Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 23 (1.12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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iRr. 23 Andisch« Blolksftimmc Seite 3!.־, (»«beten ba« Judentum hoch, aber sie wollten nicht dos Leben, bas freie Leben bes Volkes. Tie einen löste» immer tote Judenfrage mit bet dluslösung des Jnbentums, bie anberen mit bei Außeracht, lasfung der Silben. Die einen wollten ben Inhalt vernichten, bie anberen vernachlässigten baS Gefäß, dis auch bei Inhalt mit ihm Schaden gelitten. Tie Makkabäer hatten um beibeS Sorge getragen, um Gesäß unb Inhalt. Tie Befreiung bes Volkes und bie Hebung feines nationalen Geistes, bas war >hr Losungswort. Nehmt ihren Geist in Euch wieder 0iif, ihre Ideale machet zu den Eitrigen. Tiefe Lichter zündet wieder an. Sind die Makkabäer in uns, dann sind sie auch mit uns. Tann ist unser der Sieg.;lach der Ruitusgemeindewalil in Vrünn. I Tie Kultusgemeindewahlen sind vorüber. Das bewußte Judentum ist unterlegen. Tie Macht des Gelbiackes hat gesiegt. Besiegt unb doch gesiegt. Wo^vlicb eine solche Niederlage ist mehr wert, als so >!g!uch-r Sieg Unsere Gegner können aurrusen, noch ein solcher Sieg und wir sind verloren. Mil dem Bewußlietn für ein hehres Ideal, die dornigen *>e>1e in unserer Gemeinde zu ebnen, Iralen wir vor sechs Jahren in den Wahlkampf. Wir waren uns des'!» bewußt, daß es keine leichte Arbeit sei die eibgeiesseneu Machthaber ans ihrer Stellung zu verdrängen Tte Pionierarbeit, den nationalen Gedanken in die Massen unseres kranken Volkes z»!ragen, mußte »>:t Anstrengung all unserer Kräfte geleistet werden, «-.in Cpier, auch bas größte, durite uns in unserer Arbeit für des jüdischen Volkes Zukunft zuniekich:!,!.». Mit einer Willenskraft und Ausdauer, die nur eine Freiheitsbewegung, wie die'moderne nativnfck Bewegung er zu erzeugen imstande ist, Hai bas junge Jubentum den Kamps gegen unsere Beacht Haber mit allen zu Gebote,stehenden Mitteln auf geiuoinmeii. Vor' vier Jahren vereinigten unsere Mänbtbaten ca. 200 Stimmen auf sich. Anläßlich der h.urigen Wahlen erhielt unier .itanbiSat Gg. W Sonderling von «>>-l abgegebenen Stimmen ll!!2 Stimmen, die ab'olute Ma>orilät betrug 31 > Stimmen. Nur durch Terrorismus imd Gewaliakie ngieier Gegner blteb unier Kandidat in der Mino nun. Es bedarf wohl keiner Worte, die Taliachen sprechen für sich, T!r nationale ,Gedanke Hai in der lüdiicheii Bevölkerung immer mehr und mehr ־Wurzel gefaßt. Llnvohl unier Anhang sich hauptsächlich aus der Jugend und den nicht steuerzahlenden Mitgliedern rein;n!n, gaben ca.;‘>0% d,r Wähler ihre Stimmen dem Kandidaten der Zionisten. Sämtliche Wähler, die inr unseren Kandidaten stimmten, taten dies tut V.wußtiein, ben Natioualjuden in bie Gemeindeitube tu entsenden. Tie ehrlichen jüdiichen Wähler forderten hiedurch von den Vertretern unserer Gemeinde. daß endlich Nesormen im weitesten Sinne bittet ge'ührt werden. Wir müsjen es offen und ehrlich gestehen, daß die in der Gemeindevertretung besiudlichen restlichen Veritandsmilglieder uns bedeutend näher gekommen . und unseren gerechten Forderungen zu entsprechen geneigt sind. Zur Ehre dieser Herren müssen wir es '!tiich gestehen, baß die Vorstandsmitglieder bis aus cm bis zwei Ausnahmen für unseren Manbibaten suniinlen. Einige Leute, denen eine friedliche