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Jüdische Volksstimme · 1903-07-01 · 11 (1.7.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
11 (1.7.1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr, < punltt Jüdische Bolksstimme Seite 5 semitisches Bewegung, Der Judcnpnnjkt trat >m Wahlkumps angesichts der großen wittschastlichen fragen, die i,n Vordergründe standen, zurück. Nicht mit' Unrecht verhalten sich reich-deutsche jüdische Blätter zur Frage, ob der Anlisenulisüius draußen int Abschwcllen begriffen sei, znrückhjlltcnd. Sie trmien den Wahlzisscrn nicht und sind tjecht skeptisch > lag. ignorierten 1-der ablcugneten. Sicherlich ein geworden. Uebrigens haben im Osten des Reiches falscher Weg in einer eminent wichtigen sozialen die Antisemiten Erfolge auszuwcisen. Es, ist bekannt, j und pttlichen Frage, die aus dem ganzen Milieu wie dort der geschäftliche Anlisemilismuts organisiertI östlicher Juden heraus nur allzu begreiflich erscheint, und von den Behörden gefördert wird. In einem - Wozu Tinge leugnen, für welche' die Juden als Buche über den .wirtschaftlichen Kanips der,Deuticheu i Gesamtheit nicht verantwortlich zu machen sind und init den Polen der Provinz Posen'" erklärt der Ber-1 aus denen nur ein Böswilliger einen allgemeinen Presse nach altgewohnter bepHsmäßiger Art die mit entsetzenerregenden Folgen sich am Bolkskörpcr jittlichc Verkommenheit südlicher Mädchenhändler! dick frißt, , dem gesamten Judentum aufs Kerbholz schrieb, | Bevor wir, zur allgemeinen Eharaktcrislik des glaubten die Juden die verallgemeinernden Angriffes Mädchenhandels und seinen Formen übergehen, sei ihrer,feinde am besten dadurch zu parieren, daß sie!kurz aus die jüdischen Lraanvationcn hingcwie.en, auch das .Körnchen" Wahrheit, das ihnen zu Grundes welche der Bekämpfung. des Mädchenhandels dienen. Es sind dies nach obgenanntem Referate: Tie sasser ganz offen, daß dort die antisemitische Be wegung an Boden gewinnt und die Zahl derjenigen Teutschcn zusehends zunimmt, die cs ״vorziehen, hei Polen und nicht bei Deutschen jüdischer Konfession zu kaufen" und daß infolgedessen eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen ist Jüdische sichachcrcrn zum Spscr fallen, Angesichts des wahrhaft Handwerker^ Aerzte. Anwälte, Kauslcute müssen dem - - - - - - wohlorganisiertcn Äcschästsantijcmitismus weichen. Es cricheint nicht überflüssig, nach den Wahlen an disic Tatsachen zu erinnern, weil »aivje und opiimisnschc Juden solche Wahlergebnisse zu überschätzen ilnd sic für eine Bestätigung ihrer Theorie von der .vorübergehenden Erscheinung" zu halten rasch antfjüdischcn Vorwurf konstruieren kann? Ja. es ist Tatsache, daß cs eine große Anzahl jüdischer Mädchenhändlcr neben ihren christlichen .Berufskollegen" gibt. Und es ist wahr, daß Tausende jüdischer Mädchen jüdischen und christlichen Seelen- ,Jewish Association kor the protection ot ״irl's and women־ in London und das .jüdische Zweig- Komitee des deutschen Rational-Komitees. zur ׳Bekämpsung des Mädchenhandels" in Hamburg q^ie .Jewish Association“, an deren Spitze eine Lady Rothschild steht, hat in London ein Mädchenhcim für solche reisende Mädchen errichtet, welche mir Sprache und Sitten des Landes nicht vertraut sind und bei ihrer Ankunst keine vertrauenswürdigen Adressen haben. Die Hasrnagcntcn!der Gesellichast nehmen die unbeschützten Mädchen bei der Landung ,in ihre Obhut. Die Zahl der jchugloicn Mädchen, erschreckenden Pcrzentiatzcs, mit welchem Juden aktiv!denen im Jahre 1899 die Hilfe des!Komitees zuteil oder passiv an dem Schandgewerbe tcilnchmen.