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Jüdische Volksstimme · 1904-10-01 · 19 (1.10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
V (1904)
Issue
19 (1.10.1904)
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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־V- Jahrgang. Krünn. am 1. Oktober 1904 TJTr. 19. ■־füiflwroiie: Rür Coticrrcidi Ungarn bnlbjfibri<1 K ״״״•|ä5v:-. K .״! ן,, :■;•ihuwit'umr. Aeuliitilmiti g«,1,1»dnq *art 1•:.״: «niiiinii .., ״■־P־'׳"'■ Rraiitt31 ..*״«lic״. lütte,. SJuinömcn. ־rcliien. *ul,,,u.״V uh־, ״vT•■-. 'Kci»af1:on uni> ÄdmuuüluUen: Bru:::: Tu׳ ..jüdische Bolk-süimmcer'lliem: am 1. und .1..־.־ $iu1}t)ii11MerÜ<t)0 Perrrcnmq: Cito Mlcmui. t״or:^0׳t.׳ko׳׳ Kol liaiuieoriin. 2 m Simchath.Thoraseste ertönt mit einem, um:.־ 'ei der Thora-Vorleiung ein ionst int Jahre 11r.it lopbnter undungehörterRitt: .Kolhanncorim“. ־.Ille «naben sotten zur Thora kommen! Man 1111:!'; nit Ansnterksamkeit beobachtet haben, wie die «nat־e 1 die ganze Zeit über erwartungsvoll lauichend dun י> title entgegenharrten; immer näher, immer die'-üer 011' einander gerückt, wogte der dicht gehallte stK'.1e.' hin und her, drängte »ach vorwärts, dr1־.!:at!e nach rückwärts, bestrebt immer näher heraus tu*.mtijn nnd erneuerte zurückgedrängf־ immer wieder di 11 Versuch, als gälte es die geheiligte Hohe im *!urn angriis. zu nehmen. Endlich ist der ersehnte An,; uölick gekommen, die Engend hat die Thora in 2t.ini genommen, und aus der ersiegten Hohe an. iieliuiiit, bringt das Gotteswort, von den Lippen des iihrers vernommen, Ordnung , und Ruhe in du. de »egte Masse, die zarten «inderstimmen Horen iub wie das einstimmige Echo des Feldherr». Tas m dzi Höhepunkt des Simchas Thorasestes, das in der : chlußessekt des Freudenfestes der Thora ־und will torderhand so viel sagen: Tie Jugend er ober steh ihre Thora, ihr Ideal, sie bentachtigt sich des nationalen Gutes. Vieser von der Jugend kaum geahnte nur im dnnllen Trang waltende Gedanke, verleiht dem ,reue seine hohe nationale Bedeutung, io das! wir et!.־, las Jen, als diese.Einrichtung, die schon oft von d.n Lrdnungsjaiiatikern bedroht wurde, missen koe iion und dürste». Tiefe ungestüme, vorwärtsö. iiinde Jugend im Gotteshame ist Zukunsts- 1׳ r o e 11, Zukunsts m usrk der j ü d i s che n :!*0 1 t|cs! Finde» manche darin noch zu wenig ׳:rinne Ordnung, zu schlosse Organisation, so lourte das den maßgebenden Persönlichkeiten die Ärger offnen, daß den jüdischen Gemeinden, den pu.־!teil Gotteshäusern, dem jüdischen Volke im oiruun und Ganzen noch an Haupt und Gliedern C :ganisation fehlt. Wie sollten die «inder zu e::־o:s kommen, was die Elter» noch nicht erfassen? 11■ ’.r. Jugend ist aber wie die Jugend überhaupt 1:1.::: o rückständig und konservativ, unsere Jugend >it une ganz andere geworden, sie eilt den Alten urd Eltern voraus, hat bereits die zionistische Fahne deren Organisation ersaßt, wird sich und die organisieren und arbeitet an einer גי n 1 i letten Zukunft. Feuilleton. Die Geschiedenen. <2kizze.) . Tantals begann die Lonne unterzugehen, :te sendet ihre letzten Ltrahlen durch das ׳r in das Gemach des schwer Erkrankten. ־Lu : strahlen dringen durch den Vorhang durch n:!d fcie dem Bette des «ranken nahe liegende W־.: d ist mit unzählige» Hellen Pünktchen besäet. {tille herrscht im Zimmer, er «ranke liegt auf dem Rücken und atmet oft holt er aus und ein tiefes Röcheln sich hörbar. »weilen. öffnet er seine Augen, schaut seine >'■- ־;־־.".Pelle Lebensgenossin an und betrachtet die >uu itinzigen Stäubchen gemengten Ltrahlen der unt.rächenden Sonne . . Sein Blick ist