Arbeit rach: angenehm war, leisteten die Maulwurssarbeit und inspirierten den Kampf gegen unsere Kandidaten, ־Wir werden gelegentlich Abrechnung halten und den - Herren den ehrlich verdienten Judaslohn zuteil werden lassen. Unsere Parole muß seht lauten i Reform der ־ Steinien. Sofort nach Konstituierung des Vorstandes wird es die Ausgabe unserer Vorstandsmitglieder sein. die Änderung der veralteten Statuten vvrzunebiucn. Wir werden am Platze sein und eine daldige Lösung dieser Frage herbeisühren. Ein wichtiger Punkt, der bei Änderung der ־Statuten berücksichtigt werden muß, ist die Erwei- >!Grg des Wahlrechtes. Gerade die Massen unseres Volkes, die unserer Kultusgemeinde das meiste Interesse ctitgegenbringen sind, vom Wahlrechte ausgeschlossen. Tiefem Übelstande abzuhelsen ist heiligste Pflicht Mietet Repräsentanten. Durch die Gewährung des Wahlrechtes wird das Interesse bet den ^Massen für alle jüdischen Sachen geweckt. Tie letzten Kultusgemeindewahlen müssen ein Ansporn für uns icin, ben begonnenen Kampf zu Ende zu führen und bereits nie bie nächsten Kultuswahlen zu rüsten. Aus, an die Arbeit! Jüdische Rultuswählerversammlung in VrLnn. «anistag. den 19. d. M., 8 Uhr abends, fand im Mähr. Gewerbevereinssaale eine Kultuswähler- Versammlung statt. In diese Wählerversammlung wurden die Kandidaten, denen es nicht möglich war, in die vom sogenannten ofsizielleg Wahl» kvmitee am l>, v. M. stallg sundene Kultusverjammlung. über deren Verlaus wir in der letzten Nummer berichteten, zu erscheinen, mittels rekommandierten «chreibenS eingeladen. Weiters wurde der vom offiziellen Wahlkomitee ausgestellte Kandidat Tr. «ieg. « ch i »1 m e r l i n g, sowie der von der Tuchbrauche aufs Schild erhobene Herr Gustav Tandler eingeladen, Ter Einladung leistete Herr «rationsvorstand Knöpft mach er, sowie Herr Tr Schimm erlich g Folge, Herr Gust. Tandler sowie Herr Regierüngsrat Spitzer fanden es weder der Mühe wert in der Versammlung zu erscheinen, noch ihr Fernbleib.ü zu enlichuldigen. Wir müssen dieses Vorgehen aus das allerschäisste rügen. Tie jüdische Bevölkerung hat ein Recht von den Kandidaten zu verlangen, daß dieselben sich zumindest den Wählern voritellen. 'Es ist auch Pflicht und Schuldigkeit des Wahlkomitees dafür Sorge zu tragen, baß den Wünschen der Bevvlke- Hing seitens der Kandidaten enisprochen wird. Herr Tr, Siegmund Ezech - erösinete namens der Einberuser dieKultuswahlerveriamiiilug und begrüßte die Erichienenen, lieber Vorschlag des Herrn Tr. chreier wurden ins Bureau gewählt: als Vorsitzender Herr Tr. Siegniund Ezech, als Schriftsührer Herr Albert Stlbiger, Tr. Ezech dankte für das Vertraue» und gab die Versicherung, die Redefreiheit im wahriien Sinne des Wortes zu >wanre». Hieran׳ erteilte der Vorsitzende, Gg. Mar H ilchl zu seinem Referate: ״Tie Kulturgemeinbenwähle»" das Wort. Ter Referent nahm Bezug aus seine Ausfühiunge» in de! am 0. v. M. stattgesnndeite Wählerveriauimlung. In dieier Versammlung wurde allseitig tnni Wuniche Ausdruck verliehen, die Wahlen!ollen i»1 Zeichen d!s Friedens vor sich gelten. Tas v'itzielle ־Wahlkomitee hat Gg W. Sonderling einslimmig als Kandidaten den Wänlern enipiohlc», Tas o׳׳i;:!l!e Wahlkomitee hat einen großen laktüchen Fehler begangen, indem es einen nachträglich durch eine dritte Person ange meldeten Kandidaten, und zwar Herrn Tr. Sch im- »terling den Wählern empfohlen Hai; dies sei jedoch Sache des ־Wahlkomitees. Toiwerstaa. ben 11'!. November d I., alio 3 Tage vor der Wahl, wurde es bekannt, daß ■die Tuchbranche Herrn Gusiav Tandler kan didieren und zwar gegen Gg. G. Sonderling. Wir!;{:brüten haben nun ben Wahlkamvs ausgenommen.! 