Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- III (1902-1903)
- Issue
- 24 (15.1.1903)
- Date
- 1903-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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verngrprrlre. Tir ÖtlcrrelelvUngai* halbjährig . K 22׳»> qniiiiiibrin . K 4. iull. Poslziiicudmig. fir das Ausland halbjährig . K 10'.׳2־; qanijä&riq . K .־».— EinzesiRmnmrr 111 11. Mzeke Uolkskimme Administration Vriinn : ~ $chättga$*c Nr. a. iit״x\1iS. 410H#i1i111mt" cridicmi am I. und l.־>. eine* jtöcu Weumc*. O'iidilianpl. Ärimmni Clio xilrimu. Vtiuiig. IH- Icrtirgcrng. Wrünn, 15. Jänner 1903. 24־ .*511־ Zur Geschichte der miitjrischen Juden. Tic wcchjelvollcn und lehrreichen Schicksale bcr ,lirben Mähren-, brrcn Spuren in biescm Laube bis in» X. Jahrhnnder : zurückrcichen, haben ihren Ge 'chichlsschrciber noch nicht gesunden. Stein Geschichts buch von Bedeutung ist. dfl» inneren Leben ber >»ährisch>-n Judcnsciait, ihren kulturellen Verhältinnen unb sozialen Wechsclbezielningcn zur Außeui weit gewidmet, obwohl sic im Wechsel bcr vielen Jahrhunderte ein s, Heindes, kaleidoskopartiges Bild dardielcii. Tie jiibisc >c Geschichirschreibung in Oester reich.in ubeihaupt!erzlich unbcbcntcnb. Tagelb bcr hittorischen Literatur liegt brach unb verödet da. Sine jndiichc Muscirm-gesellschast in Wien. die. von -rklusisicm Staiicngetst regiert, volkrtiimlichc Arbeit nicht zu!eilten vermag, in Prag »nb in ber -Provin z iporabljch auiiaucheijde, vegetierende literarische ober geschichtliche Vereine, Tischgescllichasten ober Stastcc kränzchen, — bas sind, wenigstendem! Aushängeichilbc nach, die einigen vsstziellen Pilechställcn siibischer Geschichte, .nie und da bringt ein Rabbiner ober Religionslchrcr eine salbung-ooll geichriebene Monographie aus!den Büchermarkt. Armselige -Büchlein,' Eintagsfliegen ebne Beachtung »nb Wirlang. . Trostlose Leere gähnt uns im übrigen ent gegen. Es gibt allerdings jübiiche Perciiie. in deren Statuten Pflege jüdischer Geschichte unter den Taicin-zwcckcii paradiert T-ch Schwamm drüber! Gerade in Mähren vetsügkii wir Beuden über jo -eichlich sprubclnbe drchivarische Quellen unb über ein so umjangrcichc-, gesichtetes Akten- »nb Urkunden- -material, baß .ein lebhafteres gcschichisiche-:- Interesse tmt Recht zu erwarten wäre und die Mühe lohnen würbe. Unjcrcr Intelligenz ist jedoch die Geschichte ihrer Altvordern uiid ihres eigenen Volkes Schickial Hekuba. Stall bcsien absorbiert die nationale Be brängnis deutscher -Sprachinseln ihr politisches ,־in» lercsjc und'ihren ״nationalen*'Ehrgeiz. Beschäftigung mit jüdischen Tingcn — welch lächerliche,sinnulung '׳ür diese deutschen Slämpeu! Auch da wirb ber Zio- »ismus Wandel schaije». Unter den Postulaten ieincs nationalerziehcrischcn Programmesteht die Pflege bcr jüdischen Geschichte, die Stcnntnis des eigenen Polkstums int Vordergründe. Sic muß - Gemeingut werden bei den Juden - Und ch ber na- | tionaljübischcn Bewegung werden auch bcr jüdischen I Geichichtswtsscnschait verjüngende Elemente, zugesübrt : werden: Frsichc natwualc sirasl, moderner ).*׳ein und ^nationaler Charakter. - ü j Zu den Betrachtungen regt ein Buch an. welches neueste»- unter dem Titel: ״Urkundliche Beiträge zur. Ge schichte der mährischen Judcnschafi l!» 17 und IS. jahrhunbert* tLlmüg. Verlag von Läurenz stullilj crichiencn ist. Sein .Herausgeber heißt 'Willibald Müller, ein Richijude. Ta- Buch entl>äli eine ־Sammlung -son Urklinden und Akte» aus dem 17. und 1s. Jahr-' ן hundert. Sie betreffen vcrichiedenc Materien. Hinter dem imposanten Sammelwerke Ehrisiian d'Elvciis. ^welches u» Jahre l>U־> crichicn und ein ungeheures Material ansspeichcrt, bleiben die vorliegenden Beiträge in jeder Hinsicht weit ßurück. Aach an die bekannte dreibändige Geich,chlt Tr. Frankl.Grüns über die Juden IN Strcmster reichen iie nicht hinaus. ,Viel Acnes bringt das Buch nicht. Aber cs ge stattet einen tiefen Einbli.t in die fZuständc der damaligen Zeit und ift wegen der Bereicherung des! Urkundcn^und Taliachen Stostes zu begrüßen. Ter j Vcrsasier selbst crgreiil selten das Wort. Er laß! ldic Hosdckrcle, amtlichen Gutaevten und Enliche!