Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- IV (1903)
- Issue
- 22 (15.12.1903)
- Date
- 1903-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■י T־V- Javr-gang Dezernber 1903.!• »umn ^tUiilvLuvoV•. ,vür Ci־m־n־eu11 Uiwotu hatbiatw, K •j-jn •;1 XontüWau&!!«!,;itiyrit, iVüut.!•:-׳. K:;T; r.tm»«•־}, ,vraufrcidi, ^falicrt. Xiiifc. .'Knmium-n. raluTiu■ " ־ - ׳. K 1. mll oii־. o,ouv!a!!na _*l:KuU.!iliarun u׳ .׳!.׳\. t . <;־ Xu־ v'Oltö'iimdi״.׳ ^'.1.10י1יז;־\״':.י״.1ו $cnu׳:uu Cito \ii!־: Unrritgtmäßr?rtrüilitiiinjni. $:ou % Goraliiif. Sin Mensch muß jciiun Schatten haben. Nur! miimjji'« Held. der unglückliche Schlcinichl Halle! ulen, lind was ist denn der Schalken, wenn nicht!!: Rückseite des Lebens, dar Tiaümhasle, das illu-! i-rischc und das Bezaubernde an ihm. I! Manchmal schciiil es mir, daß mir uns täuichcn, ' nenn wir meinen, der Schallen habe kein wirkliches Tascin. Sind denn nicht alle uniere Ideen, alle! inierc ErinNdriuigen, alle uniere Ideale Schattin,! :chatten längst vergangener Zeilen, längst vcr-! chollcner Menschen? Das Lebe» vergeht, öu־' :chatten bleibt. Ist eS nicht eine Umkehrung der;!Lerte, heißt es nicht die Tinge aus den Stopf stellen? ' .lud doch. . . . Immer wiehcr kehren zu uns zurück, :rängen sich uns auf, beeinflussen unser Sinnen und!rächten, hemmen oder fördern unser Handeln. Sine Erlösung bringen sie uns manchmal, einen Rat in!er Not, aber auch fesseln,, Ketten legen sie uns :!>, und wir schleppen sie mit unS durch unser ganzes :eben. , , . Wie oft kommt uns j!1 den Sinn, daß man alles von neuem ansangen, neue Möglichkeit .hassen könnte, das ganze Leben umgcstaltcn müßte and eS erfaßt miss der Wallust'chauer des Schaffens. ,'Iber uiijere Ketten erklirren bei unserer leijeslcn Bewegung, die Fesseln lähmen und hemmen uniere!!fuße und hilflos stehen wir da, vor den Ringen, .ue Vergangenheit und Gegenwart verbinden, um so eon ' Stärkeren als wir bewältigt. Und die Stär- . kenn sind die wesenlose», körperlosen Schatten, Ideen, Träume.,. 11116 auch du bist ein Traum, o Makkabi! Tiner von den Träumen, gegen die das Leben ein! Schalten ist,.. Makkabi, Makkabi! Wieder und niiner wieder höre ich diesen Namen, von neuem :rängt er. sich meinem Gedächtnis aus, beherrschter!!.!ein Denken, mein Fühlen. Ich stehe in dem hell rleuchtetcn, festlich geschmückten Saale und von der^ Tribüne herab höre ich diesen gewaltigen Namen inunterdonnern, wie einen Schlachtruf, wie eine Barole. Und aus allen Gesichtern lese ich eine jauch- ,.»de Begeisterung, einen frenetischen Jubel, Mir wird schwül, jch liebe nicht das Jauchzen l ein geschichtliches Verdienst? ®ei weiß, nie das r M nge, d.1S Gejohl d.r Bielen, der Biclzu Nad der Geschichte sich gedreht hättt, wenn c ^nicht r iclen Ab,r auch hinaus in die Stille, weiße Winterin seine Speichen eingegrinen hätw? Iaso > und Nacht verfolgt mich dieser alte Heldeuname u»d!Iehuda Makkabi — zwei Prinzipien, zwei Iieltan- Simiucil mir in;meinem erhitzten Kopse und ich höre t schauungcn; der eine wollte sich dem Leben fügen, n überall, im fernen Pfeifen der Lokomotive, lut! wollte, wie ein Schwamm in sich die Kult 11 der! unipsen^ Gerassel der Karosse, in der gehnmnisdamaligen Zeit cinjaugcn. wollte das Judentr m mit rollen stille dar Nacht und guch vom kalten, bläu-,dem .Griechentum vereinigen, zwischen den beiden lschipcißcu Himmel winkt mir der ~ ' ־־־׳־־' ־ lern herab und i in W.nk ,st +. Makkabi. .. . Und mitten in der Stille bleibe ich stehen. von Extremen eine Brücke schlagen — der zweite kannte nur iein Botk und seinen Gott, nur seine Scholle und jelne Berge, alles