Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 16 (15.8.1904)
- Date
- 1904-08-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2621806-6375625-6375830--0876-4860334- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr, 1<> Jüdische Bolksftimnic di? >> Dl'V'U lll'dl liidil. roi-iit j 1'0n vornehcrcin ganz entschieden die Meinung juriut, als ob er den Sozialdemokraten jüdischer Abstammung empfehle, an der zionistischen Propag>chda sich zu beteiligen. Er ,»olle den zionistischen Hauhlungsgehilsen und Arbeitervereinen bloß darlegen! das! ihre jtlasieninteressen durch Eintritt in bst ozialiftischrn Organisationen nur gefördert we:?,m können! dort werde man sie ihrer Alkstmn!j!»ng wegen nicht drangsalieren. Er bezeichnet d>e ,.onistiiche Partei als eine dürgerlich-chauvinifiiict1-1 ־ Vereinsmeierei. mit welcher ein Proletarier ede! (wenig wie mit den studentischen Radaubrüdern sum!. thisicrcn könne. Diese Vereine müßten un ilba:!ch «!> gemacht werden. Bernstein wirst mit 31!r:: n herum. Ei» Saß widerspricht dem andern, die .!äiiiissen den Schlüssen. Er betont nänilich joiorl daß die Sozialdemokraten keine Ursache liäu.i. höhnisch auf Bestrebungen hci-abzusehen, die! dem jüdischen Volke eine bessere Zukunst zu ver-' borg.j! scheinen, und, salls sie gelingen, der sozial»! deni.traliiche» Bewegung nur vom allergrößten Nutze!! sein können. Er ltcht dem Lppenheimer ichen Aest-ilungrpla» sympathisch gegenüber und sordert die!ßesinnungsgcnosscn auf, den Zionisten aus ibr-r Sympathie zu unserer Idee kein Hehl zu maey.-s! Er sicht ein, daß es eine Selbstverspvttung bedruiet und mit Recht die Verachtung der Arier h-rrestust, wenn ein jüdischer Akademiker sich auf den tarier hinaurspielen wolle. Er tadelt es daher, men» > manche Parteiblätler in Antisemitismus ira.i.y und hofft, daß die jüdische Sozialdemokratie die 'Regierungen zwingen werde, die Kopairiierung dischen Volkes zu fördern, denn auch der Artikel Bernsteins, welcher und seinem Inhalt nach getreu ikizzicrt ist, 111 vielen Unklarheiten und Unrichtigkeiten und der Verfasser die Judensrage noch viel, zu ש mg studiert hat, um sich ein klares Bild über dieselbe zu verschaffen, so ist cS doch zu degrüße!. daß die Verspottung des Judentums durch in.׳ uzialbemokratischen'Juden selbst in ziemlich schar!,? Form öffentlich gegeißelt wird, und daß wenigstens ein Teil von all denjenigen Lehren, die :,1t vielen Jahren den jüdischen Sozialisten erui’.i hpben, doch endlich einmal, wenn auch unter uu׳e..hgen Windungen und Krümmungen als licht,g zugegeben wird. Wir können überhaupt nicht nur hcn Sozialdemokraten, sondern auch allen E!.! » empfehlen, über die Existenzberechtigung d Z onismus nicht unnütze Worte zu verlieren. T , lonismus ist einmal da, zeigt sich mit seinem N.u'chenmatcrial und Erfolgen, welche objektive V!׳achter als erstaunlich groß im Verhältnisse zur k. ׳n! Dauer der zionistischen Agitation finden. I .׳,,׳ dessen kann für die Sozialdemokratie, insou.! derselben Juden angehören, nur die Frage ki׳i׳.״h׳n: Warum bloße Sympathie mit leere״ ~ 11, warum nicht auch tatkräftig, mit Herz und H! -׳ in der Verwirklichung einer so großen Idee, (11 c.r Schaffung einer jo bedeutenden Kulturarbeit u Li gung der sozialen Frage durch Rettung eines (l ׳» Volker aktiv Mitwirken? Wir werden die S 11 »emokraten mit offenen Armen empfangen. >- loerden cinfehcn, daß sie bei einer Mitarbeit "1 uns nichts verlieren, vielmehr nur׳ gewinnen!!