Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 21 (1.11.1904)
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Rr -1 Jüdische Bolksktim««. Auch in den zahlreichen Balladen, wie ״Ter M'che Soldat", der bei Plewna gefallen ist" und um die Geisterstunde -ulferftkht, um sich zu fragen: ,,-,ab ich für mein Vaterland dos Leben geopfert?" Gebirgrbraut", die allnächtig die Grabhügel ,'dies Vaters und Bräutigams besucht, die beim »iedlenarbciterstrcik gelobtet wurden, u. s. w , in Allen seinen dichterischen Schöpfungen finde» wir nur Prvletarierelend und Judennot, Wird c« jcinals bessert Rosenseld hat selbst, nicht diesen Trost? Leine Bilder sind nur grau in grau, denn selbst, wenn er von der Natur spricht, so ist er nur der Herbst, den! sich sein Inneres anjchmicgt und wir! Horen seine ״ September-Melodien". ן ״Xtt kogtlach singen, י A Tifilas-badereL." ' j 1111' wenden;um 3ant"; fejn" Blick O,lieble, wo ftuhk ihr?! 4l'if weit fort, an E ach") } \ Un' sagt mir, wann kommt ibr zurück - 1 Es gießen sich Hitler Xie Weh-melodien. Ter Enlwer") dalangl a fa Truck: Mil") weißen nor Älle, Mir musien velfliehen. Tech Soll weiß von Stummen;11.uk!׳ \ Voienseld ist der wahre Tichtcr des Ghettos auch deshalb, weil er in dessen Sprache ichrcibt,; Wie nutzlos ist der ganze Worlstreil um die Berechiiglliig des ,Aiddifch", wenn ein so grosses I Talent in dieser Sprache schasst und Hundertlauiende begeistert, anregt und auch nur während einiger Abend: aus ihrem Jammerdascin in eine i ielionere Welt verseht. Und doch weist man bei uns, 1 in den Zentren der Judenjchast, noch gar nichts,! von Morris 9fofcnfclb * 1. I., 1 Um die Auswanderer vor gewissenlosen Unteragentcn und Herbcrgsbefipern zu schützen, hat es stch als notwendig herausgestellt. in Tilsit eine eigene Herberge zu krrlchten. Er ist sernest in Aussicht genonlinen durch Flugblätter und Plakate in hebräischer und der viargonsprachc unsere auswandernden Glaudensbrüdcr noch vor dem Betreten des deutschen Bodepr auszuklären, und aus die zu, ihrem Schutze beuchenden Komitees hinzuweiscn, ' Mit weiteren "!clormcn und Erleichterungen jeder Art soll allmählich voraegangen werden. Es wäre in hohem Grade wünschenswert, dast man die Auswanderer au> diese neuen Jnsiiiutioncn aufmerksam mache, damit sie von ihnen recht häufig Gebrauch machen. Wenn diese Organisation in Ostpreußen vollsländsig durchgcsühri sein wird, beabsichtigt der Hilssverein der deutschen Juden dieselbe auch auf, Westpreußen und Schlesien auSzüdchncn, unadhänaig davon werden natürlich die Bemjühungcn des Hilfrvercinc» eifrig fortgesetzt, eine internationale Konferenz aller großen jüdischen Organilationcn zur Regelung der AuSwandcrerfragc ^chzgbcrufen, und cs ist im Interesse unserer ungliimichen LlammeSqenossen auf daS innigste zu wünschen, dast diese Konferenz sobald als möglich zu Stande koiiimcn möge, ׳ ׳ ,Zum Schlüsse seien nur noch die Namen der PorfiycndenderGrenzkoiuitecs in Ostpreußen genannt. In Königsberg in Preußen Herr Bankdirekior Georg Marx, in Eydlkuhncn Herr Jstdor Berlowitz, in Insterburg Herr Rabbiner Tr, Beerißann, in Tilsit Herr Justizrat Kohn, in Proslken Herr Jakob Schidorsly, 1״ Memel Herr Rechtsanwalt Jakobsohn, Geehrlcr Herr Redakteur! In Nummer I!A vom 1-, Ski ober Ihres ge- Hilfsvrrrin der dentschrn Juden. Wiederholt Hallen wir