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Jüdische Volksstimme · 1904-12-01 · 23 (1.12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
V (1904)
Issue
23 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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־7^־. Javrgang. HSrünn, am 1. Dezember 1904. Wir. 28. xHcv.11VJDreiie: Jviir Ccitfrrtidi Huflar» balbjfilmfl K.. Loü;mcubrmfl׳. Xeutidilanb iinn^jäftri^ Mark!׳'.«>. :Kit Lcbrveiz. *vraufvcicb, Italic», .Xürfc^ flfnniäiiieii, crrlucu Dir H)cnurah. י Bon Beniamtri L<n Es war ein Mann, der Halle die Not, ein Jude zu!ein, lief in seiner Seölc empsunden, «eine äußeren Umstände waren nicht unbefriedigende Er Halle fein gcüüqcnder Auskommen und auch einen glücklichen Berus, indem er das fchaffen vurfle. wozu >dn sein Herz ftinzog, Er war nämlich ein Künstler, Um feine jüdische Hcrkunfl und den Glauben feiner Väter hatte er sich schon lange nicht mehr gekümwert, als der alte Haß unter einem modischen Schlagwortc sich wieder zeigte, Mil vielen anderen glaubte auch unser Mann, daß die Strömung sich bald verlausen werde. Aber cs wurde nicht besser, sondern stets ärger, und die Angrisse schmerzten ihn »nn,er von Neuem. obwohl sie'ihn nicht unmitlclbar detrasen: so daß nach und nach seine Seele ° eine einzige blutende, Wunde war Es geschah ihm!»ui, daß er durch diese inneren und verschiviegenen Leiden auf deren Quelle, also aus sein Judentum Ilingelcnkl wurde, und was er in guten Tagen viel- 'leicht nie vermocht hälte, weil, er davon schon so ferne war: er begann cs mit einer großen Innigkeil zu lieben. Auch von dieser wunderlichen Zuueigung gab er sich nicht gleich deutliche Bechenschasl, bis sie endlich so mächtig war, daß sic au« dunklen Gefühlen zu einem klaren Gedanken erwuchs, den er dann auch aussprach. Es war der Gedanke, daß cs ans der Judcnnot nur einen Ausweg gebe, ,׳> d zwar die Rückkehr zum Judentum, Als dies seine besten Freunde erfuhren, die sich in ähnlicher Lage befanden, wie er selbst, schilt-!eilen sie über ihn dieKöpfe und meinten, er wäre in ׳einem Geiste verwirrt geworden, Tenn wie könne das ein Ausweg sein, was ja nur die Verschärfung und Vertiefung des Übels bedeute. Er aber dachte, das; die sittliche Rot jo empfindlich nläre, weil den neuen Juden jenes Gegengewicht abhanden gekomme» sei, das unsere starken Väter in ihrem Inneren besaßen. Man spöttelte hinter ihm drein, manche lachten ihm sogar unverhohlen ins Gesicht, doch ließ >r sich durch die albernen Bemerkungen von Leuten, deren Einsicht er früher nie hoch zu schätzen Geflan;,ü!rr,fl K 1.;ntl. rlcmd ja1t\film •.י •j 'Kübel. Bulgarien uiw. «vrk-n-. ♦־־־ Redaktion und Äbiummraiion■: Brünn. •;eil* 4'- Xu• Bc>!k4nim1Nt״?er׳cuc1«n am und!;׳. efti«• Bilelibandlern',de : Ctn1־ ^l.'.nnr. ׳'taüü'iv.!ף״ס ^i.'iirv 'V -'■־ ■ n. K e u i l' l' e t o n' Huf der Firdrl. Erzählung a, d, Kindcrjahren von Schalem-Alcichem, Lem jüdischen nachgeditdei von Iiiq R. Aaumei». > IX. Ich dachte stets, wer kümmert sich darum, wenn ein jüdischer Junge am Sabbalh etwa; weiter aus der Stadt spazieren geht: man hat choch war andre« zu tun, als ihm nachzublicken? — Was nützen aber all diese Gedanken, wenn es in unserer Natur, das heißt in der Natur der Juden liegt, auf den Nachbar zu blicken, aus ihn. acht- Zugcdcn. Mängel ausfindig zu machen undihm Ratschläge zu erteilen. Man geht zum Beispiel aus einen Wildfremden zu, während er delet,׳ um den »Schel Rosch" seiner Tesillin zurechtzurücken; man hält einen Juden an, während er rennt und glaubt, daß sein HauS eingeslürzt ist; man macht einem,;!eichen mit dem Finger, so daß man nicht weiß, was man meint: ob vielleicht seine Nase, den Bart oder sonst was; oder man reißt einem Unbekannten, etwas aus der Hand, während er sich bemüht, es zu