׳ »st die sozialdemokratischen Juden werden, w ׳ ue ihre jüdische Abstammung stolz bekennen, >1;1 Augen der sozialdemokratischen arischen (' inflngsgcnossen an Achtung nichts verlieren, v ■׳ t)r gewinnen, sie werden sich in unserem - : davon überzeugen, daß der Zionismus keine '! g^visbewcgung, sondern eine Proletaricrorganij!-1.»!ist, und daß die Bourgeois unserer Bew.1!ng mit ihrem ganzen Herzen und Vermögen um das Wohl des jüdischen Proletariats bemüht sind, daß ihnen der Druck, der aus den Massen lastet, ebenso nahe geht, wie diesen selbst, und daß alt-s geschieht, was mit den derzeitigen Mitteln zu! Beseitigung dieses Druckes geschehen kann. Dfr zweite Artikel des Arthur L. vergleicht d-1? jiidijchc Volk mit einer Spiralfeder; der Druck bi. . Ävtus hat dasselbe zwar zusammengcknickt, doch durch die Beseitigung desselben in der Emanzio.uionSperiode hat das zähe, energische, nüchterne und arbcitSfrohe Volk der Juden zu einer enormen lstuchtz'» Höhe cmporgeschnellt. Diese Emanzipation sei von größtem Segen für die Juden und deren Wirtsvölker begleitet gewesen, und spricht der Bcrlasier dem jüdischen Volk Lebenskraft für die Zukuns, ןן,. Mit Bezug aus den Antisemitismus bedie von vielen seiner Gesinnungsgenossen salschc und oberflächliche Auffassung, daß eine ephimerc, durch die Emanzipation hcrvorgfrusene Erscheinung sei, und hält cS für unnötig, aus die Ursachen desselben einzugchen; hält er den Zionismus für die notwendige ,rolgc des RaccnantiscmitismuS, und jagt, wir hatten den Antisemitismus gefördert, gehen mit dcmiclben Hand in Hand: wir hätten dadurch gegen unseren Willen unseren Glaubensgenossen mehr geschadet als genützt. Diese leeren, durch nichts vom Autor dewiesenen und huch nicht beweisbaren Vorwürfe, da deren Gegenteil feiisteht. lassen erkennen, daß leider die Gegenargumente der Sozialdemokraten ans den alten, von uns hundertmal widerlegten Phrasen gedroschen werden. Diest- Argumente gehören in die Rumpelkammer. Ten Begrisi der jüdischen- Rationalität will der Versasser nur für die Massen der galiziichen, runiänifcheu und russischen, nicht aber siir die westlichen Juden gelten lassen, wobei er sich aus den grundverschiedene» Charakter dieser beiden Volksgruppen berust. Tie Juden im Osten seien Proletariat, die im Weiten Bourgcosie. Er anerkennt, daß auch Druck und Not Merkmale einer Ration sein können, findet jedoch zwischen Antisemitismus im Osten und Westen viel zu bcdeutende Unterschiede, setz! den Rassetypus deS Westens aus den Ausslerbc-Etat, da wir die physische Assimilation nicht aushalren tonnten; er stützt sich aus Nietzsches Assimilationrwünjche, weicht mit Recht der Rasscnsrage au«, und wirst uns mit Unrecht vor, daß wir aus dieselbe so großes Gewicht legen. Es sei der Krankkeilskeim des Zionismus, daß er sich als nationale Bewegung bezeichne; für folgendermaßen: Uganda wolle! die Juden nicht, und Palästina werden sic nie bei ommen! Er leugnet schließlich, daß wir bis jetzt auch nur irgendwie die Lage der Jud, n gebessert hätten? Die Massen sind nur fanatischer, Kr Antisemitismus nur heftiger geworden. Falls ter Zionismus gelingen wird, werde cs den zurü kblcibenden Juden schlechter als jetzt gehen, da nun ihnen noch die wenigen Rechte nehmen wird, die sie jetzt noch haben. Die Antwort aus die Frage, war nach Scheitern des zionistischen -Projel tcs mit de» Juden geschehen wird, verlangt er von! n s. Wir baden ihm sie schon o t beantwortet. Ta es eine andere Lö'ung der Jud ׳»frage nicht gibt, bleibt nur Ser Zionismus übrig. Ein Ertrinkender ersaßt jeden Balken, um sich zu cttcn. Tie Lebenskrail