übrige war ihm fremd, verder llnendlichkcit ersaßt, i» die Unendlichkeit j werslich. Der weiche, feine, schmiegsame und cklek- Moment, wo die Grenze-Sische Kosmopolitismus einerseits — der mächtige. nit dem Prinzen Hamlet erschien und ihm die ver-! ociß. wie sich die Geschichte der Juden, die Gel änguisvollen, surchlbaren Worte zuricj ״Schwöre^Ichichte der Menschheit gestaltet hätte, wenn Makkabi s hivvre", höre ich in mir eine innere Stimme, die ipichl gesiegt hätte? War sein Sieg ein Siag oder Htinime des Schattens, der sich meines Sinnens be-lein Pyrrhussieg? .SS in keine Ketzerei am Volksiliächtigte, Iehuda Malkabis ״Schwöre, schwöre",! gcdanken, dixic Frage auszuwcrsen. Tenn es gibt tsies. er mir zu. Schivöre, daß dil meine Arbeit zwei Betrachtungsweisen. Die eine aus der Gegensörtietzen, den Kampf, den ich führte, sortsührcn wart und durch daS Gefühl — die andere eine adwirst, starr und unbeugsam wie der Felsen der Wüste ־ joluie, die in den kalten Höhen des Gei ankenS Judäas, heiß, j sengend, fanatisch glutvoll, wie die! hauset. Und was die eine bejaht, kann die andere Sonne von Mödein.., ״Schwöre, schwöre"!.. .!verneinen, und die crsiere behält doch Recht.-weil . i « ,! sic vom Leben ist. Kann ich cs, kann ich ihm folgen, vermag-ich den Schwur zu leisten, ihn in Tat umzusetzen, decken sieh, seine Ideale und LcbenSansichten Mit den weinigen? Sind wir wirklich von demselben Steine gehauen? Ist denn die Kette, die unS durch Jahrtausende hindurch verbindet, wirklich eine ununterlstochenc? Was isl mir Hcknda? Kann ich ihn ganz verstehen,' seine Gedanken Nachdenken, seine Gefühle nachempsinden, die Gesühle eines Makkabi? Ist nicht.eine Saite geborsten, ein Ton verstummt, die Harmonie gestört? Ich bewundere die Tat!lakkabis — und kann sie nicht ganz begreifen, a. in dem Innersten meines .Herzens, in einem!inkel, wohin ich selbst nicht hineinzublicken wage, >t sich ein Zweifel eingenistet und wie ein heimtückischer Wurm nagt er leise, unmerklich. . . War Makkabis Tat abgesehen von ihrem Heldentum, abg^sehei^van^hrer Größe an und für sich, wirklich! Jason — ein Schandmal haftet an /seinem i Andenken, er wollte dar Judentum am>ö«n, er; wollte die Grundlagen erschüttern. Wollte Irr es? j War nichl etwa sein Versuch bloß ein Drang, sich ganz auszuleden, neue Kuliurwcrte zu schassen, da rhm die alten zu eng wurden?- Und ne war doch schön, die griechische Kultur^ mit ihren frohlichen Reigen und diompischen Tänzen, mit ihren!lustigen Hetären und weisen Denkern! Warum büßte Jason stinen Wunsch mit der ewigen Schande? Er war ein Moderner seiner Zeit. Und sind w r denn nichl alle, jetzt in der Gegenwart, Moderte, die eine innlge Sehnsucht nach der Sonne, der Schön- - heit, die für . uns verdunkelt isl. enwjinden? sehnen wir unS all,in nicht alle nach den zchönen Tempeln von Hellas und unserer lieben Frau yon Milo? Wer halte Recht, vor dem Richterstuhl der Welt- JeuM'eton. Lehrer V11lhsl>aum. Ticsjchwarz hebt sich der düstere Nadelwald ,.an der schneebedeckten Landstraße ab, die sich träge n seinem säume dahinschlängelt. Der schiefergrauei .!achmittagshimmel blickt jchläsrig auf die einsame Tandschast herab, die kahl und tot baliegt. Keine'!,äderjpur St in dem srischgefalleneu Schnee geraben und die groben Abdrücke der derben Bauern- - iicfel haben die zuckcrweißen Waldpfadc noch nicht! ,,rstampst. Die Sonne blinzelt von Zeit zu Zeit aus die langen Eiszapfen, die melancholisch von d n kahlen Tannenästcn Herabhängen, und einige Raben I -lauern mit heiserem Gckrächz empor, s Durch den knirschenden Schnee kommt ein Mann geschritten. 