Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- V (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V. SJabrcjancv 1?.»1üun. am I. 3änner 1904. 2־T1\ J. Äür Ceftcmicb Ungarn balt«iährtr. K j-j״. K 1 mtl ' Dcnnchl.nid Mn;rälm§ M.uk 1-r ״: :h';1f;lnnh <׳- ו»ח<ן^11ל»ן 'K»M : : :;-t ^ranlreidi. ^lallen, Türkei. Rumämc״. snbu-u. BnNiarirn u׳w. Urk-^ N«.׳daknon und Äduuuinranvn^ Brünn, -schüttgane 'Xr. 4. Tr!׳ ..Iiie>«id1e BoIk׳?Ü,ttnne" endiemk am I. und k.'. eiired ieden iXotujh't. Bu.lidandkern'dic Berlrenm^: Cno Silemni. "eivzig, — Vomparta׳sa^x׳nlc> >'r. -' ׳- Mc Juden in Ungarn. Ungarn ist feit Innflcm das gelobte Land des Li. :iismur und gleichzeitig eine Stätte, wo feiten« b.: a!den b:c vollste politische und kulturelle Vlifi■ n>!tut« und Anpassnng an die übrige Bevölkerung n ״r>bt wird. Gerade in den von den verschiide- ,! :Vationaliläten bewohnten Teilen des Landes in die Juden die chauvinistifcheU Vertreter der V! ,gyarisierungspolitik und haßerfüllt klingt ans den :lieihen der-Rumänen, Serben, Slovaken, Nut! n en und Teutfchen und ihren publizistischen Org.rnen die Anklage, die Juden seien am meisten iiti'.tD an ihrer Unterdrückung Wehe den Inden in den Ralionalitätengegenden, wenn sich dort die Ber b.:.misse ändern! Wie lohnen die Magyaren die a: opfernden Dienste der ungarischen Juden? In den. iogenannten liberalen Kreisen herrscht vielfach (' . gesellschaftliche Boykottierung und Zurücksetzung' man dies ableugnen Jeden Augenblick lesen wir in den Z i'.imge», daß irgend rin im Auslande sein @tnt suchender Jude, der in der Jagd nach dem Glücke Er-olg g habt Hit, als patriotischer Magyare gepriesen wird, Früher Hai mau die slovakiichen Rastelbiiider und die Zigeuner Mit den Magyaren verwechselt. setzt, was noch viel g sährlich.r in, den Juden, Ich kann es Nicht leiden, wenn der Jude hier oder im Auslande inst seinem lliigartume protzt. Möge'er ausriehtig, ein Jude bleibe»,^, Der dopveljüngige Jude ist viel gesäyrlieher als der aufrichtige, der nie sein Judentiiin ableuqnet. Ans keinen Fall gereicht es unserem nationale» Ruhme zu Nutze» und zur Ehre, wenn sich die in ansländüchen Geschäften berumstreifenden Inden deshalb als Magy aren ansgeben, weil sie aus nnietent Valerlande gebürtig sind. Das itmalles nur äußerlich und ohne Innigkeit, denn änbeJt, sich der Wind, so werden sie Deutsche oder Franzosen. Es wundert mich nur, di: Juden und wie in den christlichen Blättertt von l daß der Friedenskongreß nicht auch die Jndensrage * :1 Jude» geschrieben wird, mögen folgende Zeilen 1 ' ' ' ~ - wetten. Das bereits zwölf Jahre erscheinende iptstädtische Blatt ״Buda es videke“, ein christ- ,3 ׳ Blatt, wie es sich selbst nennt, bringt in «er Nummer vom 10, Oktober unter dem Titel 'tnnn der Jude ein Magyare sein? ■je ohne aber einen tvm Chefredakteur Erdelyi Gyula verfaßten Leitukel, der, wenn auch einzelne ganz unrichtige Be- : uiptungen über die Macht des Judentums ent- : iltend, als in einem magyarischen Blatte erscheinend, :1:'0 grelles Licht aus die Denkungsart eines großen ' lichen, Die rechtliche Seite der S ich.- kann leicht '"eile» des.christlichen Voltes Ungarns wirst, daß! durch die Legislative geordnet w. eben. Die Pest und ., :r ihn hier in wortgetreuer Übersetzung bringen:!andere ansteckende Krankheiten verursachen ganz be- ״In den Blättern war in letzter Zeit von!sondere provisorische Ansnabnisgeietze. Das Inden- "int bei den Unruhen in Kroatien beschädigten j tum ist die größte moralische Seuche für die andern :׳,amten in solcher Weise die Rede, als ob es ein Völker und deshalb können sie es mit Aurnaynis- ' ignar wäre, während es sich in