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Jüdische Volksstimme · 1904-06-15 · 12 (15.6.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
V (1904)
Issue
12 (15.6.1904)
Date
1904-06-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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־7־. Jahrgang. ־:Brunn, am 15. Juni 1904•. iu־■ ,vur i.oitmxid» Uiniani hallMährw K 1. ,..1״- Teni'MUmd .wn׳,:al1n., Wart!•:.״; linülau; flohen, Tinte!. Ainiunnc». 3d!' 111 11,1 י״זוי-ס:! :1ri־.tPl>c v't-!:.;:!!:! Jüdisöik Uloliltäligkrit?er lud,-, btt feinen Verfolger verflucht, tut echt und unklug. Wenn et gerecht fein will, m״ß : 1lm ifflijcn. Tenn der Axthieb, der feines.«inbes : .11,16,1 fülltet, öffnet das Hetz und die Taschen '11.es glü,l!i,chen Bruders, und die ,funken, die von :;:et ausgtraubtcn Hütte Tach aussltcqen, entzünd-n Paläste r die heilige flamme der Bruderliebe, .!üit legt das Mitleid fein Prunkgewand an. iv.-ndcii i nd süßeste. Worte des Trostes flies!,״׳!chlich. In festlich beleuchteten Gotteshäusern er .!:1,11 )d)t würdige Männer den feierlich gestimmten!aiuen und Herrn die herzzerreißende Mähr und neu da« riechende Sl ihrer Beredsamkeit über die!״',- und tu die Herzen ihrer Zuhörer. Um die!und,״ Häupter ihrer Märnircrbrüdcr winden sic .tanze aus schönsten Redeblumen und alles ist -.Imttert. Tie Bruderliebe all dieser Juden ist wie eine n!V, bii nur aus blutdurchtränktem Boden und : rauchgeschwängertcr Lust gedeiht. Dieses jüdische ' .:leid in blödäugig und harthörig, frech muß das :denelcnd!sein, in den Gassen heulen und klaffeude .-:11׳.d,uweisen, sei» Herold, die furcht, muß gegen Türen donnern und .Brand und Mord" schrei,״ nn erst stürzt dar Mitleid heraus, ringt seine :.u Hände und weint schöne Tränen. Es fällt;״ Henker j nicht in den Arm, streut dafür Blumen ■ .M* Grab des Spsers. AU diese edlen Herzen, diese Spender und s -,1 rührt! das lantlvr arbeitende Elend des All! , das. gtäßlich. weil cs alltäglich, nicht. Tenn mit und! das Weib zerreiben schmutzigste Arbeit v .niälcndistes Nichtstun. Über die Wiegen der -der beugen sich gierig Not, Hass und Verachtung, gluhende-r Atem frißt die färbe von den Wangen •י' die .!irgst aus den Gliedern. Das Mitleid aber last. Di<! große Mehrheit de« eigenen BolkeS :ln in Schmutz und Rot, und dieser vielgepriesene ::leid kann ruhig schlafen. TaS Todcsröcheln einer -.n Nation vermag cs nicht zu stören, erst :men. Tohen, sensationeller Mord vermögen cs '.ututteln ׳ . Dieies W oliltun, Hilisbercitschast im letzten . .lugenblick der lärmendnen '.'lat, hat ihren Ursprung weder tn den ' י sie üben. Si Nervigkeit und .. bezahlte Loblmdl Heden und ״edeln,- sicrzen »och in denZiöpfen derer, die tft H-.tr der ÜluiilM; der Schwachder furcht. Mögen bezahlte und 11ntan>>-ndmal,in den Himutcl Regiing des edlen jüdischen K e u x 1' 1' e t o 1\. Der Uiditrr. ■ E^zäblnng von M. Scher tag Tie Richter oblagen eben der eifrigsten Beratung, d : n die Sache war verwickelt und das Urteil niei)t Hit zu fällt״. Da pochte es an die Tür: Ein gramm für Herrn Doktor Grün! Ter junge ' :älter, Michael Grün, erblaßte, ergriff die Depesche, e rbiß die Liiöpcn und errötete flüchtig. Rach einer -veile widmese er sich wieder der Entscheidung der - ->,che mit dem gründlichen Ernst, der einem Richter -!:,int. Nach der Verhandlung ersuchte er den Präfi- - »m Urlaub. Meine Mutter ist sterbenskrank, ich muß nach iiiie fahren! Aber bitte — Herr Kollega. Glückliche Reise! > Die Nacht verbrachte Michael schlaflos im halbtiinllc!, Coupe. Er lauschte dem seltsamen Geräusch s r Eijenbahnräder und saß wie in einer Wolke von I sichten, Erinnerungen, Gedanken und Vorwürfen, r.e sich nicht verscheuchen ließen, gleich zudringlichen Bliicken in sumpfiger Gegend. Er sah seine Jugend! scharf und deutlich; farblos war sic und elend wie : b!