-eine! wurde, beträgt 655. Tic Tätigkeit der Gesellschaft Vogel Strauß-Taktik z» befolgen, wäre verfehlt. Er! erstreckt sich nicht aus London allein. Die Summen, ist vielmehr eine nationale, soziale und sittliche! die von der Londoner Gesellschaft aufgebracht und Pflicht aller Juden, der tiefernsten und tieftraurigen i mit Erfolg verwendet werden, sind angeblich ziemlich Frage des Mädchenhandels, den man bisher gar j bedeutend. Das Hamburger Komitee wurde im . , . , .!nicht oder nur oberflächlich kennt, nähcrzulrcten, Jahre 1897 von der Großioge -BnciBrith! für geneigt sein werden, Eharakteristijch für die wahren ihre Lösung moralisch und Materiell zu fördern. Es Teutichtand eingesetzt, Tie Hamburger. Gruppe. Gefühle der Deutschen zu den Juden ist eine i ist, nach den Begrisscn einer .guten Gesellichast"! welche mit dem Londoner Komitee iiiengster Fühlung Aeußcrung, die ein gründlicher Kenner der deutschen! ein unerquickliches, heikles Thema, Ader sPiche steht und gleich diesem an vielen Plätzen des In- Volkspsyche, der neugewählte Nalio lalioziale^ v,! zimperliche Gouvcrnantenpädagogik kann die öjsent- und Auslandes Zwcigkomitecs gegründet hat, arbeitete Gerlach, anläßlich der Konitzer Ass>ire >n^ der!liche Erörterung dieüer!Frage z»M Zwecke der!— ein Erbteil der Bnei-Brilh-Logcn — zuerst .in Wiener Wochenschrift ,Zeit" gemocht;ul. Er sagte! Popularisierung der BakLmpsiingrtcndcnzen nicht aller Stille und Zurückgezogenheit", Erst im Jayre »Jff Deutschland nimijit die Zahl jener' hindern, _ 1899 wurde mit der dis dahin ängstlich und unverdamals: ah. tvrlch^oie Juden hassen;, aber cs wächst die Zahl derer, welche sic mit Bewußtsein iiicht lieben,“ In der Wahlarithnietik äußert sich das im Rück gang der Stimmen, in der Praxis, im geselljchaftlichcn und geschäftlichen Lebe» hat die Differenzierung dieicr Gefühle wenig Bedeutung kttrelkr in 8>täk1d«sg. (Ein Nachspiel zu den Wahlen.) Tic Niederlage der Klerikalen führte im Landkreise Straßburg zu Ausschreibungen gegen Protestanten und Juden, Jüdische Gcschästslädcn! Hst. ist nun in£ wurden mit Stcinwürscn bombardiert. IDas/Militär! Büchlein enthält Von der Wandlung, die sich in jüdischen, vorher ganz teilnahmslosen Kreisen vollzogen hat, zeugt die Tatsache, daß -der deutsche Rabbincroerband das Thema des Mädchenhandels aus die Tagesordnung seiner letzten Versammlung <7, Juli 1999 zu Franksurt a, M) gesetzt hat. Wir haben die Beschlüsse der Rabbincrvcrjammlung über diesen Gegenstand seinerzeit in diesem Blatte besprochen. Das Referat, das Rabbiner Tr, Roscnak aus Bremen - erstattet ruck erschienen. Das unansehnliche eine Fülle von Material und mußte Bereitschaft halten; viele Verhasfungen wurden! verdient weiteste Verbreitung, Tic allgemeine Ehavorgcnommen. Die Menge wollte die Verhafteten! raktcrislik des 'organisierten Mädchinhandelr, die mit Gewalt befreien. Gegen die protestantischen und; statistischen Taten und die besondere Geschichte der ständlicherwcisc geübten Geheimniskrämerei, milder Furcht vor der Lesientlichkeit aufgeräumt. Das Komit« faßte den löblichen Beschluß, auch breitere Volksschichten für die wichtige Frage zu interessieren Doch'mit bloßen Ausrufen und Rundschreiben ist. wie der Erfolg zeigt, wenig getan. Tic auskläreitde Arbeit wurde den galiziichen Rabbinern überlafien. Diese scheinen der ganzen Sache wenig Ausmerksamkeit geschenkt und sich selbst die nötige Werbe krast nicht zugetraut zu haben. Tenn das große jüdische Publikum — speziell in Sesterreich — siebt der ganzen Angelegenheit nach wie vor teilnabmr und verständnislos, ja kalt gegenüber, Tie beiden Komitees