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Jüdische Volksstimme · 1903-05-15 · 8 (15.5.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
8 (15.5.1903)
Date
1903-05-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I XT7\ Jahrgang. Wrnnn, 15. Mai 1903. Mr. 8 Bc;Nl1>preuc: a»u־ Ceitevreidj llnfliini halbjährig K qatmälnni K •1. uitl. L0tt;u׳cn!um.1: Tcuriddand Mngatrri^ Mark »״'.׳»: Nm;lanS §an׳,,dlrr1g •j jKuboi; rittnu'i.v AniHlrcid), Iialien. Jiivfci, ^iinninifn, 31’rlm־n, Bui.imie» um». ,Vf«-. <>• . A'c&a!ncn und 1ווזז1ו1»ה1?י äiionד Brünn. 30"י־־!11ו1ו ״^jit'ndW BoU ׳׳nmm<- cnitvmt am I. «11& K«. - Bu.lidättdlti!;- B,rn,:uua: Cno Mkmm, i\ - 1. l psychologik und Zionismus. Bon Israel Zangwill, Tic mcisle» menschlichen Probleme sind — vermöge der alleinigen Tatsache, das! sie menschliche sind — psychologischer Natur. Indessen, ist die Psychologie die letzte der Wisscnschaslen, welche die Anlizioniste» in Erwägung zu ziehen, belieben. Tic Judenfragc ist zum großen Teile das Produkt zweier Faktoren — jüdischer und nichtjüdijcher Psychologie. Niemals wird sic durch eine Person gelöst werden, welche es nicht versteht, diesen zwei Faktoren Rechnung! zu tragen. Ich könnte, um diese These zu erhärten/ über die Judensragc ein Buch schreiben; .aber in einem kurzen Artikel muß ich mich aus einige Andeuiunge» beschranken. Betrachten wir den Ritualmord. Es verstießt laum ein Jahr, ohne daß man nicht in irgend einer barbarischen Gegend einen armen Teufel von Juden t beschuldigte, ein Christenkiud geschlachtet zu haben, j um cs als Lpjer darzudringcn. Wir wissen nur zu gut — durch Religion und Gefühl, daß, wenn es auf der Erde etwas gibt, das ein J»hc nicht täte, er gerade dies ist. Es ist dies vielleicht die einzige Handlung, von der wir bestimmt dehauplen könnten, daß sie ein Jude niemals begangen hat und nie begehen wird. Nichtsdestoweniger wurde durch Jahrhunderte bei vielen Völkern diese Tat für da« charakteristische Judcn-Vcrbrechen angesehen. Es tritt aus dem Bereich der Literatur heraus und nimmt Anteil an den europäischen Uebcrlicfcrungen. Wie kann man sich diese beharrliche Beschuldigung ,erklären'? In dieser Sache befragte einst ein großes englisches Journal meine Meinung, indem cS sich darauf stützte, daß ich in Angelegenheit jübischer Fragen eine Autorität wäre. Ich antwortete, daß man sich geirrt hätte, indem man sich an mich wandte und daß man hierin jemanden interpellieren yiüßtc, welcher Autorität in Bezug auf christliche Fragen wäre. In Wirklichkeit ist die« keineswegs eine jüdische, sondern eine psychologische christliche Frage. Wir können nicht verhindern, daß beichränktc Geister diese« Schaudermärchen erfinden. Man kann nicht die ' Sterne für den Glauben der Leute an Sterndcu- JeuM'eLon. Zeitklüngc. Bon I. L. Perez. Rach dem Hebräischen vo» Moriz Zobel. sau״ ,Mirjam!" drang plötzlich leises Flehen zu ihr hin — Reue und Liede. Sie fuhr zusammen, öffnete jedoch nicht dies Augen, als fürchtete sic inne zu werden, daß nicht' er, sondern die Einbildung ihres kranken Geiste« ihr zugeruscn hatte. ,Mirjam!" flehte seine Stimme nochmal«. Ta erhob sie sich, und in tiefer Schwäche glitt ihr Kopf aus seine Schulter. Seine Rechte stützte sic. und er zog sie sachte, sachte in« Zimmer. »Zeugen seid ihr, Tonnerkcile!" begann er zu " singen, al« sie sich auf da« Sopha niederließen. Er wußte wohl, daß seiner Stimme die Macht gegeben war, eine Fülle von Küssen zu wecken. Doch die«- mal rührte bloß ihre Hand an seine Lippen, eine kleine, kalte Hand. terei und