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Jüdische Volksstimme · 1903-04-15 · 6 (15.4.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
6 (15.4.1903)
Date
1903-04-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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IT7־ Jahrgang. Wrünn, 15. ApriL 1908. mr. (i Bez»>isp1e>!c : aüi' Ctilcrrcidi llnftnvii lialtjälin.-i K J•■-‘", 1vm;jährn; K -I. iutl. Poilzueenv»»,;. Xciinctttanti qaeiüdlnsta iVnrt i:Kufclanb qanejäbreg 1 :Kübel; Lüimeiz, Frantreieti, Jlatieie, Türkei, yinmänie», Lcebten. Bulgarien nne.ck-.l-. re׳—. Nebalkien nnb AbmilUttraiwn, Brün». Libülbia»! 0,'r. I. Tie ״^iiMicbe Bollsnnieme-- n' :-:u am 1. imb 1'. nu'־> jebcu i*1nu-,u Biiebbünbierrülee Bertreln«.;: £ na Klemm, peioen;- Wieder ist das Passah gekommen mir der Poesie Goluth nicht; wir sehen klar, wie es geworden ist; stellte, da verlor die alte Sehnsucht ihren «Mini; und wissen, wie Alles hätte werden können. Für! und mit der skeptisch lächelnden Miene des Besser-׳ uns ist die Geschichte, die uns das Passah kündet,! Wissens, ohne alles innere Gesühl, gus bloß Pietätseines Sedcrs und der trauten Weihe seiner Symbole, ein Symbol des Heute, jene Ahnen seicrn wir als j vollem Einhalten einer altetr-Tradition sagte man wieder träumen wir uns zurück in die vergangenen unsere ersten Vorläufer, Und nun erkennen 1 gleichzeitig die drei Worte: - l. selioiiok hahaolt wir auch deutlich und dankbar, was wir schon qc-! bij'ruseholojiin? Aber die schlummernden, nimmerworden sind, das; es uns vergönnt ist, milzuwirken! toten Triebe der Volksseele in ihrer ganzen Unrrrbei dem grandiosen Schauspiele des Wiedererwachens! wüstlichkeit, verbunden mit der versiandesgcinäßen des ältesten der Völker, , Erkenntnis der wirklichen Verhältnisse, - hoben uns A«׳odim liojinu. Knechte, Sklaven waren s rechtzeitig die Wahrheit gewiesen, und wie Schuppen wir, äußerliche und innerliche, nun sind ivir frei im i siel cs plötzlich von unseren Augen, Innern und der äußeren Knechtschaft trotzt unser j Seit damals seicrn wir unser Passah anders, Stolz, Und der schasst die Kraft und den Sieg. wie wir im Ganzen anders sind als Jene, Wir TaS Passah ist eigentlich unser Fest; seine!haben die drei Worte zu Ehren gebracht, Lehren pnd unsere Lehren, jene Ahyen seicrn wir Wir suhlen in ihnen die große, unversiegbare als die ersten Zionisten, '*!Sehnsucht unseres Volkes und wir kennen den Unter dem belebenden Hauche der Frühlings-1W c g. der zum Ziel? führt, sonne beginnt alles zu keimen, zu sprossen, irische; Wir wissen, daß cs nicht im nächsten Jahre Säste quellen in den verborgenen Adern der Natur ' sein wird.. wir wissen, daß cs- Zeit braucht bis zur Frühling wirds! Passah ist das Frühlingssest, Und: großen Ersüllung, Ader dieser Gedanke stählt uu-.-re der Lenz ist schäumende Kraft, und schäumende Kraft; Krast aind mehrt unsere Zuversicht, ist die Freiheit, um die wir ringen, Passah ist unser s Und eines wissen wir, W:r werden nä.-nstes Fest, Auch in unsere verjüngten Herzen ist der;Jahr wieder sagen können: 11 me in Jahr näher- Frühling eingczogen. Aber nicht sür uns aiieinszu Icr 11 salcm! Tas sind die drei Wörichen wollen wir ihn, die Krast. die er uns gab, legen s sür uns, wir nieder aus dem Altäre unseres Volkes. Doch- Und beim Seder im Goluth gedenken w:r nicht als unsruchtbares Tankopscr, als befruchtenden! unserer Ahnen, wie die einst daheim aus eigenem Samen zu unser aller Besrciung, . s Boden ihr Passah gcseiert haben mögen. Und Zeiten, die so uralt sind und uns so bekannt scheinen wie das Gestern. Tie alten Weisen erklingen, das Mahl wird