kranken an dem gleichen Organiiaiionr jüdischen Geschäftsleute wurde der Boykott erklärt, bestehenden jüdischen Vereinigungen zur Bekämpfung ׳ fehler, wegen welcher auch viele andere und größere kl» irraelltircher K»lt»<aarffj»1l ai« «ra<u. des Mädchenhandels machen den Leser mit allen jüdische Institutionen sich nicht recht rntsaltcn können lant der «lettische« Semelkdiiralchlll £ottori'ul"'cnänje“tcn einschlägigen Details bekannt. Es ist!sie sind zu exklusiv und bemühen! sich Nicht. -“““ E b e'n, Kultusvorstönd"v?n Llmütz^uüd Kuratornur-der Rücksichtnahme aus die beschränkte breiterer volkstümlicher Basis zu l* des süd, mähr. Landesmasfäsondes, bat schon mit^^s"^' »1a»chem assimilatorischen Stückchen \ brilliert, inq seinem Berufe als wohlbestallter Verteidiger antisemitischer Heilobrüdcr, in der Politik als deutsch nationaler Tagblattredakteur in Olmytz. Auch anläßlich der jüngsten parlanicntariichew Verbrüderung eliristlichsozialer und dcutschvölkischcr Antisemiten mit den Liberalen hat cs der Olmützcr Kultusvorstand nicht verabsäumt, als Gratulant seine Karte abzugeben und sich auffällig in Szene zu setze». Ä-Am .'!9. Juni stellte Dr. Eben im Oluißtzer stadtvcrordneten-Kollegiinii den natürlich angenommenen Antrag: .Tie Stahtgemeinde Olmütz begrüßt auf das freudigste den Zusammenschluß der deutschen “Abgeordneten im Rcichsrate und gibt der Erwartung Ausdruck, daß cs dieser Vereinigung aller deutschen Volksvertreter gelingen werde, die Rechte ukd den Besitz. des deutschen Volkstums, in Oesterreich in Zukunst kräftig und erfolgreich zuwahren usw." Tr. Eben, der Assimilant und Kultusvorstand, bat sich beeilt und das Signal zu einer allgemeinen Gratulationstour gegeben. Es ist die berüchtigte Manier der Assimilanten, durch ihre zudringliche und reklamehaftc Deutschtümelei Liebkind bei den Antiienuien werden zu wollen, Sic haben mit ihren Aiibiederungcn bisher wenig Glück gehabt. Auch der Kultüsvorstand von Olmütz ist für die deutsche Geineiiibürgschaft ein sehr unwillkommener Gratulant, Aber wird man solche Leute jemals kos? 'Und kommt cs denen überhaupt zum Bewußtsein, daß ihre politische lästige Gcschästlichkcit! widerwärtig und abstoßend wirkt“? und nationale Einsicht einer unter dem Zeichen antizionistischer Proteste tagenden Rabbiner- Versammlung, welche für konsequente Verarbeitung und radikale, wenn auch theoretische Lösung jüdischer Probleme nicht disponiert ist. zuzuschreidcn, daß der Autor der Broschüre in den Leitsätzen seines Referates, in denen er zu Palliativmittclchen ganz unlergcord weitere Kreise zur werktätigen Muyilfc heranzuzicben. Auch die Bekäinpser der Mädchenhandels kämen viel rascher vom Fleck, wenn sie ihre Ideen populär zu machen verstehen würden, “ Bisher konnten oder wollten sic cs nicht. Erst in letzter Zeit ist in der Gcsamtbcivegung zur Bekämpfung des Mädchen-! Handels ein kräftigeres Tempo eingeschlazen worden. Man rasit sich aus lähmender Untätigkeit und erfolg verkürzender Geheimarbcit aus und trachtet, uut Sen Ausgaben und Zielen der Bewegung auch dii breite, Masse vertraut und bekannt zu machen. In den Sir Srkämpfllng des Mädchenhandels. X, Die offiziellen jüdischen Kreise haben sich die längste Zeit hindurch über die von der antisemitischen Presse immer von neuem rrhohene; Pauschalvcrlcumdung, daß der Mädchenhandelein!ausschließlich lüdisches Gewerbe sei, jüdischem Rattoualcharaktcr entspreche und von der Gesamtheit der Juden geschützt werde, hinweggesetzt. Sie haben die Pauschalvcrleumdung mit einer Pauschalabwehr! beantwortet, Tic alte, bekannte und verfehlte Takti^, Weil jene