Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- III (1902-1903)
- Issue
- 17 (1.10.1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2; jüdische Boltaftiiuüte Nr. 17 Holzhausen in Hesien geboren. ׳Nach einer sorgiältigen, auf Vas Rabbinats- Studium hinzielenden Vorbereitung bestand er im Jahre 1849 Die Lehrerprüfung und rpictte dann als Lehrer in Gudenrberg bei Kassel, ,;m Jahre 18;4<־ bezog er Die Universität in Maxburg und bestand im Jahre 18l>7 die Radlnnats-Prüsung. Von 1*59 bis 181;:! fetten wir ihn als Lehrer und Prediger in einer kleinen ’3t115t des »!roßherzoglums Hessen und von da bis November l8ii,'> als Religion»- lebrer und Raddinatsgehülje in Mecklenburg - Schwerin, sein ielben Jahre promovierte-er an der Universiiät Rostock zum Doktor der Philosophie und trat seine -Stelle in Memel als Nadjbiner an. Mn dem Antritt dieses Pviiens in der «''reu;itaSt be* gann zugleich eine eifrige Tätigkeit zu oiuniien. der Armen und Leidenden. ,'ein Jahre . 1m>7, als der schwere Noiizanü in L »preußen ausbrach, bildete sich unter dsr Protektion des LamaUgeri Kronprinzen Frie^irch Wilhelm einllnteritützungs Komitee, dessen- ■Seele Tr. Rüls war. Uni den hugdert notleidenden südlichen Faniilienj die aus Nunland eiuge->» wandert ‘ waren, hel».n zu können, begann ei mit der Sammlung unter den deuijcdeil senden. Von da ad bi.s!um April 189" bildete Die Unter iliihnngsiTäiigkril das Lebenselement üi u l i s. Jpi Jadre 1 >71 wurde er zum SennuniJirer des klnter'iütziiiigs Vereines gewählt und als solcher schrieb^er b!s zum siiabre 1 >'.>7 Die Jadresberichte. ־.’I0: •״ Dem schrecklichen Notjahre auch de, russischen -luden jenseits der Grenze such nach Memel um Unter- , iiiitzung! wansnen, da dort die ichUmmni' Hungersnot herrichie. bildr!e sich'unter dem Vorsitze N ii lss ^,e»i UnteniützungS-Kviniiee, welches ר inizwei slisdreu über eine.halbe Million Mark sainmeile und in wochenrlichen - Uniersrulchngen an 2!» Lrtschasien verteilte. Seitdem konnte die Ängelegenheit |öer־ russischen Juden nicht mehr uo» der Tagesordnung adgeseyr werden. Das seitdem zu ihrer Unter- Nutzung her Hungersnot, Brandungluet, VeNsolguiigen unv Trlsverwei- Hingen gisichehen i׳t. das täf!l sich kaum beschreiben. Zwei dauernde Ansialieu ui Memel ' verdanken dein derer kleinerer und grösserer Schriften. Durch die Berührung n, t den russischen Juden krystallisierte sich allmätig >ie jüdische Weltanschauung bei Rül-s zu einem!ielbcwußten Nativiialjudentum. Wer die russischen Judn gründlich kennen lernt, der muß Zionist werden, der gelangt erst zub Erkenntnis, wie viel Intelligenz, wich viel sittliche Kraft und r. ,״»int :liiilt, :tinbliiier, heil, am 18. Lepiemdcr Wirket» Nülss Ihre Enlslehungi Das im Jahre ''TO gegründete ,,'raeliiüche asrankenhaus und die i'raelitiicht Ärmenschule. " . - Aus!dsieer Zeit her stammen auch die ersten -Schriften N ü I s s :.' ״Meine üieiie nach ftorono“ auch ein, daß es ke! .,Trei Tage in Jüdisch Rußland" 1881, giebi, das; alle Wol,llä!igk>i1 kaum ausreicht, um bie ,','lruchas Bas A»,,1״" l־->:! und eine Anzahl an- Schmerzen auch m Energie in der jüdischen 'Nation schlummert. Hier sind die beizen Garantien für die Zukunft eines ftlbsiändigen Volke». Turch die gründliche Kenntnis dH