Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- IV (1903)
- Issue
- 3 (1.3.1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 3 ,liiötirtif Bolksstininie ׳ Seite 'י Jtenntnifle erwerben ober stubiere» will, kann dies an jeber beliebige» Universität Europas eben so leicht bewerkstelligen wie an einer jüdischen Hochschule, welche in bcr Schweiz ober in England tätig sein wirb. Aber die Frage wirb anberrrseils kompliziert, wenn es sich ber jübischen Jugcnb barum handelt, dieses Diplom auszuüben, die erworbenen Kenntnisje praktisch ausnützen. Denn man täuscht sich * wohl ein wenig darüber, dass, wenn man in gewissen Ländern geglaubt hat, die Zahl der jüdischen Stubierenben verringern, ja sogar aus Null reduzieren zu müssen, dies bloß zu dem Zeitvertreib geschehen sei, die ketzerischen Schulen zu säubern — vielmehr, um den ouben die Massen zu entreißen, die ihnen gestatten, für ihre Existenz z» kämpsen. In Rußianb beispielsweise, ist es nicht bas Slüekchcn Perqamcnt, welches man den Juden vorenthält, sondern sind eS vielmehr die ■ Existcnzmittcl, welche dieses Papierstückchen repräsentiert. Jüdische Doktore, Ingenieure, soviel ihr wollt, rujt man uns dort unten zu. aber sie mögen sich ja nicht untersangcn, ihre Kunst odcL ihre Wissenjchast aurzuüben. wie der wirkliche Russe, der Rechtsgläubige. Das Schwergewicht der Frage liegt also nicht »1 der Schassung indischer Diplomierter ober in der Entdeckung neuer Lichtquellen für die jüdische Jugcnb. Die Haulsache ist, Mittel zu sindcn. welche den Diplomierten gestalten, ihre Wissenschaft und ihre Kunst auszuüben. Run, eine jüdische Hochschule ivirb das Problem in einer wenig besnedigenden Weise lösen. Diese Schule wirb der jüdischen Jugend Diplome liefern, welch letztere dieselbe mit Leichtigfeit beim Nachbar erhalten kann, mit dem Unterichiebe, bas! die Diplomierten beS Nachbars durch den Staat anerkannt werben, während diejenigen der jübischen Hochschule ihren Prosessoren vielleicht große Ehre bereiten, ihnen aber nur sehr zweisekhaste Rechte verschossen werdrn. Und was wirb mit den Diplomierten der jübischen Hochschule geschehen? Wirb sich die jüdische Hochschule damit befassen, ihnen Stellungen zu verschaffen? Alle Diplomierten der Schule können an besagter Anstalt gewiß nicht Prosessoren werben. Und ivas bann? Wenn man die Frage vom Standpunkte der national-jüdischen Erziehung in Erwägung zieht, wäre cs vielleicht nützlicher, jüdische Volks- und Mittelschulen z» begründen. Das Kindes- und Jünglingsalter sind für die Wirkungen der Erziehung empsänglichcr als die Menschen, welche rin reiferess Alter erreicht haben, und ivenn nian aus die Geister dahin einwirkcn will, um ihnen eine gewisse Richtung zu'erteilen, ist es besser, mit der frühen Kindheit zu beginnen. Man kommt gewöhnlich mit senigen Ideen an die Hochschule, mit Begriffen, welche nian an Volks- und Mittelschulen empfangen hat. Und wen» man uns sagt, ״daß eine systematische Erzic hung der Massen nur vom Zentrum gegen die 1 Peripherie fortschreilen kunn," so sind wir berechtigt, diesen Lehrsatz ein wenig als willkürlich zu erachten. Wir sehen also die Dringlichkeit einer jüdischen Hochschule nicht ein. WaS brennende Angelegenheilen betrifft, so bejchäsligt uns emc, welcher vor allen anderen der Vorrang eingeräumt werben sollte: Ter Bodenankauf in Palästina mit Hilse des Rationaljonds. Run aber ist da« jüdische Volk eines der