Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- IV (1903)
- Issue
- 3 (1.3.1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I . V IV. Jahrgang. . . Wrünn, 1. März 1903. Vir. 3 B»״>lui<-er-.׳';׳. »\in־ Ch'imvuh Nii^aru holhtohrio K ,ן,11'!10\ן1ר-ך K I. :nU. : Tt'utülilrtni' «\atr\|at1v:.; .החו,1ח11׳«י!!1 ך;!Hu!.:: L.i'lve:;. ,uaufvnd». Jpfitvi. 3ח10י2111’.1!1110ג]ז:נ11ז. Bnlzaneu ׳״kr ^׳,׳ ,׳׳<?׳׳ Vir 5tatutcnänbcrung im mährifdirii jüd. landrsmassafond. Nur immer langsam poijan, scheint die Devise de» Kuratoriums zu sein, wstchcs gegenwärtig die Verwaltung des. Landcsmass,fondes inilc Hai und vor mehr als zwölf Monate« mit großem Aplomb ־ an eine Statutenänderung sel ritt. Im Herbste war j schon alles iir und sertig. ' Je Delegierten chatten I nach »ivnatclanger Ucbcrlegn igssrisi ihre Vorberalungen beendet und eine auf crordentlichc General- Versammlung war mit Müh! zusammengetroinnicll worden. Doch drei Kuralore,!. der.Slmijtzer Sberschlaraiie Eben natürlich ebenan, schwänzten die Sitzung Mit der Statutenänderung mar er wieder nicht?, und unverrichteter Ti>lge kehrten die qcsoppten Prvvinzdelegierten vee» der beschlußunfähigen Tagung beim,?lach ihr Arbeitseifer.war erkaltet. Die im November geplante Periammlung kam nicht zustande, und io blieb alles beim Allen. Das stolle Landsturmlempo charakterisiert den Ernii und Eifer des Kuratoriums. Für den '27t. März ist.endlich die ordentliche, statutenmäßig vvrgeichricbeno Delegicrtcnveriammliing cinberusen morden, aus deren Tagesordnung rauch die Statutenänderung stcbt. Wer solchen Persammlungen der Delegierten jemals beiqewohnt und ihre altgewohnte Art über jüdische Dinge z» be> raten kennen gelernt hak, kann heule schon ein tlrteil über die bevorstehende Sitzung und ihre Resullate fällen. Die meiste» Delegierten, Kultusvorstände Fwn altem liberalen Schlage, die unter das Joch einer Geschäftsordnung und regelrechten Beratung nur mit großer. Selbstiiberwiikdiing kriechen, die um die Mitlagitunde, wenn der Magen knurrt, wie un- ן geduldige Schulknaben sich geberden und kaum den! Jahrervoransehlag in Ruhe und Srdnung erledigen, ^sollen auch noch Statuten nsit 35 Paragraphen Jdurchbcrate»! Dar kann eine nette Sitzung werden. Jeuil'l'eton. ' Lin -angcr Lag. Ben Julias llpimii). Die meinen Rosen von Saron zwischen HO und tiO Jahren hatten in Kreisstadt einen gemeinsamen, bittergehaßten Feind, der führte den unschuldigen Namen: I. Kafkas Gasienschank und Restauration. An den Borlagen der Feiertage war man ja srob, wenn man die ruchlose» und vordringlichen Männerschuhe aus dem Bereich des,Reibsandcs herausbekam. Aber ich frage euch: Ist dar schön, wenn an jedem Gotl^stage »ach dem Mittagessen der Mann da« Zapplige^cjegt, den häuslichen Kaffee Mit einem gemeinen Schimpstuprt belegt und endlich nach seinem Sodom und GomoFha abdampst? Wie man nur sitzen kann in dieser schnejidcdicken Rauchwolke? Borne spielt der Herr Gabb», schöner Gabbe! feine Tarokpärtie und hinter dem Pfeiler zankt Bernard Adler mit seinen, Partner über die Mindcrwärtigfeit des Eichelkönig« gegen Las Schcllaß und ähnliche Fälle, bis die beiden eisttiächrig zu ״Minchc" pilgern. ES soll schon vorgekommcn.sein, daß man im Lokal einen ZeitungSlcjjer gesehen hat. Das war aber ein Student oder ifin anderer Nichtstuer Die Balbatim spielten Karlejn. Auch am Nachmittag des Gerichtstages hatte dar KassechauS keinen verminderten Besuch. Aus jedem Stammtisch lagen wie sonst die 32 oder 54 Bisilkartcn des Bösen, und wie sonst trompetete der Kellner bei Ankunft jedes Gastes in die Küche: Einen heißen Schwarzen und ein Stückei Zucker mehr! Aber niemand dachte daran, die Karten anzurührcn. De», Kuratorium, das die Sache so^cnergisch de-1 begrenzt! Personalunterstützungon »»d Gemein triebe« und so geschickt arrangiert Hai. winkt in der darteben waren fast aus'.h.ießlvt? ״qen,e:7:t:Ln Verballhornung des Staats, die das würdige Ende i gen Zwecke^. die. man-bei V,rw,ndung der Fonddes «vieles sein wird. e>k> schäbiger En'olg. Vir 1 rrträqniki« anerkannte. Deiruber hinaus!ir>7^der gratulieren im voraus. - ' bornierte Bureaukralen, eist. der im Fo!n> reg,-.