Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1903-06-01 · 9 (1.6.1903) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
9 (1.6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2621806-6375623-6375785--0602-4860091
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

>J!r. 9 Attdtfche Volksstimm« ־ Seite 3־ -1 Keine Wendung im ZionismsuS! Eher eine Wendung jener Halbzioüistcn vom Zionismus! Tenn wenn die Tendenzen - der ungarischen Juden zionistisch sind, so waren jene, die so denken wie wir wollen keine magyarische Nationalpolitik treiben? Tas können und dürfen sic ja als Zionisten selbstverständlich nicht! Kurzum, der ganze Passus soll soviel besagen! Die ungarischen Zionisten wollen keine nationalen Untcrachiedc zwischen sich und den anderen Neugyar,cn und Judäomagyarcn, jic tehncndic Zugehörigkeit zur jüdischen Nation ab zwei Nationen kann man beim besten Willen gleich, zeitig nicht angehören, auch in Ungarn nicht), sic wollen ihre alte Politik treiben wie bisher, trotz allem Zionismus, sic sind treue Söhne Umgarns. Elsen! Ties wird wieder aus dem Vorschläge Tr, Visontais klar ersichtlich, dem auch der zweite Programmpunkt zu wenig deutlich sein Mag — lsterin stimme ich mit ihm überein —■ und der darum die solgende Abänderung ,empsiehlt": ,Die ungarischen Zionisten als treue Söhne de» ungarstchen Vaterlandes wollen nicht als politische Nationalität gelten, sic wollen nichts anderer, als u ngarisch-politische Zwecke verfolgen," Man merke: Treue Söhne des ungarischen Vaterlandes. Hier wird wieder die hurrapatriotische Spritze aufgciahrcir, Aber Tr, Visontai sagt nicht: Treue Söhne des ungarischen Volkes, dies scheint chm doch etwas zu stark zu sein, für seine Zwecke genügt das Vaterland, Denn ist nia» ein Jude und eist ״treuer -Sohn" des ungarischen Vaterlandes, so ist man in. Ungarn selbstverständlich — magyarisch-stational, Tiefe Anschauung ist mit den zionistischen Prinzipien so unvereinbar, einfach jo unzionisriich, daß ich mich nicht verpflichtet fühle, mich mit! ihr des Weiteren auseinanderzujctzen, ■ Wenn man auch mit der Politik der ungarische״ Juden nicht einverstanden ist. so ist cs doch vielleicht möglich, dieselbe aus den Verhältnissen erklärlich zu sindc» oder zu entschuldigen. Daß aber jene ungariichcii Juden, die da wähne» Zionisten!zu fein, sich nicht um-dar Geringste geändert Habens daß sic gar keine Entwicklung durchgemacht haben,!ist überaus traurig, .Für sie ist Zionismus nichts weiter al? Philanthropie gegen Glaubcnsge- 11 o s s c n. im Namen des jüdischen Glaubens will man den jüdischen Schnoircr» die Befreiung aus Truck und Not als Almosen hiuwcrse». Und war das Drollige ist, jene halten sich für ganze Zionisten! Wie war aber unsere Bewegung möglich? * Indem das V o l k s be wuß tscin erwachte. Und, was ist das Wesen des Zionismus? Die Zusammenjasjung Miller neuen und alten nationalen Werte zu»! großen Zwecke der Selbstbesreiung unseres Volkes. Im vorliegenden Falle gibt es nur zwei Möglichkeilen: Entweder man ist Zionist oder man ist keiner. Wenn jemand in der Assimilation das Nichtige erblickt und den Bestand des eigenen Volkes leugnen will — habeat sibi! Aber die Assimilation in den Zionismus hineinzutragcn, das geht nicht ^n. und wehe uns, wenn wir cs dulden wollten f Gewiß, auch mit dem AsjimilationSjudentum sind wir durch unlösbare Bande verknüpjt, aber in der Anschauung, im Wesen unserer Selbst trennt uns von ihm eine Welt, und sie iniiß uns trennen, — Wenn die ganze Sache nicht jo traurig