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Jüdische Volksstimme · 1903-02-01 · 1 (1.2.1903) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
IV (1903)
Issue
1 (1.2.1903)
Date
1903-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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IT7־. Iayrgckng. Wrünn, l. Kevrucrr 1903. :1 Ulr. 1 c: ,viir ^ftcvrouii Mji^iuh iwU'jöbvi^ K ^a!r»jd15t*l(\ K 1. intl. 'Kcfotliou nn!> ^IdiiniuHiaiuMi: i'1m\uu'n^w1u\: Teu1ül»la»P. gan;jäl»-jg IVavt lRnnlan!» ümnjMma.-' Nnl׳.: . Ti:- .^udvilie ^01f־>M1imnu vt;:-.1;;:־ .nn 1. uu> r . s׳iimv:•,. Ariinftcitb. Miiiumim־:!. Scrl'uu. Bnl.wn״! uiiv. ״* ^:himaitNcr■■״■, '■iHrm-tun:■; C״l ־• . ־t Zur Trage der Anerkennung der jiidifchen Hationalität an der k. k. tecbn. BocbTcbule in Brünn. An fast ,allen Hochschulen der Monarchie wird gegenwärtig Sturm gelaufen. Argwöhnisch, wie in Vorahnung komnicndentzUnheils, betrachten behäbige. rnhclüstcriieP.d.'llen liiPlolclc en den Aulakascln der jüdisch-nationalen Ztudcntcnvercinc, In den Sitzungen der akademischen Senate spukt das Judengcspensl, Anlwortheischenü pocht er an die Türen der Nektoratskanzlcien. Drinnen, vor den ernsten Männern am grüne» Dcratungslische, da schlägt ds seine blutig-zerfctzte Gewandung zurück und zeigt stumm und stolz seine fleischlosen, unvergänglichen Glieder: Kennt ihr mich? Und wen» die gelahrten Herren mit den offiziellen Gesichtern bloß mit dem Kopse nicken, dann ist die Fraglosigkeit der Existenz einer jüdischen Nationalität bestätigt und sine moderne auf historischer und wissenschaftlicher Erkenntnir ausgebaute Volksbewegung hat eine akademische Feuerprobe bestanden. Aber wenn sie regungslos verbleiben und starren Auges an der Schreckgestalt vorbciblichen, dann haben die Herren von der Lehrkanzel aus unbegründeter Rücksichtnähme aus die Vcrlegenheitspose eines getauften Amtskollcgen die bejahende Beantwortung einer aktuellen Frage zivar gewaltsam unterdrückt — doch indirekt ausgcsprcchen Und noch eine Möglichkeit, die Frage des Judcngespenstcs in der Scnatsstube zu erledigen: Ei.> verneinender tkopsschüttel»! T»S hieße soviel als den Bestand der Dinge negieren. Berufene Vertreter der Wisjerischasl würden dann einer stauncnden Kulturmenschhcit das Schauspiel geistiger Bcsangenheit bieten, aus der ruhig-sachlichen Pflegestätte der reinen Vernunft würde die Lehre vom Denken ein trauriges Fiasko crstbt haben, Wohl wäre hicmit ein lästiges Thema sür absehbare Zeit aus den Beratungszimmcrn österreichischer Professoren verbannt — nicht aber das Judengespenst Es würde neuerdings erscheinen, denn hinter ihm drängt die Lösung heischende Judcnsrage, Neben den Hunderttausenden einer weltumspannenden Iudenorganisation steht auf scstgejüglem nationalem Boden das selbstbewußte Häuflein jüdischer Akademiker und fordert das Recht der Anerkennung sür seinen geschändeten Iudennamen, Vor de n Forum jener Wissenschajicn, welche längst den Bestand einer jüd:schen Nativ» widrige, zeitraubende Polemik zu vermeid. , i!: kernig enkgegengcschleuderter Autorika.'en-Arqul::,!::. vor sich'gehen können Hlls ein solche» gilt oif.:\-.■, die osfrziellc Anerkennung der jüsi'chen Nation,׳. >:a: scstgestcllt und erwiesen haben, wartet es auf — eins an den Hochschulen -Deiierreichs Dies nur ein Lopsnicken. In diesem rein ideellen Sinne ist die: typischer Verweruungssall der gegenwäriig m-.l Erio!-׳, gegenwärtige Aktion der jüdischen Studentenschaft! angeregten Frage, , . )!מוחי.!!•nt» ל־\• _' - v. ■_ nichts anderes als ein scltiaines Interwiev. eine j Die von! Zc1!a!«behSrden eingekciule ׳ legtl< man könnte deinahe sage» — überflüssige Frazze. da Anerkennung ll, d^'flerr, Sr, Gr.