-.:. Zu' durchgreifenden. den realen Verhältnisien' die Teilung nicht geben. Ter Amtsickiimmet!: :7 und Bzdürsnissen der mähr. Jndeniehasl Rechnung!ahraus jahrein unbestrittener Iabresre^-r!. lind tragenden A bänderungsvorichlugen, zur Anerkennung! dam! die unwürdige Komodie mit :׳׳:! Präsidium! nationaler Forderungen a»i knlterellem »pd wirl-!'Der Name igomperz sagt alles und! . ichne: irliastlichem Gebiete haben sich die Kuraivr,׳» nicht!die iaubere W:rts!liasl. die im Landern׳r:>a׳ond-7 ausgerassl Sie begnüg:-.:,! sich mit!Flickarbeit. di^Jahrzehnte lundureh hei Ich:. Es wäre fv...:rn-, :111 an dem alten SchlenSriau nur wenig ändern wird/ die Juden-chan besielli. :renn sie sich dieses Präsi. Machen sic schon einen Schrill nach vorwärts, dann dium »nd dleie Verwaltung des Fondes weiierlun tun sic gleich daraus der ausgleichenüen Gerechtigkeit: ge'.illen ließe. In de:-, Vrovin,gemeinden gib: .eshalber zwei Schritte zurück. Nur recht langsam:zum Glück׳ nernnr.'lige und mittige Männer. 7: voran! Das ist wicht überraschend bei Leuten, die von der ׳ Undalibark.1! d.r!se-.:׳chenden Zn'tänd. in der Führung der Fondsgeschäsie dieselben Ber-, überzeug« «nd a«? vmc Be״erung :änzuarbeite» er: waltungsmarimcn besolgenwie in der Leitung der Kulschloiien sind. Ihre Za!,: :rächst auch in de:: D... tusgemeinden, die hier wie dort nach altkergebracki!,! -iierteitveriammlungen des Fondes. da sie der a : Manier gedankenlos den osiiziellc» Wohltäligkeirsliberalen Schule des >׳'-.> mp er». Mandl d apparat in Bewegung setzen und den 'alters-chwachen Koniorien nicht ang'eoren und sich gegen «atie-r Schimmel mährischer Khillepolitik mir Begeisterung .jüdische Bestrebungen ni.:׳t ׳ -.׳'chro׳! abledvend ,׳.. sorttummcln. Die Behörden würden weiiergedenden Hallen wie ,ene, kan:׳ man, vo:z diesir gtzeNerat״׳ ׳ Aendcrungcv die Genehmigung verweigern, lauic! die in kurzen ans Rud:r kommen muß' einen Um der beaucme Einwand. Ängciiommen, wenn auch ichwung im Landesma׳i.-.׳ande ׳.׳:.׳,ui erwarten nicht zugegeben. Ader ist es der starre Buchstabe.. Der Kernvunli der diesmal r-orgeschtage״.:: der nackte Wortlaut des Statuts, der die Tätigkeit Slaiurenändernngeu beruht 1« ״r ribichasiung »nd Baiteutung des Fondes bestimmen kann und Trinkgelder -uaZ! rclnzo׳e:1, welche .all,ährlich an darf!? Kommt sonst nichts anderes in Betracht? Radbinkt, Kamoren und Gemeindebcdienstetc u::::r Dars/istan von den Delegierten, ׳ die sich beinahe' dem Titel von Perionalu,ilerstützungen ver,A>re!.p: ausitahiiislgs in leitenden :,.dliche» Stellungen de wurden. Die Beseitigung dieses Uirugs, chie'er einm iinden nicht eiuch nationales Empsindcn verlangen'^. ganzen Stand berabwürdigenden Schnorrerel ist m:: Ist eS unbillig zu i.ordcrn, daß sie in den L,»»׳«. Freude zu begrüßen. Auch -darin liegt eine B:rmassafond, dieses erhebende, stolze Erbteil unsrer -'esierung des Statuts, daß iur ki. >tz,׳währu-g v. ״ Vorsahren, endlich den Geist iozialpoliliichcr Einsicht Norilandsdarleden an :ulisdedürstig.׳ 's.׳n,e,nden Er und »ationaljüdischer Reform ernziehen lassen, ׳jail leichtcrungen und. l:׳chler. eriüllb.'.r.