ebensowenig ei» Kartenspiel jür diejenigen verantwortlich zu machen, welche an« Spiclcrglück. glauben. Unsere einzige Verantwortlichkeit.besieht darin, daß wir in isolierter Minderheit umer unwissenden Völkern leben; daher rühren die psychologischen Jrrtümer tzber die tragischen Erscheinungen, von denen allein der Zionismus uns befreien kann. Greifen wir nunmehr das gegenteilige Beispiel einer psychologisch.jüdischen Täuschung heraus. Seit ungcsähr "?5 Jahrhunderten, seit den Zeiten eines Esra.1 ist das jüdische Volk dar abgesondcrste der Welt1 gewesen. Tie Juden haben such al« erhaben übers alle anderen betrachtet, haben sich geweigert, mit den Angehörigen anderer Rassen Heiraten einzugehen. j ja selbst in deren Gemcinsch/ifl zu essen oder zu! trinken. Ta« Ehrislcntum tauchte aus und bewirkte! insoscrne eine Verwicklung ihrer Lage,, als cs ihre! Isoliertheit׳ verschärfte; ihr Vorurteil gegen diese neu« Lehre wurde jo uncimeßlich groß, daß sic ihr unjb ihren Gründern auch nicht das geringste Vertrauen schenkten. Trotz dem wahrhaft Guten, das' sic enthielt, behandelte man das Christentum al« einen jener wider die Ethik gerichteter Greuel, gegen welche sich bereit« unscr!Slammvatcr Abraham au« gleichen Gründen verwahrt hatte. So verhält cs sich mit diesem Volke, das so hartnäckig auf seinen Meinungen bcharrt, ^'o blind ist für jeden Gcsichtspimkl, der nicht der seine ist; so beschaffen ist dieser Volk, welches darauf wartet, daß ihm die anderen voll und ganz Gerechtigkeit widerfahren lassen und daß sein wahrer Charakter, sowie die Billigkeit seiner religiösen Grundsätze von der ganzen Welt verstanden und anerkannt werden! Nicht nur die orthodoxen, fanatiichcn und bigotten Juden staunen darüber, daß sic in den Augen der Welt nicht in so rosigem Lichte erscheinen, wie sic cS in ihren eigenen Augen zu sehen gewohnt sind, sonder» auch-die sogenannten ,emanzipierten", .kultivierten" und sogar ,kosmopolitischen" Juden scheinen die einfache, psychologische Tatsache, daß ihre Weltanschauung und die Meinung, welche die Welt von ihnen ha», zwei verschiedene Tinge sind, ganz zu übersehen. Wenn die Judcn^ nachdem sic ׳während der ganzen christlichen Aera jur Juden gehalten wurden, plötzlich bestimmen, daß sic Franzojcn oder Tculsche seien» so bedeutet dies wohl eine Neu derung jüdischer, aPr MiütrfaU« chrisilichcr Anichauungcn. Indessen ist,der sogenannte ,gebildete" Jude so unwissend, daß er da« Gegenteil glaubt: Ebenso schnell, wie er sich als Pariser bezeichnet, werde in den Köpfen seiner Nachbarn eine Umwandlung, gleich jener, welche bei "ihm itallsand. platzgrcisen, und sie weihen dann herbeieilcn, um ihn als einen jo lange Zeit vermißten Bruder bestens zu begrüßen. Ebensogut könnte er sich einbilden, daß das Feuer Unter seinem Topfe des Nachbarn Frühstück koche. WaS würde geschehen, wenn seine Ansichten nunmehr neuerding« eine Wandlung erfahren und״ er ein eifriger Zionist werden würde? Müßte er sich darum׳ darauf gefaßt ma^en, daß ieinc Pariser Bekanntjchaften eine andere innerliche'Umwandlung erleiden? Nein, denn, diese sind keine Thermometer, welche seine Gefühle aftjtijgen und auch keine Baro- Nieter, welche durch Steigen oder Fallcn'deni Trucke seiner geistigen Atmoiphärr'solgcn. Ihre Handlungswcii'e ist eine Unabhängige, eine ihnen eigentümliche. Bei dem Wunsche uns anderen Völkern anzugliedern bleibt tatsächlich unsere Meinung von du_: geringerer Wichtigkeit als die der anderen Nationen. Wenn sich jemand um die Aufnahme in eine» Verein bewirbt, so kann er; abgewiesen