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Jüdische Volksstimme · 1902-09-01 · 15 (1.9.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
III (1902-1903)
Issue
15 (1.9.1902)
Date
1902-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. l.i ^fibiidie Volksttimine;eite 3 Eleudgüellen. da ftrbmtjfn ganz, neue Empfindungen in den Suchenden Zibn« aus: Scham über die vielen Jahre vergeudetet Kraft, Empörung über die 'lange erduldete Tyransiis der Jnholänz und — Hoffnung. starke, tausriiche Hoffnung aus die wunderwirkende ,»rast de« nationalen Willen«. Nu« den ' Nebeln in sich gekehrten Traumleben« erstrahlte,! qteich dem Nibelungenhort in den Lesen de« Rhein«: I der Znkunstsgedainke, der 1׳ e b en « p l ,״ ו : des tot ge ja (!teil Bolle«. Ta wandelte sich alle«, was bisher sl»1n!mer, dumpier! Truck gewesen, ■ in besiegbare Hindernisse aus dem Lfegc zmi, .fiele'! Mit den, Mute kam Sann die Überlegenheit und! mit der Überlegenheit niieder die endl che Erkenntnis: Fort mit. der Wo hl t q t igke it v.on heute nui' morgen, mit der kostspieligeis Len,imen-! •talität, die unsere Zukunft in der! Gegenwart ertranken will. Alle«, wall die noch widerstandsfähigen?-״de» den haltlosen geben, mufi jnaterielle oder vbysische Werte in die Zukunft sortpflanzen können. Tie nationale straft. qie in un« beten liegt sizr nalwnale.Arbeit, dars nicht von jeder Katastrophe zertrümmert werden...! Zo weil^die Grundsätze unserer! Eiierer da! schleppt sich nun plötzlich wieder eine Katastrophe! in das Land: Rumänien arbeitet an seiner Nationals luliur und. stößt das -jüdische Elend in die Welt! hinaus. Jetzt sollen sich unsere Grundsätze bewähren:ן wir dürsen nicht die Hand dazu bieten, daß viele, lausende Juden noch weiter vom Lande-unserer Z,i I knnil abgedrängt werden, bi« ' hinüber über den j allafiiischen und vielleicht auch nach den stillen Ozean. Tie rrhosste Ratio na lkuliur wird in: ,riage, gestellt durch Zerreißen der wenigen jüdischen! . Zmammenhänge, die fish bisher sre,willig oder not- | gedrungen gebildet haben. Mag Einer, der bisher! ju den Wezsen in Juda, gezählt har, mag ein M a-1 ibiit« Arber immerhin die Z.rilreuung der Juden über den ganzen bewohnbaren Erdbell fordern, eine' Zerstreuung, die für unsere werdende Nationalkultur den Todesstoß bedeuten müßte, avir halten an der nationalen Hossnung seit und lehnen die Zerstreuung ab Seltsamerweise finden wir hier Mathias Acher ä» unserer Leitender zwar, wie erwähnt, I die Zersplitteruna - der jüdischen Zusammei hänge fordert, aber äuSj (welch ein Ehimborasso.in uitiver Logik!) die Renaissance der jühischen Bolksknltür aus nationalem Boden! - Unsere Grundsätzo müßten' uns also dahin iiihren, jede Mithilfe,!an < den rumänischen Auswanderiingsbeslredungün! abzulehnen, solange dies Zeit der nationalen .Konzentration nicht gekommen ist. Wir sollten die Verantwortung für diese neuerliche Katastrophe einzig und ^allein jenen!überlassen, die noch heute Träger jenes unheilvollen I»w--«r-K>i,-o. . Theorie find, deren Wirkungen wir in den meisten I indischen Katastrophen ׳ erkennen müssen! In Osterreich gilt di« Ä l l i a u z als Repräsentantin de« iiir die 1'ozs.ale Hilssardrit innerhalb!unseres BolkStum» verantwortlichen Judentum«. Die Allianz hat daher allein die volls^Berantwortung für die Resnltate der bisherigen sotzial-humanitchen Zwecklosigleiten zu tragen und die! zionistische Opposition trifft keinerlei Verpflichtung zur Mitarbeit! an den verspäleten Hilfsaktionen. All die« ist unzweifelhaft, und prinzipiell solgerichng — denmfch gibt.e« in