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Jüdische Volksstimme · 1903-05-01 · 7 (1.5.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
7 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Aüdiichc '{iolfeftimuic Seite 3 Hehl daraus, da» Sie überflüssig u^nd lästig sind. Tie Vorgänge in der letzten Generhlversammlnng sprechen sehr deutlich. Wenn Sie diese Sprache nicht verstehen wollen, dann setzen Sie sich dem Verdachte aus, ein Uowedha scher gewöhnl ich er Sorte zu sein. Es ist wahr. Sie wurden auch Heuer zum Präsidenten des ziurathrium» gewählt. Aber wie'? Sie haben, glaubon wir, ein bechres Schicksal verdient als diese letzte Wahl, als ritzen solchen Ihnen erbettelten Sieg.! Ein Herr Julius ■9!. u. Gomperz wird folgendermaßen ge worden, gehaßt und beschimpft von den Antisemiten. ״Es ist eine Zehmach, das! der Weg auch zu suballernen Stellen am Tauskessel vorüberiührt." so und ähnlich kratzte er de» Brüuner Tnchjuden, die in Brünn die Mandate vergeben, das Goderl. Tas war vor der Wahl. Und was iil heute aus dem Manne geworben! Wie haben Freund und ,Und die Rollen gewechselt! Ter Aulisemitentödtcr des Jahres 1807 hat sich zwei Jahre später zum freund und Gönner jener emporgearbeiiet, denen er nach jener Wahl als verächtlichster Iudenknecht erschien. wählt! Vor und während der Versammlung machl Heute ist .Herr Lecher l!ieblind bei den Brünner unter den Telegierten die Parole die Runde, dgs!'. י־ ' man den Präsidenten Gomperz. dessen Zeit um sei und der freiwillig nicht gehen wolle, fallen lasse. 1 Antisemiten. Sie betrachten ihn als einen der ihrigen und er kommt ihnen »ach Tunlichkeit entgegen. Es - ■*'* 1 lu1 Eine Agitation gegen Sie war gar nicht nötig. Tie Provinzdelegierten hatte» endlich eiygeßhen, daß sie sich vor sich selbst und den Juden des Landes schämen müßten, wenn sie abermals den Herr» von Gomp-rz wählen, der seit lä Jahren d!n Versa»»», lnngen und Beratungen desFonder fe! nbteibt. Sie wollten kurzen Prozeß machen. Ter Ausgang der Wahl war unzweifelhaft. — Tr. Spitzer war Ihr rettender Engel. Er wollte Sie vor einem Durchfall bewahren und verschaffte Ihnen schen schäbigen Sieg. Tenn trotz dem aus die Xetegieitcn von ihm ausgeübten moralischen Trucke erhielten Sie, Herr Gomperz, von den abgegebenen 47 Stimmen nur 2t!. Li»e freie Wahl war es nicht, ^s waren erzwungene, erpreßte Stimmen. 21 Delegierte blieben fest und stimmten gegen Sie. Sie sehen: Ihr Prestige ist auch im Landermajsasonü erblaßt, sehr Name alle», zieht nicht mehr, Ihr Nimbus isst dahin. Was wollen Sie mehr? Begreifen Sie noch! iuimer nicht, daß die freiwillige Demission Ihre Pflicht ist? ist eine in Brünn bekannte Tatsache, daß der liberale Herr Abgeordnete im privaten Verkehr sich ungeniert als Antisemit geberdet. ״Stinkender Iud." das ist — io erzäklt man — in feinem antisemitischen Le- »Ikon ein vst gebrauchtes Wort. Nach den letzten ReichSratswahlen zogen dentschnationale Burschenichaster, als Antisemiten rohe, sanatijche Gesellen, mit. den begeisterten Rn׳e» ״Heil Lecher!" durch die Straßen BrüNn. Tie Sympathiebeweise kennzeichnen LecherS politische ״Gewandtheit" und seinen private» Charakter. Auch letzthin., bei der Beratung der Wehrvorlage hat er seine Natur nicht verleugnet, als er dem jüdischen Abg. Ssner, weil dieser gegen die Vorlage stimmte, zuries: ״Gehn s nach Palästina!" So erzählt das ״Jüdische Volksblatt". Es ist nicht daS erstemal, daß er in öisentlicher