilhr Sil.itiL־ Dr. I). Pasmanik. Genf. Die rjtssischen Juden sprechen jetzt viel von einem herannabenden ,Frühling“. Je nach dem Temperament und der allgemeinen Weltansei bammg erwartet man Verbesserung der jetzigen Lage. Reftrmen, Gleichberechtigung, nationale Beeilte! Und seien wir ganz offen: nicht Woß die Assimilanten, sondern auch manche Sehekelzahler glauben, eine ganz neue Aera komme für die russischen Juden. Und mancher kleinbürgerliche Schekelzaliler, besonders aus dem Kaufmannsstande glaubt jetzt die radikale Lösung der Judenfrage — wenigstens in Rußland;— prophezeien zu dürfen. Es ist auch leicht begreiflich: für diese Sorte Leute ist die Lösujig der Judenfrage mit dein Rechte überall Handel treiben zu dürfen identisch. «Was willst du noch mehr, mein Liebchen!“ glauben viele dieser jüdischen Händler. Und auch die jüdischen Arbeiter sind voll frohen Mutes: jetzt nun —nach dem großen Kladderadatsch — wird die «Proletarisierung der jüdischen Masse“ unbehindert vor sich gehen und dann ... die Verbrüderung aller,Proletarier, es|lebe die Gleichheit und Brüderlichkeit. Und nicht bloß die bundislischen und assimilierten Arbeiter denken so: mancher der Poale-Zionisten spürt den Boden unter seinen Füßen wackeln. ,Wir sind ja Zionisten hauptsächlich, weil wir der l'eberzeugung sind, daß hier an Ort und Stelle die jüdische Masse keinbn Zutritt zur Großindustrie bat,“ schreibt mir {ein Poale-Zionist aus dem Süden Rußlands — wird aber auch in der Zukunft so sein■׳ Kapital ist international und bekümmert sich nie! t (?) um die Nationalität der von ihm ausgebeuteten Arbeiter. Und so wird — nach Erk impfung der Gleichberechtigung — der russische Kapitalist alle verwenden, die ihm ihre Arbeit anbieten, also auch den jüdischen Arb fiter.“ Als ob jetzt irgend wer oder was den russischen Kapitalist verbiete! jüdische Arb fiter anzustellen und zu exploitie:׳en? Darübor ein anderes Mal. währen.־ *) Und doch, indem er von!, ausgelil, versucht er die Komjx» künftigen Dynamik zu entdecken, wollen versuchen auf Grund des E und des schon Dagewesenen die Zukunft des russischen Judentums Vor allem: was können die Ja, en' von der rassischen Revolution in bürgerlicl -politischer Hinsicht erwarten? Wie war es in den anderen Lfi Ausnahme von Rumänien bekam,־! die Gleichberechtigung. Dabei alter Zwei Dinge nicht vergessen: 1. je Nation den Kampf um den Rechtss neu lutt, desto weniger demokratif!dt-r Statik Mellten der .Anteil wir djelftnlen absehbare zu! erraten. 'indem? Mit die Juden nässen wir später eitle aat l»'g(111- ., _ __ eil fiel der letztere aus. Die Revolution FranTnjichs war radikaler, als die Italiens, die Reiolütion der letzteren war radikaler als die D mts,■liland- und diese wieder war demokratis, tnjr als die Oesterreichs. Selbstverständlich 11a h,*1 wir da im Sinne nicht die markanten Date 11 [des Au« braches der Revolutionen, sondert ihren tat- Achliciten Beginn. Es ist kein Zufall: [je.länger die Autokratie in die neue Zeit hii eitiwuclisen durfte, desto elastischer wurde sie. desto mehr ) Als einer dieser theoretischen Juc otinotvernieh- ' ter ist auch wohl Herr B. Feiwel. d«r behauptete, daß ,dis Revolution in Rußland, ja se!b$t nur eine teilweise Reform, wie sie sicher in at sehbarer Zeit zu erwarten ist, den Juden das Maß der Freizügigkeit geben wird, das ihnen, nehmen wir an iescheideno Entfaltungsmöglichkeit in dem gesund( len Riesen• reiche geben wird. Damit wird die Emigr iti^n zu Ende sein." Wir haben schon an anderer St »Np diese Behauptung einer Kritik unterzogen, ln 80 »er Erwiederung hat Herr Feiwel den Rückzug־ angetbeten. *Oh die Emigration selbst in Rußland.** sehr« ib| er ■da, ,im Kalle einer geänderten Verfassung zun kommen wird?" Ja diese Frage hält er soits zu kompliziert, andererseits zu sek r kunft bedingt, als daß ich mir mit oder mit einem Rechenexempel ein für alle absehbare Zeit gestalten möchtd.- man aber nicht einen so ajKxiiktisch kl e wie *Damit wird die Emigration zu Ei:י stellen. *) Sozialistische Monatshefte. 1905, 4, S. L91., Mills lande für eineron der Zu n Sätzen hes Urteil Dann darf den Satz. Verlanget in Gast- und Kaffeehäusern die ״Jüdische Volksstimme“.