traurig schwermütig . . . ־ ־ . Tas fühlten und verstanden die Alten ans .!dem Altertum viel besser als die Alten unserer 'Ulea und bekundeten ihre hohe Einsicht in das Wesen, in die Seele und das Leben der Jugend durch die Einrichtung des Kol hann eorim und durch die Zuweisung der fugend mitten in das kräitigste Volksgetriebe, in das mächtig pulsierende Volksleben hinein. Sagte doch sicho» der Psalmm (S, 31: »Aus dem Munde der «inder und Säuglinge hast Tu Teine Macht begründet " Ter weise Zalomoii lehrte (22. «>.: f. Erziehe den «naben nach־ seiner Weis/, auch wenn er alt wird, weicht er nicht davon." Unsere Weisen sagen (Sabbat 201: »Was in der, Seele der Jugend Eingang gesunden, das entweicht ihr ninin ermchr." Ein jüdisches Sprichwort lautet (Jalk Ruth. .Y.nii: »Ohne Zicklein gibt es feilte Böcke." An Zeinen und richtigsten erfaßt der Midrasch (Tillni die Bedeutung der Jugend in folgender Tari ellung: Ehe Goit dem Volke Israel seine ־ Thena. den jüdischen Natchnalschatz, ausliesekte, verlangte er sichere Bürgen, daß dieses ngiionale Gut für ewige Zeiten dem Volke erhalten bleiben werde. Tas Volk bot die Patriarchen als Bürgen, dieie erschienen aber nicht völlig einwaudsrei, da schlug das Volk seine Propheten, und Lehrer vor, doch auch diele wollte Gott nicht annehiiien, da nannte das Volk seine «inder. Tieie, sprach Gott, sind die üchern-.n Bürgen, die n-hme ich als die treuesten Hüter des nationalen Schatzes!an, als die sichersten Wächter des jüdischen Volks-!geisles. Tie Jugend hat ihr.־ Ausgetbe bis heute, aber ,!nicht immer in der gleichen. Nicht immer in der ^richtigen Weile, wen» auch incht iiiinier ans eigener;Schuld, ersaßt. Ein halbes Jahrhundert etwa ist es, in der zweiten Hälite ü.s vorige» Jahrhundert, j|6a gewann in den jüdischen Gemeinden immer ■:mehr Boden das Virlangen und der Ruf nach!Erneuerung, Verjüngung und Modernisierung des sJudentums. Ter Ruf hatte leine Berechiigung.!Wer ewig lebe!, will, muß wie jener sagenhafte?Adler von Zeit zu Zeit ans ieiner Aiche verjüngt ju neuem Leben emporsteigen. Aber nur aus seiner eigenen Alche,kann man sich verjüngen, wenn man immer derselbe bleiben will, «ein Mtnich verjüngt sich, wenn er zu dem alten Gesichte das Gewand eines jungen «indes anlegt, Tas sahen nicht ein, das verkannten die führenden Männer im Judentunte und die jüdischen Gemeinden. Tie Thora, das Gotteshaus, der Gottesdieni; wurde 11)111 u zur . Puppe, die man mit bunten Las peti, mit modernen s Flicken von außen behängie, ganz modern bekliid.t '־ der man einen gefälligen äußern deren Inneres man sich »ich Thora, Religion. Gottesdienst un; den Juden, alt und jung, ־bald! lichkerten: die nach kurzer Tauer,! den Reiz der Reuheit verlöre»! gleichgiltig und kalt ließen. . letzten Jahrzehnten und hört Anstrich gab, nnt mehr kümmerte. Judentum wurden nur mehr Außerkaum eingebürgert, und dann völlig - «lirgte man », den mc n auch noch d ui Jsudentui». über :. um Judentum.־, , zutage immer und immer die .«1 ige über die iictig; zunehmende Gleichgiltigkeit in! Mangel an Interesse, an L.c jan Teilnahme.an jüdischen Aiig.fegenheiten wtidir-' ■ holen, so findet man disinr die volle umd! d!e wahre und richtige Erklärung in Lsr südlichen .Geschichte der letzten '10 Jahre, in dem sii-ve:nu ,Irrtum der sogenannten Resoruti.rung oder Blöder : »isierniig und Verjungung des Judentumes, ii! dieser Verfehlung der jüdischen Gimeinden zum Schaden des ־Judentumes, worin noch heute־ Iiider jo viele Siimmungsmacher in dj־u Gemeindiu besangen sind, die den Geist des Judentumes :10,.