Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 24 (15.12.1904)
- Date
- 1904-12-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 24 Jüdische SoHtftiwint Seite 3 Einheitlichkeit des Volksratcs äußerlich schon zutage trete, indem vielleicht alle seine Mitglieder an Mehr^itrbeschlüssc bedingungslos gebunden wären. Zureden besänftig,. die Hossnung auf Wiedergcncfung?? '״e völlig- Unabhängigkeit der Bcichlüsse zu! gesteigert und so der Hcilverla F befördert. Mitglieder der Partei von j Bis vor wenigen Jahren standen Yen jüdischen der Mahlbarkeit auszu,chal>cn. welche der Leitung > kranken nur christliche Pflegerinnen zur Veriügunq irgend einer .grakt.ou angehoren. und d.e T-ilnLre an, Pflegerinnendernf war «u? Menu ich nun von anderen Abänderungen' de» Christinncilniöglich; denn die religiösen Pflege- , . i-tgaiiliationr.Ltatuler. deren er bedarf, ab-, qenosfenichaften, mögen cs katholische oder'protesehe und »ur dle,c wichtigste m Betracht ziehe, l iiantiichc sein, bilden nur An-phorigr der eigenen Konfession aus, und die gerin verhindern die Angst des SchnKskranken nnd denken wir uns ein altes Fräulein, dar sonst stieldie Sorge der Seinigen werden durch ihr tröstendes l~י. ״*--- — ‘־‘־-:— ---- des und mußte es beiläufig folgende Fassung erhalten: §21. In dem Janie, in welchem der große Kongreß ausjällt, findet/die Jahrcrkonscrcnz statt. An dieser beteiligen fi! 1. Tic Mitglieds des engeren Aktionskomitees, der Bolksratcs jtftc die Vertreter der Landes-Lrganijauonen, -töclche . das große Aktionskomitee bilden. Sonst bliebe die alte Fassung. > 23. Tic Erekntiv Siganc der Kongresses find: I Für administrative und organisatorische Angelegenheiten dar von .demselben für dis zun, nächsten .stongrcsfe gewählte k>milec. Sonst die alte Fassung aus. und die weltlichen Krankenpflege rinnenvcreinc verlangen icilwcis in ihren Ausnahmebedingungen das Tauszeugnis oder beschränken doch, wo sie dar nicht tun, die Ausnahme tatsächlich aus christliche Bewerberinnen. Man könnte nun ein wenden,-Laß ei» Bedüejnis nach jüdischen Pflegerinnen nabt vorlicgt. weil die Fuden im Krankheitsfall von de» bereits bestehenden Vereinen aufs bereitwilligste Pflegerinnen erhalten. Zugestanden — dgch mit einer Einichränkungl Er gilt da» bloß von der gegen Entgelt ge die Zeit leisteten Krankenpflege. ' ' ' . . Aknonr ן In der Armenpflege dagegen zeigt Notwendigkeit jüdischer .Krankenpflegerinnen leicht gar nicht Diel' aus religiös Tinge gab, aber jetzt in der Verein amung und bei den kor lichen Schmerzen, die eine langwährendc Kranlhen veruriacht. seine Gedanken» wieder aus religiöse ' blcme lenkt und alle Eüinncrungen aus dem Eltiir»- bau» oder aus der Schi ile auffrischi. Wird sich oieie Kranke einer Jüdin ge! cnüdsk nicht viel eher st«r Aus'prache entschließen c lr.b.a einer Andersgläubig und wird die Jüdin ihr:m Gedankellgang nicht > folgen könne»? Man vergesse and nich:. Laß die!üblichen Krankenhäu'er in Teutil stand Icilweifc noch aus die Tienste von Wärterinnen angewiesen sind! Ls bedeutet zweifelsohne e!wn außerordentlichen Fortschritt, wenn eiiimal al c dicie Krankenhäuser, ihre sämtlichen Kranken dar« jüdische Schwestern uerpflegen lassen können, >ic in erster Linie um der Liede und nich: um des ärwerhes willen :die Arteu verrichten. j— llni) wenn dar Alle! nicht wäre, soll denn ha» udcnlum,. das ionst in alle» Merken der Bar»-- Kongreß. Für Angelegenheiten, d.e dem Aktionskomitec unterstehen, hat dieses im Einvernehmen mit dem' Volksrat die Rcjcrenten zu bestimmen. § 2ti. Tein Volksrate, der höchstens aus 23 Mitgliedern besteht, gehören an: 5^ >oa:1 sich die j Herzigkeit ein glänzendes! Beiwiel gibt, sich gcrhdr .. - ■ . , .