Wirklichkeit um | gesetzen bekämpfen. Man kan» dagegen einwenden, n Juden handelte. Einen Juden jedoch!daß die Juden bei der Answandernng in den Zu- »» man unter keiner Bedingung e inen j (nnfwftaat das Geld mitnehmen Wenn sie setzt agyaren heißen. Es gibt keinen magyarischen! wegziehen, bleibt uns »och etwas, später nichts mehr de», wie es keinen magyarischen Deutschen, mairischen Rumänen oder magyarischen Serben gibt, r es gibt ungarländische Deutsche, Rumänen, rben oder Juden, Der Serbe, Rumäne und Ntsche kann ein Magyare werden, der Jude bleibt den schreiendsten Rattonalsarben Ungarns dennoch! Wiedereroberung, Wenn die Inden wirklich so gute es Jude, Es ist dies eine schmerzliche Tatsache, j Magyaren sind, so werden sie in ihrem neuem - och es hieße B.ogelstraußpolitik treiben, wollte, Staate das Ungarische als Amtssprache einsühren und dagegen inachen wir keine Einivendung, Möge aber der neue Judensiaat je früher von den zwölf Millionen Juden errichtet werden und schönes Stück Welt ihnen gehöre», aber nicht die ganze Welt, Wenn eine Besitzergreifung nicht möglich, möge man eine Expropriation durchführen und die Juden die ,Jininobilien ihres Staates ratenweise bezahlen. Mit einem Worte, erleichtern wir ihnen die Auswanderung au» Europa aus jede Art und versehen wir sie mit jeder Hilfe aus dem >v iteren Wege, damit sie je eher gezwungen werden in ihr Mufterreich zu wandem, wo die zerstreut überall Erfolgreichen »meinander wetteifern können. Reugierig bin ich. wie viele sich dort als Magyaren bekennen werden. Ist der Jude ein Magyare? Ich kann es nicht glauben. Er ist ein M:gyare. weil dar in Ungarn kein schlechtes Geschäft ist Er verkündet das Magyarentum,■ weil für ihn die nt garische Unbeholsenheit eine Goldgrube ist. Ist der Jude ein Magyare? Kann er einer sein? Jeder feiner Charakterzüge ist dm magyarischen entgegengesetzt. Er kann al׳o kein Magyare sein,' Er sei auch kein Magyare, sondern bleibe ein Jude," Schroff und harr lauten diese Ausführungen und energisch wird in ihnen jedes gemeinsame Band zwischen Magyaren und Juden bestritten. Dabei ist die chriitlichlieickale Strömung, 'welche das zitierte Blatt vertritt in fortwährendem Wachsen degrisien und speziell unter der Hochichuljugend, wie selbst der liberale ״Magyar S7.0“ bedauernd erklärt, von ausschlaggebender Bedeutung Sv gefahrdrohend die Zu'unst des ungarischen Judentums nach all bieten Anzeichen ist, wird im jüdischen Lager die Situation ganz verkannt. Im ״Egyenlüseg* und den ander» -ungarisch jüdischen Blätter» ertönt jetzt heftig der Kampfruf gegen den bekannten Zionistenführer O skar M a r m o r e k. Ein gebürtiger Preßburger hielt er im dortigen »Ayawath Zionveretn einen Vortrag, in dem er seine Landsleute ausiorderte, unter der selbstverständlichen Was wird mit ihr!« Immobilie» werden? Man! Voraussetzung .tyres ungarischen Patriotismus, sich spricht immer von der V ritaatlichung der kirchlichen' offen zur jüdische» Raiionaliiät zu bekennen, Mar- Güter, Wir sind einverstanden, ma» verstaatliche die l morek ist nun deshalb ein vaterlandsloser löeieJe, kirchlichen Güter, aber vor allem die Judengüter I die Preßburger Inden, weil sie den Redner mit Beides ist zwar Aneignung, letzt res aber ' nur tosendem Beifall lohnten, schivachsinnig und gesin- ' '־ .... nungslos gleich Ihren Vorfahren, Die jüdische Rationalität ist etwas unerhörtes und es wäre Felonie und Vaterlandsverrat, men» die Preßburger Juden a»r seine Tagesordnung gesetzt hatte, denn deren Lösung gibt es vielleicht Weltfrieden, »nmöglich internationale Ruhe und Ordnung, Die völlige Verschmelzung der Jude» mit den aÄterii Völkern kann keine