auf die großen llnzutkärlichkeilen hingcwicscn, welchen die auswandernden Elaiilviisbrüder aus Rußland an d^r preußischen Grente anrges.tzt sind, Ter Hilssverein der deutschen Jiieen, welcher unmittelbar nach dem Bekanntwerden der;.;:mänte an der Grenze, Verhandlungen mit den Lireklioncn der Hamburg—Amerika Paketfahrl- Asii.ngeiellschast und des Bremer Lloyd cinleitete, ha! dieselben ersreulicherwciie zu einem günstigen Äb׳cl!!1iß gebracht. Tie mannigsachen Schwierigkeiten, welche sich bei den Verhandlungen bei dieser ans,!ordentlich komplizierten Frage eiitgegeiigestellt ba!:>r, wurden endlich in einer Konferenz, welche un Hilssverein der deutschen Juden zwischen dem' E,1! :aldirektor Ballin und den Präsidenten des H!!׳-:v.teincs der deutschen Juden, den Herren James ' Siin-n »nd Tr, Paul Nathan, siattgesundcn, in \ hei!!,d!ge,ldcr Weise beseitigt, Turch ein umfassendes i Tmsichenniaterial, welches Herr Tr, Paul Nathan j in den wichtigsten Grenzonen in Ostpreußen persönbcki gesammelt hatte, konnte die Sachlage bis ן ins T eiail geklärt werden, Tank dem freundlichen; >n? ׳achlichen Entgcgcnkomiucn des Herrn General-! d!!׳!:ors Ballin, welcher vorübergehend von der -P!׳ ."׳ür die sattsam bekannten Zustände an der, Gr. persönlich verantwortlich gemacht wurde, sind' >:>!!! die Mißstände als beseitigt zu betrachten, TaS, U, l ,reinkonimc» zwischen den,Hilssverein der dculichc», : : »nd der deutschen Schiffahrtsgesellschaften iü im Interesse unserer auswandernden Glaubense.ie.ne״ als ei» außerordentlich günstige« zu dei-ianen, Ticscr Erfolg, der fast ausschließlich den P-! .׳nlichei, Besprechungen zwischen dem Präsidium; fci־ HilssvercincS und der Gcneraldirektion der! ca^nahrtsgesellschäslcn zu verdanken ist, ist durch, di, Tagespreise bereits bekannt geworden, > Wir möchten nur noch hinznfüge», daß der; -'?!!׳-:verein der deutschen Juden mir der von ihm, vistaeichlagcnen Organisation der jüdischen Aus > wand.rung aus Osteuropa bereits begonnen hat. Es ן ׳: ,׳!,,! sich zunächst in Ostpreußen an den wichtigsten Grinzübergängi» wie Eydlkuhnen, Insterburg. Tilsit, Prostken, Memel Lokalkomitees im Anschluß an, den Hil'sverein der deutschen Juden konsiituicri, welche ihrerseits mit der Zentrale in Königsberg, dem ^cluitzkouiiiee für durchreisende Juden, verbunden m!?. Tiefe LokalkomitecS, welche vom Hilfrverein der deutschen Juden subvenlioniert werden, haben stire Tätigkeit mit Eifer und Geschick begonnen und »1 zahlreichen Fällen den bedrängten Glaubens- <1e>,ossen Rechtsschutz und Unterstützung gewährt, . '-> <?tb(t vor dem Aulbruch, ״/ Mitx, ״ ihre», '־ bei- UlM ׳,f 3Ju!n»ortד< ׳< wir. , i Morii» Rolen'eid: ״Lieder de» SdeUo", -,» deziedeo tc» Jiidijchen Buch, und Nunstoeeloz, Lrümi, schä iten Blattes hat der geehrte Gg, Herr Tr, Mar Ti 1 ma»t Stellung genommen zu einer der wichrigscn Fragen unserer GegenwariSarbeit, zur Neuorgunisalion des jüdischen StildentenwcsenS, Es war zu crwarlen, daß »ach diesen explosive» Angriffen von sludeiil,scher Seile entgegnet werde. Wunderlich gen ig. daß es unterblieb, doppelt wunderlich in cincini Pioinente, in dem iich in Prag eine schlagende Verbindung jiidiichnationalcr Studenten gründet l und der akademische Senat der Prager deutschen Universität eine Entscheidung gefällt hat. die den schgbig gewordenen Liberalismus der