solchen Fällen für Zionisten kein statres Festhalten an Grundsätzen: wir haben" von unseren Kongressen> den Auftrag erhalten,! wo immer ie« .Arbeit gibt , ■ lnr geistige, körperliche! und wirtschlstliche^Hebung > des jüdischen Volkes, init Hand anzulegen und da! müssen denn gewisse <Minzipienopser mit in den! »ans genommen werde»!. E« i st »a l-k o mit unserem zionistifcheu P r dg r a in mu n°! vereinbar, diernmänischi» Brüder! ohne Hilf« jü lassen, wie!schmerzlich es! auch sein mag. durch,weitere Zersplitterung die! .ohnehin schwache Kohäsion jüdischer tiulturele-: ׳mente noch mehr zu erschüttern.' Lall nun die! Hilfeleistung, zy.der wiz uns verpflichtet fühlen, v o n u n S s e l b st ä n d i 9,: ""rtich i sche Hilfsorganisation und — wie uns bekannt — zvurden aueb cchriite nach dieser Richtung hin getan. Tie Allianz aber, eingedenk ihrer in ein Tefizit v 0 n Iv «0.000 komprimierten Erfolge, erklärte: zu einem Anschlüsse an die zionistischen Vereine keine Veranlassung zu haben, nachdem hiese nach keine Givean^i« für ihre.Leistung« tähigkxit gegeben Härten. Tiefe Erklärung »r riqentllich nur eine recht schlau gestellte Falle, um die Zionisten zu veranlafien, dennoch selbständige Hilssaliionen einzuleiten, wodurch dann' die Allianz die Verantwortung für alle weiteren'Ereignisse von sich abwälzen könnte — wahrhaftig ein kluger Einsall und gewiß .erfolgreich wenn wir eben in diesen Hinterhalt fallen würden. Tarin soll sich die Allianz aber getäuscht haben, wir werden in dieser Sache nicht selbständig Vorgehen und wenn es uns schon versagt sein soll, mit der Allianz eine große-Hilf«- organisation zu bilden, so Iverden wfr ifiiiere Unterstützungen - auich ohne, mit der Allianz »ach außen hijt liiert z» jein Aa»- diese teilen: Tie Verantwortung für die Turchwanderung ' aber bleibt nach wie vor bei der Allianz und — int gleichen Verhältnisse z» ihrer Hilsssähigkeit — ,0 e r b e ת b i e jj i 0 n i ft e n Veranlajs-ijOg nehmen, bei alle» nicht absolut okü n ungs mäß ig eti Borkomm- Nissen Re'chenschgst z» fordern Tie zionistische Kontrolle in der Allianz wird d e n - r n m ä n i sch e n A u sw a n üer erU wertvoller iesin. als eine selbständige Aktion, die schon deshalb nicht sehr erfolgreich sein könnte, west wir nicht unsere ganze Kraft von hen zionistischen Hnuptausgaben .ablenken lassen können. Es müiien also von den Zionisten allgemeine!üdische VolksversainmlungSu angerzgi oder einberusen werden( in denen entweder Zionisten oder evenluehe andere gutgesinnte Inden über dil Rumänen frage referieren. Aitz Schlüsse dieser Vermmmlungen sind dann jüdische HilsreomiteeS zu bilden, die aus alle mögliche Weise Sammlungen zu veranstalten haben z das Resultat derselben wird an die Allianz abgeführt, und zwar: entweder direkt, oder — fall« der zionistische Einfluß in den Hilfskomitees stark genug ist dürch das österreichische Landeskomitee. Vdn dem Augenblicke aber, da sich die Zionisten eine« Ortes derartigen Sammlungen für den Hilf«- sonds der Allianz angeschlojsen haben, hah jede private Unterstützung an einzelne Emigrantengruppen aufzuhören und dies ohne sentimentalen Überschwang, ja jpgar mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit. Gegenüber Ereignissen,, wie die rumänische Emigration, gibt es nüf eine Alternative: entweder Zentralisation aller vorhandenen Kräfte ohne Rücksicht auf einzelne und mehrere, oder Auslösriug des Zusammenhanges und falliveise Unterstutzung einzelner. Tie zionistische .Kritik, die ihre Schlüsse au« der Analyse bisheriger Systeme und Methoden zieht, weist