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Jüdische Volksstimme · 1904-08-15 · 16 (15.8.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
V (1904)
Issue
16 (15.8.1904)
Date
1904-08-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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•ft:!!וי Indische Boiksktimme firrjl-Jrflnrrfcirr in Rälir.-VSran. iamfinfl. den 1>. d. M, hielt 2c. Ehrivürdcn Hcrc:liabbiner Tr. Jakob Spira in dem bis aus ^-letzte Plätzchen gefüllte» Omaner Tempel , eine Ppdiist. die sich zu einer imposanten Trauerkund׳ qcdnmi i»t Tr. Herzl. zu einer begeisterten Proilamaiirn!der zionistischen Idee von der Kanzel aus qesialtete tjlnknitpscnd an die in den Traucrwochen vcricfnun Wilchenabschiiitte. durch welche sich wie ein roter si-1!>c» die Zr.auer um;jion zieht, besprach der Redner die L: :i 1er Juden zu dem Lande, das einst ihre jiai'i beili heu. Wie riihrend ist er. sagte dr. wenn Isrni ,'11״:re »ach der Zerstörung Jerusalems der dei,»de Ilde sein Gesicht »ach Olten wendct, wie emr.t'tttd, wenn der sterbende Fromme iernc Füge Mt» L'ica kehrt, sich Erde aus Erez Israel unter tus'aupl legen lägt und mit dein 2e»szcr: Jerui,1| :!: .';■1nialnr ans seine» Lippe» verscheid I. Zt.u.Izt iS nach Jahrtausenden nicht heute noch ׳0 00:1 •<:הו rhaltenen Tränen in jene»! Psalm, der riet di» V.vne» beginnt : An den Wassern Babels iai.:1 :r.r nnd weinten, als wir;־{ton? gedachten!1-11 iiingin wir die Harfe» an die Weiden, dort spraed u :ins unser Feinde 2>ngt uns ein Zions- »:>. -d da antworteten wir: Wie könnten wir i.,;• L. ׳ iotles aus sreuidjem Boden singen! Aus i.n ::t ־l'f.1 lut ertönen auch jene unvergeßlichen L.:. gleich einem unvergeßlichen Schwur: '״<S9 tv.:.׳::; >!leine Rechte, wenn ich dein vergesse. . :11׳..m : 20 liebte noch kein Bolk sein Vater- 1״:. .!nö noch nie hat ein Volk iür seine -fr. o-: i-> geblutet, wie das Jüdische; denn bei Ci: o.:>en hangt Patriotismus und Religion aus taintiigil! zuin,nn,en. So alt wie das Judentum :׳': l er Z i'״,sm»s. Gr lebte in den jüdischen Äe . Oste-S, IN den Herzen fromm.r Juden des W.st-is als Hvssnüng, die sich ״Ich! I» Tat' en: : Je, de» ״modernen Juden" war die: ' -tu!ach Zion vollständig erlösche!!. Was gehl! ... e»y Sic leben zuiriede» »nd glücklich,1! aiöß-.le Hälfte der Judenheil ichmachlc! im: ne , i ■ öi׳.: : ia in 11. »1:׳v.r. Sir:;:::• סי. ו! t ״ Ir,.;:, ii::;1nun;1to׳ Jul en. :me ■> :ab, n .:!>! 'eit :.::stei Gwlus. Millionen von Jude» sind I d und in Rnipäiile», i» Asien undt Willkür, der Turanei prcisgcgeden. S:el der Knechtschaft, sie verkommen in I nd n»ü Unwissenheit.- Und angesichts \ isarilränbendin El,er-ds konnte »:,» einj Was gehl hiich ,!,o» an'/ Wirin eigenes Heim? Als Hvisnn g. als! e Sehnsucht lebte d!r Zionismus im! bis ihn Herzl »nt seine» glänzei-Lens seinem Feuereifer, feiner imponierende» j it neues Leben einhauchte. Ga»; Israel! mehreren Wochen, den srühzeiligcn Tod: :-'gs'n Mannes .Als hervorragender Schrljt-: er, in ivciten Kreisen geseiert, i» den! Verhältnissen. Ihm persönlich konnte: Wa P: bei: Ci;!, itel: Cu4 -'!id-nnot nichts anhabe». Aber er verzichtete! an׳ Annehmlichkeiten de» Tajeins, aus Glanz -nnö Luius, aus die Anerkennung der Tagcsmode :!'innigen Er horte das Wchgeschrei icincr;1») aus!einer sittlichen Empörung heraus - >en Judenslaat, ichritt er ans Werk, um -» zu organisieren. Tie Größe Herzls : ann. dag er. wie einstinals Moses, Glanz ns verließ um ie inen jchwergcdrücklen 11' Osten Mul, Hvssnüng und Schasjens- :: wiedcrzugeben. Allein auch »ns west- -:idcn gereichte der Herzliche Zionismus Nun Seae». Ter Zionismus hat viele moderne Jn: >,- die schon fast gänzlich vom Judentume ab gescli. narr,׳, zum Judentume zurückgejührl, er bä! 