jüdischen Verhäluiiise in Rußland sieht man ־"־‘ ■v.i -- ncn an[)0rcn Ausweg zur Rettung reelu wuchtigem Bardemon, und kern einziges pon der gefährlichen Sorte ,Vereinslieüer"!wenn man vom ״Maeichlied" abiiedt-, das gewiß ohne Sätziden sortgebliebln '!varer ' Z l o 11 ׳ it 1 ichenki uns lauteren, perlenden Wein, nicht auidiingitch ichaiimend und nicht von prunkenderj, veriälschter Marke! puren Nebeniasr >p unscheinbarer, aber koitdarer Schale. Turch ,edes'dieser wundersam innigen Lieder blickt man bis aus den Grund seiner Seele. Sie in licht und sonnig, voll schlichter, milder Liebe, viel zu »hl; und;u lei,ich um ihr Jndenleid hinauszuichreien.- 1 Nur ileise, lene, »reichen des Dichters'-Priester- Hände über die Saiten.; wenn er von seiner und unserer Nüi sorckit. Man nehme nur ,Schatten" und »Tis Bibel" .die übrigens zu den schönsten Gedichten der Sammlung gehören., , Sabdath'ege»", ,Judenkilt»" und ,In meiner Seele starb dar Lachen"- vor allem aber das für Zl oeisti ungemein charakteristische, stimmungsvolle S a b b a l h a n s a n g . Tsi: Abend fmf:: Tu bin allem. \ .'׳'un;;uit&cft bu bie Subbaih-eieikeneil Unt sieb'i ben ä'.rrd-n in b.'iu ml,«- . .!::!׳;יי ׳'.di Hb ben üviebeit ui-tr 'i'imt»!.. . .-iilrtöe auch mir ein, Labbülbiidui Und fr weiß, warum man nur verhalten klagen dars., Hinter dem Busch hockt'stets bebeit 'hervor zubrechen, .unser gesährlichiier Feind, jener abgeseinne Psüise mit der trommelnden Gönnermiene, den man ^Mitleid" nenn!. r vorübergehend zu lindern. So Loch alick j v.a tot( Mitleid fab. Lati> geball!e Haust erfdjlaffon machte: J 1? fi״ng mit «ab! .. 9;(»4 mir 11A. «. i » Lin >״• emyfu ld'nc Lchmer^ eriua.vte.! Jin! b-»b’ tch mit verwindett fonufiu [ Wie er fidj I ann lächelnd mit der ׳ Ghettofrfcirfc abianö und 10ic ihm die reine, heiliqe ^ions seuusnchk ward, 1>ie ^idm all' sein Aenqstcn aus der -^ecle fiifit ״ und nächtens wie ein stolzer schwarzer ^pnigsichlvan seinei Brust enlstciql, wie dann langiäm die Wunden Farben und allmählich unser zu kstnstsfroheS WerdSit seinen Busen hellt,. wie sich d<snn ihm^' dem fteklärten unseres Wesens und "ut serer Vergangenheit tiefinnerster.^ern erschlieüt — des alles [fingt m s sein Lied. So ^vird er zum 2 eger: - , Und roö;f ich von nur.kio'( rast wrttdm. - Ti( rast, die mir ke» Nückrn veinizt: : Und sonnt' ich (ine and're §t:aß( N(h'n. Vö nimmrr mich lh(r Haut( steinigt, Und wä7' ich'Jndd^Idib und Haß entrückt Und zog' im Schwärm d(r Änd(rn um vi( Erdm: .tch würdc bnnderts^ch^brglückt. Million(n^rch unglückli^Äerd(N.... Nun sind gleich alle musend lenzesseligen Kobeide enlsesselt, die seinem/nnverwüstlichen Frohsinn ui tertan sind und b^nge/schweigen mußten. Allen L. rchentriller und!Finnmschlag überjubelt sein ' klärchen von einem lxrühlmg". das jedem unbändige sx ende bereiten wird - Himmel, gehts da lieb zu! Ale Engel sind du»; Jahrtausende Lenz für Lenz ־־־־ ־^־ ~ ־י" י ־" das Schönste und Bunteste und ersänmten- Frühlingstagen zumutzte N ü l s z»m glühenden, tatkräftigen Zionisten werden. Auch als׳Publizist finden wir R üls tätig und seit dem Jahre 1872 war er Ches-Rcdakteur?»,<״ politischen Tageszeitung, die er auf große Höhe brachte Dabei behielt er noch Zeit! für seine ausgedehnte philosophischen Studien. Im Jahre. 