ausgetragen, man lehnt sich zurück und trinkt seinen Wein in der Haltung des Freien, selbst in der ärmlichsten Hütte herrscht erhöhte Festesstinimung, alle Sorgen sind vergessen, das Stübchen wird zum Königreich, in dem Vater- und Mutter herrschen. Ein schöner kurzer Traum vpn Glück und Friede»! Passah im Goluth!! Nicht so wie die «stumpsen, vor deren lichtscheuen Augen die Lebenskonturen verschivindcn, die ihr 'Passah mit der 'selbstverständlicher Behäbigkeit des Satten feiern, der, sroh das Heu e überblicken zu können, an das Morgen vergißt, bcc chen wir daS Passahsest. Losgelöst von aller nationalen Zusammengchörigkeit ahnen jene nicht, mit welchem Gcsühle ihre Brüder zum Feste gehen, sragen sie sich nicht, ob sie wirklich die Früchte jener Taien genießen, die sie eben im Liede preisen. Den-krummen Rücken zlvingen sie an des Stuhles Lehne, wollen sich als Freie fühlen — unv schnell das G:bet zu unterbrechen, wenn der Ticnstbotc die Türe öffnet. Einmal mögen wir das Passah ähnlich gefeiert haben, damals, vor dem großen Erwachen, als Ilch die Erkenntnis unseres wahren Wcsciir noch nicht durchgcrungen hatte und wir ihn njoch träumten den törichlen Kindestraum und de» sajlschen Idealen nachlicsen, die sich dann als eit^^Tunsr erwiesen, Unj) indem wir zurückdenken an zMe Zeit, die nicht allzüsern ist und unS doch so srcind dünkt, indem wir de» Vergleich ziehen zwischen Einst und Jetzt, da erwächst in uns die richtige Passahstimmung, die Stimmung unseres Passah, Wir feiern den Tag, wo unsere Ahnen die -Knechtschaft verließen, das erste Morgenrot der jüdischen Freiheit — aber wir vergesstn auch unser JeuM'eLon. ScdrrKftrnd in der linchc. Aus dem Jüdisch!» des M.^Lazarow, übeft'etzt um, M. B, Als noch ihr Gatte lebte, hielt sich Frau Albermann fern von ihren Familienangehörigen, Ihr Vater und alle übrigen Verwandten gehörten zur ״alten Welt" und cs kränkle sie, daß bei SilbermannS nicht ein ״jüdisches Haus" jgesührt werde: allein Herr Silbcrmann zählte zu den Gebildeten und mochte von ״Zeremonien" nicht! -wissen. So sahen sich denn ״die -Alten ' genötigt, ihr HauS zu meiden. Gar oft kamen Vemandtc nach W., um Geschäfte "zu besorgen, ,aber keiner wollte bei Silbcrmanns etwas genießen. Manch: schalten sogar heftig ״die Abtrünnige", die so ganz! unjüdisch lebe, Silbermanns lebten zuftieden uüü glücklich, so, daß die Frau ihre Angehörigen säst vergaß und sich sehr wenig um 'sie kümmerte, trotzdem sie früher stets mit großer Liebe an allen hing, Tie Gattenliebe und das Eheglück hatten alle andere» Gcsühle bei ihr unterdrückt, 4'- ^־־ Und ihr Gatte pflegte ja so hhusig zu fügen: ״Die Ketten müssen einmal adgeschütielt tüerden,,," Ost wunderte sic sich selbst darüber, wie sie sich in so kurzer Zeit zu verändern vermochte. Aus einem einfachen, in strengster Frömmigkeit erzogenem Mädchen ist sie eine Moderne, eine Weltdame geworden. In Sachen der Religion ward sic immcr und immer gleichgiltiger. ’ — JEapfer, Lisa! pflegte ihr Mann sie lächelnd und vergnügt zu ermuntern. Wie oft schon das alte Fes: im Goluth gefeiert! untere Gedanken 71,egen durch'bie Jahrhundert, bis wurde! Wievielmal schon au; südlichen Lippen der j sie wieder Rail machen,'dort bei unteren Pionnieren. Wunsch erklang: Nächstes Jahr in Jeruicholajim! s den Kolonisten, Tie Lursen die drei Wolle aus de: Tics der inbsünstige Tehns;.ck ts׳uf, -׳ den Lippen des ' Haandnh strcickie». Und ivck-m unsere Sinne ck.:: armen gedrückten Juden im dunipsen, finsteren. Erdball int Fluge diirehui.ssen u$b der Gedaicke, Ghetto, der nichts in die Verbannung mitgenommen daß in dieicr Stunde in allen Ländern aui :ani nde» hatte, als seinen Glauben, seine Schniuchl und seine:Lippen veriprengicr Brüder die drei Worte erllingen, 'Feste. — Und dann, als die glänzende, kalte, gleiß-> unsere Pulse höher klopfen läßt, -bei fühlen wir es nerischc Sonne der ,!ciicn Zeit mit dem Danaer-> im iniiersten ck>erzen: Es kummk-die Zeit. geschcnkezdcr Emanzipation, uüt ihren Lügen von find ein herrliches Bild voll Glanz und Tuii Befreiung und Erlöiung herauszog, als inan das steigt vor unserem Auge auf: Pas-'-ah in Zi, ::! Judentum abzustrciscn und cinzu'argen begann unü's ' i, l . sich in seliger Verblendung unter srcmdc Fahnen ־ ן ' i ‘ Und je besser cS ihnen ging, je mehr ihr Wohlstand heranwuchs, desto mehr vergaß sic die Lebensdje vielen Furchen auf ihrer Slirn und die abge, zehrten Hände — bezeugten ein vergangenes, schweres art ihres Vaterhauses uüd gewöhnte sich an das. und elendes Leben, neue freie Leben, | So lange ihr Gaue noch lcbie. war ibr^A-mut Plötzlich trat ein Unglück ein, j nicht io schwer und drückend, Ihr Gatte-,erkrankte und starb, s Mirjam, deren Mann Mole! ein Lehrer des Dieser Schickjalsschlag ging ihr lies zu Herzen, l hebräischen Unterrichtes sür Anfänger war. g-.-oeie Tie Einsamkeit peinigte und erschreckte sie, Ihr Froh-: nie zu den Müßiggängern, Sie mußte verdienen, sinn war geschwunden und das Gesicht ward immer s fchwcr arbeiten, alles versuchen, um nur den Hansblasser und trauriger. Der Anblick der licstraucrnden; halt' zu dcschassen, . Haussrau hatte alles im Hause umgewandeli, selbst i Motel war c:n schwacher und kränklicher Mann, die Möbel und Wände schienen mit ihr zu trauern.! der stets heftig huilele und. fein Unterricht konnte Damals erst erwachte das Mitleid ihrer An . ihm nie die »öligsten Bedürsnisfe ciniragen, gehörigen und man begann sie öfter zu besuchen,! — Zum Glücke habe ich ein,geschicktes Weib. Auch ihre Mutter kam aus der Provinz zu!dachte cr immer zufrieden. Besuch, Sie weinte und schluchzte mit ihrer unglüeA! Als׳ cr jedoch starb, fühlte sich Mirjam Unglücklichen Tochter; endlich suchte sie sic zu trösten und; lieh-. Ob das Elend zu zweien leichter und erlräg . r: j ' :r- -s — .... meinte: — Liebe Tochter, war geichehen ist, ist vorüber. Von heute an, gelobe mein Kind, ״ein jüdisch Haus" zu führen, Tie Witwe antwortete nichts. Doch die Mutter [ fuhr fort: •- — DaS wird eine sühne fein sür seine Seele,., Ich will dir, liebes Kind, eine gute jüdische Köchin vom Hause schicken, eine reinliche anständige Frau, In kurzem wird dich auch der Vater besuchen,,, Frau Silbermann ging aus-den Vorschlag ein, apatisch und gleichgiltig. licher ist. oder vermochte Motel die Sorgen Mit Gcheimmincln zu verscheuchen, oder verdankte sie cs seiner Frömmigkeit, daß ftc immcr irgend einen Verdienst fand — wer weiß er'? Nach seinem Tode war das Haus wie zerstört, — Wo sind meine Sabbate, meine Feiertage ץ .., Finster ist überall, wohin ich meine Blicke wende — hörte Mirjam nicht Szu klagen auf. Als ihr nun eine Stelle in einem reichen Haufe, angcbotcn ivurdc, nahm sie dieselbe freudig an, ״um nur die Leiden.loS zu werden". Einen Teil ihrer Kinder ließ sie bei ihrer Mutter zurück, die übrigen kamen zu seip en Eltern und Mirjam reiste nach W, ־־' ' ~ ildermann von ihrer Kind-! Sie kannte Frau Die neue Köchin, die zu Frau Silbcrmann kam,! hest her und im Städtchen war ja deren Reichtum war ebenfalls Witwe. Ihr blofics, mageres Gesicht,! allen bekannt. Als sie erst ankam. konnte sic nicht <F68ivUUIlLs8NVN08886Il verkehren in Lokalen, in denen die ..Jüdische Yolksstiinme•‘ aufliest! ^44642

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