un« aus den Weg der unbedingten Konzentration, aber diese Kritik fordert auch von uns energische Wahrung wahrhaft jüdischer Jnterejstn. wo immer diese bedroht sind. W i r werden also nicht verabsäumen dürfen, jeder Ablieferung an den rumänhschey Hilfsfonds der Allianz eine Forderung an diesen folge» zu lassen. Zionistischen Geist werden wir in diese verstaubte Mumiengruppe tragen müssen und mit den zionistischen Hilfskreuzern werden wir Trachenzähne säen, aus denen einst — tut Herzen der Allianz — zionistische Männer wachsen sollen! Diese werden der Allianz Verständnis dafür erösinen, wie öffentliche« jüdische« Geld zu investieren ist, um Werte für die nationale Zukunst zu schassen! Solange wird keine Ruhe in Israel sein,-bi« nicht da« ganze Volk die Wahrheit erkannt Hai, die Emerson so schön auszudrücken weiß: ,!...Und der lsteist, der in die Zukunft schaut. Ist derselbe Geist, der sie schärfend baut." °bneAnlehnung an bestehende Kor-!. (£{ןן Hfjjfr HküNkr. P 0 r a't i 0 n e n, durchgesührt werden'?! ' . « .־ Aus diese Frage kann ntzr mit einem Vorbehalt logen 'nein geantwortet werden. Jede selbst ständige Aktion der Zionisten . würde die Vers antwortiing für die rumänische Emigration und ן beten planlose Behandlung auf bisse überwälzen i und. gegen eine solche! Gefahr müssen wir »n« »»bedingt zu schützen suche«; e« erübrigt demnach! unr, ,uns an die bisherige Zentralstelle für die: Leitung der rumänischen Durchwanderung anzu-! lehnen, d. h. uns trotz a!l l e r k r i t s s ch e n Vor-! dehalte in dieser Angelegenheit der Allianz unter«.] ,»ordnen. Ta« Natürlichste - und Einleuchtendste. wäre es natürlich, unter Führung der Allianz eine1 Taß im zionistischen Parteileben, in der Organisation und Art der - Propaganda, mannigfache 'Übelstände zutage treten, wird kein vernünftiger -Zi.nist ableugnen und einer Kritik derselben, von welcher Seite sie auch kommen und welche Absicht ihr auch zugrunde liegen mag, nicht au« dem Wege gehen. Bei der zahlreichen Gegnerschaft, die der Zionismus heute besitzt, wäre nun zu erwarten, daß für eine derartige Kritik hinlänglich gesorgt sei, was aber bedauerlicherweise nicht der Fall ist. Unsere alten Gegner, die-Assimilationsjuden, tun nichts, um derartige Diskussionen, die der Ausgestaltung unserer Organisation nur förderlich wären, auf die Tagesordnung zu bringen, und es >11 dar begreiflich! - Sie bekämpfen eben unser Prinzip als solche«, und eine Kritik des Lebens und Treibens innerhalb L.r zionistischen Partei kan« für sie erst in zweiter Lime' und nur aus taktischen Gründen in Betracht kommen, abgesehen davon, daß die Oberflächlichkeit ihrer Kampsesweise ihnen jeder Eingehen aus die Eni- Wicklung der zionistischen Propaganda, das ja Porbedingung׳ für die Übung solcher Kritik bildet, >״>-, möglich macht. Tie zionistische' Partei hat aberheute noch mit einer anderen Kaie-zorie' von Geg'nrn zu rechnen. Nämlich mit solchen, die aus-ihrem, eigenen Lager hervorgegaugen sind, und die teils durch in Rede stehende Übelstände'selbst, teils durch persönliche Motive und daraus resultierende Vonkommnisse veranlaßi wurden, in Lpposifio» zu lreren Taß auch diese es versäumen eine Kritik zu oben, dies., eigentlich der ehrlichste'uns uriuvung. lichste Ausdruck ihr-r Unzusriedenh.il wäre, Hai ieinen Grund in der lieben Eirslkeit. TaS bestehende nnd von ihnen innerlich noch': vielfach anerkannte zionistische Parteiprogramm »dürch sachliche Krlzik z» sörhern, das erscheini ihnen zu kleinlich. Sie denken sich: ,Wenn schon, denn schon!", sind »r plötzlich am End: chres Zionismus üngetait.fi. und gefallen sich meist in der Ausstellung neuer Proqramme, deren Hauptpunkt natürlich die Verurteilung der parieizionistisichen Bestrebungen bildei. Wie dieie ,Neubildungen", bei denen nicht eine Idee, iondbrn politische Großmannsjuchl BateesteUe ausfüllt, aussehen, ist wahrlich erstaunlich, und mis welch!täglichem Standvimki deranig Mit Gewalt und über Rächt erzwungene ,prinzipielle" Gegnerichail Lenie zu verletzen vermag; die wir ehedem als schätzenswert.kannten, da« zu erkennen, ist oft betrüblich. Ein 'chviicher Fall je, hier b.i'prochen. Es. handetr um sich Matbias Acher!Tr N. Birnbaum>, den Verfasser der ,Jüdischen Moderne", also um ׳ einen Mann, der heute allen Zionisten als einer der hervorragendsten geistigen Begründer des Zio me>n>1s gilt. Verichiesenen Beweggründen zufolge trat er vor längerer Zeit aus der zionistische« Partei aus, und die Begtelierscheiuuugen'dieses Schrilles, die den meisten österreichischen Zionisten noch' -erinnerlich sein werden, sind Beweis dafür,-' Laß' diese Beweggründe nur oben bezeichneten Egarakier trugen und von einer Priuzüsi^nirage nicht die R-de sein konnte. Birnbaum zog sich zurück, schwieg jahrelang.' um sich in den letzten Monaie» in .mehreren Artikeln in der Zeitschrift .Oft und West" urplötzlich als Autiziouist zu prästuticreu, und zwar als Amiz׳onist mindester Ouakität, als Antuiom'i, der nicht mit Argumenten arbeitet, sondern sich in versteckten hämischen Andeutungen und leeren Schimpfereien gefällt. Tenn, wenn ei« Mathias Acher, der allen anderen, die die Entwicklung der modernen jüdischen Bewegung verfolgen, als einer der Hauplrepräsentantcn des Zionismus gelten npifz, unvermittelt von ,zionistischen Wässerchen" spricht, un« Zionisten ziemlich unverblümt ul« .pathologische Gigerl" bezeichne! u. dzl. ni.. ohne vorher, oder bei dieser Gelegenheit Aufklärung gegeben zu Huben, wo« seinen Gesinnungswechsel veranlaßt, hat. so muß das als öde« Gejchimpf bezeichnet werde n. ־ ׳ Wo« den Inhalt des Artikels selbst anbe angl, ־ io ist nicht viel darüber zu reden, er zeig! uns, nur — insbesondere der des fetzten Artikels, in wekchem über den llntisemitiSmus gesprochen wird IN welchem geistigen Fahrwaffer ein Mann, der,uns vor nicht langer Zeit nur mährhait Gediegenes geboten ha», momentan ireibl. Er fordert nach he-, rühmten Mustern - gar pathetisch die Inden aus, den AnliiemitirmuS zu bekämpfen und . ־ im Gegeniatz zu den Zionisten s- Abwehr zu beireiben. pergißt aber an die Aufzählung der Mittel, derer man ' stch hiebei bedienen könnte, io vollkommen, daß man die Anmerkung ,Näheres in der Redaktion zu erfragen", schmerzlich vermißt. Glaubt er etwa, in klassischen Aussprüchen, wie: .Ich kann daher nicht zugeden, daß man den AmiiemitiSmus ruhig gewähren läßt", oder ,die Annsemiten sind mir widerwärlig" :e., die Art - und Weise gedeutet z» haben, wie man den ÄiitisewiliSmu« gründlich beseitigt? Phraiengedreich, dds sich sonst nur gut gezahlte und antizionistijche Berussjchreibcr leisten, Weisheit-, die man in ülkeren Jahrgängen pauschalierter Kustusvorstauds-Onzaue findet. Tenn wo fleckt der Unterschied, itifnn der liberale Schmock kategorisch erklärt: ,Ach, was! Der AntiieUkiiiSmuS wird schon vorübergeh'n!" oder Mathias Acher de«׳Langen und Breiten und unter Zuhilfenahme des ,Standes der Wissenschaft und wissenschaftlichen 'Entwicklung" dPt . ,Verrinnen" de« Antisemitismus prophezeit und bie Beweisführung in fühlet ,wiffenjchasllicher" Überlegenheit übergehf? . -

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