Versammlung aus der Rolle des liberalen Iudenfrenndes fällt. Er hat sich in Mähr. S ilrau und Brünn schon kräftigere »nd anliiemitiichere Zurufe geleistet. Wenn er von de» jüdischen Wahfmachern Brünns nicht jo ganz und gar abhängig wäre der brave Mann finden eS schon seil Jahsen nicht der der heute als verkappter Antisemit einhergehl und Mühe wert, die Versammlungen der Telegierten auch nur mit einem Entschuldigungsschreiben zu — beeilten.'3n der Handelskammer Brünns y B. sind Sie viel fürsorglicher. Ta sind 2>e krampshast bemüht, in Telegrammen, Zustimmung»', und Entschuldigung«- jchretben, Zeitungsnotizen und dergleichen Mitielchen Ihr lebhaftes Interesse an allen Vorgängen kund- Zutun. ES ist klar, woraus dies zurückzusühren ist. einfach! Eins, zwei, drei — und Masieninriammlnngen >m größten Stile werden abgehallen. Sr!skomilecs werden gegründet, welche aus den hervorrageriüilen und geeignetsten Männern ohne Unicrichied der Nationalität und .stonieiiion bestehen sollen — ja, so steht es im Ausrufe und ist blutig ernst gemeint, dann sollen die heroorragenüsten Männer zur Uebernahme des Referates oder zur Adh>rlln»,z einer Rete bewogen werden, der Abgeordnete Tr Strauch er wird die gefaßten Resolutionen Cu m Parlamente und der Regierung verlegen. Tie Haltung der Regierung »nd der Finanzmänner, Rumäniens Nachgiebigkeit — da; wird sich bann schon alles geben! Aber — die Aktion muß, he.ßt es, von weltbewegender Bedeutung sein. Wie geiagt. wir waren die Allerletzten, die eine eifrige und zieltewußte Veriaiimlungspropaganda über die rumänische Iudenirage nkch«-»aus voll».in Herzen wünschen und iordern würden. Nicht aus parteilakliichen, agitaivriichen Gründen allein, sondern zur Aufrüttelung der )»den, zur Schaisung von,Hilisionds s״r Zeiten der Metsicnauswanberung. Eine solche Propaganda ist notwendig, aber von der österreichisch zionistischen Geiamtorgantiation derzeit nicht zu erwarten. Tas zeigt ja der über einen Zeilungariikel nie»! hinaus gewachsene V.rsuch der öiterr. Pariciletiung. des Landeskvmitcer. Wenn wir uns nictil selbst belügen wollen, müssen wir oisen eingenehen: Tie öslerreichiiche Organisation sieht noch aus so schwachen Füßen, ist so wenig gekrgsligt und ausgedant. daß an eine erfolgreiche, energische, größere Aktion Sicht zu denken! äst. Wer:sich einen Erfolg vrfprichk, kenn: die Verhältnisse nicht, überschätzt die Leiiiungssäbig keil unserer Vereide und die Arbeilkraii »nierer freiwilligen Agitatoren. Und gar die studenliichii! Vereine! Sie hätten mit sich ielbit leider allzuviel zu tun. Sie gaben ihren Nanien der iür den Band — das in ja kejne Arbeit, kostet keine Muh,. Mehr wird nicht geschehen - von paar kleinen Versuchen Iledrigeas warten wir ab! eine zweideutige Rolle spielt, würde raich die politische Brücke zu seinen Antisemiten finden. Herr Tokior Lecher, sagen viele, die ihn kennen, ist entwicklungSsähig: Ueberraschunqen in seiner politischen Tabgesehen! ätarriere sind nicht ausgeschlossen. Als Liberaler wird j er gewiß nicht enden. 3! ׳ur 3ul!cnfr11(tf in VlUBlflHiCI! * (!•111 Bund iitindicr -tiideme» zur aisluhion!.. .... T > . .