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Jüdische Volksstimme · 1904-09-15 · 18 (15.9.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
V (1904)
Issue
18 (15.9.1904)
Date
1904-09-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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r ־V. Jahrgang. r Wrünn. am 15. September 1904. 'Nr. 18. ch.Aiir drfttnrtuft N»1.,anr JMlbfübri׳! K 2-.'׳.״«»;. ״. K f* ־. XewÄdiUmb «<m\|rthn11 Mark »*:■o; ‘Kunin»> - * ,vtoutrctrt», Italien,?iirtfi. Wtmianicn, Lerbicn.!״"״. ׳n-׳!ין, ׳ , 3»<bafttou \\n> rldmunürane« Bru -Tlc ,jüdische am 1. und!t- 1׳ .;nMcrniiK• Zertrenn!«}: Cttc»11:11; •»:א ־, Vr v ׳l::־jr dir Mcn und -er deutsch-tschechlschc Sprüiticnftrcit. 0.::cÖcr wichtigsten Fragen für liniere Stamme?■ jenpiie« in Böhmen und Mahren ist ihre Stellung■ nadme^zn dem niemals versiegenden Sprachenstrcite der i een herrichcndcn Nationalitäten. Mit einer ne* nicht dageweienen Rücksichtslosigkeit und Hart »äcktg!.׳:t wird dieser «amps aus beiden Leiten ge׳ führt, .'■.e nationale Verhetzung hat bereits den dochnen t'iraö erreicht, und ein Ende ist über haiw: nickt abzuseheu, Das ist nicht dcr"AGmpi zweier ungleicher Gegner, bei dem schliestlich der -eine, in stich ausgerieben, sich ergeben must, sondern zwei nieste Nationen, die aus Jahrhunderte alte, historisch. Ansprüche sich stutzen, befehden einander, die Saven, als die einstigen alleinigen Herren dielet Lander, die Deutschen, die daraus pochen, dast d::1:׳cher Gewerbefleiß und deutscher ,Kapital die dehniiichen Länder aus ihr jetziges rtulturniveau iinvo:,,,loben haben, Tas slawische Element, das jälulr,: ׳:,rtelang durch die habsbnrgischc ■ Germamiiernngspolitik niedergchalten wurde, ist im Lause der iu mi Jahrzehnte zum nationalen Bcwusttsein erwachi and will nicht mehr eine untergeordnete Ziel!, iinelen. ״:»vijachlich stellen die Tschechen, abgesehen von l.i» böhmischen Staatsrechte, welches selbst einstebisoolle tschechische Politiker als utovistisch erklär,n, zwei Forderungen aur, nämlich vollständige Gleiehl'.i ׳chtigung beider Landessprachen im amtltäien Irrlehre in allen Landcsteilcn und insdesonder '׳ innere tschechische Amtssprache für tschechische lsteriel l, and zweitens Förderung ihrer kulturellen Bestredangen von Seite des Staates durch Errichiung von Hochschulen und anderen Untcrichtsanitalt.e e lästt sich trotz aller Vorurteilslosigkeit nicht : , Abrede stellen, dast die Postulate der Tiäiech ׳: der Berechtigung nicht entbehren, T'׳' Teutschen aber anderscit« wollen ihr Hnwr1׳,l׳es Recht der Borherrichast in Sesterreich nicht angeben und haben sich daher, allerdings erst in den letzten Jahren, mit aller Energie zur Wehre stentzt A e u i 1' l' e t o n. Der Hrjt Michael. -n Hebrüi'chen »tberseyt von Heinrich Maier^o׳. Lchlust. Eines Tages verbreitete sich die ,stunde in der -tad:, dast im Gasthause ,zum roten Sarech" ein herum׳, iebender Doktor eingekehrt sei. Als die .Auigellärten" dies erfuhren, suchten sie den Toltor zu bewegen, sich in dieser Stadt ansäßig in «ach.n, indem sie ihm goldene Berge versprachen, nnsangz ivollte zwar der Doktor nicht daraus ein- ^hen, penn die Stadt schien ihm kein ergiebiges «ebiet iur seine Tätigkeit zu sein, endlich liest er stch doll! dazu bewegen und bcschlost ein Jahr zu Probieren Bon diesem Tage an kamen für Michael KMcdne ,stiten, 5,:n;{orn ergoß sich über die Einwohner der San״׳!, =tnöt. weil sie eine solche ,Ungerechtigkeit" Mien.