5uuu!■nergiicher Intervention seitens des Reseernten, wollte das osi ztelle ־Wahlkomitee mit Herrn j laii. '.liat Tirektvr W etß an der Spitze nichts zu! iinnsten der Kandidatur des Gg-Sonderling unter-! tehmeu. I» schartet Weite besprach Gg. Hickl : >as Vorgehen diei.s Herre־». Hieraus entwickelte >er .Referent in sachlicher Weise unser Kultustz־meindeprogram1u. Von den erschienenen Kandtlaten . stellten sich ' bie Herren Stationsvorstand!lnöpslmacher und Tr. Schimmerling den Wählern vor. Beide betonten, sich ihres Judenums nicht zu schämen unb jederzeit im Sinne der!Zähler ,zu arbeiten. Nach einer Interpellation des hg, Tr. Schreier an Herrn Tr. Schimmering hielt Gg. Hickl das Schlußwort. Er gab eiltet Freude Ausdruck, daß sämtliche, Kandidaten ihr Judentum hervorhobe», man müsse bei unseren , ssiniilatvrtschen Juden heute schon teilweise zui rieben sein mit dem. Allein dies genüge jedoch l icht. Wir befrachten es als selbstverständlich, daß! ic Mitglieder einer Kultusgemeindevertretung - sich itres Judentums bewußt sind. Wir haben leider i on den Herren >n programmatischer Beziehung i ichts gehört: cs ist dies , dem Umstande zuzuschreiben, baß man sich um ein Programm, um eine syiientatiiche Arbeit in unserer KultuSegemeinde licht bektimnierte, Tiese Zeiten sind aber vorüber, tsiir fordern von den Kandidaten, daß >te in i ffenet Weite, zu allen Fragen die das Judentum I ingieren, zu ihnen Stellung nehmen. Im Uebrigen legrüße» wir Zionisten es, wenn Leute, die sich tisher um jtibische Sachen nicht bekümmerten, ein; ntereffe unserem Iubentume entgegenbringen. In r!armer Weise trat der Referent für die KanbidKen Wilhelm Sonderling und Siegmund Vogab ein. Nachdem keiner der Anwesenden das!Wort verlangte, schloß der Vorsitzende die Vcr-!jammlung. , _ Ser Wahltag. Wohl selten wurde der Kamps für unteres Kahalvertrxter mit solcher Erbitterung geführt, als nur letzten Sonntag. Aus der ernen Seite war das selbstbewußte Judentum, aus der anderen Seite . eine Gruppe von Leuten,-die ans ätzten Geldsaek pochend in übermütiger Weise den Kamps heraus- , beschworen. Tie sogenannten Tuchjuden hatten nicht den Mut, den Kampf in ehrlicher; osiener Weise zu führen. Aus gesichertem Hinterhalte wurden׳ die Pfeile gegen - uns abgeschojsen. Wir Zionisten wußten, daß wir er mit Gegnern zu tun Hatten, denen es sichnicht um einenj Prinzipienkamps handelte. Nein, den Herren war es einzig und allein um einen Jur. einen Sport zu tun. Sie wollten, um der Eitelkeit einer!Person zu entsprechen, mit Gewalt den Unscheden in unsere Kultusgemeinde tragen, Mein Mittel war den. Herren zu schlecht um ihr Ziel jul erreichen. Was nicht aus Haß gegen uns Ziontiien auszubrtngen war, dazu verhals der Geldsack! Angestellte der Tuchjuden wurden förmlich mit ^»er Hundspeitjche angetrieden, gegen uns zu arbeiten Bezahlte Leibschnorrer, Agenten und ähnlich.־! Gelichter vereinigten -sich, um unseren Manbibai en zu Falle zu bringen. Wir Juden sind empirt jinb schreien Zeter und Mvrdio, wenn die ChrtstlichjoZialen im Wahlkampfe Tote lebendig we:den lassen. In Brünn war er viel ärger.