-- Wohnstube eines armen Juden. Ihre einzige; Lichtseite war die zärtliche Liebe der Mutter, die a :׳chließlich für ihre .!linder lebte. Beim Anblick der Mutter war cS ihm immer. Herzens" seter», 0׳ bleibt sie doch un Grund, kläglich. . viuden, denen erst Die!innde von irgend einer blutigen Judanhi-tz,- ihre Stlimmcszug,-Hörigkeit in Erinnerung bltiiigt, die den Bruder nicht früher kennen, als dis er ein gemordetes Weib oder .!lind un Arme trägt, werd-n 6.-111 lüdi'chen Volke nie Heller n-in können!? n « Indische B o l k braucht M ä n n e r. d i,' '',' i 1t Sch > ck ׳ al ,1 u f Schritt und Tritt verfolgen und!,- d -. ׳einer P e b e 11 s rc g u ngen b e l a u > ch e n Ser jüd. Arbritrrbnnti in Huhland.־ Das fortgeschritten,-, ׳,׳::,üinifche Rußland in ein Schauplatz von sortwabrei!.:! :Reibungen zwischen einer Partei und der anderen, l .- einander beeinflussen und trotz' ihrem >1e»ieti!׳am>ii Endziele die verichicdensten Wege cinichlagen, die mannigsaltigsten Mittel zur Erreichung ihres En!-z!v,el-s anivendeu. Eine der hervorragendsten utjb na.knen Parteien iü der feit I.-illf bestehende zudifche Arbeiterdund .Bund"!, welchejr das jüdische revolutionäre Proletariat Rußlandsj i.ii eine Geiamtorganifation zu-ammcnzusassen trachttt »nd zwar auf naiionaler Basis, wofür er dem steten Haffe der andchen sozialistischen Parteien Rußlands ausgeirtzt in, ddivoh! alle dericlbc ,!weck, dieselben Rechte, dieselbe.logenannte ״Internationaljtät" doch vereinigen io». Sehr charakteristi'ch ist der Entwicklung-gang des Nationalismus im .Bund" und die Sucht, sich de» audcrcn, womöglich am besten anzupafien, den anderen womogltch am besten den Platz zu räiiiuen. womöglich am wenigsten die nationalen fvrderungen zu betonen, obwohl alle darin übereinstimmen, daß das indische Proletariat ivezieSe nationale Interessen hat^ic das Proletariat anderer Nationen nicht besitzt, obwohl nationale f orderungen sur dar jüdische Proletariat ebenfo wichtig find, wie die anderer Art. ..Ilnfere Hauvtausgabc äußerte fich ,!׳enosse I aus dem vierten Bundestage — die ichon längst reis tft, die aber leider bisher vernpchlässigt wurde, bilde: die Vorbereitung des jüdischen Prolatariatr für nationale Autonomie, und di r״ Eis t w icke l u n g des n a 1 io n a len S cbn b, wu ß 11 >,-1 ns Wir waren bt; nun zu viel .!1 o rm op 0.11־! :■ wir mii-ien mehr national »erden Dt- Agitation in dieser Hinsicht kann nur das vottttfche Bewußtsein fördern 'und führt durchaus nicht.zur Verminderung des.!!lassenbewußt׳,-ins oder zur S, oar,inon " .Das jüdische Proletariat jlctdet in Rußland nicht nur als ein Proletariat,: sondern a»,11 als ein jüdisches Proletariat welches einer verfolgten Nation angehörtc" — fuhrt - weiter G W aus. Und trotz dieser-Äußerungen rnirde aui-d.-m genannten Tage der Bcfchkuß gefaßt, k ine nationalen forderungen aufzustelletfi .wctl ne verfrüht war,-!!", rekt,- wctl sic die anderen Parteien scheel an׳.-,!.-!-, könnten! Es in nicht zu deftrcitcn, ü׳aß die Drei ntiierunq des jüdifchen Prolctartats .ruf nationaler. Bans, wenn auch nur nominell, schon ein wer: gehender f ortschritt ist, dekt wir befiel t-iier b.,,r-.i׳> n. ihenn wir in Betracht ziehe», was für Ansetne... gen seitens der polnischen sozialis i'chen Pa::,: -P. P S der jüdische Arbeiterdur d von attsgesctzt war und bis'jetzt »och tft. Diese Par׳.-.׳, welche in ihr Programm .die -Wixderkentellu; Polens mit einer soztalimfchen. unab längigcn V.: . safiung" ausgenommen hat, ׳vricht d:n'Juden dar- Recht ab, sich auf nationaler Baiis z i orga»!!-. -..: und nationale forderuugen aufz»׳:,!,.:-., wenn l:. selben auch io harmlos wären, wie die des ״Bei»des . und sich nur aus die nationale Äuiot omte »u ko>: slituttonellen. Rußland befchränkten, Ne P. P. S verlangt völlige Assimtlterung. vbs .g ht oder niet!