werden, wie sehr er auch den Verein beibundert und die Ausnahme in denselben für sich -als Notwendigkeit erachtet. Er kann dem Ausichusjc tausenvemal beweisen, dar. seine Aufnahme für den Verein einen- Vorteil de- .deute: Tcm Ausschüsse sieht es jederzeit frei, sich dieser Borteis zu entichlagen. Und dies führt mich zur Frage der Fremde:: Einwanderung, welche gegewärtig in,England eine brennende ist. Während 2.)U Jahre haben h.er die Juden in einer derartigen Zicherdeil gelebt, daß man ihr da« Entstehen eines neuen pshchologischen jüdisch?» Irrtum« zuschreibsn muß — den des blinden Vertrauen«, selbst jene, die da an den Ad hängest de« Vesuvs wohnen, vcrgesien an" seine furchtbare Macht, Sind doch scsi der letzten Eruplion in England, da die Juden wie Lava ausgefpic» wurden, kaum mehr als >> Jahrhunderte verflossen! Tie Emanzipation der Juden in Ebgland datier! erst sc« einem halben Jahrhundert. Es isi vom ..Ist da« kein Beweis.. .? Toch diesmal schloß,er ihre Lippen. ,Sprich nicht voreilig ein böses Urteil aus!" ,Was also war e« denn, Taviü?!" ,Glaub' mir, Mirjam, glaub' mir bei der höchsten Unschuld, bei meiner Liebe zu dir, daß cs bloß der Inhalt der Melodien war, der mir heule zuwiderlief.,." ,Und warum denn?" ,Weil... weil er jetzt nicht mit mciikeu Seelenregungen übereinslimmte, «it meinem SesEnzusiand, der mächtiger ist al« ich, als dein Spieljselbst al« unsere Liebe — ein neuer Geist hat mup mit sich fortgcrissen, ein großer, fturmgcwaltiger Geist..." ,Und diafcr Zustand deiner Seele ist mir verborgen geblieben, die Saiten meines und deines Herzen« schwingen verschieden, die Regungen meiner und deine« Gemütes stimmen nicht mehr überein — ist da« kein Beweis ,Nein, Mirjam! Tiefer Geist ist don außen her gekommen. . . Er ist nicht in der Welt unsere« Er ist in einer anderen Welt weil ich e« nicht über mich brachte, deine Augen zu trüben, deine Wangen verbleichen zu sehen, weil kü fürchtete, die Sorge möchte die Gestirne meines Himmels verdunkeln, , .י" ,Tavid! entfuhr ein Vorwurf ihrem Munde. .Tagelang kämpfe ich schon mit mir, do.t> fühle ich meine Kraft erlahmen. . ." ' ,Was soll das alles bedeuten,' Tavid, sprich sagte sic in höchster Angst. ,Durch die Luke unsere« Heiligtums habe ich in« Leben geblickt —“ , ,Ach, wie wahr!" gestand sic ihm — .in den Tagen unseres Glückes habe ich gmz vergessen rin die Welt und ihr Rauschen, an den Schmerz d:s Lebens, an... .Unser Volk,.." »Ja.!a!" ,An seine Leiden!" ,Ach ja! verzeih mir, Tavid," rief sie und schmiegte sich traurig an ihn. Plötzlich stand sie auf und näherte sich dem Piano.!ragte Warum trittst du zum Piano hin?" er unmutig. ,Ich will spielen," sagte sic lächelnd. .Nicht doch, Mirjam, hör auf. Ich kann'« Leben« entstanden. ,Mirjam!" stahl sich seine innige bebende geboren.. , Von dort krallte er Zahn und Zehe in Stimme zwischen ihren Fingern hervor in die. mein Innere«..." Kammern ihres Herzen« — ,Mirjam, wa« hast du?" l ,Und weshalb fühle ich nicht diesen Zahn und Heftiges, überströmendc« Schluchzen...!diese Zehe?" ׳. . :nicht hören!" ... ,Mirjam," klagte er milde, ,die« alle« muß! .Weshalb? Weil die Liebe!ich!elbst liebt, ,Komm her, ne! >1e gcbieicnich. י mich 'treffen, weil ich heule deinem Spiel nicht weil ich den letzten Rest von «rast zujamincngerafft Er^ ging hin. lauschen konnte?" _1 habe, um diesen neuen Geltst vion dir fcruzuhaltcn, ,Setz dich!" - «. (iesiunungsgeiiosssen verkehren^jii Lokalen, in denen die ״Jüdische VolksstiiiTme״ auflieürt! ^44642

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