Lösung sein. Die einzige aus■ sührbare Möglichkeit ist, den Juden, zu helfen, daß sie sich möglichst bald als Ration wieder in einem »nabhängigen Staatswesen vereinige», Zahlen wir lieber eine besondere doppelte Steuer, um den jüdischeu Staat und de» Auszug ber Jude» zu ermög- Jeuil'l'eton. Frül!lüu1s11acht. ,1 Äoetechai Zeb. Feierberg. — AuS kieni H l»Sachen von I, Koh» (Wien). Alt bin ich und grau, meine Schultern gebeugt,!Haare weiß und die Jugendkräfte schwinden und Pinden,.,, Nicht voll sind meine Tage, aber mein Herz erfüllt von Wehmut und Kränkung; nicht dje >st meiner Jahre haben meine Schultern gebeugt. ' mdern die Last de» Leidens und die Schwere des! ebene. Ich kann nicht weinen, nicht lachen. Versiegt "■ die Quelle meiner Trägen, meine Gefühle sind ■ starrt. Siehe, die Flüche der ״Tauchochach" lasten u> mir und doch seufze ich nicht- Nur eines Abends erinnere ich mich. Ich war ■ n Knabe noch, lebhaft und empfindsam. Es war eine junge Frühlingsnacht,... 3n meinem kleinen Zimmer brennt die Lampe mit düsterem Lichte. Auf dem Tische liegen Bücher in wirrem Durcheinander: Baba. Kama, Kujari, Jore Deah, Mose Rebuchim, Rischis Chochmath und die Bibel, Auch unter den Kissen meines Bettes sind einige Bücher versteckt, die Bücher der Haskalah, wach und die vielen mannigfaltigen Bücher erwecken in mir seltsame Gefühle, Tann trete ich an das Fenster meines Zimmers und öffne er, Draußen Stille, , , Die Holzläden, die die Fenster bedecken, sind geschlossen. Nur die und da fällt ein Lichtstrahl durch eine Ritze En armer Handwerker, der noch an der Arbeit ist. Oder es sitzt ein Bücherkundiger und lernt, ״Das Haus, in dem keine Thora gehört wird, wird zur Abendzeit verödet und liegt einsiMD Und wie milde ist dem Juden Thora am Abends . Ter strahlende Mond mit dem vollen, Itldlichen Gesichte schwebt auf dem blauen Meer und 'gießt aus die Gasse sein weißes, liebliches Licht, flutet aus mein Fenster, bedeckt mein Gesicht, wie ich aus ihn schaue. Tausende von Sternen funkeln und glänzen an der herrlichen Kuppel des Himmel», Und das Licht fließt in die Weite.,., > Der laue Wind, bringt auf seinen Schwingen s würzige Düste in die Gaffe, Die Natur ist voll Grün. Leben und Ruhe, Tie Schöpfung Ist ein! wunderbares Lied, Die Luft ist voll lieblicher Töne, ״Lobet Gott, denn er ist gütig, ewig währet seine Gnade," , ,heilig-- ■, / Heilig.. -heilig, , ״ Und da draußen in diesem Heiligtum keine rs• i «;־■ —״* »- losen Gedanken, Einfach unö heilig ha! Gott alles geschaffen, ■ Meine ganze Seele atmet die freie Lust und groß ist meine Seligkeit: Tie Brust wird weit und das Herz pocht Mein Blick verliert sich zwischen den Sternen, dem Monde und dem blauen Meere, Ach, mein Gott, mein Gott, wie herrlich ist Deine Welt! Wie groß■ die Freude, die Gunst und Gnade, die-Du über sie in Deiner Weisheit ausgegossen last. Wie herrlich ist das Leben in Dein,! Well, die Du geschaffen. Wie gut ist dieser' Abend und wie angenehm ist es, }ir־leben und Wohlge fallen zu finden an einem solchen Abende unter Gottes Himmel, J Und draußen in der Gasse? Aber deine Welt, o Gott,- ist herrlich und heilig, ., , ׳Ich sehe den Mond, der dort langsam am Himmel geht, sein Antlitz strahlt vor Freude und Liebe, Ich höre die wunderbaren Melodien, die blühen in dem geheimen Schalten des Evigen, Ich sehe den Zauber, der sich in die Weite dehnt Groß und weit ist die Welt, und Freude und Sanftmut und heilige Lieblichkeit, Und draußen in der Gasse? Kramläden, Schenk!», Bethäuser und Chedarim! Haben die noch eine Welt? Eine Welt von- Mond und Sternen, von Luft und Licht, von blauen vcdcnhcl des jüdischen Nationalfondes! ^44642