'e-.-.en, deren Rückgrat durch Knechtschaft und Alsim!,,a1, m gekrümmt war, dar Selbstbewußtjein vliöireegetien. P,-e Zionismus hat neue Ideen, -.,iichauungcn über das Judentum virbreitct. i-ä wollten ihr Judentum nicht bekenne» »nd ich verschämt Israeliten oder Deutiche, Polen, Franzosen mosaischer Konj>js,o». Zionismus ist der Raine Jude wieder ׳ >amc geworden, früher verpönte Worte :diiche Ration", ״jüdißhc Race". sind wieder n gekommen. Der Zionismus hat Ost und 1'•״ '»ander nähcrgebractit. In dem polnischen 1;isischen Kajtanjuden, dessen sich srüher jo manäge schämte, sehen wir wieder unscren Bruder. ״'Jr den Bruder des Glaubens, sondern auch . ViuteS und der Rare, der unsere Achtung verl״r' .. er ein Märtyrer des JüdentumS ist. Jude soviel wie er, für das Judentum nn: . Ar,: ich:: -u . d;ü:. 1n:d te: irr..־ 11a... nr.. W. nans־[,.: 11 S:;: . den 111: S.' und dien, weil weil lii» leiöa. ”״ Ideal büher die Tir Zionismus hat der jüdischen Jugend gegeben. Wie verlassen, wie haltlos waren 1 ... - jüdischen Hochschüler; wie viele warfen! ich der harschenden Konfession in die Arme, wie i.tzleh ihren Stolz darein, in dentichnationalen ilkbindunge» gcduldet zu werden. Tort begeisterten Ie Helden, sangen deutschnationale! Lieocw ״leyt^ IN IN ihnen das Selbstbewußt,ein wieder 1 ciivacht Lie jüdischen Hochjchüler, sie fühlen brüderlich ftir und mit einander; sie gründen jüdische Verbindungen, wo sie sich für jüdische Helden begeistern und jüdische Lieder, Zionslikder, tingjcn. g.as alles verdanke» wir Herzl. Und darüm war das jüdische Volk in seiner tieisten Tiefe anjgewühlt, als die schreckliche Kunde von icinrm Hinicheiden sich virdicitere. Seit Jahrhunperten wurde kein Jude io lief betrauert wie H e f z l. Wohl hat das Judentum auch in den legipergangenen -cahrhunderlen große Männer hervoräebrachr, allein sie waren größtenteils Männer der!Wifsenichajt, des Wortes, der Feder. Herzl war, ein;Mann der uat. und daher die große Perehrung. -Leine i>׳rvße wächst, - loenn wir an die t-pi r denken, die er gebracht hat. Richl davon :»:H ich reden, daß er sein ganzcs großes Perntög'n. aus dem Altäre des Judentums opierte, nich! davon, daß er Weib und Kinder ohne irdische Güt r furückgelasien, londern von den Opicrn der Enljaguiig und Hingebung, die er gebracht. Rlan hat es ihm verargt, daß er eine führende Stelle bei einem Weltblatte inne halte, das nie auch mit einem Worte des Zionismus Erwähnung tat. Jetzt!,'!" N^wir es: er wollte eben nicht für seine zionj• :׳.:>!' Listigkeit bezahlt werden, denn er wollte sür C:s Judentum, aber nicht vom Judentume lebe» 1111b wie wurde er verkannt, verleumdet, aNi'je'se! der und veriolgt! Wie wihe laten ihm die sorltv.i^rende» Radelsiichc kleinlicher Gegner, das Rörge.u und ׳Kritisieren nnait'richtiger Widersacher! Ter Prophet der Klage. Jeremias, hat iür den Schmerz ׳olcher Anreindung n ei» scinsinniges Worl: ״Jus Verborgenen weint meine Seele". Äußerlich erichs'ini der Menich glücklich und zufrieden, weil er z« stolz ist, um viel Aufsehen von seinem Leiden zir »achcn, aber im Inner» weint und klagt ieine Seele. Wen» der letzte Glockenton. des Lebens verklungen ist, da erst!rkennl