-n ״Mehr als 30 Jahre," sprach er tief geuänli, ״habe ich mich für das Wohl der Stadt ausgeop>,rt. wie viele Seelen habe ich vom Tode "rettet — und jetzt nehmen sic sich ein ״stind" machen es zum Arzte, Warum? Weil der nicht betet, den Sabbat entweiht und -■bolior״ genannt wird!" So sprach Michael zu ״en, die ihm noch treu geblieben waren und ihn rsen^ilne stranken zu heilen. Len neuen Doktor aber feindete er bis aus 5 auperiie an, und wich jeder Gelegenheit aus, ihn, zusanimcntresscn konnte, Lst spottete ^Zwischen diesen beiden Sireittcilcn stehen nun j»e .enden, die, wenngleich ein großer Teil von ihnen noch immer nicht seire asiimilatorischen Gelnits ausgeben will, doch heute nicht mehr ernstlich von Dentichcn oder Tschechen als ,stonnationale. sondern, was übrigens selbstverständlich ist, lediglich als Juden betrachtet werden. Nur dort, wo man ihrer Hilie nicht entraten kann, gestattet man ihnen noch heute, sei es als Deutsche, sei es als Tschechen sich z» gerieren, und namentlich wissen sie sich in ihrer Stellung als zahlende Mitglieder der diverien Vereine am längsten zu behaupten. Doch ist heute der nationale Ehanvinismus und namentlich der deutsche derart gewachsen, dast man die Juden in brüsker Weise megitöstt, wenngleich dies oft die vollständige Tichechisierung eines Srtes oder Bezirkes bedeutet. Man wurde glauben, er gibt in Anbetracht dieser Umstände für uns Juden nichts einfacheres, als sich schön ruhig und neutral za verhalte» und sich melit die gereizten Gegner aus den Hals zu laden. Doch weit geiedlt! Namentlich Alldeutschlands bedrohtes Panier ist cs, um das sich Judas Sohne mit Vorliebe scharen. Der zweigcschwänzte Lowe übt meist keine wiche 'Anziehungskraft aus. Geradezu zu bewundern ist die ,Kurzsichtigkeit, mit der gewisse jüdische Geistesgrößen h:eb.׳i zu Werke gehen, ,strainvilrast bemühen sie sich, Posten, dieim Vorhinein als verloren gelten, zu halten, mit einer rührelSuw Anhänglichkeit bieten sie allen Angriiien der erbitterten Gegner Trotz, sie iZtzen ihre Und die Eristenz ihrer Glaubensgenossen, die meist politisch vollständig unerfahren sind und ihren Führern blindlings folgen, auis Spiel, nur um ihren per verien nationalen Lüsten sröknen zu können. Es soll aber hier keineswegs einer tschechischen Propaganda unter den Inden das Wort gesprochen werden. Unser Weg ist uns ganz klar und deutlich vorgezeichnet. Jeder Jude in den böhmischen Ländern hat und dies kann nicht genug oft und nachdrücklich betont werden, beider Landessprachen vollständig'■prächtig zu sein, er hat, was die nationaieji Streilchinkte zwischen Teutschen und Tschechen bctriijt, stets und unentwegt aus dem BodeMrcngstcr Neutralität zu stehen. Er ׳'oll und darf nicht nativ! ale Schul: und Trutzverc'.nc, wie Deutscher Schrlverci», Me tice Skolskä, Noidniädrerknard. und äh ckiche mit seinem Gelde unterstütze». Für überichüi iges Geld gibt er bei uns Juden zedcrjeit Veriven! ung genug Ist cs nicht erniedrigend un> entwürdigend, muß er nicht die Tschechen im :ochsten Maste deutschen Turn angehdren, die ghl Nichtckricr auinedmen ■ lir Jahr Irr Antrag ii׳.l: rchinen. Ist es gegen uns ausstacheln, wenn Juden oder Gesangvereinen noch weiterhin nur eine perzentuclle oder in denen Jahr wicderholl, Juden nicht,mehr aurzu nicht geradezu blöde, wenn man!cs als feiere-,» einer erfreulichen Fortschrittes achraßt, dast ein solcher Antrag mit einer kleinen Majorität ׳!dz, lehnt wird, um bald wieder auszutauchen und schliestlich siegreich durch, »dringen'? Ans allen diesem Wirrial gibt es, sur »ns nur einen Ausweg, eine vernünrtigc! jüdvchc >ieal Politik, selbstverständlich aus Bant der tut»!״.