de« jüdischen. Volkes wird' ich bewähren 1 wir werden das Volk nur unter selchen Modalitäten und Kautelen hinüberdringen, welche eine sichere Existenz verbürgen. Tic Frage!der Arthur L. ist naiv. Wir fragen auch nicht, whs das Proletariat machen wird, wenn da« komniuniftischc Gemeinwesen in Brüche gehl. Wir werden glücklich sein, wenn wir unsere Ausgabe gelist haben. Unsere Nachkommen werden dasür zu sorgen haben, das! da« -von uns unter solchen Opscin geichasienc Werk instand gehalten werde. Werden sic tpczu keine Mrajt haben, oder sollte ihnen der u is beseelende stgute Wiste abgehen, dann ist dies ihre Schuld, und^ das orthodoxe Rabbincrtum dem Zionismus feindlich qegenüberstehe; diese Tatsache ist überholt. Das Gros der Zionisten jetzt sich nach Meinung des Autors aus religiösen Fanatikern zusammen, teils sind es Juden, die aus nationaler Begeisterung, oder aus Humanität oder auch gedankenlos minun Seite!! die östlichen Juden hält er diese Bezeichnung für perden sie Ihr Unglück sich scl >st, nicht aber uns richtig, für die westlichen sei die Betonung der! 7»)»schreiben haben, die ihre Psl cht nicht nur uns Nationalität nicht am Platze. Er konstatiert, daß 'gegenüber, sondern auch gegenül er der kommenden Generation erfüllt haben. Ein anderes ethisches Postulat wird uns kein denkender Mensch stellen. ES kann im übrigen nicht 1 reine Ausgabe rein, all die übrigen Unrichtigkeiten der beiden vorbesprochenen Artikel darzulcgen rnd dic^ angeführten Behauptungen zu widerlegen, aa dies schon un- ... , v. . ,, . .. ... . . . zähliqemal geschehen ist. Honin wir. daß die Auch dieyr Vertaner konstatiert, datz der Ziol jöhjschen Sozialdemokraten sichl das anqewölinen US es nicht verdien, dan ״ber ,kn Ni.! e-po-l I ,״brdcn. unser? Bewegung mit abffolutem Wohlzu beurteilen, nicht an derselben zu niSmuS cs nicht verdient, daß über ihn mit gesprochen wird. Er hält d,e fozmlc Lage der ö'!-! ״, »,,!״״..״״,*,״ l.chcn ,״den Tur ,ehr ernn und begrünt d,e Ziele nörqe(n> sondern aktiv mitzuarde len. Der Anfang des Zionismus. wenn er d,e,en Manen c.ne tsr.ilenz > gemacht zu fein. Herzt hat in seiner letzten, b,eten will. Die t.ppon-,o!> der Charkomer Kvn-1״, ^i-n gehaltenen öffentlich^ Rede u'nr die menz. welche "׳zwychen durch die nachtolg-nden auf das schärfste eiügeprägt 1 .Seid Tanachen eben,alls überhol, m, loirne bie einig, einig:- Win wollen undekunion des llgandaproickles ,a Rutzland ״l tur, mühen, di-. Freundschaft der ozialdemotranschen den Autor cm Beweis zur d,e Unmöglichkeit der 13u6cn .״ gewinnen, und ihre jeisngen und male- Animila.tion der rupnchen ,,:!den. Mir diele Juden! Miellen Kräfte mit den unseren zy vereinigen. Der halt er den Zionismus ,ur unbedingt notwendig ^chlg für dizivnisti'che und! sozialdemokratsiche und re! es unsere Autgabe darur zu sorgen, datz Bewegung sz!nn nur der denkdan beste sein. \ diese Masten darüber aiisgeklart werden, cs sei ganz ------ j gleichgiltig, ob das künftige Land Zion oder Ost- - airika heiße. Der Zionismus der westlichen Juden! erscheint den! Verfasser als Gefühlsduselei, er! zweifelt aber daran, daß die wohlfjtuicrten westlichen!Juden nach׳ Palästina gehen werden. Wie oft ]jjollen wir noch diese» Herren mit unseren Gegen Iitzi er geteilte d-rielbe Heimweg. Bon Zliarlba ׳.lfalte: Am letzten Tischobeav war«, um die Abend- 1 . ^.