-! düngen spreche». Und fürwahr, sic sübren eine dei reble Sprache. .Tics eingewurzelter Haß, sinnloses! Vorurteil, zügellose Versolgungsjucht ,zegen die Juden »begegnen uns Sckritl für Scbr:1t. Jdr Erzfeind, war das siädtiiche Bünfenum. Jui.ö- .׳or der überleqenen sionlurrcnz und Neid auch wegen» recht kleiner. Handels-Ersolge waren die Triebfeder» der haßersülllcn Haltung. ־ Religio-, Motive kommen cril in zweiter Lini.zMN Betracht. Tas gebt >aus einer Bcschwcrdeschrist hervor, welche im Jahre!׳>'.>.'> die königlichen Städte ,fegen einige kaiserliche Priv!» lcgicn an den .Hos richteten. Ausschließung der Juden von Jahr- und Wochenmärkien und vom! Hausierhandel — das war das Minimalprogramm der christlichen Handels- und Gewerbetreibenden. Man trieb den Juden sörnilich zum Wucher und machte ,w*. den, jüdischen Sileinkrämer einen Schachcrer.:-Es war ein geknechtete-, wehrloses Geschlechts von Pinkeljuden und Torfgcbcrn. Ei» stardinal Vonrr l!at ^gc^^!^wi^gcn.^^ Tcm Jüdischen von I. L. Percz nachgebilN!! von Theodor Zloci st i. In der großen Welt hatte sich nichtgeändert, -. nichts geregt, als Bonze-starb... Stein Mensch wußte, wer er gewesen, wie er gelebt und woran er gestorben. Ob ihm da- Herz gebrochen, oh er kraftlos verdorrt, oder was ihm sonst gefehlt hat. . . Wer weiß'?! Vielleicht ist er gar verhungert Wenn irgendwo 'ein Troschkcngaul fällt, dann schreiben die Zeitungen darüber, und die Leute laufen zusamutcn. — : Aber wenn ein Bcinzc stirbt ... ach, deren gibt'S ja fo viele! Bonze hat still, wcltcinsam gelebt; und still, wklteinsam ist er gestorben... wie ein Schatten. - Als er geboren wurde, da tranken feine glücklichen Eitern vor Freude keinen Wein; keine Gläser klangen ihm zu Ehren: Er war so wie cm Sandkörnchen am Meeresstrande, das der Wind! fortbläst, ohne daß sich jemaud darum küvmcrt. , Und als er starb, da brauste der Sturm das - Grabtäfclchen von der frischen Gruft und die Totengräberfrau fand es weit ab vom Grabe, zerhackte *ן Au» dem ,jüdischen B»>I4Iale»d»' Brünn. *־ eS und legre cs ins Feuer, um ibrc si'artosieln damit zzi kochen. ׳ ' Und so wußte man schon nach wenigen Tagen nicht mehr, welcher sein Grab war. Härte er menigilens einen Grabstein gehabt, io hätte ihn doch nach ein paar hundert Jahren ein Altertumsiorscher der Vergessenheit entrissen. steine,u Menschen blieb eine Erinnerung an ihn, keinem. . . ' Elend har er gelebt; und elend ist er gestorben. Und wenn auf Erden nicht io ein braufendcr Trubel, gewesen wäre, man hätte seine stnochen knacken hören. S» hat er gearbeitet. Man hätte vielleicht gemerkt, daß auch er ein Plensch sei. wenn auch das Auge nur matt leuchtete und ihm die Backen ein gefallen waren, ein Mensch, der, selbst wenn er keinen Packen aus dem Riickcn schleppte, gebeugt ging — als suche er sein Grab. . s Als man' chn ins Spital brachte, La blieb sein Schlafwinkel im Armenhausc nicht leer — darauf warteten.schon zehn Menschen... Ais man ihn aus dem Spitalc ins ToienhauS brachte, da haben schon zwanzig Sirankc aus fein Bett gzlauert. .... Und als er aus dem Tolcnhau,c in die' kühle Gruft gesenkt wurde, da wartete man schon mit zwanzig Toten, die ein ein stürzendes '-Haus zer-' schmettert hatte. Tie-lrlch-itein nani 1c die Jude» damals ein ..arm fcli'g Völklein*. Sn waren ein Volk von Mar . tyrern. das nur Un:v sienheit ׳.:». Seblechta!.1.'