wäre, wahrlich, man müßte lachen, Tie ungarischen ,Zionistin" sind die Alten von ehedem geblieben und nichv den leifesten Hauch der großen jüd:sche».,Renaissanze vermögen sie zu spüren. Ihnen ist das Wesen des Zionismus, ihr eigenes Wesen ein' Buch mit sieben Siegeln, Und von dem jüdischvölkischen Entchicklungsgidauken in seiner ganzen Großartigkeit haben sic keine Ahnung, Nun gehen die guten Leutchen hin, setzen sich zu einer Konferenz zusammen! und bcichließcn mit der größten Selbstverständlichkeit von der Welt ein Programm, dessen theoretisch»: Grundsätze und praktische Folgen allen zionistischen Prinzipien diametral entgegengeietzt sind. Für die ungarischen Zionisten gibt cs also nur zwei Wege: Entweder Baseler Programm, d. h, Zionismus, oder einfach Assimilation mit Unterstützung der jüdischen KoloniiulionSbeslrebungen, Letzteres ist ganz gut möglich; haben doch auch schon Christen für den Nationalsvndr gespendet. Eines aber muß ausgeschlossen bleiben, Richtzionistcn in unseren Reihen, ein asjimilatöriich-zionislischer Ausguß, - Bei der heute noch geringen Anzahl! von ungarischen Zionisten ist dieser ganze Vorfall nicht so lehr eine direkte Gefährdung unserer Sache als infolge der, darin liegenden Symptomatik eine beachrenrwertc Erscheinung, Dazu kommt aber noch ein weiteres: Herr Dr, Nord au beglückt die ungarijebcn Zionisten mit einem schmcichelhajten Schreiben, worin cs heißt: ,Ich sehe-nicht, welche Einwände man aus zionistischem Gesichtspunkte gegen das von unseren trefflichen Gesinnungsgenossen Dr, Janos R o n a i und Dr, Soma Visontai formulierte Programni der ungarischen Zionisten erheben könnte. In "Ungarn ist die Nationalitätenfrage rein und ausschließlich eine Sprachensrage. Rach Abstammung und Rasse fragt der ungarische Gesetzgebe! und Politiker nicht, Als .nicht magyarische Nationalität" gilt ihm nur eine solche, deren Sprache Zionisten außerhalb Ungarns — es sind nicht die magyarische ist, In diesem linguistischen Sinne sind die Juden in Ungarn sicher keine Rationalität, da sie keine eigene Sprache sprechen, sie stellen also nur eine ursprüngliche und unbcstreitbare Tatsache fest, wenn sie erklären, daß sic in Ungarn keine Nationalität bilden, keinerlei Rationalilätcnpolitik treiben und in Ungarn nur ungarisch-politische Zwecke verfolgen wollen," Es ist doch merkwürdig, in welchen magyaro- Philen Chauvinismus Tr, N o r d a u verfällt, jo ost er aus Ungarn zu sprechen konimt, Oder verspricht er wirklich, auf seine alten Tage ein ganzer Rcnaissanzemensch zu werden, der sich mit Hintanjctzung aller Konsequenz seinen momentanen Launen hingibt, ohne irgendwie an seine Verantwortlichkeit dem Zionismus gegenüber zu denken? Diese Acußerung eines Mannes von so viclgerühmtcm logischem Scharfsinn ist einfach sophistisch und falsch, nichts weiter, lind mit welcher Bestimmtheit das ullxs gesagt wird! In- Ungarn ist die Nationalitäten frage rein und ausschließlich eine Sprachcnsrage. Wirklich ,rein »nd ausschließlich"? In Ungarn, wo ein Historiker Nachweisen wollte, daß Adam ein dies wohl niest wenige — niemals Zionistcn! Arlhux Friud, Wien, Ne Judenverfolgungen in Sndrutz-) land ein — Menetekel. Vor ungefähr 10 Tagen hat der- ,Hilfsvcrcin der Deutschen Juden"' durch Versendung von etwa ' 6000 Einladungen, durch Inserate ec. szu einer Versammlung eingcladcn, in welcher Herr Jusiizral Cassel sprach. Dar Ergebnis war, daß 60 bis 90 Personen erschienen, Ter leitende Gedanke hcs Hilis- Vereines, den Juden des Orients dcutsch-c Kultur