öffnen und sagt: ״Ihr könnt das "icht, laßt mich's versuchen!" Man bleibt auch stehen, während er ein Haus baut und jetzt ihm aus, daß der Bauplatz zu hoch wäre, die Zimmer iu groß, die Fenster unverhältnismäßig breit; man dcsnmmt ihn vielleicht dar HauS nieherzureißen ׳ tunb den Bau eines neuen zu beginnen.Vftsun dej denkt/daß dies bei uns Juden seit dem Uranfänge, seit den ersten sechs SchöpsungStagn, eingejührt legenlikit gebabt, nicht irre machen und ertrug die j erstorben aus,, Das war so durck die Zeiten herüberbösen oder guten Scherze gelassen. Und da er sich!gegangen, immer ein Lichtlcin am anderen cniim übrigen nicht unrernünslig gcberdcle. so ließ man | zünhet. Auch die altertümliche form der Menvrah ibn allmählig sich seiner Schrulle hingebcn. 'dje s regte ihn zum Sinnen an, Wai n war der primitive freilich von einigen.auch mit härterem Wort als Bau dieses Lichthalters geschoren worden? Tie eine sixe Idee bezeichnet wurde, - 'Gestalt war osicndar einn von Baum genommen' Ter Mann zvg.aher in seiner geduldigen Art! worden, In der Mitte der släikere Stamm, rechts ׳ eine Konsegucnz nach orr -anderen ' aus seiner ein-, und links vier Zweige, einer inter dem anderen, mal gefaßten Meinung, Tabei gab cs eine Anzahl j die in einer Ebene, liegen, und ille acht snrd--gseich Won Uebergängen, die ihm'selbst nicht leicht iiclen/doch, Eine spätere Symbolik brachte den neunten wenn er dies auch aus Trotz nicht sehen ließ. Als I kurzen Arm. welcher nach vorne sicht und der.Tiencr ein Mensch und Künstler von modernen Anicha». ׳ heißt. Was haben die Geschlechter, die auseinander ungen ivar er doch mit vielerlei unjüdi'chcn Ges folgten, in diese ursprünglich einfache und von der wohnheitcn vcrwachici, und hatte Lu» den Kulturen' Natur genommene .ttuickigeslall hincingkheimnißt der Völker, durch die ihn sein Bildungsgang geführt. Und unser Mann, der ja, ein Künstler war, dachte Unvcrtilgdares in sich ausgenommen, Wii war dies bei sich, 'ob cs denn nicht möglich wäre die erstarrte mit seiner Rückkehr zum Judentum zp versöhnen? ,Form' der Menvrah wieder zu!beleben, ihre Wur Daraus erwuchsen ihm selbst manche Fweiscl an zeln zu tränken, wie die eines Baumes, Auch der der Richtigkeit seines leitenden Gedankens, seiner!,Klang des Namens, den er nun an jedem Abend, iilöe mnilrosse. wie es der französische Denker ncnnr.rvor ׳einen Kindern sprach, gefiel ihm wohl Es war Vielleicht war die uikter dem Einfluß anderer Kuls ein Klang darin, besonders licbl ch, wenn das Wort luren großgezogcnc Generation nicht mehr fähig zu ' aus dem Kindermunde kam.!cner He,u,kehr, die er als die Lösung gesunden! Tic 'erste Kerze wurde ai,gebrannt und dazu halte. Aber die nächste Generation - würde schon die Herkunft des Festes erzählt Tic wundersame dazu fähig,sein, wenn man ihr noch bei;seiten die i Begebenheit vom Lämpchen, das so unerwartet lang Richtung gab. So d«ümmcrle er sich denn darum, lebte, danu.- die Geschichte dci; H.rmkehr aus dem daß wenigstens seine Kinber ׳auf de» rechten Weg babylonischen Etil, der zweite Tempel, die Makkakämen, Tie wollte er von Haus aus zu Juden bäer, Uisjer Freund erzählte ssincn Kin-crn, was erziehen, er wußte; Erklär nicht gerade diel, aber chnen ge Früher hatte er das Fest, welche« die wundernügte cs, 'Bei der zweiten Kerze erzählten sie bare Erscheinung der Makkabäer durch so viele ihm wieder, und als sic er ihm erzählten, erschien Jahrhunderte mit dem Glanze kleiner Lichter bcihm alle», was sic doch von ihm hatten, ganz neu strahlte, vorübergchen lassen, ohne es zu feiern, und schön. Von da ab freute er!׳ich jeden Tag aus Nun aber benützte er diesen Anlaß, um seinen den Abend, der immer lichter Ippede Kerze im >!