Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 10 (15.5.1904)
- Date
- 1904-05-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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'*'r. in ,,>§1 zspiclivaren - Erzeugung einig,cn jladi einem Betriebe von ungefähr eine», ׳Jahn liaöen wir diefc Erzeugung jedoch vorläufig umgeben!müssen. und zwar deshalb, weil eine T.-- »vrei'ioii in diesem Artikel cintrat. weil de», von uns etabliertes Werkmeister mannigjache, Schwierigkeiten und Hindernisse bereitet wurden und weil endlich die erzeustte Ware sowohl bezüglich der Qualität als auch bezüglich der Preissatzes zu teuer zu stehen kam. daß dieselbe nicht imstande gewesen wäre, mit der Ward zu konkurrieren, welche in den alten Produkiionsikätte» erzeugt wird. Wir behalten uns vor, bei günstigerer »onjunktur wieder nach einem Einsiihrungsmodus Umschau zu halten und aus diesen ,mmerkin! gesunden Artikel zurückzukommen. Wir! haben verschiedene andere Industrien ein» zuiukren pcrjucht, jedoch vorläufig keine Erfolge erzielt. Zechst diese mißlungenen Experimente haben ,,doch dek Bortcil, daß sie Fingerzeiggeben, nach welcher Richtung hi» die Schulung der vorhandenen ArbeitskrKste vorgenommcn werden muß, um lebensiabige Ekwerbrzweige zu schassen. Tie Verhältnismäßig geringen »osten, welche wir für diese Versuche ausn׳a»dl:1r, sind also nicht nutzlos geblieben, die i'iclöir s nd nicht überflüssig ausgegeben worden, denn der Arbeitrboden wurde gelockert und für neue Veriuche geeigneter gemacht. Wir haben mit einer »orbwarcnsirma Jüdische Volksstimmr. reite 3 eia Abkommen getrogen, nach welchem durch ״e im Verläufe von 2 — 3 Jahren zirka 30 Arbeiter in der »prbflechterei unterrichtet und ihre Arbeiten von dieisr Firma gegen sosortigc Bezahlung nach dem üblichen Lohntaris übernommen werde». Ein überaus i rmer, nahezu erwcrbloser Lrtiwird dadurch fit einem ständigen Erwerb gelangen. > In letzter Zeit ist es uns erfreulicherweise wieder gelungen, in der Industrie-Einführung einen Eckirilt nach vorwärts zu tun. Wir hatten gleich nach ׳!onstituirrung des HilssvercincS an die Einführung der 1Ü1 ch-os-H e r rc n k 1 c i d e r -» o n s c k t i o n, wie iu in zühlrcichen Qrten außerhalb Galiziens mit großem Ersolg betrieben wird, gedacht und dement- ׳,׳rechend: Unterhandlungen gepflogen. Es ist uns jetzt gelungen, mit einer Export- :111,1, Viren Chef anerkannt zu den intelligentesten,!.:chiigiien und wohlsituierten der »onsektionsbranche :■.!»!, tii.cn Vertrag abzuschlicßcn, nach welchem er emc Lonnkonsektion von Herrenklcidern in Galizien -:-.:zurlchlen hat. Er arbeitet in derselben zunächst für sein eigenes Haus und sür eine zweite große Wiener Erportiirma. Wenn dieses Unternehmen in gnlem " ange sein wird und prosperiert, wird auch >1Ir ändere Interessenten dieses Exportes daselbst ge-' arbeitet verden können. Ta diese Industrie, wen» sie cinmai jeslen ,V.m geiaßt, im Umkreise der ersten Niederlassung ungen,ein wächst und sich ausbreitct, haben wir die Ho-änunz, in einiger Zeit durch sie vielen Familien V,׳chäi!!g1,ng und Erwerb zu verschaffen. In Vorbereitung haben wir die Erzeugung von -.!