-' :׳- , dauimen kann. Ta» Urteil dieics skirchen-urnen lebt: :;ns a .,-.: die sionskriprion und Separierung der .\jbext tv! sieben, welcheim Jahre 1727 unicr Patt.'nän-, der Slirchc natürlich-ך— begonnen wurde׳ Tsi skription. d i. Volkszählung der Juden >r׳P zie weil ׳,die Ehrißcn ihr Anwachsen surtblend-f... d:. neuen ß>e'1ralsveichra-.1 ungen. .Irasi welcher in >.׳.v. jüdischen Familie nur ein Sohn sich vexer.tiep n durste, eine Stonirole ichai>׳n wollten Tie S-.:׳a-.-.- rung der Juden. ihrc'Einvierchung in ,Jude!1ga!1-1L2' die Reuaurlage der milielolierlichen i1.:!<׳!os, ״zur ׳groß-er-n Ebre "',olles-^uiid;her' .- der -1st!>1katholischtu Slirchc״ Es ist*aus l.:> Ast-u etKch: lich. daß die Separierungsaktion, durch :: ,lch?J::.״.-^ Häuser und Svnagog-N. aus de« ,-SesichlS'elc. siirchen veiichwind.-.i iollleu. vom Qlmuper ׳:!'..׳- siorium cina iädel: und da:»! geheim gele::.: lieber das Sieueiweien 1en>r Zeit entbe״ : Buch nur einen kurzen!Ai-schnul.-Tie'es der E:-r. ׳ ßeucr ,T^wibmetc Staviielbeleu.teiei grell die . nu Wiener Hofe -;:üble Sl-Ucipraris. Im M:ll..a!:-. waren die Juden, die?:.,mmcrknechle. Ftskalg,::. u. gedoncn zun-!andezfurstlichen Inventar ' Schutzbrief mußlen sie erlaufen, ui» den le»-r>Ä En-; .. gnädiger Landesüerren zu fülle». Auch ivaser. im I״». Jatiibunde׳: :׳.׳!:e.eii , . c.n -׳- Ausbe..:.:!!--,o:t: ui..׳ b.-z.,:,!. in f.!n.;.' Münze recht teuer das :liecht zu ici.r »nebe? : zu werde». Siel« Wunder, wenn vsize Historiker ß alSLic kr>i>'igs1en Slcuerrabler!0S-.«! sla,׳.׳ri!1 ׳7.',׳.:- Theresia.-machte es aiß׳. Im Jabre 17 t.; Prager Handelsmann der bohmiichen.H'oskanzi.: 1. - Borichlag unieebreiiet. a:1> die Einfudr der Esro׳:::! eine Steuer zu legen. Erft -m Ja:,re!741 der Vorfchlag eine Erl d:gu»g: Tie staiierin gnädig genug, ibn abzulehnen. Sie wollte di, E. '. kabjssrcib.-it der Inden nicht antasten. Ab c- Aefc Einkausssreiheil kostet -jährlich 1011, ־ ׳: ׳. iy^icb die bochwriie Regenlin. Entweder. >,!! - ׳ vgit den Juden Böhmens. Mährens »Ne Schee־!.:-.: erlegt, oder die Regiernue. übernimmt r!n ׳,!,i,;> I-----V- Wer weiß, wie viele schon aus. das . Stückchen lüblcr Erde warten: worin er nun r::. Er ward still geboren... er bat full * ist still gestorben... und.still begraben :-oord.k׳ ״. -.Aber droben >m Hiuimel! Als -man don erfuhr, daß Bonze da *lief alles iil wilder Ausregnng um!,er T.7 gewaltige Meistas-Schanfor crllang. daß er duech.a" ficken Himmel brauste. Alles kuichelle e»:and.. :n die Lhren: Bonze ist gestorben — Bonze fonn:; Und die Engel raunten, :inandcr zu: Bonze lo:n:u: Schon eilten zwei wundermildc Engel her:-., Sic schoben einen güldenen RoUstuI-l vor ׳ich I- , —-für Bonze, und einer trug ,in, ic .b.-k,,- str,: mit leuchtenden Brillanten. Tic Frommen, die droben im Himmel stagten. od.dcs Aufruhrs-verwundert, vielleicht ai:g - ncidiich, was all das solle. Und. die Engelcin an: wortcten: Tas wird heul' ein einfacher .Gerick: werden, speule kann der Salan keine niederfchui,-!- tcrndc Anklagen erheben. Tie Engkleiicbaiien Bonze gefaßt. Ter Stau:.!: Vater Abraham, Kr. a,t> der Himmclspsorte stand, reichte ihm die Hand zum Willkommcngruß - und tuschelte ihm Zn. daß ein Scsiel im Reiche t.-. Himmlischen und eine gülden^ strone feiner narr,. Bonze war ganz starr — er Hai goichwie׳,:: < so wie er ׳cs ans Erden tat. Tenn er wußte -1־ daß hier ein Irrtum Vorlage: er wußte ,a ganz des jüdischen Nationalfondes! 1