Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 9 (1.5.1904)
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Sir 9 Jüdische Sülltttimmt. זון״-ד tr, bet christliche Kundschaft meist nie besessen. Üa״e «¥11 keine zu verlieren. Tie jüdischen Lkono ״ui in den Städten bilden heule eine Seltenheit. Das; die Verhältnisse in den intelligenten Beniie» sur die Juden sich bedeutend verschlechlen dabei׳, in in diese» Blättern bereits auseinanderge jcpi worden. :Nittel und Wege, wie die Juden Mährens itackne»'sollen ihr wirtschastliches Niveau zu heben, lassen sich nicht in dem Nahmen dieser Abhandlung angeben. Turch Gemilus Chasodim (jüdische Wohltäiiqkeiirvereine) ist nicht viel z» erreichen. ' allem must die geistige und körperliche Eniwicklung unserer leider noch in vielen׳ Tingen zurückgebliebenen Ghettojuden gefördert werden. War d,er in den letzten Jahren geleistet wurde, ist ansjchl.ehliches Verdienst der zionistischen Bewegung. Zu empfehlen wäre eine allgemeine jüdische Lrga'niiation der jüdischen Kleingewerbes. namentsich was das Kreditwesen anbelangt, etwa nach Art der 1»dischen Borschnstkassen in Wien, Prag und Pronnitz. Dringend notwendig die obligatorische Erlernung des ziveiten Landessprache in' den Schulen der jüdischen Gemeinden, ohne aber nach Art der korrupten »>!vsko-üi>lc>v!-kv spollev" in Böhmen jüdischer Schulwesen zu vernichten; seiner überhaupt medr Entgegenkommen im Geichästsverkehr gegenüber dem tschechischen Publikum und mehr Pernändiiir sür dessen gerechte Forderungen. Insbesondere auch bei. »ns in Mähren die Jnaugurierung einer jüdische» Realpolitik. wie sie Dr. N ose n mann in seiner ausgezeichneten Biojitrare ״Jüdische Realpolitik in Österreich" in Bor schlag brachte. Dieses Büchlein solste überhaupt das Vademekum jedes österreichischen Juden werden. Hoisen auch wir Juden in Mähren von einer allgemeinen Hebung des Geschästsverkehres. die ipohl der Bau der Wasserstraßen und anderer ör»ntlicher Anlage» mit sich bringen wir*, eine Besserung!mietet marenellen Verhältnisse. Tenn die No( unserer Brüder aus dem stachen Lande ist groß und salls hier nicht baldige Abhilfe geschossen wird, geht das vires der mährischen Judenschast der vollständigen Proliiarisierung entgegen. * 1 \ ürr Aricrporagröpl) in der drulschrn Tnrnerlchakt. Aus dem 13. deutschen Turntage'?!! Berlin. .41־rb'inbe« ab. den, zusolge dieser als selbnandiger st reis mtt Sitz und Stimme im Ausschüsse anerkannt werden sollte. In letzter Instanz appellierte - deu1,ch!re,he,tliche Verband, unterstützt von Gesinnungsverwandten reichsüeutscher Vereinen, an die Ge,,r1,,tvertretung ' der deutschen Turnerschafi. Er!and riesmal Gnade und Recht. Österreich hat nunmehr zwei ganz selbständige Turnkreije: einen juden reinen und. einen liberalen. Tie dem Beschlüsse vorangegangene Tebatte . r!t Ut ®01’ue der Majorität. Es wäre gewiß talich, aus dem Beschüsse, der über die engen Grenzen der Turnerschast hinaus geringe politische Bedeutung och, k"^ern zu wollen die Stärke des liberalen Gedankens in Deutschland oder gar die Schwäche der antisemitischen Idee in Lsterreich. Man Lars den reichsdeutschen Rednern glauben, daß ihnen in erster Linie um die Wahrung des allgemeinen Prinz,per, laut welchem Politik aus dem Turnerleben ausgeschaltet werden müsse, zu tun war und daß sie selbst bei ihrer Stellungnahme politische Überzeugungen zurückdrüngten. Und es ist ebenso sicher, daß viele von ihnen die wertvolle ״nationale" Mitarbeit der Juden in Österreich nicht schwächen