'Das Haupt hält er vorgebeugt, damitj der Wind, der scharf durch die Tannen pfeift, ihm die alle, halbenthaarle Pelzmütze nicht vom ergraucndem Scheitel reiße. Die gestanzten Enden eines blau und rot gcwürselten Tuches, das er mehrmals um den Hals geschlungen hat, flattern lustig um ietiic srostgeröteten Ohren. Ein abgetragener Winteri'uaiitel mit aufgestülptem Kragen und ausgerissencn Taschen, ein Paar hohe Stiefel, die bis an die Knie '.eichen und über die Knöchel im Schnee versinken, ein derber Krückstock mit Eisenspitze ist alles, was man an dem einsamen Wanderer erkennen kann. In der Rechten, die ein dickwollencr Fausthandschuh!legen den Frost schützt, trägt er ein längliches Paket,' in ein schwarzes Tuch geschlagen und mit Stricken sorgsam verschnürt. Es beginnt zu schneien. Einzelne dicke Flocken fällen langsam hernieder, drehen sich wirbelnd durch die Lüste, tanzen durcheinander und sinken ׳achte zü Boden. > Der Wanderer hebt den Kopf und blickt.fragcnd ihm grauverhükten Himmel. Buschige Brauen, eine gebogene blaugesrorene Rase, ein struppiger Bart, au dem', der dampfende Atem zu glitzernden Eiskügelchen' gefroren ist, eine Hornbrille mit runden Gläsern, die mit Eirblumen überdeckt daS.Sehen eher erschwert, als fördert. Jetzt erkennt Ihr ihn wohl, Moritz Buchsbaum, den Lehrer, Kantor, Schochet und Schosarbläser der kleinen Gemeinde Zaritz. Bis nach Dculschbrod kennt man ihn ja, wohin er öfter kommt, sei es um einen Zaritzcr KausmannSsohn, den er jm Schweiße seines Angesichtes für die Aujitahmrprüsung vorbereitet hat. in die Realschule einschreiben zu lassen, oder für ein heiratslustiges Gemeindemitglicd mit kundigem Auge eine Braut zu ״beschauen", oder um einen verftordenen ״Bal-boS" aus dem letzten, fünf Stunden langen Weg zum ״guten Orte" zu begleiten. Tenn die arme Gemeinde von Zaritz hat keinen Friedhof. Ilnd nun ist der Tod ins Haus des armen Lehrers cingekehrt. Sein einziges Kind, sein Sohn, den er nach lö-jährigcr kinderloser Ehe, wie ein Gnadengeschenk deS Allmächtigen begrüßt halte, ist njich kaum zwei Jahren einer tückischen Krankheit eilegen. d n! gn n! Tie Leiche seine» SöhnlcinS ist in Klstchen gepreßt und die Mutter hat ihr w^ wollenes Kopftuch fest darum geschlungen, der rauhe Ost dem armen Würmchen nicht Die arme Mutter! Jn ihren Hoffnungen g in ihrem Glauben erschüttert, von dem Rach l ausgericben, ringt sie in ihrem kahlen Stäbe dem Tode. Und er! Sein Stolz, seine Hh der Trost seines Alters, isl dahin, ist in Päckchen eingcjchlosscn, daS er schweigend d! schwarzen Föhren schleppt. Tenn die abcrglä Bauern haben sich geweigert die ״Judenli tragen, noch dazu durch den finsteren- Forst ohnehin ״umgeht". Und dann jetzt in der x Kälte, bei den jchnecverwehtcn Wegen, vereisten Pfaden den langen Weg hin- und zulegen, bas siele ihnen gar nicht ein, h׳ geragt, sie hätten sKbsl Weib und Kind, ' Tagen sei erst ein GcnSdarm im Walde Nein, nein und wofür? Ten frömmelt Wu1jj> Gottes Lohn bekämen sic jeden Sonntag von zu und außerdäm von einem Juden wirkt doch nicht. Tie Flocken fallen immer dichter. Se! zackte, glitzernde Sternchen schimmern zwische! roten Fuchshaarcn seiner Pelzmütze und Falle» seines Mantels. ״Schon drei Udr,". flüstert der L׳ schreitet wacker aus, ״um fünf isl-cs finster, da uiuß ich schon in der Stadt sein wird da» ein Schreck sein für meine arm.i S enge!rmsteS. damit schade, getäuscht, wachen n mit sinung, kleine trch die!bischen ch" zu eh! e schon Ged.enk«t des jüdischen Nationalfondes! Migen den zurückhdcn -sie vier esc froren, ch auf Küster der ja ui am gen den in den er und stock- Gott, alt.n ^44642