deutichcn Parleie» >o grell beleuchtet. Wenn ich, der bereits vor mehr denn 40 Semestern ins Philisrerium getreten ist, in diei.r Sache das Wort ergreife, so leite ich die Berechtigung aus denselben Gründen ab, wie He r Tr, Tiamant. wenn diciclbeu bei mir auch iiu׳ negativ vorhanden sind. Ich habe nämlich niemals emer jüdischnativiialen ,!!ueipe beigewohnt, wac miihin nichl ii^der Lage die doppelte Buchiühriing zu wayren, war nie ein gesuchter Sekundant und gciürchlclei Schläger, niemals Präsident einer zioanstiichcn Studentenverbindnng, nicht cinmäl Mitglied einer solchen, weder einer schlagenden noch einer nichtichlagcnden.-deun als ich noch das Glück hatte an Band und .stoppe, Mensur und Bier Pergniigen zu iinden, stack bas westeuropäische Judenrnm noch so lies lin Sninpsc der Assimilation, daß wir alle, alle von unserem Heimgegangenen große» Führer angefangcn bis herab zu meiner Wenigkeit Band und ,!tappe einer Burschenschaft weder einer ,!iorpr trugen. Also auch'ich fühle mich'berechtigt in dieser Avgelegenheit niilzureden und icki erkläre von vorn herein/ das; ich ein Gegner des heutigen Couleur Unwesen» der zionistischen Studentenverbindungen Seite 5 bi». Ich habe ringen Einfluß auch i» diesem Winne meinen ge׳ in meiner Heimatstadl unter den Sliidcnlen nutzbringend geltend gemacht. Und doch kann ich den, geehrten Herrn Tr, Tiamant nicht voll bcipstichlc»: vor allem nicht ^in den Vorwüricii und Eingriffen gegen unsere Lludenicn, Ich habe unter Ihnen eine begeisterte Arbcitsfrcudigkeit gcjilnden. ein unbedingtes sich Unlcrordncn und ist den Tienst stellen, wen״ mwklich gearbeitet ujerden soll-und wenn die Perion. dizur Arbeit riisl und führt, nur balbswcgs Vertrauen verdient, iijie es in bürgerlichen »reisen eine Seltenheit ist, Tas sind nun freilich Eriahrungcn, die mit den Beobachtungen des Herrn Tr, Tiamant im Widerspruche stehen. Ich will aber absehcn von feinem Angriff ans die Studenten und nur berückßchligen. r>as er über ihre zioniiliickie Vereinigungen sagt, : Sohl ist cs unleugbar, daß dieses Couleurwcsen in s-incr Nachahmung sremdnationaler Gebräuche der Assimilation sehr!iahe kommt, vielleicht selbst schon Assimilation ist: es ist aber ebenso sicher, daß er uns Juden i» diesem Falle mehr als in allen übrigen ganz unmöglich wird, auf nationaler Grundläge' zu süßen. Fehlt uns doch hiezu die nationale Tradition »nd vor allem die nationale Alma mater aus der ein jüdische» Studenten leben'herauswachsen könnte. Wo also unter jüdisch!» Studenten das Bedürfnis wach wird, stch zu :!erbändcn zu organisieren, werden diese gezwungen sein, sich an da» vorhandene fremde Muster anzul hncn, WaS ist natürlicher als daß, das io ki ästig in die Augen springende storpr- und Bursch! nschafirwcsen des deutschen Volke» bei nn» österreic!ischen Juden zum Vorbilde wird, nachdem die jüdischen Studenten- Verbindungen stch modeln. Run ist zsrade diese» Original streng deutsch-national, Wurzel im deutschen Volkstum:, besser gesagt ist ein Teil dieses VolkstümeS und ein schöner, poetischer Tul desielben. Aber seine Nachahmung mit all dem Pflanz und all dem Korpsgeist mst seinen Kneip«» und seine» Mensuren ist einer freien lebensfrohen Ration nicht würdig. Wir aber können an» Eigenem nicht schöpsen, sollen stemdnationalcs nicht nachahmcn darum gilt» eine» provisorischen