״ Nationalität, Gegen diese keinn doch gewiß kein ehrlicher Teutiche oder Tscheche etwas einivend.n. Wir' haben Beweise gchug darür,!daß ein Ine״, der ehrlich und onen leine jüdische Nationalität zur Schau trägt, weit mehr geachtet wird als enr solcher, der sich feige unter einen rp.mden Mantel verbirgt,! Bei aller Tankbartkit und'Hochachtung vor der deutschen ,stultur haben wir cs melit nötig, mit Hintansetzung unserer Eristenz die Breschen des Deutschtums zu haltest, speziell wir Juden in Mähren, Verschließen jvir uns nicht länger der Erkenntnis, die deutsches 'Vorherrschest in Mahren wird fallen, ob jetzt gegen oder ohne den Weder stand der Juden, ja Noch mehr, prit Ausnahine einiger ncrdmährischcr Städte, mit rcindenil-g- 7 Untgcdung werden die Tschechen in ihrem Sie ,,: lause alle Gcmeindcvertneiungen Mährens i» ihre Hände bekommen, wie es ihnen in jsingster j‘1t!!1 Prostnitz, Wischet». Littau und Weistk rchcn getunaen ist. Und dann : reue vi<tis! Dann vereinigt sich die Rache der Sieger tziit der Wu! der Besiegten zu einem verheerenden Boykott der S chuldtragenden, ick ist der Juden, ׳ Und sollte man es!für möglich!kalten, dast cs selbst in überwiegend tichechischen j Städten noch er über seinen Rivalen und sagte: .trenn'ich denn!nun an^verschlosicn. sein Herz bcklosnmen und der nicht diese jungen Vögel? Sic verstehen ebensoviel von einer Ärankhcit, wie ich von der Tanzkunst, Der Doktor kommt z» cincm Franken, untersucht gleich seinen Puls und, da er hiervon nichts versteht, zieht er seine Uhr aus der Tasche und schaut aus dieselbe — vielleicht weide sic ihm sagen, um was cs sich handle. Sodann schreibt er ein Rezept, erhält seinen ״entsprechenden" Lehn, was ihm eigentlich die Hauptsache ist, und geht fort," Mit derartigen abfälligen Bemerkungen suchte Michael seinen ״Feind" bei den Einwohnern dir Stadt zu verleumden. Vielleicht gab er im Stillen die Horinung nicht ganz aus, dast der Doktor doch in kurzer ,seit die Stadt verlassen werde. Allein Monate verezingen und cs schien dem Doktor nicht einzusallcn, den günstigen Sri seinem Rivalen zu Liebe zu verlassen. Im Gegenteil, er hatte sich ijchessen eine größere Wohnung gemietet und feine Familie zu sich beschieden, , , . Jctz, war cs Michael klar geworden, dag tetn Feind gesiegt habe. Von dieser Zeit an 'telltc er auch die spöttischen Bemerkungen über den Doktor ein, da er cinsah, dast man demselben iniuter mehr Vertrauen-entgegcnbrachte, und dast jeder seine Geichicklichkeit und'sein ärztliches Talent pries. Was Wunder, daß ihn Michael' desto mehr hastig und dast sich seine Wut auch gegen die ganze Stadt steigerte? Wenn Michael von seinen Visiten, die sich nach und nach reduzierten, nach Hause kam. ״Doktor" rufen, jo svrach er säst gar nicht. Überhaupt war er von gehört?' ganzen Welt abgeneigt. Eines Tages kam er sehr aufgeregt nach Hause, Sein Gesicht war rot, die Adtgcn Pinkelten wie Blitze, die Adern an seiner geipölbtcn St-rn wgien angcschwcllt und tr zitterte am ganzen Leib, Seine Frau merkte gleich, daß ihm etwas Unangenehmes widerfahren sein müsse, sic fragte jedoä, nichts, sondern wartete, bis er zu spr chen ansangen würde. Michael sprach jedoch kein Bort, sondern setzte sich, stand wieder aus und schriitsmit geballllen Fäusten 1m Zimmer aus und ab: mgn sah, saß er keine Ruhe rinden konnte. Plötzlich blieb er am Tische stehen, schlug zornig mit seit er Jaust aus denselben und ries: ״Ich soll nicht P ichacl heißen, wenn ich ihr sernerbin gestatten wcrd׳. mein Haus zu betreten,' Sic soll mir nur da 1er kommen! Hinausjagen^averdc ich sic wie eine:! döien Hund und mit hsistem Wasser begießen , , Die'cr ״vornehme" XHZeib!" Seine Frau vcestanü es iogleich, dast diese Worte ihrer Verwandten galten, in deren Hause ihr Manm heute eincn Besuch adgestattet harte. Was stch jedoch bo t zuqetragcn, das wußte sie vorläuiiä nicht, ״Des ist ja ctue Frechheit sondergleichenfuhr der llte mit den , Händen gcstikulserend sott, ״schon!cts drtticmal gehe ich in ihr Haus und nehme kein: Bezadlnna, weil sie angeblich unsere Verwandte ׳st, Picvdck׳, Tu 'wirrt cs mir nicht glauben, liest sic l, . Hat man noch >0 was Verbreitet den ״Jüdischen Volkskalender‘ ^44642

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