׳ Beüi»>,»na.:׳ der Pelrisizierung der bisherigen Schnorrerzüchteke:. ausgestellt'wurden Die neuen Bestimmungen und schrankenlosen Beamtciiivinichasl gleichq, zuzuichauen? Wie kleinlich, engherzig und rückstän »q i dedenien eine» Nückichrui. hat man bisher den iog. stal»a׳.iiche» Wirkungsk: tig: den Wahlmodus für die Deiegiertenoeriaaimlu sie Berlängernng eis ' Funklionsdauer von drei au> iecns .,adre und f;: Und drinnen steht: die Juden sind alle Gauner und saugen dar Volk aus und'man muß ihnen zeigen daß sie in einer christlichen Stadt leben. Und das Rur der bekannte Abkvniiiilinq der Rotte Korüh, Kausmann ״von der Landiliaß" krachte gleichgitiig mit einem Kartenspiel und ries in die Runde schwei-. gender, ernster Männer sein gewöhnliches: ״Nu. was:wird nicht koniisziert.' ipiel'n m'r licut'?" Aber er bekam keine Amwört.! - Man schimpft all'eilz über dieic Blätter. >1:.: Der allbetiebte Josef Taujiig a.׳"B r ud er.! Tausstg. wurde wegen inner schwarzen Prov. ׳׳eiun-: Getreide und Sämereien >-n-׳1-״,--. ergrin das Wart: | nicht wenig verlacht. Im Sri liegen zwei Reg'iuie»::׳ ״Ich sag' Euch, meine Herren, das steht schon in I außerdem Polizei und Gendarmerie, der ('kinorc. (In der Gemorc stand wie gewöhnlich: Ta wurde plötzlich die Tür auigeriisen u::d nichts. Der Redner hatte sich nur diese Redensart j zugeichlagen, daß cs dröhnte. Aller^jlicke richte:. n»ter Juden angewöhnt. >ei! er Demvel-Bizevorileher l sich aus den bekannten Fleiichkaurr Joachim, .7.״ geworden war, um seine intellektuelle Befähigung' mit hochgeröteten Wangen mit einer Peitsche in sür diesen Posten zu zeigen. Aber der Kantor sagte.: der Hand im Zimmer stand und keuchend iind'ir er gäbe nur noch einen solchenAmhorcz wie Tauisiq laut erzählte, daß die Köchin erichrokkcn hcrdeili!׳׳ und der sei erst in Australien zu finden., In!Der Er war vom Schlachtdoi her beim Gasthäus ' ' ־ . ^Zum ledigen Spatzen" vorbeigeiahren. Das u׳a: das Vergnügungslokal der untersten Volksschichten, in das die Soldaten Sonntags nur!anzen gingen, wenn ne sich von der Gebranchsiähigkelt ber Seitens am Play und haben ntr Unrecht« genommen, jvas \ waffe überzeugt hauen. Im .Ledigen «patzen" ist unter'» Nagel geht. Und vier kleine Kinder >sin' j eine lobende, tausendköp'ige Menschenmenge ver- Übergeblieden und nebbich eine kreuzbrave Frau.! sammelt und zwei bekannte Antiiemitensührer hielten Und Sie woll'n Karten spielen? E' Stock mckchl'! vom Tisch herab Brandrede« gegen, die Juden, Man ich nehmen aus.solche Leut' wie Sie sind." f » 1 nimmt den heurigen״izall zum Anlaß und lügt^dann Kaufmann mit den schneidigen Iprachwerkzeugen weiter. Jeden Moment schreit man wie besessen: schwieg hiesmal. Denn die ganze Geiellichisl spcn- I'oj'siuo im e.i<ii! tGehen wir auf die Juden!» Und dcte nickend oder laut Taussig ihren B-isall. Jetzt da; Freibier stießt in Strome« Wie der Fleiichkam das Gespräch in Fluß und jeder gab seiner ׳ Hauer vorüdcrsuhr, stürzte eine Rotte heraus und Entrüstung'über die Umstände des heutigen Ge-' versuchte den -Picrden in die Zügel zu fallen. E> richtsfalle« Atlsdruck. 'schlug sie mit der Peitsche zurück und fuhr davon ״Und ich sag ihnen." fuhr Taussig diesmal ״Aber," so schloß er seinen Bericht, ״jeder soll nack> ohne die Gemorc fort: ״die Sach' wird kein gutes Hause gehen. Um sechse kommen die Arbeiter-aus Ende nehmen. Ha'm sie die antisemitischen Blätter det Fabrik, man hat schon vom Wirtshaus geichicki. heut' gelesen? El'traauSgaben ha'm sie gemacht und daß man t,e 'einladt. «o hat mir mein Knecht erha'm sie verteilt aus der Gasic und in die Fabriken, zählt. Heut ir «amstag Abend, da geht jeder mit n Gemorc steht, ein schlechter Jchude is' schlechter svie drei schlechte Goim. Der Staatsanwalt hat ausA»c Juden geschimpft und in allen Gassen ichimpst inan aus die Juden, und wir sind die meisten 30 Jahr Gedenket des jüdischen Nationalfondes! ^47662