wollten. Zwei Äußerungen, die während der Tebatte sielen, seien hier angeführt. Der Vorsitzende Tr. Götz aus Leipzig sagte: ״In L iterreich haben die Teutschen doch ganz andere Feinde, als die paar Juden, die noch in österreichischen Turnvereinen sind", lind ein Wortführer der österreichischen Antisemiten erklärte: ״D as Vorgehen des Turnkreiscs wird nicht nur von völkischen, sondern auchvonviele» fortschrittlichen Vereinen wird, insolange die Jndoleüz der Ellert in r ligiösen Dingen anhäll. Was Wunder, wem! der jüdische Jüngling sich nicht zu einem Stande hir gezogen sühlt, dem er absolut kein Interesse abg wtnnen kan», der ihm seiner Ansicht nach nur Beichränkungen auferlegt, deren Berechtigung er nicht einzusehen vermag.'So ist das Fehle» seien riligiösen Sinnes, der die Allermeisten von d r Wahl des Rabbinerderufes fernhältä sie nach Er angung des Maturitätszeugnisses! an einem solchen über- Haupt gar nicht denken lässt. Und dies nag vielleicht auch seine gute Seite haben, weil aus solche Weise wenigstens in diesem Stande, der ttfij fein; zweiter doch auch eine gewisse Überzeugung,' inen!inneren- Fond voraussetzen muß,!die Heuchelei ichmerhin einen geringen Platz einnsmmt. In! weitest Reibe fehlt es der heutigen jüdischen Jugend an dem nötigen jüdischen Wi s(en. Tenn der Restigionsunterricht, wie er heute an den Mittels! hulenst gelehrt wird, ist so dürftig und mager, daß n ich Apsolvie rung des Ghinnasiumr die!wenigsten di! selbständige Übersetzung selbst einer liechten Bibel stelle!zuwege bringen könnten, geschwei;e denn sei es Ausmaß hebräischer Kenntnisse aus;»weisen inst lande; wären, wie sie zum Besuche ein s Rabbiner eminärr eine unerläßliche Voraussetzung sind.' Ta war ts denn eine ganz richtige Idee, ' 1or mehr al 1 IE Jachten ein sogenannter Proseminar in Brünn zu «!richten zu dem Behufe. auf solche Art der erirbe stetigen jüdischen Jugend die Möglichkeit zu bieti n, ihre Kenntnisse -im H. bratschen׳ zu erweitert, neien der Bibel auch in das andere jüdische S christ! um ein ׳ wenig eingeführt zu iverden. Indessen tat /e nt oergebilligt". Das ist eine bekannte Sache. Speziell'kehrte Leitung gerade hier viel gesüniigt, hat die 'Seite 3 lobenswerten Intentionen der Gründer absichtlich verkannt, den ursprünglichen Lehrplan.! statt ihn zu" erweitern, immer mehr zugestutzt, hat den Ut terrichi im Midrasch und Talmud ganz beseitigt, um schließ, lich in eigenmächtiger Weise einen Teil »er versügberen Geldmittel der Errichtung einer Kchlorenschule-zuzuwenden. Heute fristet das Pro eminar ein jämmerliches Tasein in ganz unzukön mlichen Räumlichkeiten.und lockt nur jene an. die!sch von seinem Beiuche eine materielle Unierstützui g versprechen. Und doch welch günstige Gelegenleit bote m de» ersten lahreleing mit bttterung innerösterreichischer Politik um den Arier- Paragraphen geführte Kamps zum scheinbaren Abschlusie gelangt. Er hat mit einer Niederlage der - raiienantisemitischen Teutschösterreicher geendet. Tie beteiligten Juden iverden jubeln und dankbar das großmütige Geschenk der reichsdeutschen Turner- Vertreter mit verdoppelter Teutjchtümelei guittiereii. Sonst berührt der ganze Streit, der aus österreichische», Bod-n zu Ungunsten der Juden und ihrer Verbündeten entschieden wurde und weiter toben wird, öfter reichliche Verhältnisse nicht. Die Geschichte des wohlfeilen Sieges, den der. deutichsreiheitliche Gedanke in Deutschland draußen .errang, ist interessant und lehrreich. Er ist das alte Lied vom Siege des Antisemitismus, vom