-G., wird als ihre Erwiderung von vornherein den Charakter eines wissenschaftlichen Axioms an sich trägt. In Wien, ergänzender Abschluß tiner mpflnschastlichen. ein, eminent lokale BideuiuRg auiweisen, Sic wirir-durch Krakau. Lemberg und Czernowitz haben die hohen, sprechende, Zahlen .«::er' interessierten Welt ein r Scnatsbehörden jene Znflimmung-dcwegung mit dem s;weiselndcn Aisimilaiionsjndevtum einen treffenden Ausdrucke größter Lonalitäk bereit» zuwege gebracht,: Beweis für die II berzeuqungskran einer längs! ja einer der Rektoren wunderte ״ch sogar, daß aus lgeglaubten National,!״ e'erbringen. Sie wird --;:■:ר den Reihen der Studierende» nicht schch, trüber der', dies j>, und bleibt ein Leitmotiv ciner ringe .ה ■ Ruf nach Anerkennung ihrer jüdischen Nationalirär s Nationaljudcniums — aus akademischem Boden -in - laut wurde, Tie gehegte» Erwarlungen haben eine i verschärft reinliche Scheidung Hervorrufen -w-.stch.-. glänzende Bestätigung erhalten — das Iudengeipcnsi, Ehrbewußticin und Pflichioeraeflenheit,;wischwurde von wissenschaftlicher Tribüne aus als eine: Offenheit und feigen. Unterkriech.-,!, zwilchen &׳- latente, nationale Erscheinung agnösz:er1,!heit und Lüge, Di-lcr und nur dii.r Umlianü l^: Diese Erkenntnis hat ini großen Rahmen einess dazu bcigetragen, der -Inangröraahme der Au.r mit Sturmesschrilten vorwärlseilcnden naiionalcn j kennungssorderung, die ja von oo:״herein den E:st>le, Gedankens, welcher krail der ihm innewohnenden 1 in sich trug, den Cdarakier a!1s1,:׳mmcndcr Leider Lebenscnergic aus keinerlei Autoritä enhascherei an ichastlichkcit cinzullößen. Nur , :l:.׳.lb wird Sluru, gewiesen ist, eine verhältnismäßig ticschränktc Be j gelaufen. Wozu all Ser Lärm, wozu die Inszenierung deutuyg. Doch ihre praktisch umgesetzte,. Wirkungen >eines tönenden Kundgebungsavväraies? Verzwe:׳ell, dürsten bald in Form verbesserter agitatolischer Re-, bang.^und unsicher klingt diele Fra'gh im Mund, sultate zu Tage treten -!:ich! nur an Hochschulen, j jener';üdischen Hochschüler. die!1,fl scheue» Schritte!, sondern auch außerhalb derselben. Vor wenigen gegenwärtig di.- Aulatascln der lüdisch-nalionaleu Jahren, da noch die Anerkennung der jüdischen l Vereine umkreisen, Ter Boden 1»n:er ihre» Füße!! Nationalidee ein embryonales Dasein fristete, erinnerte-die leidenschaftliche Art ihrer Gegenargumente an das Getöse eines reißenden Wildbachs, Ter Mcinlingsichwall ihrer Angreifer hat sich besänftigt, die Diskussion ist ruhiger und deshalb ersprießlicher geworden. Nur hin und ävicdcr greift ein müßiger Rabbiner oder irgend ein Wissenschaft simpclndes Iudcngeschöps zur Feder, ui» au: Grund cknthropologischer Studien seinem eigenem Volke soggr die Tatsache seiner Rassezusamaiengehörigkeit hinweg, juschmiercn. Als ob cs eine Wissenschaft gäbe, die anerkannte Grundsätze pcrlcugnc:׳, Wahrheiten beniäntcln könnte! Die Zurechtweisung dieser südlichen wankt^und bricht, Sic flehen o.׳r -in,-:!! moralisch.׳,! Fiaskos In der .Vlia!, »ml,-, ünsh.r ein Tumme, platz widerlicher srcmdnationa'.er Iudeninflinkie vollzieht sich schon sei! langem e!n '.ad! nalionä!. Erkenntnis bestimmter Scheidung; mozeß- — n:: getreues, wenn auch;ua.svitztes Abbild einer 11:. dernen, weltbewegenden!i-e eüsitialtsordnung. Diesem Ereigiiiilc fleht momegran nur mehr ein geringer Perzentsatz südlicher Akabemikrr dumpf und o. Verständnis gegenüber. Das >Z,'j!,o1!aljudcn111!״ in:,- seinen prächtigen Rcgeneraiionsblüten — jei::-,:: Anhängern! ein lauterer Quell innerlicher Frei!:.