ärmsten Völker der Erde und man kann vom ihm nicht verfangen, mehrere Dinge aus einmal zu unternehmen aus die Gefahr, durch die Zahl der/ Unternehmungen, gesteigerte Verluste zu erleiden. / Wenn man 11״s mit einer jüdischen Hochschule kommt, ist es gestattet, zu fragen: Und das Gerd? Run, die Urheber des Projektes haben ganz richtig dafür gesorgt, einen Entwurs dieser Schule und eine detaillierte Berechnung der .... Auslagen aus-;»stellen. Diese Auslagen sind nicht sehr bescheiden und beziffern sich mit 5473.700״ Mark als Kostenpreis der jüdischen Hochschule und hierauf mit einem jährlichen Budget von 730.000 Mark. Es ist richsig, wenn man Einnahmen zu l00.000 Mark voraussieht. Aber die 630.000 Mark, welche erübrigen? ' . .. Wer wird sie bezahlen und wo wird man sie finden? Um die jährlichen Ausgaben zu decken, ist ein Mindcst-Kapital von 13 Millionen Mark uneiläßlich. Mit den ö1/« Millionen Baukosten benötigen wir daher für eine jüdische Hochschule beinahe 19 Millionen: Woher das,Geld nehmen? Erinnern wir uns, daß die jüdische Kolonialbank das Sammelwerk einer ganzen Nation, noch nicht ihr Gesami-Kapital eingetricbe» hat. Ljernowitzer Brief. In der Bukowina haben sich die Juden verhältnismäßig über ihre Lage gar׳ nicht zu beklagen. Wen» man vom Antisemitismus absicht, der heute zum eisernen Bestände unserer Kultur gehört, und wir, nahe dem ״Belgien des Lrienles" haben gewiß! Wie ganz anders spiegeln sich die Tinge >!>! eine entwickelte Kultur, so sind die Exisienzvedin gungen der Juden sehr günstige Bei der vcrichwiydenken Zahl der Deutschen nn Lande sind sic die tützen des Zentralirinus gegenüber den nach der nationalen Kopse. Seine Existenz ist nicht losgelöst von der Masse seiner Brüder, ihm sind die naiio-. aalen Traditionen kein lästiger inhaltsleerer Ballaii Mt scineni funkelnden Auge blickt er zurück in eine Ukra!na gravitierenden Rutenen und den die Triko-! gewaltige Volksgejchichte und ungezählte Bcziehnnlore des Königreiches schwingenden Rumänen Der, gen ersüllcn sei» Lebensclement. Jede Ericheinung ganze Handel!»! Lande ruht in jüdischen Händen, i im Leben jüdischer Gruppen verbindet er Mit zahl ein Fünftel des iveltlichen Großgrundbesitzes wird j reichen analogen Momenten und prüft sie mit einer von den Inden gebildet. Was Wunder, daß dies im Beobachte» einer wechselvollen Geschichte geressten Bukowinacr Juden zwei Vertreter in das Abaeord-, Erfahrung. Es ist klar, daß der weile Horizont nctenhaus, vier in den-Landtag entsenden, daß bei '■ e>»c bessere Uedersicht über die Lage der T»rge gib! jedem Gerichte sich mindestens ein jüdischer Richter als der Gesichtskreis aus Armeslänge, findet und auch in der Finanzverwaltung jüdffche I Düster, wie die Grifft, stellt sich uns die Lage Beamte angestellt erscheinen! ' ' der Juden in der Bukowina^ dar, wenn sic ans Man sollte nun meinen, daß die "Bukowinacr! allen wirtschäiilichen Lagen hinausqedrängt sein Juden eine gefestigte Stellung im Lande haben/ so daß sic mindesten« ihre eigene soziale und kulturelle Wohlfahrt für die nächste und für die sernbre Zukunst wohl gesichert haben. Ader was bemerkt der Beobachter? Mit tausend Mäusezähnen nagen alle landjäßigen Elemcntr an der Wohlfahrt der Juden. Wegen ihres Mangels an politischer Begabung wissen die Juden nicht auch das föderalistische Element! werden, woran, man heute mit verborgenen Kräften aber steißig arbeitet. Ich aveiß wohl, ich werde mir bei allen Vukowianer jüdischen VolMutsphilistern,« die dieie Zeilen lesen, das wohtwollende .Kcpffchütteln' des sicheren Besitzes verdiene» aber ich lue mir daran׳ etwas zu Gute. ׳ * Manche meinen, er koinml eine andere Bir jiiyilrtir AoSerne, -reü Adels Stand. Aus Sem - l!