״;! Kindern eine schöne Erinnerung für kömmcnde Tage »and an der Menvrah auf, und mit den Kindern vorzubcrcitcn, I» diele jungen Seelen sollte früh die träumte der Vater in die kleiken Lichter hinein, Anhänglichkeit ׳ an' das alte Volkstum gepflanzt Es wurde schließlich mehr, als er ihnen sagen^ werden. Eine Menvrah wurde angcichasst, und als! konnte »nd wollte, weil das noch über ihrem Verer diesen neunarmigcn Leuchter zum erstenmal in j ständnis war, der Hand hielt.-wurde ihm eigentümlich zu Mute.!/ Er halte, als er sich _ en:: Auch in seinem Vatcrhauic halteü die Lichtlein in! Stamme heimzukehrcn und llch einer nun schon entlegenen Jugendzeit gebrannt, osien zu bekennen, nur gementl, und' es war etwas trauliches sind anheimelnde«! Vernünftiges zu tun. Daß er aus diesem Heimweg darin, Tie Tradition nahm sich nicht srostig. nicht! auch eine Befriedigung seiner chehnsuchl nach dem schloß, zum allen zu dieser Heimkehr twas Ehrliches und!ist — ihr werdet dies nicht ändern'wollen und . zu verstehen gab, daß er wisse manche Türe zu seid e« auch nicht imstaudc. l öisnen und mit der Zeit wurde!Estaim eine nütz Nach dieser Einleitung werdet hihr es׳ be-: lichc, notwendige Person, .gtznkl welche man nicht greisen, daß Estaim Klotz, ein wildfremder Mensch/ auskommen konnte: er glich dcsn Wurme, der sich der obzwar er zu uns i» keiner Beziehung stand, 1 in den Apfel cinnlstet, dort dteit macht, sich ein mir nachsah, nachsorschte und nachpähte, wohin ich.'weiches Lager bereitet, um zchließlich alleiniger gehe und schließlich mich verleumdete und schwur: Herr zu werden, daß er mich gesehen habe, wie ich beim -?ulko-I Estaim war klein von Gestalt, hatte kurze' unit1■ ,lerefoh־ esse und am Sabdath Zigaretten Beine, kleine Hände,- rote Langen und einen rauche. Er schwur, er solle so alle« Gute bei sich sehen und nicht erleben dorthin zu kommen, wohin «r gehe. Habe er die Unwahrheit gesagt, so solle sein Mund schief werden und die Augen ihm heraussallen! . ״Amen, ich wünsch', daß eS geschähe!" sagte ich und erhielt für diese Frechheit vom Vater eine -srijchc Dbrseige, Nun, ich setze euch die Lockjchcn vor den -Fischen vor; ich habe Euch ganz vergessen zu er-!zählen, wer Estaim Klotz war und wie sich die Geschichte zugrtragcn hat. Am Ende der Stadt aus jener Seite der Brücke wohnte ein Mann, name««»-Estaim Klotz. — Warum hieß Jcr Klotz? — Cr handelte einmal, —יNjcute nicht mehr — mit Holz: infolge einer falschen Beschuldigung, forschttoEickn bei ihm nach unosand dort einen stemdcn Klotz: er hatte da rajchen, tänzelnden Gang; er drehte mit dem^ Kopse, redete kreischend, sein Lachtn war verschmitzt.^ und klang, wie wenn man Erbstn ausschültel:!ch konnte ihn nicht ansehcn, ich weiß' nicht aus welchem Grunde- An jcdem^Sabbath, wenn ich zu Tschelichc' ging oder von Ttchetschek kam, begegnete ,ch ihm gewöhnlich aus seinem Lpazisrgangc aus der Brücke. Er trug einen! langen, gesl icklcn Sabbatbrock ohne Aermcl, die Hunde.ruhten im Rücken unb er sang vor sich mir ichwacstj: Summe, Ter Sommerrock peitschte rückwärts segne Sol len ״Gut SchadbeS," sagte chh, ״Gut Schabdcs." antwortelb er. —;wobin geht das Jüngcl?" Ich antwortete rasch: ,Spalieren" pazicren? — So ganz allein?" sagle er durch viel Plackerei und entging nur mit knapper Not dem Gefängnis, Bon dieser Zeit an, gab er und blickte in meine Augen un ׳ lachelie dabei jo jedes Geschäft aus und begann sich mit Stadt-׳ eigen, , daß cS sich nicht nachab! i n läßt, — Was anqcleqcnheiten. Gemcindesachcn. Taxen. Gottes- MK f® i״ bedeuten? War cs von mir klu^.ge. dienst!c, zu befassen, Anfangs ging es ihm schlecht;. wesenH ihm zu sagen, daß ich st.!zieren gehe, ganz _ später verichasitc er sich jedoch Anerkennung, da er allein? — Klug oder dumm? Verbreitet den ״Jüdischen Volkskalender“. ^44642

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