—Wer nicht im. Sinne' / dieser Leute wählte, dem ward Mit Borikvtt Kreditentziehung gedroht, die Hun! erpeitiche wurde - über die Häupter der Kleingewe betreibenden geichwitnqcn, T!e Trabanten der - Branche" tuntet dieser Parole würbe g.kampst! itai den vom Stadttheater bis zum Gebäude der Kul usgemeinde und bearbeiteten bte ankommenden Wal ler. Wie V.1mpire stürzten sich bieie Leute jauf die Wähler.- entrissen ihnen bie Sttmmzeitel und zwangen die Leute, Trohruie wie Krebitentziehu >g u. i. w., ausnoßend, in ihrem Sinne zu wLIäen. Unter ben Krawallmachern tat sich beionSers hervor der d!r .. , beutschltberale Wahlagitator Koh-t. Kshn isi der Vertreter des Insormanonsbureau ,Kühne -v Eomp ". ,lWien-Bubapeit!; der Mau» hatte Sie Surne, Leuten s össentlich zu erklären, tut Falle bei Stimmenabgabe ,iber bte betresseitdeu Personen eitle bessere 2{usfur.it zu geben. Alsö"über Lene, die nicht im tnne dieses Mannes wählten^ wird nach bewährte»! Muster eine gewisienhäsi e •?'.) Auskua'l i erteilt.• — ■ ' Wir fordern hienut die Firma KühneIv Eomp. , j aiif, t)te'iu. Stellung zu nehmen, Heer Kodn erklärte! ösientlich. über Herrn ־Emtl Sonnenschein, der j im Sinne der .Tandler-Gruppe" wählte, eine ' bessere Auskunft zu geben. Wie bereits erwähnt, war der Schlachtruf dieser Aisimila nteneliauc ,Hoch die Tuchbranche!" ,-Hoch die Br! nche!" A» der Spitze dieser Rufer, waren zu sind•»: Herr Wilh. Schlesinger — ein geistreiche! ,! r I Kops, bei dem der Mund, wie vom elektrischen Strome tu Bewegung gesetzt, die unartikulierten Laute: »Hoch die Tuchbranche" ausmeß. — Er wird wohl niemand von uns verlangen, daß wir diesen Menichen ernst nehmen sollen. Ein geichnürgrltes Jüngelchen mit blondgelockten Haaren, welches aus den Namen Broll hört, bemühte sich diese unai tikulterten Laute nachzuplappern. .Herr, Broll wu de' aber durch einige derbe Worte eines unserer Ge innungsgenosien eines Besseren belehrt und bericht >and rechtzeitig. Mehr Mut wird niemand von ־ die em Herrn . voraurgeietzt haben, Herr S e i ü l, se.nes EharakterS nach Fabrikant, drohte unseren Freu!den 29 Arbeiter aus den Hals zu Hetzen, Schade,!aß dieser Herr seine Trohung nicht ausgesührt Hute, wir.hätten das ergötzende Schauspiel erlebt. Herrn Seidl von seinen eigenen Arbeitern eine Porlton Prügel-erhalten zu sehen. Zu den Hauptog, atoren gehörten die Herren: Max Lowentha l, Tugend hat, Bernstein, Per schal. Mar Tchönhos, In direkt skandalöser Weise' agitiert!! Herr Iagues Tandler für seinen Bruder Gustav T a n S l e r.' Herr Iagues Tandler trieb es io!iar so wett, daß über Ansucheneines unserer Gesinnungsgenossen der Vorsitzende der WahlkommissioN den Wahlakt unterbrechen mußte,■ und Herrn Tat dler in scharfen Worten zum Bewußtsein brachte, l aß er sich int Wahllokal 'dejinde. Herr Iaque i ־ Tandler gehörte dem ositziellen Wahlkomitee an; also. Herr Iagues forderte die jüdischen Wä )ler aus, Herrn!28. Sonderling zu wählen, in Wirklichkeit aber s gegen Sonderling für seinen Brudeb agitierte, 28er leinen Funken Ehrgefühl besitzt, der,wird wohl zugeben, daß dieses Vorgehen ge »randmarkt zu werden verdient. Wir könnten di ׳en skandalösen ' Vorgängen die ganze Seite unseres ölattes widmen. Verlanget in Gast-־u11<l Kaffeehäusern die ״Jüdische Volksstimme“. i