-i-L, t'c.nöera. -uberier-I^roa I. D. Im Zirkel der Zionisten ist bis nun ein Punkt I a» sich zu ketten und werden in dem Augenblicke. * ration, die nicht ätr einen tieferen Zusammenbang da der Zentralismus verichwindct, in der Lust-Hängen mit ihrer Umgebung und chrer Vergangenheit haben bleiben. Der hervorragendste Ex portgegcn stand der! wird, sondern auch einen "schärferen Blick in die Bukowina, das Holz, wird i» wenigen Jahren ganz - Zukunft. doch ich glaube sie wird ein Trümmer.! in den Händen ausländischer Unternehmer sein und selb finden.!die größte .Holzgewinn-Akliengesellschast im Lande! Der nationale Gedankenkreis ist ein Faktor.! stellt heute!chon Juden nicht mehr als Beamte!der aus keinem Lsbensgebiet der Ration straflos oder Diener an, während noch vor zehn Jahren der' erdrückt werden dar׳, geschieht es aber, dann c»t- Holzexport ganz i» den Händen unserer GebirgSsteht ein Krankheiisiusiand. Fäulnis! ~ I'. jude» lag. Unsere kleine Industrie ist ausschließlich: in arischen Händen, nur i»1 Kleinhandel behaupten! sich noch die Juden mit gewisser Sicherheit. Doch.! j wie lange, ist sehr zwciselhasl. Ein Ereignis aus dem 1 politischen Leben des Landes ist recht bezeichnend für die- Zukunft der Juden im Lande: Die Ezernowitzcr j 1 Geineinderaiswahlc». die vor wenigen Wochen deendet ivurden. Bis vor sechs Jahren behaupteten; ' die Inden von 50 Mandaten 23. Ta trat das deutsche s!Beamtentum aus und entriß den Juden eine Anzahl s nicht gehörig erklärt: an unicrem Programme iigu!Mandate inf I. und II. Wahlkörpcr. Man war friert das Losnngrwori: ״Fon mit der Ai-:- 10^10« י«, denn die Beamten hakten dort die Mino-! »l i loti0n!“ jjritäc und nützten sie rabiat aus. Der UI. Wahl-: -sch möchte diesen Ausdruck interpretieren, körpcr war aber imnler und entschieden die aus-! - Es gibt zwei Arten der Assimilation Die v jchließliche Domäne der Juden, hier besetzten sic!gcivahrt nur mit schwachem Auge die Aeußerlichke,!.,! von IO Mandaten 13. selbst Run erlebte man vor!und eignet sich diese an. sie sieb, nur den Flittck wenigen Woche» cui symptomatische« Schauspiel Dem s welcher die Menschen verlockt. 4>om Abg. Tr. 2 t r auchcr geführten Wahlkoniiteci 'Hier nehmen die Menschen die Formen ׳.!-. der jüdi,che» Wähler des III. Wahlkörpers, stellte!dtn-öitcrn. den Rahmen für dar Bild, die Dekora:: sich das vom Ädg. Tr. S ked l gelenkte ״freisinnige! oncn -für de» Grund. Und cs entsteht ein toller Waylkomitee" entgegen, dessen ausgesprochener Zweck, Wektlaus nach-dem Fremden, weil es jetzt Loch 1»^ war, der ״Demagogie Tr. S tra uche rs" den po-IPreffs^steht. T litischen Ernst cntgcgenznslcUcn, dessen wahrer Zweck |. , *So handeln die Gegenwartspolitik.dar vf aber war. Diese politische Lperauonsbasis der Juden! das gegenwärtige ׳,״:nn;■ ■ ■* ™״«■יי-■ durch eine Kriegslist zu nehmen. Tic List ist an! Ader es gibt auch eine zweiteArl der Äsiiniila!:. 1: der jüdffchcn Phalanx gescheitert. Dem beliebtesten! In jedem nalidnalem Lrganisinus gibt es tie-.