1884 gieng d vielbeschäftigte Gelehrte an die Silber ׳ um das ausgereiste Hauptwerk vollenden. 1888 er'chicnen die beider ersten Bände ,Wissenschaft der We!-' gedanken"und ,Wissenschaft der G, dankcnwclt". Im Jahre 1898 folgdann der drille Band ,Wissensch.v der Krasteinhcit" und . im Novemb ,1897 der vierte Band ,Wisseniäiader Geisteseinheit". Auch ans joziate! Gebiete machte Rüls den Versncl dnr'ch die Schrift ,Das Erbrecht a: Erbübel" ein großes Problem z Ibsen und faitb damit viel Slnklan׳. Seit dem Frühjahr 1898 leb: der verdienftvvllc Gelehrte im schöner Bonn am grünen Rheinstrand, sich ganz seinen Liebljngsstudken widmen: 'Nun hat der Greis mit der glühen den Jünglinjgsseele für immer sei: . -lugen gejchlössen. Eh e seinem An gedenken! ' ׳^ - - __ - Dir ״CeskatidoYski Listy“ ntö roteMräbcr des 310•!nismus. Einmal hörte ich echen redlicti deutenden After seinen Autiscinitismiis folgenderinaßlen begründen: ,J.lhasse. den. Juden, der sich mit alle, Anstrengung in den germanische,- oder slaviswen Stamm einjchleppen ivill. Entweder muß seine südliche Abslammnna etwas Verabscheuungwürdiges seih, da er sich so , viel Mühe gibt, dieselbe so bald und »׳ gründlich als möglich zu verwische», oder sein'Ctarakter ist unbedingt ein ei bärmlicher, wenn er sich materieller Vortftlc hall ׳er von seinem Volke los zureißen wüjnlcht, und überdies noch jene,!die in Treue beim alten Sjani»! verblieben si id, mit blindem Hatz ve> folgt. Lb nu 1 das erste oder bas zweit-, eintrisit, .in keinem der beiden Fälle ist eine Verschmelzung mit detarli.- veranlagten Individuen wünschenswert." An» t/ieie Worte müßte ich unwillkürlich zurückdenken, als ict, in dem Parteiblatt der ezechischen Juden einen Leit artikel enter dem Titel ,Der.Zionismus in Aui lösung" gelesen hatte.' Es hat diesmal etwas länger gedauert bevor sich auch die ,b!>-8ko-.ielov!-i,. .List.v" in die Reihe jener sogenannten Judenblätter sammenzuklauben. Natürlich.aus gestrengen Besebl des Herr», -der »seinen Freunden von früher her" läng» nicht' mehr zürnt. Richtig nur das Feinste und Beste dürsen sic ttiitbeingen: Ui; litte ö»'3Ud(n nite ZliuKrn pni Tuscheln i.n Äate! Uite 1כ ס (tu Raichd» und Ziepen schallt Än -18 ׳:r schönsten A-uhlinzetagen To7t rnttzr ihr sagen... j f der Suche, uns ißeste von allen t Toch i n aller — allersuntetndft-n Lonnenfchein. Ten nge ich ihnen selber ein. Uni »veil schon alle ^Koffer und Kasten" -im »Veiten .zummelsraum dicht kzesüllt sind, daß auch kein Witkelchen mehr leer steht, die Kostbarkeiten zu berge! 1, — so verrät eil» blonder Himmelsschalk unserem Dichter — muß bajld der Judenmai kommen. ':faß auf! Said wird tk ander« auf Ecd.-n! - La« ihr solange mit Lrunen entbehrt. :La« euch die strafende ׳Hand verwehrt- .!^er Lenz, det Lenz wird euch werden. >a« aber wird ein Frühling sein, , <i»ar süß und mild und Himmel»rei1t, goldiger Wonnen und voller Glast Und still wie heimliche Sabbathrast. Zl >cifti wird uns gewiß noch viel zu singen- und sagk n haben. Er steht erst im Borsrühting und läßt glu enreiche Sommertage erhoffen. Aber was i»nmer er uns noch Reicheres und Größeres schenken wird — dieses Buch ״Vom Heim»v«g" -bleibt uns ein heiliges Dokument, weis eS das teuere Symbol unseres Werdens ist! Otto Abeles.