ד . ... , .. ... zeit, da sang mein Herz von msincs Volkes Leiden. Argumenten kommen? jzur diesmal überlaste ich das! ׳jrauriq und düster st>ar mein Äcd und ernst mein Nachdenken vrerrn Arthur L. Er anerkennt, datz - ~L ... - - - wir eine gute Organisation besitzen und keine Mühe und kein Geld zur Erreichung unseres Zieles scheuen. Er sagt, der Zionismus wäre ohne den nationalen Rummel eine ganz gute Idee, und würden die Sozialdemokraten insolange die zionisrische Idee ablchn.n, als sie zugleich sich als nationale Idee deklariert. Er gibt die Unmöglichkeit der Assimilation zu und konstatiert den Piißersolg der bisherigen AnsicdlungSvcrjuche. Das Basler Programm ^iclt er für richtig, er hält cS jedoch iiichl für wesentlich, daß das neue Land PLlästina sei, und'müsse die Ansicdlung ehestens erfolgen. Er gibt auch zu. daß dies die einzige Lösung der Judenfrage sei. : Tie Erlangung der rechtlich gesicherten Basis, sowie ausreichender Geldmittel zur Gründung des ZukunstsstaateS hält der Autor ohneweitcrS für erreichbar. Er hofft, die Juden werden sich zu Acker- Hauern hcranbildcn lassen, bezweifelt jedoch, daß das Land imstande sein wird, das jüdische Volk zu ernähren. Das Hauptargument gegen den Zionismus liegt nach Ansicht Arthur L.'S darin, daß es lein Land der Welt und keine Zeit gebe, wo das Oppenbcimer'schc Projekt der landwirtschaftlichen Besiedelung unter gleichzeitiger Belastung des Grundes klärung des Volke« zu sorgen, demselben den rcligiöjen Fanatismus zu nehmen. Er sagt, Palästina könne höchsten« 3 Millionen Juden ernähren, er bezieht sich auf Naumanns Meinung, Palästina sei׳ wenig ergiebig und werde stets (Gegenstand suropäisch-jüdischer Almosen sein; je größer übrigen« der Zionismus würde, umsomehr würde ^auch der Antisemitismus wachsen. Er sieht die Situation inn, und meine Gedanken worin trübe. Ich lag lange und sann. Und da geschah etwas Merkwürdiger. Unfaßbare«. Aus dem Meer nicincr Klagen, aus dem Abgrund ustscreS Wch's: flieg, einem Adler gleich, ein Lied herauf von -frohen! Klang. Sonst, wen» ich ׳ sprecht,' sonst, wenn ich schreibe, dann hat Mein Lied einen ernsten Klang und in meinen Schriften zittern dar Weh meines Volkes, das arm und elend sich durch Zeit und Weltall schleppt, lllnd dann rufe ich zur Arbeit aus, zum Schaffen, daß wir d« Unglück wenden, und da« Weh abwLlzen; ich rufe, zum Baue an jenem Hause, in dem jinscrc Enkeljöhne wohnen sollen, jenen Bau, der Judas stolze Zukunft werden wird. Heut' aber!st mir'S feiertäglich zu Sinne, wir wollen rasten und einen Blick rückwärts werfen, aus den Weg, den wir ziehen.! Er ist gar lang. Aber erst wenige Jahre ziehent wir ihn so zielbewußt wie jetzt. E>» weites Stück liegt ׳ hinter un«. Ganz weit. Für Viele, für unsere jüngsten Brüder schier unabsehbar weil. Wir Alten freilich — wir können uns de» Weges noch sehr aut erinnern. Ta ist eist großer Punkt, da fängt unsere Hopnung an. Eih Buch, von eines Grogen Hand geschrieben, das! sang zuerst uns Unser Tränen Ende. Ein lcsts« Lied! Aber cs xm Eigentum der Gesamtheit durchführbar wäre. «»׳Wiederhall gefunden, — jaus allen Ländern Er hält es für unsere Hauptaufgabe, für Aufkam der ^on zurück, mächtig, brausend und dann ־*־• - - ... r '' »>.—-7>k l,.— firk «inonh mm jVr?(דותו׳ו hnnn sich einend zum vollen Akkordes! Ter klang dann aus׳ und den Nachhall nannten fvir 1 den Kongreß zu B a s c l. — — Da bleiben meine Augen gerne halten, das ist der liebste Rntlepunkt für meinen Blick, wenn ich vergangene Zeiten überschaue. Ja, Basel! Ob man wohl die Stimmung schildern kann, die über un« lag? Ich weiß eS nicht. Es ist da so eine alte Sage: Wenn einmal Israels Freude Vorlängöt in (isst* und K3ffc011iiusGrn die ״•Jüdische Volkss^uiinie