׳!iheir für den Export, ebenso von Spitzen, die >1:7 den gleichen Zweck geeignet sind. BNr unterstützen endlich in Skole den cnglsicheii Uiiierriep von Handwerkern, ui» denselben eventuell das Foitkommen zu erleichtern. Wie Sie aus dem Berichte ersehen, haben wir b.s ,etzt nur Heimarbeit kultiviert, weil einmal bei '0,che» klrbcite» sich die ganze Familie beteiligen kann ui d daher auch Elemente zur Arbeit angeregt u.rden, welche sich derselben bisher entzogen, weil a ,derlei s die Arbeitskräfte bei Heimarbeit durch ',.bs Te ge der Woche beschäftigt sein können, während iab iksmäßigcn Betriebe nur fünf Arbeitstage ß,r Ga izien restiercn, da der Samstag und der Eoniiiaz aursallen." El arakteristisch ist die Bemerkung des Vizepräsidente» in seiner Erössnungsrcde bei der letzten Genera! Versammlung: »7s fehlt unS etwas, woraus wir nicht gefaßt waren, >jc Teilnahme und das Interesse der jüdischen Geichäsi». und Unternchmcrkreisc. Und in dieser Nichtuig haben wir ganz m or k würdige Eriahiuncen gemacht," Wobei zu bemerken ist, daß ja die Gri nder, Macher und Mitglieder der LrtSgruppen lueiü j *n »reisen angehörcn. Aus der Zusammenilellunji des Berichtes über die innere Organisation geh, yinwr, daß in den alten Lrtsgruppen Mitgliederzahl, Beiträge und Spenden im Jahre 1003 gegenüber dem Jahre 1002 zurückgegangen sind. Von r -ger Propaganda und Volkstümlichkeit der Verein! ideen zeugt dies nicht, ist übrigens aikch nicht uberrai hend angesichts der bisherigen Tätigkeit und des völligen Mangels ernster und energischer Agitalioiis irbeit. Nicht einmal diese Flickarbeit jüdischkavilals scher Wohltätigkcits- und Alniosenpolilik findet -Inklan z und offene Taschen lüer pcrfonalhrc&it jüdischer Kleinllewerbetreibender und Leamlen. ״e» Lt>7:dugdeiu-7 Em. Pottlk - kurzem staiigesundene Enquete über chcrionalkredil und Wucher hat zwar nicht viel -icut'* gebracht, sie ha! aber immerhin viel dazu bciqetragen, die beiden Verhandlungsgegenitände von vkrich,-denen Leiten zu beleuchten. Unter diesem Lichtcjsckt haben wir erfahren, daß der Wucher entschieden zu bekämpfen sei, was nebstbei erwähnt, auch vordem schon io ziemlich allgemein behauptet j ""der hat bei dieser Gelegenheit einer unserer stuchtigiien Verteidiger in Strafsachen die Frage, s ob dein Wucher überhaupt beizukommen sei, ent- 1 schieden verneint und ein anderer sogar behauptet, jdaß unser Wuchergesetz ein gutes, und nur dessen!Handhabung unrichtig sei.! ׳ Ueberlassen wir daher die Lösung dieses Prob.cms getrost den Juristen — steift wirklich nicht so; einfach durchführbar als cs dem Laien etwa vor-! schwebt. Jnsolange es möglich ist, daß ein Gcldver-! leiher — wenn er auch in prachtvollen und weitläufigen - Lokalitäten Auktionen abzuhallen in der Lage ist — : sür ein T ailehcngcgrnFausipsand. welches! er ielhsi abichätzl und woraus er daun einen ihm , beliebigen Teil des Wertes als Tarlehen bewilligt,' unter allen llmilänben, also auch von der ärmsten zikasse Menschen, 14 Prozent an wirklichen 1 und verklausulierten Zinsen cinhebcn darf, ohne!daß dies als Wucher zu bezeichnen ist, insolangc wird ohnehin der gewöhnliche Sterbliche sich nicht erkühnen dürien miizubcraien, wo denn eigentlich i die Signatur des Wuchers.gegebcn ist und wo nicht.! Weit eher läsch sich noch über den Persona 1kredit sprechen, jedoch wurde, was dieses Problem : betrifft, bei der ciugangs erwähnten Enquete cigcnt- 1!ich nur der Slaalsbeamre in Betracht gezogen, und!ist er gar nicht zu leugne», daß hier so manche ׳ richtige Ansicht und io mancher "gute Nat erteilt 1 wurde Wenn dadurch nur das Eine erreicht werden י würde, daß die Herren Staatsbeamten der untersten Nangklaiien, dir Anregung eines der,Herren!Experten be s o 1 g c n d, von nun an bei der I Wahl ihrer Schwiegereltern wirklich die nötige!Vorsicht aber auch umgekehrt, die