Lvportunismus unserer ״Liberalen", von der Rückgratmzd politischen Charakterlosigkeit unserer Assimilanten. Tai Teutjchvölkischen Österreichs erscheint der Arier-- vstragraph als ein wichtiges nationales Erziehungsmittel. Ihr nationales Leben, behaupten sie, mache ihn unentbehrlich. So haben sie denn nach langjähriger wildester Agitations- und Minierarbcit, unterstützt von den politischen Verhältnissen und dem rapidem Aufschwünge eines nationale» Radikali-mus. im Jahre 1901 aus der Tagung des deutsch-österreichischen TurnkreiseS den Beschluß geiaht, daß nur ״Deutsche arischer Abkunst" Mitglieder der zum Kreise gehörigen Vereine sein dürfen. Tie Juden und ihre liberalen Vereine waren hiemit an die Lust gesetzt. Sie protestierten. Ter Ausschuß der deutschen Turnerschast, an den zahlreiche namentlich böhmische Turnvereine mit jüdischen Mitgliedern sich wandten, erklärte, daß ihm die Statuten keine Handhabe zu einem Einschreiten geben. Tic also im Stiche gelassenen Turnvereine, die ihre Juden nicht los werden wollten oder aber — der lokalen politischen und nationalen Verhältnisse wegen — nicht konnten, vereinigten sich als ״Verband der deutschsreiheitlichen Turnvereine Österreichs", der immerhin gegen!>0 •™reine mit etwa 7500 Mitgliedern zählte und aus dem letzten Turnfeste in Nürnberg, aus welchem er demonstrativ stark vertreten war, abermals sein Glück versuchte. Mtt negativem Erfolge. Der Gesammtausjchuß der deutschen Turnerschast lehnte den Antrag die Vorturnerschast und Jungmannschast in den angeblich liberalen Turnvereinen steht mit ihren Sympathien aus Seite der Völkischen. Tie erstbeste Gelegenheit ganz in ihr Lager überzugehen und ihrem Verein auch den osiizielle» Stempel des Rassenantisemiiismus zu geben wird gewöhnlich mit Freuden ergrissen. Freilich dämpfen in den Sudetenländern die nationalen Verhältnisse, welche׳ sie io häufig in ein politisches Abhängigkeitsverhältnis von den deutschliberalen Juden und Nichtjuden bringen, ihre anth'emitische Separierungsgelüste. Nur Furcht und Dpporlunisinu« hält sie vor ofsenantisemitischer,sich gerade hier, die Bestrebungen der jüdischen Betätigung zurück. Tie respektable Ziffer von 7500 Toyndeehalle, jüdisches Wissen in die allgämcin- Turnern, mit dem der deutichsreiheitliche Verband! st cn Kreise zu tragen, tatkräftig! zu ördern! vor den Turntag trat, würde ganz gewaltig zu-!Besitzt ja das Projeniinar auch eine Bi iliothek, der sammenjchrumpsen, wenn jenes Gebot der Zurück, von deren Vorhandensein freilich njemaich eine Tagen des April stattsand, ist der j haliPig Nicht vorhanden wäre. Ihr moralischer Wert Ahnung hat, weil eine engherzige Verwaltung die der ganzen Erbitterung und Verfür uns österreichische Juden ist gering. Wer ihre wohlversperrte» Bücher verstauben und!verschimmeln iaktische Stärke kennt, wird auch dem Beschlüsse des! läßt. — Turntages keine weitere Beachtung schenken. Auch ׳lind der dritte, vielleicht wesentlichste!Grund, er stand zum׳ Teile unter dem Zeichen des Sppor weSlialb gerade die Fähigsten und Tüchtigsten vor tunismus, den so viele kurzsichtige Juden bei uns Ergreifung dieses Berufes zurückgeschpetU!werden, gerne für bare Münze und echten Liberalismus. liegt in der Aussichtslosigkeit, er datin'iöeiterznchhmen. . bringen. Ta plagt sich ein solcher, ״der sich den, Wie wenig übrigens 50 Vereine mit 7500'Rabbiner,'lande widmet, acht Jahre aniGyisinasium Turnern, die sich osien zu einem deutichsreisinniqen und mindestens sechs Jahre an einem Lemiiar und Programme