־! kennen, nicht einmal dunkel ahnen und in c,eier ihrer Unlenninis die Entwicklung des Judenittms ־und des jüdischen Volkein,. jüdischen Jw.i'li hemmen und schwer schädigen. ■ Warnun ein Wunder, wenn die Inden'.vieles unten halben Jahr- Hunderts, die nur das Judeutuii von einer geäfften Außenseite kannte, diesem,Judentume sich immer mehr enisremdete, .den nllnschluß au dar i Moderne folgerichtiger als die Urheber gilnz voll! zog und dann, wenn die Thorq k. •1 liamn.i 1 : :alle seine «:»der zu sich riet, sich nicht eir.ja d, •a vielfach sich gar nicht mehr einßnde»' konnte, will ■ sie entweder den Segen über dir Thora nicht nieite zu sprechen verstand, oder weil mit der neuen vertauscht ha»! j «inder waren wohl modern, ab:; richtigen ־Bürgen für unsern ältere Jugend ist nun alt gewi (te die alte Tlwra Tiefe jüdt'Len nicht die .ften ältcn Gott. Tteje rden, hat die Zeit erreicht, die-sie verbrennt und aps der Asche einu neue, eine junge Jugend erstehen Tiese neue Jugend, die ר . hundert werdende Jugend gibt Bild von Kol hanneorim, die vorwärts drängend läßt, r uiiserem Jahr uns wieder das Jugend, die sich IM Sturm die tum, den jüdischen Geisi und »Er kommt!" mit ein Nachbar, der ins Zimmer; tritt. - »Stt ״Er. Schreiber." der Rabbi uuS auch Ter «ranke sieht abermals sine Frau an, »Heinrich," beginnt nun der Rabbi und in s seinen lieblichen Augen _־ erglä, jen zwei d.r ■ Tränen, - »verzweifle nicht. - Heiärich, den gütigen Vater im Himmes' dieient Augenblicke beginne» die gewiß bald Hilfe angedeihen Sonneusirahleu auf der Wand zu zittern und eilt,ge kommt ja oft vor - - ■ _£״ non ihnen verichivinden gänzlich . . . 1 bleiben und U-ich »och in iein.'i ־!־er «raukir hustet und ip.it einen Blutstropfen! lich fühlen . Tas isi nur _ ־ . blick. . . Ein Geheimmittel. ' Tie junge Frau macht eine krampshaite Be.i . »Gewiß, gewiß," bestätigt Hora, das Juden- >as!üdijche Volk^ grone vertrau auf Er wird-Tir lassen ... Tas swirsr am Leben ersten Ehe giitckaus eenen Augeniichts weiter. . . er Schreiber und־ weanng und große, heiße Tränen entströmen ihren ateibt sich die Hände aneinander ,ן . . »Tas kommt ■ ' _ ......__, oft vor . . . Ich selbst habe ja schon viele der ־Rabbi mit dem Schreiber! Schcidungsbriese geschrieben ,..! uuü dje «canken " ' ' ' '־eil Bertil auf und . stark wie die sind jetzt sogar Ein. Gili.iin- : genaien wieder, siande» von ihre! Uiib Augen Ta kommt der lliabbt mit Auch die Zeugen treten ein Tas Gesicht des ־Rabbi ist bleich. nun sind sie vollkommen getund, Tie Nase des Schreibers ein wenig rot.!Felsen . . »־,cht das allein, s^־ Ter entere setzt sich an Das Bett und ein; Vater von mehreren «,udern . schwerer Seufzer entringt sich seiner Briisi. : mittel . . . Geheinimittel, nichts ^■׳ -chretber näuipert sich. . . - ^:e Augen der «ranken ,Ta öisnet per «ranke se:>־.■־ Aug.n. mehr..." erglänzen .:::en Augenblick, e>u Schatten der Hotsnung zeigt sin. te Sekunden eilen und eilen. ie erhellten Pünktchen auf der Wand nehmen allmählich ab. T er Atem und itiehr. Ilnd das Gesicht der jungen Frau ist ganz eiiisiellt. u beginnt sich a:1 L! in gen in ihr bl -1>iaS wünscht Tu, Heiuri..־. ־ ' fragte ihn deri in ihnen . ־. ehrwürdige Rabbi. - '?"gm »rch Aber der «ranke autwortit nichts. Er (chautiroiin. . Hopnung-ttrahlen der «ranken stockn immer mehr sie spricht'der Schreiber den «ranken Aus der Wand/sind nur noch einige hell.־ an Tu wirft'»och lange leben. Aha! Wir werden.! Pünktchen zu ,ehe». יי י "י trinken und nichts zvird . . ." .Tie Sonne m noch nicht uftterg.-gangen. 1Verbreitet^;die ״Jüdische Volksstimm©‘ ^44642

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