״: und segensreicher Kulturarbeii — ist ihnen lälii antinationalcn Pseudo-Wissenschaillcr wird, um eine {Form, hinderliche Schmach, un besten Falle — Bonze hat geschwiegen. , Dem Jüdischen von I. L. Pcrez izachgcbildct! von T-h e o d o r Z l o e i st i, . '; (<d)luv i Er hat sogar geschiviegen, als sein Vater im! Rausche heimkchrte, ihn an den Haaren packte und' aus der Wohnung in den eisigen Winter warf. Er, hatte flch aus dem Schnee erhoben und war fortj g!-lauseil, wohin ihn seine Füße tragen mochten,; Aus dem ganzen Wege hat er geschwiegen. Er hat gehungert — aber gebettelt um ein Stück Brot hat er nur mit den Äugen, In schau- -riger Winternacht war er in eine große Stadt qckommen. Zwar war er hier nur wie ein Tropfen im Meere — aber ihn hat man gleich gepackt,und auf die-Wache geschleppt. Warum, wosür? - Er hat geschwiegen, er hat nicht gefragt. Und als man ihn aus der Wache entließ, da begann er Arbeit zu suchen. Noch schwerer als die Arbeit selbst war das Suchen, das Finden. — Er hat geschwiegen, l Von morgens bis abends lies er durch die Straßen, daß ihm der Schweiß in Tropfen über die Rase rann, die schwersten Lasten ans dem Rücken, bespritzt von den hinrasenden Räder», Ter Magen hat ihm geknurrt vor Hunger — aber Bonze hat geschwiegen. > lind wenn er flch mit seinen Packen einmal. Wendung -ein. Er war gerade über den Damm aüis Trottoir wagte, fließ man ihn mit fluchendem! gegangen, als eine »tarosse hcransaufle—die P׳,r.-,׳ Worte hinunter auf den Tamm, zwischen die Droichkew! waren scheu geworden. In hohem Bogen -log der Er ha! nie ge- .tiulscher vom Bocke und zerschlug Dich den Sckac!., y* Da war Bonze den Pferden in die Zügel ׳. fallen - sie schäumten und aus ihren Husen sprangen nur so die Funken, ihre Augen leuchteten wie Flamme,i in dunkler Nacht, Der Maun im Wagen harre. sich endlich v.-u seinem Schrecken erholt, und aus Dankbarkeit nah״, er Bonze als .Lutscher in seine:-. Dienst Er ist Wohltätcr geworden. Er hat ihn nicht nur zum Luticher geäiach! Er hat ihm auch ein Weib gegeben, und ein s!.. ' :•ijf :1'.; und Eguipagcn und Pferdebahnen klagt — er hat geschwiegen - Niemals hat er ausgerechnet, wie viel Groschen er sür das Tragen der Zenlnerlaflcn fordern solle. Und wenn man ihm noch rincn Zentner austud, jo wagte er nicht mehr zu verlangen. Wie oft ist er auf dem Wege zusammengcbrochen vor Hunger und llcberarbcit — er hat geschwiegen, lind wenn er seinen Lohn verlangte, d i c Gssichte!!,., Das Herz gieng ihm ׳chier über — aber er hat geschwiegen. Nie hat er lant oder gar frech um seinen Lohn gedrängt. Wie ein Bettler stand er an der Türe und dal nur mit den Augen Kommt später! haben ihm die Arbeitgeber oft ן zugcrufen: dann schlich er lautlos von dannen n!ic: wagte,er doch nicht anzuschauen, ein Schatten und noch stiller kam i-r dann wieder, Er hörte weiler zu, was der Vericchiger it m wegen des Lohnes, , - -da alles sagte, _— — _ -; . ' Selbst wenn man ihm in q-meiner Weistvon Er Hai geschwiegen, als sein Wohltäter da:,-:., seinem Verdienste einen Teil abzog er hat ge .roliierte und ihm seinen schäbigen Lohn nicht beza:n-e schwiegen. Auch wenn man ihm eine sal'che Münze l Er bat geschwiegen, als sein Weib ilnn dmoe-e gab _ er hat geschwiegen, - '! lies und ihm noch ein Lind von drei Monate» zurück.!,' Man scheinl mich doch zu meinen, sagte sich! Er har geschwiegen, als nach fünfzehn Jahr., Bonze, schon mutiger werdend. das L,nd ihn zur Ture hinau-wars. Einmal, so iuhr der Verteidiger nach kurzer Er hat sogar geschwiegen - fl'richt mit Ilnterbrechung Tor!, einmal trat sin ׳einem L,,.n eine bebender Liimme der Verteidiger— als der.W:-:'- hat er ihm auch dazu gegeben. Aber Bon; geschiviegen. — — _ Man meint mich, man meint n״ch, so daa״: er nun schon hocherrrcul: aber den Gerichtrvorsjtzcudeu UV* Gedenket des jüdischen Nationalfondes! ^47662

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