man den wahren Wert d-s Menschen, sagt der weist• Kohelet. Auch hier ist es io: bii Lebzeiten Herzls hat io mancher, die Bedeutung dicies Mannes verkanm, das sehen wir jetzt nnd inüiien darum einsttmmcn in die Wone: ״Wisset, daß Israel, eine» Fürsten, einen Großen verloren bat". Wie lähmend dies auch!,ns uns wirkt, io erhebend ist cs andererieiis, daß cs in unierer pesii mistiich verschrienen Zen noch Männer gibt, die bis zum letzten Alemziigc für chr Ideal leben und wirken Wie rührend klingt cs in Herzls letztem• Willen, ״man möge ihn neben!einen Vater, den er io sehr geliebt, begraben, bis das jüdische Volk ieine Leiche nach Zion iühren werde". Tas klingl wie Musik aus den Hütten der Ewigkeit — ein würdiger Abschluß dieses •vpiervvllcn Lebens. Allein nicht durch wehmütige Betrachtungen, nicht durch Trauer ehrt man und wollen wir Herzl ehren, sondern Indem wir bestrebt sind ihm nachznahmen und in seinen Wegen zu wandeln. Sein Lebenswerk, der Zionismus, wird nicht versanden, denn ihm gehbrt die Zukunsl des jüdischen Volker. CüaiuTkimtuu'lmmu'H. Olinütz. Sonntag, den L-ts Juli, sai d im Sitznngsiaale der Olmützer Kultnsgemeinde eine Tranerseicr sür Theodor Herzl statt Tie.Sprecher warln Tr. G ü n z i g, Rabbiner in Loschitz, Tr. E. Zweig und Joses Meist. Andachtsvoll lauschten die Vielen, die dem lobte» H e r z l ihre Verehrung zu bezeigen gekommen waren, den trauererfüllten Worten der Redner. — Unser lieber Kultusvorsteher Tr. Eben niußle just an diesem Tage sür vierunüzwanzig Stunden verreiscn. — Ter .Zion".Ol1»ütz beteiligt sich mit hundert Kronen an dem Rationalge'chenke sür Herzls Kinder. Außerdem wollen ivir uns an die hiesigen Juden mit dem Aufrufe zur entiprechenden Beteiligung an dieser Sammlung wenden. Preßburg. Tie Trauerscicr sür Tr. Theodor Herzl, die am 24. Juli von den hiesigen Zionisten im Turnsaale der ijr. Gcmeindcschule abgehalten wurde, nahm einen sehr würdigen Verlaus. Tas Publikum, welches den schwarzdrapierten, mir dem Bilde Herzls geschmückten Saal erfüllte, lauschte in tieser Ergrissenheit de» Worten de» Gedenkredner« Herrn cdrick. lhe-ol. I. Hoffman», der in einer dreiviertclstündigen, schwungvollen Trauerrede ein plastische« Bild vom Leben und Wirken des verblichcnen Zionistcnführers entrollte. Ter Redner zog eine Paralelle zwischen der traurigen geistigen und seelischen Verfassung, in welcher Her,! vor I« Jahren, als er mit dem zionistischen Programm -Lene -1 hervortrat, da» östliche!und westliche Judentum angetroisen hatte, und den, hoffnungsst'udigen Jdealismus, dem neuerwachten einheitlichen ÜZolkrbewußtsiin, erfüllt, von-welchem des allzufrüh Tahingeichiedenc• dasselbe nun zurückläßt. Tie in wenigen . Jahren vollbrachte innere Umgestaltung des Judentums gibt den eigentlichen Maßiiab für die titbncnhaste Größe Herzls, der den seit Jahrhunlnrien währenden Auflösungsprozeß, welcher allmäliz die gänzliche Zerbröckelung und den Verfall de» I identums herbeigeführt hätte, zum Stillstand bracjle und mit der zionistischen Bewegung den Ausgangspunkt nckker, ungeahnter und unbegrenzter Entn icklungsmöglich leite» sür das Jubcnlism schuf. T leier' ungeheuere Aufschwung gibt aber! auch zugleich einen Bcgrikk^ von der Größe und ilnersetzlichkei des Verlustes, Len dar jüdische Volf durch den Heimgang dieses providentiellc» Mannes! crimen Hai. Theodor Herzls Raine bedeutet den Anbruch einer neuen gewaltigen Epoche in der Geschichte des jüdisch •n Volkes: dieser Name