-,.-.r...n.icn am jdiese Art der w.rklälig n' Nächstenliebe entgehe« — 1)Ur politiichc Angelegenheiten, für Fragen deutlichsten Tie nichtkonfesiioncllen Verbände mögen! lassen? Sollen wir nich: bestrebt icin. das Gtzte. prvgraiiimallicher Bedeutung der Volksrat. Ten, sich rühmen, in vielen Stücken dasselbe zu leisten I welches unsere Kranken .durch die lieb,volle Pflege Kongreste steht cs zu dem Aktionskomitee oder! tote die religiösen, sie könne» aus die ruhmvolle 1 andersgläubiger Krankei schwemm^ schon oftmals dem Volksrat konkrete Autgaben zuzuweisen. i Geschichte ihres uneigennützigen Wirkens im Kriege j erfahren haben, dadurch Fr vergelten, daß recht viele ׳.rach dem bisherigen 8 24 wäre ein neuer!mit Stolz Hinweisen, aber eines maß jcdemann za-! jüdische Frauen die>en' egensreichen Tienst >ede» Paraqniph klnzuichleden. Ateier wüide lauten: »geben: in -bei Ärmenvilege Iciiten sie ipenitj unb' § 23. Ter Volksrat leitet die ihm in; 241 werden sie stets nur wenig leisten, zugewieiencn Angelegenheiten, hat die diesbezüg s Tie Vereine zur Pflege armer Wöchnerinnen lichen «ongreßbeschlusse durchzusührcn und dem!nehme ich ausdrücklich aus:' hier leistet die private Kongresse, bezieh!,ngseve,je/,n der Jahreskonserenz Wohltätigkeit im Gegenteil viel mehr als dis religiöse. Bericht zu erstatten. Ihm obliegt ferner, im Ein- - Wie aber üben die religiö-en Psiegegenoiienichaivernehmen mit den, Aktionskomitee!..die vor-Fe» die Armenpflege aus? lausige ,gestsetzung der Tagesordnung des Kon- Ter Theorie nach ohne jede Rücksicht aus das gresser: 2. die Bestellung von Referenten sür den Bekenntnis des Bedürftigen und in Wirklichkeit, : soweit es in ihren Kräften steht, dieicm Gründiatz entsprechend. Aber es fleht eben nicht in ihre» Krästen. weil die Ansprüche zu groß sind, und des-! halb sorgen die katholischen Schweiternhäuier ui . erster Linie sür die kathöliichen und die Tiakonifieu- 1. der Aussichtsrat des J.-E-T.; ' - Häuser vorzugsweise sür die protestantische:, Kranken. 2. die Leitung des Nationalsondcs: j Mer aber geht zu den jüdischen Armen, wenn die 3. - der Konzrcßpräsidcnt:;t)T0t1'itanti<$e und die katholische S-Hwcster ihre > eigenen Glaubensgcnofien wegen Arbeiisuberbürdung Tauer von 2 Jahren gewählte - »j^ht befriedigen können? Ist oa nicht ein weites ' Feld für die jadiiche Schwester, wenigstens :n den des Bolksratcs durjen »chtl großen Städten? Und noch eins! Tie Armenichwester ist nicht eventuell 4. aus die Mitglieder. Tic Mitglieder der Leitung einer Fraktion angehörcn. 