-r Kandidaten der ״Freisinnigen" fehlten 300 Stimmen veranlagte Individuen, deren Lebensinhalt die v>ed:>ng zur absoluten Majorität. Ein Jubelgeschrei erfüllte der Gesamtheit aus״e>ne höhere kulturelle ■stufe, der die Kaffeehäuser, Journale und alle sbnstigen Lokal- Sieg des Geistes über den Stoff. die Hegemonie, d er sümpfe. Man berauschte sich am Sieg, aber — man Idee bildet. Und solch, ein strebe», zu de», Zeilen wird ihn nicht ausnützen, man kann es auch nicht״! der vollständigen Kommunikation und der Peru-de-!Weder daß die Bedeutung dieses frechen Eingriffe«jdes Transporte« der Waren und tssedanken. 11» s:a l verstanden xvurde, noch daß die Früchte des Sieges dium der kreisförmigen Wirticha't. kann niedt abg. eingeheimst werden. Aber mit verbindlichem und gefälligem Lächeln! melde» die berufenen Führer höheren Srtes, daß die Masse bereit ist, den Weg durch das Kaudinische Joch zu machen, damit c« den andern wohl ergehe!im Lande, das die Juden befruchten. Tenn sachte,! nur im Gefühle ihrer Schwäche und in der verständlicheu Absicht den vertrauensvoll Schlummernden nicht zu zeitlich aus dem jo gelegenen Schlafe aufzuwecken, rücken die arischen Herren' auf die von den Juden kolonisierten, urbar gemachten und gefestigten Posten ein, um es Sine» heitern Morgens so im Engros zu machen, wie es bereits i»! Holzhandel geschehen, in der Stellung im Ezernowitzer Gemeindcrate teils geschehen, teils versucht wurde. Doch zweifelt hierzulande niemanb an der ersolgrcichen und dankenswerten Führung der.Juden in politischer Beziehung. Und das ist das Traurigste am Falle, aber dar Lehrreichste - für uns. deren politiiches Denken aus nationaler Grundlage ruht. Allerdings, unsere Herren Juden, deren Lebenselement in ihrer Existenz und noch in der Versorgung ,ihrer Kinder liegt, können am politischen Horizonte!! der Bukowina kein Wölkchen sindcn. das geeignet ’! wäre, dereinst Blitze zu zeugen, die ihr Lsbenrwerk 1 vernichten könnten. Eine Bedrohung ihrer oder! ihrer Kinder Existenz nehmen sic nicht wahr, und was sie mehr haben, das ist ihnen nicht Gegenstand! der Sorge, jöndern cS sind Tinge, die sie aus Trägheit des Denkens noch behalten. sondert, isoliert bleiben. In diesem Falle können die Bessern der A׳׳!- milation nicht entrinnen, sondern jchöv'ki» mit Eimern ' an» de», Leben fremder, sich.eniwickeljider Völk.r: was bei ihnen Gutes ist. ersaffen sie mit De. k. - WaS veraltet ist, scheiden sie mit Entrüstung ans. Das ist die Assimilation des iKeine» We> mochte cs wagen.'sich chr zu widerjetzcn. wer wird >'ie 1!M't als ein kulturelle« Gu! anjehe» l So verhält such auchdie Sache bei unsere»! Volk.. Es besaß eine geringe Anzahl Pigmäen u:ib forderte folgendes: Ter Pole spricht polniich, sprechen wir auch polnisch, er putzt rieh des SoNniags ani. machen wir dasselbe, seine Festzereinonien ioil-.n unsere sein und ebenso seine ״Me.■:.V.״. Lieder und/-Choräle. TaS haben ivir getan Aber c« gibt da eine» kolossalen Unterschied, welchen die groben, ordinären Sinne, der. Kurzsichtigen nicht verstanden haben: Ter Pole kkbt mit der 0.1״:, >!., Cbe an die Jugend. ' Miekicwiezl - wir rezitieren sie nur. für' ihn!׳> der Choral der Kriegsrut. Wer lebt, greift nach ö.;1 Waffen, das Vaterland zu retten - für unsere Epigonen ist es ein literarisches Werk. Wenn -ein Pole die Kerzen am Weihnachtsdäumchen estllzündei. envachen bei ,hm tausendjährige, tiesinnerlich: >׳>.-. danken;׳ wenn ein Jude so tut. schmäht er ,"einen Gott, den er nicht kennt und einen fremden, den er״ s nicht versteht. i