bekennen, in der Gesamtheit der deutschen ' an der Universität — und der Lohn für lrll!ms Turnerschast. die ja doch nicht judensreundlich gesinnt mühielige Studium'? Wenn eS gut geht, ist es eche ist. zu bedeuten hätte, geht aus den imponierenden Stelle mit '2400 K Gehalt, die er!nach!heißem ׳}metn hervor, welche von 7229 Turnvereinen-mit: Kampfe erlangt, und wenn er, was in des, aller- 7144 8י־ Mitgliedern, darunter 350 239 aktiven > meisten Fällen zutrisft, verurteilt ist. in solch einem Turnern sprechen. »! Provinznestc sein ganzes Leben zu verbringen, dann! mag er zuichen. wie er bei der Steigerung seiner Zur Bcrufsroam -er fttiMn 31״en!1.!££«£'1 rÄXÄf 3n seinem instruktiven Artikel üb?r dieses! Gemeinden, die ihren Rabbiner am!ltebstzn als Thema hat Herr Tr. Theodor Haas unter anderem! Mädchen sür Alles, als Kantor. Koreh. chchochet auch daraus hinqewiesen, daß sich die wenigsten unter u. s. w. aus Sparsamkeitsrücksichtens gebrauchen der studierenden'Jugend dem Rabbinerstande widmen. ן möchten, soll ganz Uschwtegen werden. Auch Inet let geehrte Verfasser hat sich jedoch mit der bloßen' wäre eine Reform dringend Vonnoten. Gin Liand, Konstatierung der Tatsache begnügt, ohne, wie erf in dessen Händen gleich,am die Zukunft der pudendies bei den anderen Berufen tut, den tiefer liegenden' tüms ruht, muß zunächst materiell ,0 gisneklt iverden. Gründen dieser gewiß augenfälligen Erscheinung daß er den hiesür Besäyigten nachzugehen. lind doch verdient gerade diese eine; eingehendere Beachtung zumal in unseren Tagen der sogenannten Renaissance des Judentums wo man gleichfalls daran geht eine Reform an Haupt und Gliedern im besten Sinn des Wortes durchzuführen. Und da wird man wohl nicht sehlgehen, wenn man im Großen uud Ganzen dreierlei Ursachen als schulütragend bezeichnet, weshalb es gerade diesem Stande, der berusen wärt, soviel zur Hebung und Förderung des Judentums beizutragen, an Werdekraft mangelt. , ES ist in erster Reihe dasreligiose Moment, das Wer in Betracht kommt. Niemand wird es leugnen -. -.... ׳• . ״ l; a - -״ fönnen daß das religiöse Gesühl im allgemeinen in gre,(endete Erweiterung ersuhre. aber m!eijen ivall erschreckendem Maße in Abnahme degrisfen ist. Undssollte das eine niemals aus dem Auge jgelass-n damgen^'wird aller^lieligionsunterricht, aller Jugen^ werden: Tte Gewahr sur em gunstigere<^ort ׳ ׳ . :. :n;.. t-finntte ffvhnrte veraeblich und besonder s Ver anlagten, die sich heute wegen der liier so eeringen Aussicht aus ein Avancement allen ändere», nur nicht dem Rabbinerberuse widmen, mieden m anstrebenswert erscheint. 'Wieweit dies freilich 1 ut dem allgemeinen Rückgang der mährischen Gbuieinden, die bei der zunehmenden Verarmung jede Piehrausgabe alS unerträgliche Last empiinden. in!Einklang zu bringen wäre, ist eine andere Lache, die besonderer Erwägung seitens der hiezu berufen«» Fpkioren. namentlich des Landesrahbinates, würdig! wäre. Angezeigt erschiene cs, wenn der ohnedies bestehende UsitS der Vereinigung von 2 bis 3. Gemeiiden zu einem gemeinsamen Rabbinatssprengel! eine! durch- ':erung erführe, aber achs jeden Fall Abnahme degrüten ist. Undssolltdas eine niemals aus dem Auge jgelassen gottesdienst, ja selbst die schönste Erhörte vergeblich ] kommen derer, die ankämpfen müssen, insolange der jüdischen Jugend!und besahigt hatten. M jüdisch- Gefühl eingeimpst!_ Tie Gewähr sür derer, die sich sür diesen S ankämpfen nicht zu Hause das Ver: janget in Gast- und Kaffeehäusern die ,,Jüdische Volksstimme“. and berusen 5 —x.