27. Bei Kompetcnzkonslikten zwischen Volks-!bloß Krankenpflegerin, sie ist auch ein tzSlück Farat und Aktionskomitee entscheidet das Kongreßgeeicht. Tas wären die, meiner Ansicht rach, wichtigslc» Aenderungcn. Der Volksrat. der nicht ständig beisammen sein ׳ müßte, da ja seine A gäbe nicht lausende Angelegenheiten sind, könßie , aus Männern bestehen, die in vcijchicdentn Slädi cn wohnen und wir wären der Notwendigkeit e 1thoben, unsere Arbeiter eventuell aus ihrem Bcriise zu reißen, während dagegen das enger» Aktion-: komitee. das mit der Lrganiiation jo vertraut |>t. milienmutter. Wenn in einer armsn Familie die Mutkler krank ist» daun ist eine Krankenschwester, die ihren Berns recht ausfaßt. die beste Helferin. Sie versiegt die Kranke, sic sorgt dafür, Saß der Mann, wenn er von der Arbeit beimkomml, eine ivarmc Stube und etwas, zu essen findet, sie zieht die Kinder an, schickt sie in die Schule und bringt! sie zu Belt, versorgt auch die Kleinen und schasst Srdnung und Sauberkeit im Zimmer. Tas alles kann natürlich auch eine christliche Schwester. Aber zu cillcdcm braucht man die weitere Unterstützung wie sonst niemand, die Leitung derselbe» behielte.! wohltätiger Menschen, man brauch: Holz. Kohlen. Ich verhehle Mir Nicht, daß cs eine bei weitem. Nahrungsmittel und auch bares Geld. ES zu׳ erbessere formelle Acndcrung der Statutes gibt, halte: betteln ist nicht Ausgabe einer Krankenicbwcstck. aber das hier cntworsene Prinzip sür diskutabel, 1 Mo aber, eine jüdische Armenichwester wirkt, da steht weil cs, ohne zu dezentralisieren, was für unsere - sic mit den jüdischen Wohltätigkrrtsvercincn des be- Bewegung höchst schädlich wäre, die Möglichkfit trcssenden Platzes in Beziehung, »e weit! sofort, schafft, die besten Kräfte ziir unmittelbare» Arbeit wo Mittel zu haben sind, ihre Verbindung mit den heranzuziehen. Sens, 0>u0g.! j jüdischen Vereinen kommt also einericils dcn-Armen :zu gute und trägt andcrcrieitS dazu bei, die Mittel lagen und 2’v! vollständige > Nachtwachen der Vereine den Bedürftigsten zukommen zu lassen, davon 13 Psieg.n m:r 23״ Psiegeiagen von IM& 3jJÖfntlI01. | lind auch den Begüterten unter uns wird die Tie Pflege der Kranken galt dem Judcntukt jüdische Schwester mancher leisten, was ihnen die jeher als eine der wichtigsten Ausgaben, und l christliche b im besten Willen nicht zu leisten vermag. die kleinste jüdische Gemeinde hat einen Verein,! Man denke nur an eine tzrau aus religiösem Hause, dessen Zweck cs ist. Kranke zu besuchen und wechn > deren Mann gestorben ist und deren Löhne vielleicht notig zu unterstütze». Tie eigentliche Pflege lag! in weiter Ferne weilen, während -sic selbst fest Mosich um ganz chilslose. ja besinnungslose Kranke handelt, da reicht diese Pflege vielfach nicht aus. Was dort die geschulte Hand einer berussmäßigetz von jenen schöneren Tagen zu am hell, crlcuchieten Tische in, Krctse der Ihren saß und alle die Freudigkeit und den Frieden euip'and. Pflegerin in kurzer Zeit ohne besondere Anstrengung! de» der Freitagabend der -indiichei! ,ramilie bringt leistet, das gelingt den unerfahrenen FamilicnaN- Wird da die jüdi'che Pflegerin nicht bcper al-.- gehörigen nur nach langer Mühe und »nvollkomnien, die christliche ermesien können, was der Kranken jetzt ------- - fehlt jnnd wird die Kranke bei einer .»ud,n׳n,cht oftmals überhaupt nicht. Unzuträglichkciten des Lagers oder der Bckleidüng, welche den Angehörigen erst austallen, wenn der Kranke dadurch Schaden gelitten hat, beseitigt eine erfahrene Pflegerin von Anfang an; Tiätfehler, zu welchen, übergroße Zärtlichkeit der Verwandten einen Kranke» oftmals gegen die Anordnung des Arztis verleitet, werden durch eine wachsame Pfle-! vertraulichere» mehr Tcilnavilie vorausietzen und mehr Verständnis für das jüdische