so vorsichtig gewählten Schwiegereltern die nötige Nachsicht, , »nd zwar für io lange werden wallen lassen wollen,!als es eben bis zur vollzogenen Heirat wünschens-! wert erscheint, dann sind wenigstens diese zukünstigen ,Ehemänner der Wucherenaüete zu großem Tanke ' vcrpillchlet. j Es gibt aber noch andere »ategori'cn von Menschen, ehrliche und arbeiliame Peilte, Familien-! Väter, die Leichtsinn und Alkoholismus entschieden! nur vom Hörensagen kennen, Labei aber doch, io! ganz ohne eigenes Verschulden Pcrwnalkredit in! Än'vruch nehmen müssen. Ich meine vor allen!anderen die j üdiichcn .» leingc wer b etr eiben-!den". Nur indirekt und in ganz geringem Maße verdrängt bei ihuan der Erste eines jeden Monates ’ die herrschende Ebbe in der Gcldschudlade, während i» der Zwischenzeit Schädigungen nalionalct und Zinsen bei X monatlich ein »adineli >0" ״ teuerer aber unter . konfessioneller Natur, soioie die internationale und j inierkonsessionelle »onkurrenz der Großindustrie ihnen!das Leben so sauer als nur möglich niachcn. In; Wien und in der Provinz gibt es taniende solcher! Menschen, welche von Fall zu!zall Personalkreölt . dringend benötigen. Sie haben die beste Absicht ein! bares Tarlehen' ehrlich und redlich zurückzuzahlca.! cs finden sich auch immer »och warmsühlende, besser! situierte Freunde und Bekannte, welche sür pünktlliche Rückzahlung die unbedingte, wechsclrechtliche Hasluug übernehmen wollen: war aber fehlt, ist der — Geldgeber. Nichi viel bester steht es um den ,udi,chen 1 P ri va t d ea »1 le n", soweii diese Bezeichnung mit! Rücksicht aus den Gehalt, welcher nur zu häufig!»nler den eines Staatsbeamte» der niedrigsten Rangklasic reicht, anzuwcnden ist.!.Hält die , Stellung des Privaibeamle» untergeordneter »ale-! goric einen Vergleich mit der einer Staalsbeamien überhaupt aus? . .. ׳ Betrachte» wir z. B. die grotze Mage von i Buchhaltern, die mit 120-100 K monatlich ange j ftcllt sind, und deren Arbeitszeit häufig genug um 3 Uhr früh beginnt und gegen 8 Uhr abends endet. :In den sellenilen Fällen weiß so ein .Privalbeamler", wann die sehnsuchtsvoll erwartete Gehaliserhohung eintrilt es hängi hall von der Bilanz ab. Und - ivenn er schon das Glück hat einen Eher zu iindeu, - dessen Gedanken nicht nur aus Gelderwerb alle,!, gerichtet sind, sondern der auch noch Mitgefühl kür seine Tieuer Hai: w.'nn so ein Beamter wirklich nach einer Reihe hon Jahren er aus einen höheren Gehalt gebracht hat, wer hastet ihm dafür, haß er nicht seine» Posten verliert und neuerdings mit einem' »Avfangsgehalt" von 120 100 k beginnen muß? Nun aber gibt es untcr den jüdischen Privatbeamten Familienväter genug, welche auch mit verhältnisniäßig kleinen Gehalte auskommc» und nicht verschuldet finb,_i»ie aber außer etwa einer gering sügigen LebcnSpölizze keine sonstigen! Ersparnisse niachcn können. Einen solchen Mensches, zwingt jedoch die kleinste Verschiebung der beste! enden Wstrschastslagc Personalkredit in Anspruch zu nehmen. Ist cs überhaupt möglich die Fälle alle an zu führen, welche imstande sein können, auch bei einem sonst äußerst sparsamen Menschen die Fest« 1 des sichere» Einkommens zu sprengen? Tic Heilmittel alle, welche bei der Wuchcrenquete in Bezug c uf Personalkredit angeregt wurden — beim jüdi!che» »lein gewerbc- und Bcamtenstandc versagen if ganz und gar. Hier gibt es absolut keines, dagc zcn aber ein wirksames Hilfsmittel, und das heißt: .Billiger P erso na Ikredi t, beimöglich -f l e i 1 st er Nückzahlungsrate". Tiefer »redit ׳ollj jedoch nicht bloß dazu dienen,' um etwa schon bestehende drückende Schuldenlastenin eine weniger emp'inhliche Schuld umzuwandeln, sondern er soll aüch den Barcinkauf dringend nötiger Gegenstände ermöglichen und dadurch den üblichen Einkauf ^aus Raten", wohl eine der am häufigsten vorkommcnden 11 rlachen der Verschuldung verhüten. Er tilgt eben tin gewaltiger Unterschied darin, ob jemand 1 .200 0<־ K gegen 0°. einem Rückzahlungsmodur von 0—8 entlehnt um damit, sagen wir, fi:r Möbel zu kaufen, oder ob er diese Möbel — den Fall als dringend nötig angcnomm ׳» — gegen ratenweise Abzahlung unxmindestcns anzuschassen gezwungen ist, wobei Umständen gar noch" »lagen und Pfändungen zu erwarten hat. Im Verfolge des Vorangesührte > drängt sich förmlich der Gedanke aus, daß es für den jüdischen »leingewerdelreibcndcn und Beamten! kaum etwas wichtigeres geben kann, als er» » fe bin ft it »r. welches nicht gerade aus Gewinn berechiiel ist, sondern die Bestimmung hat, seinen Mitglifdern möglich billige, leicht rückzahlbare Tartehcn-zu'gewähren. Und dar ist nur in Form csner Gcnosienichast möglich: nur das ZelbstbcstimchungSrechl der eigenen Mitglieder wird imstande sein, ein Institut in diesem Sinne zn schanen und dauernd! zu erhalten. Unter'dieser Voraussetzung wurde auch von einigen beherzten Männern vor ciw 1 drei Jahren das .»red i tin sti tut sür j üdisck e G cw erb ctreibende und Beamte", registr. Orenosfenichasi mit beschränkter Haftung, gegründet/ Toch, was den Gründern vorgesc!webt, hat sich bisher nur zur Hälfte verwirklicht, ö r lausen näm!ich tagtäglich von jüdischen Ost-n erbelreibenden, Beamten. Aerzten, Juristen und der!!eichen sowohl aus Wien, wie auch der Provinz »rcditan'uchen ein, mehr noch als erwartet wurde 1, leider, weil mehr als nach den bestehenden Verhe Ilnist'en berücksichtig! werden können. Tagegcn aber hak sich die Vor, us'etzung, das; dar Institut bei woh 1 ha.bcndc» Glaubensgenossen die nötige Unlcrstützun!ן linden wird, nicht ersülll- Ebenso habenTrtejemgin, Lessen Wohl das »rcditinstitnt dienen ioll, 'ich zu der sür eine solche Genossenschaft unerläßlichen - olidariiäl aufzuraisen!Acht vermocht. So viele ihrer auch das .»rcditinstitlit für jüdische Gewerbetreibende und Bc.rmte" zu -sinden wissen, wenn s sich um ein Tarlehen handelt, so wenige dringen es sonst übers Herz, durch Lösung eines ober mchici er Anieilichekue :i 20 X, welcher Betrag übrigens in! de- 1 i c b i g k 1 c i n c n R a l c n e r n g e z > > 111 l werden kann, ihr Zusammengehörigkeiisgefü» zu bekunden und das Institut zu fördern. Tie P litgliederanfa!׳! wächst wohl trotzdem, aber auch die Sorge des Vöriiandcs um Beichanung der nötigen Geldmittel. Und das ist gar nicht io cinimd. Tie Banken haben, was sich ja häufig genug de diversen »onkuricn herausstcllle. ungezählte Me!gen von io.,e nannisn .Reitwechseln"' Jnduilriellcf und Großlaufleulc in den Portefeuilles — aber sie weichen ängstlich jedem Wechsel aus. welchersein e ntstehen einem baren Tarlehen verdankt und 1 och viel schwie rigcr sinder ein.solcher Wechsel in las'Porteieiiille einer Wiener Bank Eingang, wenn iaraus dar omi nöse Wörtchen ,jüdisch" i» unumsjhriebener Form zum Ausdrucke kommt-. Trotz alldem ist an den endlichen Erfolg des erwähnten Institutes nicht zu zwelselii: Lesteu Bestand ist iür den Personalkredii des jüchschen isteioerbe : isien. ll.xS.. Ml?i--.cn:a7e Sä. v,.,i..,.-,u i״ ii-i«tnml Kiffeclili'iscru die ״Jiulisclic yolk-stinime“.