wird daher beim jüdischen Volke sorlleben für alle Zeiten. Zu beginn und im Schlüsse der Feier brachie-der Vercinschor stimmu igsvolle Trauer chöre z»m Vortrage Am Tage lies Begrädniiies waren die Ge'chäste der jüdischen K iusleute gesperrt Tie miistcn Judcnhäuier waren schwarz beflaggt. . Sti yj. Tie Nachricht vom H, ,scheiden unieres Führ.rs ri-.s in unserer Stadt die g ößte Bestürzung hervor. Tie ganze Stadt stand »n Zc:chen der Trauer, ׳ämiliche Haustr waren chwarz vestaggi, der Geiammteivdruck war ein i^r iiliger. daß die polnische Presse darüber erbittert oar — daß die polnische Stadl Stryj um den Veilust eines jüdi 'chen Rationalhelde» Trauer anleig Tvnncrslag um ln Uhr, zur Zeit als man 11c irdische HMlc unseres geliebten Führers zu Grube trug, waien sämtliche jüdische Geichäsie gesperrt. Sonntag, -den IO. ^Juli, stand in ' der großen Synagoge eine -Traucrandiichl stall: lange noch vor Beginn der Andacht war die Synagoge von Menschenmaiien üderiülll. und immer noch ströritcn neue An- Zdiiiuilinge Hera״, •die aber keinen konnten. Rabbiner Tr. Brande schilderte in einer ergreifenden Rede die Verdienste des Verblichene». Er wies daraif hin, baß die außergewöhnliche Arstrengung, die allerübcrsehrnde Lpserwilligkeii, Mil dir ׳ich unser Führer der zi» nististch••» Sache hingab. die Ur'acie s.:i!es Todes war, und zitierie den A::r׳vruch Slomö!-s: ,.Hoiinung, die sich IN die- Län.ze zi.hl, mach:-das .׳st;r: krank." Auch am Sch:uß׳.age d,r Schnva fand »» Lokale des Vereines ״Zion" eine zweite Trauer anbacht stall. Zuerst ergrisi Herr A iraham R i n g e I das Wort, er betonte, daß der Geist unsterblich sei, er lebt in u»׳ere: ewiges Leben. In ähnlichem S1f!nc Herren Tr.' S ch i f s und T e i t e l 31'tfnmieltnmiini. ״Wahrheit-: Theodor Her l. Wie ein gewaltiger Tonnetsch ag bei heilerem. e Nachricht von Llen Mensche», fien, mit denen gezeichnet und einzig richtigen, war ein guter wolkenlosem Himmel, so wirkte d dem . Hinicheiden . dicies großen. Was bedeuten alle jene Eigenschi T-Heydor Herzl in der Tagespreis vcrhirrlicht wird, gegenüber den! dem' einzig lreisenden Warle: Er Menich! Er war, was ein großer eriglricher : mit dem Ausdrucke präzisiert: ein f »ervr, ein Held! Und: .pive iis :> Koro", gib u,s -einen solchen Helden wieder, jo rufen auch Hunder:lausende unserer zionistischen Brüder aus der ganzci weiten Erden runde. Theodor Herzl! Welche G danken dränge» sich doch in diesen zwei Worten zusammen. Tas Hohen und Sehnen einer ganze, Volkes! Und selbst die, die nicht mit ihm üdeieinstimmlen, d> übst den ״Utopisten" lächelten, die ihn einen! Schwärmer nannten — Eines kann en sie ihn nicht versagen: die Hochachtung vor seinem edlen Mute Einer Welt von Feinden stand er zegenüber, da er vor genau sieben Jahren zum erst!» Basler Kongreß die Juden der ganzen Welt ausrics. Man müßte jede seiner Reben vom irsten btS zum sechsten Kongreß analysieren, um ihm gerecht zu werden. Und als die Feinde im antiziönistiichen Lager immer weniger würden: cls man aniing. den hohen Gedankcnstug der ״Jitdcnstaatlers" zu verstehen; als man sah, daß Herzl: Ideen nicht jo ganz idealistisch waren, sondern eii.e leider nur zu realistische Grundlage hatten: als die, die ihn dekämpft, mit ihm über die Möglichkei t. eine öffentlich- Einlaß rinden aus Slanisla» unseres Führers Schmerz ein sprachen die an m Y Sc» Ticdier Gedenket des jüdischen Nationalfondes!

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