beizubringen, findet ossensichtlich lein Echo in der jüdischen Volksseele, so iympatisch an sich auch sjtit allen Juden jede Arbeit ist, die der Linderung Klcuropäiicher Judeimot dienest soll, Dienstag, den 12. Mai t. I,, wurden von der Berliner zionistischen Vereinigung mehrere hundert Berjammlungscinladungen in der üblichen Wriie verschickt, und cs wurde,durch Plakatanschlag aus die Verickmmlung hingewicien: und es kamen lausende 1 Magyarc war, um so die Herkunft des Menschen-1 und ebeitsovielc mußten unverrichteter Sache wieder gcschlcchtcs von den Magyaren hcrzulciten? Ich I nach Hause gehen, weil der große Saal des Hanls- ,weiß nicht, ob etwa in der zivilisierten Menschheit Werker-Vereines nicht noch mehrPcrionqn fassen konnlt, ^das bloß, sprachliche Moment die Grundlage des Der Referent des Abends war Herr Tr, K l e e,;Nationalen abgibt, aber wenn irgendwo, dann zu-!der nie zu Herzen gehender ,und packender gesprochen ,allerletzt in Ungarn, Und der Politiker fragt!hat,' Etwas neues wollte et nicht sagen und konnte! gar nicht nach Abstammung und Rasse! er, wie er ausführte, nicht sagen. Es bandelte sich 1' Glückliches Ungarn! Also gar nicht der genicht darum, jene unglückseligen Massakres auszuwphnliche Antisemitismus,'keine gesellschaftliche Zunützen sür die Propaganda, sondern die Juden zu rücksetzung der jüdischen Janos, Beta, LajoS, kein - warnen und ausmerk'am zu,machen aus die Gesatiren, EinwandcrungSsiksetz, keine radikale Partei? Wodurch die sic umgeben, und die! einzige Rettung, die sich unterscheiden sich denn-die ungarischen ,Liberalen" s bietet, zu zeigen. Er schilderte, teilweise nach Privatvon den unscrigen? Durch gar nichts! Geben wirs berichten, eingehend, alle sine furchtbaren Vorgänge, weiter. Die Juden in Ungarn sind nach Rordau!führl»-aus. daß er im lchtvexgangenen Winter einen in linguistischem Sinne keine Nationalität, ^jstnächit j Vortrag gehört bade, in welchem ein dänischer . iit man nicht eine Nationalität in diesem oder jenem , Schrislstelicr über Greueltaien in Asien bcr-.chiet Sinne, Man ist cs entweder oder in.an ist!habe, bei deren Schilderung die anwei,»den Frauen cS nicht. Und-die Kriterien des Nationalen richten! vor Entsetzen den Saal verließen. Er verlang!, von . sich nicht nach der Anschauung der umgebenden . den südlichen Frauen, die anwesend waren, daß Völker. cS handelt sich absolut nicht darum, was die Magyaren unter Nationalität verstehen, die Wissenschaft und unser innerstes Gefühl allein sind uns maßgebend, alles andere ist nebensächlich Und wenn die Juden in Ungarn keine Naiionalität sind, da sieckeine estgene Sprache iprechen, was berechtigt Herrn.'Dr, Nor da», di: westeuropäischen Jude» überhaupt siir das jüdstche Volk zu rcklamiercn? Und wie stijnmeii diese Ansichten mit dem sie nicht nervös würden, sondern miianhorren, wie man jüdischen Frauen t1׳;J Frucht aus dem L.-lde gerissen, wie man Säuglinge und kleine Kinder mehrere Stockwerke hinunter aus das Pitasi-.r geworie» bade, io daß ihr Gehirn umberivritzte.!01, man in den Sviiagoge» die Thora-Rolle» zer>etzt und im Heiligt»»!,- Frauen und Jungiraue» ver gewaltig! habe: alle die Pbraieu von der ioriickir,!.