Weg zu finden, lcr für unsere jüdischen Studenten gangbar ist. Nickt.den jungen .Herrn Vorwürfe machen, sondern die , iltcn Herren" auizurufen, daß ihre gereifte Urteilski ist ö!c Form erfinde, in der unsere jüdische Jungniannschaft zusammcntrcten solle, da» möge Zweck dieitr bescheidenen Zeilen sein, — Schon zeigen sich schäme Ansätze zu einer diesbezüglichen Organisation In Sportvereinen, in denen die Studenten die Lehrer der preitcn-Volks- Massen wären, in GejelligkeitSvereinenj in denen stc den .!LUredu pluisir unsere» der Fretden jo selten teilhaftig werdenden armen Volke» abgeben, in solchen und ähnlichen Vereinigungen könnte vielleicht, wenn die ,allen Herren" nur wallten und sich'» der Mühe nicht verdrieße» ließen, der unwürdigen Nachäffung fremdnationalcn Wesens ein kräftig Paroli grboten werden. Und darum,wiederhole ich es: fan die ״alten Herren" der zionistischen Verbindungen, schlagend oder nicht schlagend, ergeht der Ruf zur Arbeit an der Reorganisaüon unserer Studentetzperbindungen, Proßnitz, im Oktober 1004, י' י ■ i. , Fr lebst ich Low, Zikrung ües pmtärkten Uorslandes der Hultu$gemeinde fn Brinn. Anwesend 18 Mitgiicdcil i Vorsitzender Herr Ba»er verioeist in seinen einlcitcnden Worten aus den tlmstan», daß der provisorischcn Answllung des -Herrn 'Tr/ L öwy .mdjt« im Wege stehe, da alle Vorbedingunäc», die an die etwaige Anstellung geknüpft sind, ihre Erledigung gefunden haben. Bei der hieraus yorgenommenen namentlichen Abstimmung stimmen l sämtliche anwesenden Mitglieder des verstärkten i korstandcs * ü r die provisorische Anstellung ׳des Herr Tr, Löwy zum Rabbiner und zwar folgende Herr-n? 'Roienihal, Tr, Schreier, Roth. Tr, Pollak, Stein, Kal'cher, Schwarz, Köniasgarten, Perlhcftcr, Pollak, Kohn, Siraßer, , Wilrofsly. Prof, Obcrlinder, Seidel, j Tandler, Sonderling und der V!rstpcnde Herr Bauer, E» erscheint somit Her: Tr, Löwy ciirftTpim igzumRabdinerunl Seelsorger gewählt, Ter Vorstlzende konstatier! mi! Befriedigung ׳ die,Tatsache, daß eine solche Einmii igkeit der Mit- 'gliedcr des verstärkten Vorstandes lei der io wichtigen und jahrelang den Vorstand de'chänigende« : Frage der Anstellung ׳eines Rabbinci s. wie sie heute!zutage getreten sei, wohl sehr selten zu verzeichnen!gewesen sei und gab der Hostnuno Ausdruck, daß die Lösung der Rabbincrirage ein! glückliche ׳ein werde, — Pros, O b »der dankt den Vorstande und speziell seinem Präsidenten Bauer iür die Mühe, die er sich gemacht, um die Angeleg!nbeit zu einem gedeihlichen Abschluß zu bringen, tBcisall.l Es kommt hieraus zu einer »leraus lebhaften Tebalie über die Frage, ob der verstärkte Vorstand auch in Angelegenheit des Baue» eine» neuen Bet- Hauses kompetent sei, was namenckich von Prof, Oberländer und Herrn Perl Hefter bestriilen wird. Während vom letzteren dar ruf hingewiescn -ivird, daß die Tempelbaujragc in e n Stadium geführt worden sei. das cs nicht rstllich erscheinen lasse, diese Frage vom verstärkten! Vorstände ent scheiden zu lassen, gibt Herr Tr, Pollak der Persichcrung Ausdruck, daß ebenso wie n der Rabbinerfrage die anfängliche Erregung un) Meinungsverschicdenhcil einer lobenswerten Li! iwütigkeil Platz gemacht habe, sich auch in der Tei rpelbaufrage die Wellen der Erregung glätten werden. Hierguf wird die Sitzung gcsc ,losten. Gedenket des jüdischen Nationalfondes!