neter Natur rät, den "sozialen Untergrund der Frage und die innersten Ursachen des gerade unter östlichen Juden grassierenden Mädchcnschachcrs außcracht läßt, Jul Laufe seines Referates anerkennt er wohl, daß die traurigen Zustände, die den von und mir Juden' ersten Junitagcn d, I, hielt in Wien die Liga zur getriebenen Mädchenhandel -detresien, .nur eine! Befämpsung des Mädchenhandels ihre erste Vollver Teilerschcinung sind, hervorgegangen aus der sammlung ab. Unter den Mitteln zur Bekämpfung, andauernden Bedrückung". Aber er zieht nicht die!welche der Referent cmpsiehlr, finden wir neben letzten Konsequenzen und begnügt sich damit, dieser technischen und administrativen Maßnahmen, sowie .Teilcrscheinung" mit den landläufigen Mstteln, wie! sozialpolitischen Vorschlägen auch .die Verieudung da sind: Ausrufe und Warnungen an reisende j populär verfaßter Broschüren an Las Publikum, Mädchen, Ausrüstung von Sendbotinnen u. dgl״ j Kanzclpredigtcn, Gewinnung der Preise für die Zwecke an den Leib zu rücken. Der Nachweis, daß weder!der Liga". Ti- Aufklärung nichts nur der unver die .Tcilerscheinung", noch die jüdische Gesamtsrage,! ständigen Bevölkerung im Osten, ,andern auch des in deren trauriges Kapitel jene gehört, hierzulande! zivilisierten Publikums des Westens ist etn wichtiges ohne Beseitigung der abnormalen Existenzbedingungen . Stück der zugleich propagandistischen » >a provan der östlichen Judcnheit lösbar ist. fällt nicht in den taktischen Tätigkeit der Liga. Rahmen der heutigen Besprechung, Wir werden vorläufig nur zwei ausfallende Kundgebungen über den Mädchenhandel erörtern: das instruktive Referat des Dr. Rosenakünd einen ausgezeichneten Bortrag, den Gg, Dr, A, Waldmann in Lemberg »or einigen Monaten in der dortigen Toynbcc gehalten hat und der im zionistischen Lcmbcrgcr Wochenblatt ,Wschöd" vom 6. und 13, Mai d. I, vollinhaltlich erschienen ist, Dr. Waldmann ist in Lemberg im Zwcigvereinc und im Sekretariat der ,Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels" hervorragend tätig. Sein Vortrag, den wir auszugsweise vcrössentlichen ivcrden, schildert ausführlich die Organisation derHändlcr. die Geschäftss. ctr 1 s.1ו ׳.^^ h.w (U h,1r.41 Die jüdische Intelligenz, bat die unadweirdarc Pflicht, die Liga zur Bekämpfung des Mädchen- Handels tatkräsligst zu unleritützen Sie k.inn es materiell und muß er moraliich tun Es handelt sich darum, einen Krebsschaden, der sich int jüdsichen Volke eingcnislet hat. auszumerzen; und von zpe-em die Schmach zu nehmen, daß Jüdin in erklecklicher Anzdhl mit Seelen. n»l jüdischen!Seelen“ schachern und die ethischen Grandgcjctze'des jüdischen Stammes schänden, (FortjctzuiEs folgt. - Z>rg«TnifcltioNa $rÜIIN. (B er s a m ml u n gS a n;< j ^5. ״:£ ׳* finiter Z ouist.n veranstalten samstag, d.n 4. In:! eine Versammlung, zu der die G.-ü-inunzS-tr׳- noffen hlemit eingeladen werden. TiqeSordnung: Der Max H i ck I. Uir abd. andererseits eine energische, uinsassende Bekämpfung! ^tiubrrg- (Parteitag -der jüd. Handels ihres Gewerbes ist, welches wie ein ekleS Geschwür a 1t 9 e ft eilten Galiziens) Sonntag unL.Momig, tätigkeit der Agenten, die Umgehung der G.'stPe durch B sic, kurz den ganzen komplizierten Betrieb des Mädchen- V: »nne Handels. Man ersieht aus dem in dem ^Lorlrage! d. I., entrollten Bilde, wie schwer einerseits die Verfolgung nosien und Bestrafung der routinierten und über die Maßen III. ö!terr. Zionistentag. Referent: Gg. Max vorsichtig arbeitenden Händler und wie notwendig Ort: Restaurant Werner. Z;ile lÄ. Beginn 1

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