׳. So sieht die Gleichberechtigung der sozialiftifchen Theorie in der Praxis aus! Wenn sich die judiiä״--. Arbcitcrfchast Rußland aber zu nationaler Srgaiitficrung trotz Widerivruch und Hindern ne ausgerafft hat, so sollte man erwarten, daß sie auch die äußern,-» ihrer fittiqe auszuruhen... Der Vater hingegen.' bcnde Ziel erreichen würde. Minder ro ig zeigte fich, ein städtischer Sck ächter, stieß durch seine fieifc:und j jedoch, was das Leben brachte. Wo - ine .!!oll-g.-i! strenge frömmigkeit beeniahe ab. Seltsam genug, schon längs! befördert wurden, faß Nk-.chacl nech denn' her älltere Bruder des Vaters war der crne immer im grauen Winkel der Vergeffensn und llderes im Städtchen, kleidete sich gangencn Vorqeictzte und freunde riete« und redeten ikm zu, den ״gewissen Schritt" zu tun. das Beinnel einiger großer getaufter Männer wirkle magisch langsames Gist, gekränkter Ehrgeiz u!sd erbitterter Neid taten dar übrige und überdies hielt das f räuletn, das sein Herz am goldenen Schnürchfn der :-. führte, als fromme Ehrifiin mit ihi^en fromm,!, Wnnschen und Ansprüchen auch nicht׳ hinter, dem Berge. Ter Arme nand tm rcgsten^!!rtuzs,-uer zrU,r schwarzen Mächte. Jude aus Ucberzeuüung war et nicht, die jiidifche Geschichte des jüdifchen Volkes war ihm ein Geheimnis mit sieben sZiegeln. d-.e jüdischen Gebete hatte er vergessen, wies die Sorgen der Juqcndjahre — was ihn aber an. das Juden tum knüpstc, war die Liede seiner Mutter. Jln konnte er nicht solche .!iränkung -,ufügen und den Todcsnoß verictzen. > So kämvftc er mit sich selbst, ztrrisien und zerwühlt von den widerstreitendsten Gcsühlctt. Aus dem Labprint der seelischen jkämpic sühne ihn der Präsident iti eigener Person heraus, d^r sich gern freigciit und?lptkores ißt Städtchen, kleidete sich deutsch und verheiratete ssinc Tochter üurcknvegs an Sünder ohne Schmachtlöckchen. Unter dem Einfluß dieser .ziviltsienen" Verwandten befand sich Michael, als er aus dem Hause in die Hauptstadt entfloh mit dem »ndestimmten Plqne, dort die Latcinfchulc zu besuchen. Shnc Hilfe des Sheims und ohne-die später hinzugckommcnen paar Lektionen wäre Michael zugrunde gegangen oder heimgekehrt. Lange bange Jahre voller Müd'al und Temüligungen verranne» in das Meer der Ewigkeit, wohin auch der Menschen Tränen fließen... Bis eines Tages, Mit dem Reifezeugnis in der Tasche und mit einem schüchternen Ranzel in der Hand, der verlorene Sohn im Vaterhaus eintraf und vor den Augen der!Mutter erschrak. Aber sic versprach ihm mit freudig bewegter Ltiinme. daß sie nicht mehr weinen werbe. Nach den ,rerien gab sie ihm ihren Segen mrs" den Weg mit und die Bitte, treu uni» fest zum Judentum zu h-iltcn. Ihn lockte' und reizte der richterliche Berus mit unwider- ׳ . stehlicher Macht wie die Nirc den f ticher. von dem 1 den Ptlichtcn eines!«.auiparen unterzog. 1״, wie Goethe singt Er reizte ihn vornehmlich dieser Stellung manche behaupten, ,ich selbst hiezuan bot. Und Gegensatz zu seinem grauei, Leben. Überdies de-j dennoch war^ der, Schritt für Michael-hin ichwer,-. sccltc ihn eine lies wurzelnde Liebe zur Gerechtigkeit! Weg nach Canossa. Als hätte man ihn mit einer und eine große Leidenschaft int Suchen der Wahrbrühglühenden Masse geschmolzenen Bleis übergoff,״ heit Er ־fühlte und träumte, das; er aus diesem!Am ganzen .!ivrper zitternd, nand er vo, Lem Gen,- Gebiete seine f ähigkeitcn am besten verwcrtcn, eine lichen. der die Zeremonie der Taufe verrichte!,-. innere Zufriedenheit finden und das ihm vorschwe-lAlhätte ihn der grimmigste feind vor sin er groß,-״ a.s mußte er sich bei ihr nicderlassen, wie unter einer sanften Lindenkrone, um gleichsam im Schatten_ ~־ i mr Verbreitet die ״Jüdische Volksstimme «4 ^44642

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