Faimlienlebcn finden als bei einer Andersgläubigen? - . Ich will noch »nn zideiies Bei'p-el -ansühren. Krankmit einer großen Familie, die ihr Krankem lagcr ständig umgibt, empfinden kein Bedürfnis nach Mitteilungeu an die Pflegerin. Aber Bednr-tißen ohne Anseher leine» Glaubens leisten? Ist das nicht der bete Weg, unseren Gegner« zu beweiien. Laß wir ,suden die Ausübung Ser Nächstenliebe nicht bloß auf uniere iKlaubensge-. nofstn beschränken? Und endlich, werden nicht viele!udischc Mäk>- che'n-sroh sein, sich einem Berns widmen zu können, der jo wie kein anderer d-n.natirrltchen Fähigkeite» und Neigungen des Weib s entspricht, der so viele innere Befriedigung gewahrt und!einer Trägen« eine aUgeMcigacachteie L tellung verbürgt? Von jolchen-Erwäigu:gen ging auch Meier Schwarzichild aus, r!s er im Mär^ 1nu3, zuiammcn mit gl^chgesinn cn Männern in raI! kfurt den ersten Vergir sür jüdische Kram ken p slc gcr inn cn grüi dete. Im Skiober lxllä verfügte dieser Verein dersiir über 13 Schwestern, von denen drei in Köln t i:ig waren. In Frankfaxt selbst waren drei Psigerinnen im Spitaldienst und sechs IN der Privat )siege tätig, eine siebente widmete sich ausichließlic.: der Armenpflege und statt»te im ersten Jahre picht weniger als 22!>4 Beinchc bei W Kranlln äb. wovon 43 der jüdiichen, 47 der christliche 1 Konfession angehor:en. Ter Frankfurter Jahresbericht vom Skiover lK<>7 zählt 37 Privatpfegen in Familien aller Konsesiionen mit ll)7i> Pi egctagen aui. wovon Ist Fälle mit 233 Pilegctacen ganz oder icrlweise unentgeltlich besorgt wu den. Tazu kam,, die Tätigkeit der Armenichwester m:r 2«,^>> Befüche:! bei 37 Kranken, von dener ä>2 dem jüdischen und 35 dem christlichen Glaub nsbekennlvis angeböricn. Im Jabre I39>!0 ,nie Ser Verein bereit« eine Schwester als Sderm an das 1ira:I::liche Krankenhaus in Hambure cuticuden, dem er in den beiden folgenden I ihren >e eine ipi'L: Schwester überließ. J,n Jahre 1901 be-aj d.r Verein >n Frankfurt allein 20 Schwestern, wn denen 3 ständig im Lpilaldienst Verwendung senden. Unter d.r Lcuung von 52 verschiedenen Aersten wurde» inneihuld incS Jahres 124 Privaipflegen-mit 23,!4 Pflegegeleistet, Psiegeiagen ganz UN,.. davon 15 Pfleg, entgeltlich. Im gleichen Jahr statt« te die Armenichwester auf Vcranlaifung von 33 veritziedene» Aer;:cn 3491, Einzelbefuchc bei 134 Krgnken Jude» und 73 Ebristen. wurden 43 Familien m>1 Brennmaicrial oder Gelddc Ticie Zahlen bcwei'en. der siidi'chen ' Schwestern ab, da-.unrer III urch ihre Vermittlung Lebensmitteln, Ma che, ägen unterstützt, daß die Liedesläligke:! iß Franksurl d.i Arm und'Rcich in stets steigendein Maße begeh« w.-.d. und daß die Leistungen diej r;udiichen Schwestern den Vergleich mit jeder an >eren ^eiell'.-hast au«, zuhalten vermögen. Sie beveiien ierner, daß auch die Andersgläubigen dleiem IlülerneHmeu iudlsili.-r Nächstenliebe vollste Anerken tung ׳,ollen. Tas Frankfurter B»>'v:1 erweckte bald Na.11eiserung. Ans Veranlasiunc von Louis Za,US und Frau Gerfon Liel>er«an « enFian,. Beginn drs Jahres 1394 der B e r l >» e r V er., n für ,üdifche Krankeiipnlegcrin :>e n, ivel.1׳»׳ na»h zwei Jahren chcreiks liiber II ausgedi-.d.-:.-. Schwestern und 19 Schületinnen vciiugie und!n cinem Jahre >09 Privaipfleten lcisteie, wovon 21 ——ו Verlanget in Gast- und Kaffeehäusern die ״Jüdische Volksstimnür