-! der riuiiniiifdirii Iudenirage. Ter Titel irritiert. Tenn^ äiewiänigiien gegen ^1e^ ״>udc11 gerilbieicn Daß jüdische Institut, die von Judsn übertragene l nicht um die Tiskujsio» der rumänischen Iudenirage .. EhoensieUe geht Ihnen nicht nahe. Tie Gunst und s handelt es sich den Proponenten des Bundes, der bas Lob Ihrer christlichen Mandatare isr Ihnen Ezernowitzer Studentenverbindung ״Zephirah". weil, viel wichtiger. Auch gui, das iil Ansichtsache und!höher geht ihr Ziel. Sie haben eine Aktion durchs ^.ilonslilution, deren Artikel vom Grade des nationalen und jüdischen EmpiindenS! Gründung des Bunde; eingeleiter, die nichts mehr I zu Fremden macbi. , abhängig, das Ihnen längst abhanden gekommen und nicht« weniger bezweckt, als ״Rumänien durch! I>73, 2•-. März Gesetz, welches den Juden ist im Trubel der Polilik. Sie denke!! wahrscheinlich das Eingreifen der Regierungen und durch die V:r den Svirttuoienhaudel untersagt — und mit Recht — von Ihren jüdischen Manda-! urteilnng seitens des Auslandes zur N ach gie b i gj . 11 April. Gentz. welches der Polizei taren sehr gerina. Aber diese •persönliche Geringkeil zu zwingen". Wir zweiseln nicht einen Moment das Rech! der HauSLurchtuchung und Ausweisung itiidicn Wcicfic. I*1>4. Geietz. welches den ketteniiand verichließt. Eiden den Ädoo- >uden schätzung gibt Ihnen nie und »lmmer das Recht,, an dem ernstesten. Willen der Proponenten, auch die Vertretungskörpeb, deren erste« Ehrenamt halte» Sie bekleiden, zu schädigen und dem Spotte preis zugeben, indem Sie auch fernerhin der Seffentlichkeit das unwürdige Schauspiel bieten, wie in einer ernsteu, für die Interessen der mähr. Judenschast bedeutungsvollsten äiörperjchast der Paradepräsident von jeine« Geldes Gnaden seine Wähler, sein Amt, sein Institut nußachnI und ignoriert. Tie politischen, wirtschastlichen und kulturellen Verhältnisje der mährischen Juden stelle» heute an die Arbeitslust und Energie des .!turitoriums andere zuqesteht. 18*1, 4. Juli. Gesetz, welches die Berufe der Geldwechsler und diomuiissionäre ausichließlich den aber ihren Plan für undurchiührbar und naiv Tie Aktion wird im Sande verlaufen, weil der ״Bund" sein Ziel weit über seine .stresste hinaus setzt, weil,• Rumänen vorbehält. . aus die hochtrabenden Worte,' diedie Proponenten | - 118 ,83יז. Juli. Gesetz, wodurch die Lotterien im Ausrufe verschwenden, nach den uns Zionisten unterdrückt wurden.!.Mehr als IM» jüdt'che Fazur Versügung stehenden .!!rästen mir eine angesichts > milien und dadurch brotlos geworden.- de« angebliche» Endzwecke« schwächliche Agitation! 1>S4, 17. März. Gesetz, welcher die .stalporfolgen muß. Wir wollen nicht nörgeln, nicht die > tage perbietet!»000 jüdische Familrest hierdurch Arbeitslust lähmen. Im Ge>zenleil. Auch d,!s Wenige, ihres Erwerbes beraubt.! . 1884, 8. Juni. Gesetz, welches den Juden da; Plaidieren vor den Friedensrichtern unleriagn 1880; 1. März. Gesetz, durch welches "bloß die Rumänen berechtigt sind, Mitglieder der Handelskammcr zu werden. 18*7, l!i. Februar. Ministerin! Verordnung, durch welche untersagt wird, L!e Juden »als E>udas getan werden wird, ist der Arbeit wert. Aber vor überflüssigen Verbandshründnngen, vor zweck- Anforderungen als vor Jahrzehntes. Ihr Regime, Ihr,System taugt nicht mehr. Ti: letzte General- ' vdrsammlung hat Ihnen ein deu-liches Memento gegeben. ״Du mußt es dreimal agen," heißt er im Faust wegen des ״Herein!" Wie oft »nd wie ..... ״ deutlich muß man denn Ihnen das ״Hinaus!" entwickelt ihn mit epischer Breite aus folgende Weises nehme! der ätommunaltteuern^ zu verwenden losen Gschaftelhubereien, vor naiväm Projeklemachen muß gewarnt werden. Und der ״Bund" ist überflüssig, das Fabrizieren von Ausrn'en ist zwecklos, der Plan ist naiv