- senden Kultur und vom Siege der Menschlichkeit. Artikel überein, Sen Nordau unlängst als Kritik; oder wie >1e sonst beißen, sie alte, haben ,ich als der Anschauungen-eines Herrn Mezci veröffentlicht trügerisch erwieien, uqd es sei nötig, daß endlich hat (״Welt", 7, Jahrg, Rr, I3>, worin er diesen!die Juden ansangest, aus sich selbst heraus Heilung in so überzeugeuder Weise über das Wesen der § zu juche». Eine Rettung sei nur möglich, wenn der jüdischen Nationalität belehrt? Was also jene Be- Häuptling der ungarische» Pieudozionisten betrifft, so stellen sic damit durchaus keine ,ursprüngliche und unbestreitbare Tatsache" seil. Und wie merk würdig klingt cs gerade von Nordau, wenn er cs billigt, daß die ungarischen Zionisten nur unga Weg eingeschlage» würde, den der Zionismus weste, Dr, Klee cntwickelic dann das zionistische Programm, dcschäiligle sich mit ttn Einwendungen der Gegner und wandte sich scharf gegen diejenigen Juden, die den Zionismus befehden. Noch am ,letzten Paiiabscsie HLne» gewisse riich-politiiche Zwecke versolgen wollen. Ich will i Rabbiner gepredigt von'einem .geistigen" Zion und schon abjehen vom zionistischen was 'soll dar h! " ömndpunll. Ader von einem moralischen" Jerusalem, Man solle mi!!eißen ungarisch-politische Zwecke?!goldenen Leitern an den Wanden -er Synagogen Die Unterstützung eines u ngercch t cn Sy sie m s.!die Namen der in Kiichinew gemordeten Märivrer dessen Grundprinzip die Unterdrückung vollbercchtig-' des jüdischen -Volkes verzeichne» und. wenn cs c.» ,er Nationen ist! Predigern wieder beisallen sollte, von einem ,gei Max Nordau hat durch gänzlich unhaltbare, " '■־.־״'•'־ •—"י ־'*'־ —. .. zum Teil Pen zionistischen Grundanschauungcn widersprechende Behauptungen einen vom zionistischen tandpunkte nicht zu billigenden Schrill gut geheißen pnd den Gegnern, welche bereits von,Wen düngen" im Zionismus z» erzählen wissen, neue Angriiss'piinkle dargebvtcn. Ob er als Führer unserer Bewegung io Handel» darf, »nd ob uns dies nützen kann, muß dahingestellt bleiben Sollten sich aber seine, Anschauungen in der btz'en Zeit tatsächlich io geändert haben, warum wartet er nicht dis zum Kongreß"? Was berechtigt ihn, sich zum AjiimilationSanivaltauszuwersen? Ein durchaus nichtzionisiisches Blatt bemerkt zu diesen Vorfällen: ,Wenn diese Statuten vom zionistischen Standpunkt in. Ungarn ziitässig sind, so ist nicht cinzusehen, warum nicht das Baseler Programm! ebenfalls diese Gedanke» aussprK»." Gewiß richtig! Aber diese Statuten dürfen eben nie-!mals in Ungar» zulässig sein! Und wenn die Gegner mit deutlicher Absicht von .Wendungen" im Zionismus sprechen, sd antworte» wir ihnen: itigcn" Zion zu reden, dann solle inan ne nuuu» Hinweisen aus jene goldene» Letter» ifu Len Wälzten, Kiichinew bleibt ei» Mabiirus, den wir Nicht vergessen dürsen. Wir dürfen »ichi warten, bis Keule oder mörgen odeb «Gzwanzig Jahren von!>>11,111 ein Kiichinew sich ereignet, iov.dern müsien mu aller Kraft-daran arbeiten, daß endlich das!üsische Volk die Heimstätte findet, nach der es sich fehiil, Selos! der sanftmütige Hillel. der die Nächstenliebe gewiß stark betonte, hat jene Worte eines gesunden Egois muz ausgesprochen, mil denen der Redner schloß: ,Wenn ich nicht >ür mich bin, wer denn und wenn nicht jetzt, wann dann?" Unendlicher, sich immer wiederholender, brauscuser Bestall lohnte den.Redner für seine Alissuhriiiig.u, Aus der Diskussion ist hauptsächlich Sie"A»spra,!1e des Herrn Dr, Heinrich Loewe hervorzuheden: er schilderte, wie die Judenfeinde an allen Orten und in allen Zeitexi von dem. gleichen Geiste beseelt seien, und wie das, was in Rußland sieh, ereignet Hane, sich auch in Preußen ereignen könnte, wenn nicht hier eine stramme staatliche Ordnung herrschte, die Gedenket des jüdischen Nationalfondes!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.