ausgedacht. Ter letzte Ausrus, den lf> studentische Vereinigungen unterzeichnet haben. predigen? Sie haben in dem letz en Jahrzen t als Renommierpräsidenl einiger naiver!eure Ihre Schuldigkeit getan. Sie können gehen! Wollen Sie nicht, dann soll Ihnen bewiesen werden, daß die mähr. Juden Ihre Präsidentschaft im Landesmaisasonde als unwürdige Ztomödie empsinle» und beseitigt wissen wollen. Wundschcrp- * Ter liberale Tr. Lecher. Er ist der Typus de« unaujrichlige» liberalen Politikers, der Juden sein Mandat verdankt und sich keine Gelegenheit semitischen Gefühlen Lust zu machen. Man hat den eitlen, aüsgedlajenen Menschen längst durchschaut und weiß, daß er zur heuchlerischesten Sorte der mährischest Liberalen gehört. Als er im Jahre 1807 j Turch die Interpellationen im österr. Reichsratc und im deutschen Reichstage sowie durch die anschwellende Auswanderungsbewegung ist der Boden für die Aktion sehr günstsg. Ria» müsse mir Hochdruck aus Regierungen, Presse.»nd Parlament einwirken und die weiteste Lesientlichkelt ausrütieln. Gestützt auf die Empörung der breiten Schichten der Bevölkerung — die soll der Bund vorerst schassen, auf de» lauten Hilicrus der Presse den soll der Bund erzivingen, aus die vcrurteilenden Stimmen der Männer der sinnst, Wissenichaft und Politik — sie soll der Bund in einem Memorandum sammeln, gestützt auf dieses Ma! ntgehen läßt, wo es halbwegs! geht, seinen anti--lerial joll^ wohlgemerkt: soll die Regierung nicht nur die Interpellation in günstiger Weise^ deanl warten, sondern auch zu rascher, hilfreicher Tat!ich entschließen. Auch die Finanzmännner, heißt es tpeiter, werden sich ״dadurch", zu einem energischen zum erstenmal in Brünn kandidierte als der unbe Auslreten gegen Rumänien entschließen und dieses kannte, einfache Handelskammeriekretär, freilich mit i — das alles bedarf angeblich, weil selbstveniandlich. der Rohrerklique verschwägert, da fand er in seiner k iner ausdrücklichen Erwähnustg — zur Nachgie- .«andidatenrede sehr scharfe Worte gegen die ihm bigte» zwingen. Tas ist wörtlich das hohe Ziel ' letzt nahestehenden Rassenautisenülen. Er war mit i des Bunde«, der große, wohldurchdachte Ptgn der einem der Liebling der Brünner )uden ye» Proponenten, lind die Turchnihrun,1? letz^ 1**7, 28. Februar. Gesetz, durch welches vorangegetiigene Ministerial-VerorSnungen deslälich werden, wönach die Juden vom Tabakhandel, den öneniltchen Aemltrn und Arbeiten-ausgeschlossen und• jene» Rnniänen Strafen angedrohl werden, welche Juden im Detailhandel verwenden. 1**7. 10. Mai. Gesetz, welches das Reck!» d!r Juden beschränkt, Direktoren von Gesellschatlen mit beschränkter Haftung zusei».!**!>, 0. Februar. Geietz. durch welches verboten wird, den Juden ivichnge Arbeiten bei Eise«- bahnbauten anzuvcrirauen 1 **!!. 23. März. Gesetz, durch welches d,e Zahl der Juden bei Privar-Etsenbahndauten aus 40•' ״ sämtlicher verwendeter Arbeiter beschränkt wstd.' 1803. 14. Jänner. Gesetz. welSnsdie Ver- Wendung von Jude» im össentlichen Sanitätsdienste in jeder Art verbiet.!. 18öt>,!>. Juni. Gesetz, welches die Wohltat de« kostenlosen öiientlichen Unterrichtes den Ru»1ä1«t1 allein vorbehält, die Zulassung der IudenkinSe^ < gtgeW Bezahlung (:ne* Zchulgelbe-1 ab!r erst daun gei!a:1ens wenn •nach de» Rumänenkindkrn Platz übrig bleibt. 1808, 23. Mg>. Gesetz, durch welches die Juden Gedenket des jüdischen Nationalfondes!

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