Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1902-08-15 · 14 (15.8.1902) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
III (1902-1903)
Issue
14 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2621806-6375619-6375760--0420-4859932
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mm 'Bezugspreise. ג - Tir Öj^rretch-Uwgain tolbiiiirfifl K - 1|011\i1i!1ri!l /v! infi. '1:mV,11icu0m1n. für das Ausland ^olb!.:!trin . K 2-:,0 nainiiiiirifl . /i -'1 ׳ (finirl ־:'ijnmiifF lli h. jxi. Jahrgang. jüdische Brünn. \7k Buejuft 1902. .Trauer tntlf 5ek im Monate Ab.!-ch-veiic de«^-״ I.z!,r1au׳enbs tro& dem Z״!-! rr. :D01f Kurr«״,. : a.tcr bet .puniamtat ״nd des.Fortschrittes noch nicht! ... ,, a״. o k i?‘1 ««nbepunfte ange'.angt' iit.?rr 3ube fann i ij« ut bet 9. «b, bet Tag per E,na,cherung tchwärmen tut Teuiichlanb. tut Frankreich, iiir Eng- - ' tjeiltgcn Tempels m Jerusalem, bet völligen taub, iogat int Rußland und Rumänien, für welche« Zerstörung^ der *®tobt“ unb der!Vernichtung be* I »atcrlanb mimet, et kann ׳'ich bi« auf bas Tau,- lulmdjcn Staates. In allen Synagogen wetben am! Wasser den Ariern gleich gemacht unb von allen Ääenb, am Eingang de« Gedenktiige«. bie tiefer-; sogenannten jubi-chen Brauchen und Mißbräuchen greiietlben Klagelieder IetemiaS niit. beit bet Natur! losgeiagt baden, es lulu ihm nichts, et wirb oft al-gelauschten Tonatten bes Jammers nnb bet Bot genug, ineltr als chm lieb iem wird. a n bie j üvergelragen, und de« MotgenS cherben mit von bische Schick-alstragobie et innen, ,'0 ■ F.iba Halevi's Herjeurliebe voll Siebe unb Zebu-- baß et batin vielleicht eine komisch aber doch jucht nach Zion mitfortgerissen; mit miliie״. ob mit ■ traurige Figur spielt unb mittrauern muß. j wollen ober nicht./Nit Zion schwämmen. nach bem Tie Trauet um den Tempel kan» beute keine! b»l>gen Lande UNS sehnen, wenn!wir Juda. Haie geringere ,ein als in jenet Zeit, da per tobe rö-j t׳, s Lied singen./Doch gemach! Es tu» .es nicht ■ Mische Legionär bas. brennende Holzscheit in den! alle, nur eine klline ®Aar frommer Gläubigen, bie! Tempel wats u,b bie flammen hochausjchlugen, I in, Gefühl bet pnvollkommenenGegeiiwart eige Selbst Titus soll, wie bet heuchlerische Josefas bessere Zukunft ahßrv und herbeisthnen: die große Flvvius uns glauben machen will, übet die Zer-', Masse ist! wie gewShnjlich kalt, von den Mühen derilötung dieses Kunstwerkes Schmerz und Trauet! Tages und der Jagd-nach feinen Genüssen gefangen i empfunden haben. Wenn nicht Jofefus eine große! genommen. Sei dem, wie immer, da« o s s i z i e U e! Höflings.lüge niederaeschrieben und vetewig't hal. סו j Judentum, bie Repräsentanz -+- die Vorsteher i geht ihm jeder geschichtliche Blick ab. Wann hätte! unb Vorstände sind darunter nicht verstanden — - es je einem Römer, einem Heiden, ja, sagen. wir | btt Iudenheit trauert, trauert ehrüch. trauert aus j sogar bet christlichen Welt im Allgemeinen, leib geganzer Seele und hat auch die gerechteste liriache, tan, die Hochburg der Judentums ins Hetz getroffen, ' ~' ihr, wenn auch mir scheinbar, den To^sstoß versetzt zu haben? Ta waren unsere Weifen schon schärfer sehende Menschenkenner. Sie erklären geradezu: gedankenloser Selbstverachtung uns werben glauben »Sinai, die Religion, der Tempel Israels mußte. Redaktion y Jidministration Brünn 11 .זח. / Tst״Iüb. Volksstiiiiiiir" - rnfbeini am I, unb Ist. ■ eines jrbtn Mouairs. ־ Inserate werben billigst beredmel.‘ 14 bie 9. Ab-Trauer trauernd zu begehen. Tie Trauer am st. Ab.ist keine unpatriotische, wie^jo viele btfp.rpatriolische Chauvinisten der Patriotismus in gedankenloser Selbstverachtung uns werden glauben —, ... _... —״״ machen wollen! -Sie ist auch keine erheuchelte, an der Ibas Volk als Träger der monotheistischen Idee in 'einen unsersöhnlich-n Gegensatz zu allen! Völkern der alten Well - bringen." Er war ein ,Entweder-Llfer"! Hätten die Menschen das Wesen dieses Tempels begriffen, heißt es an anderer Stelle, I so hätten sic ihn, anstatt zu zerstören, mit Vollwerken umgeben, ja mit den eigenen Leibern gedeckt und erhalten. Jedoch von AntiochuS bis TituS, Hadrian und den Häuptern de» Christentum» haben alle nur den Gegensatz, nur bas die Einheit Außenseite haftende, demversteinerten Gebrauche 'bienende, sie ist vielmehr eine echte, die Volksseele lies durchdringcude, den klaren Tenkern bewußte, von der großen Menge geahnte Schmerzen», kundgcbung über die in der׳ Geschichte ohne Gleichen daltehc»dc Dragik eine» der etilen Kulturvölker der Welt, die mit der Zerstörung des heiligen Tempels feinen Anfang nimmt, weit über zwei Jahrtnusenbc sich erstreckt und an der Jeuitl'eton. Und srr weiritd., > Runzeln bie sich zwischen den Augenbrauen cingegraben haben-, sie alle ivrechen von jugendlichen Gefühlen, von mächtigem Streben, welches junge - Gemüter erfüllt. Zuweilen nur lagert sich ein leichter öon kiorowitz'-!schalten auf die kaum gefurchte Stirne, und das Aus dem Hebräischen übersetzt von Paul Statt. D‘־>»־ Fuge trübt sich ein wenig ' '■ ־ .. ES ist ein klarer Heller sommermorgen, nur teige, der sich durch die am äußersten Horizonte sind hie und da kleine Wölk- Auf:einem engen!felbet hindurchwindet und von dem Dorfe P in die Stadt sühich schreiten zwei Männer einher, die Hände ineinander gcfchlungen. . Ter eine, ein breitschultriger Greis, trägt einen von einem Riemen zusammengehaltencn langen Rock, be'fen Enden ebenfalls - am Riemen bcscstwt sind, damit sie das Gehen nicht hindern.' Der Kragen des Rockes wird von einem färbigcn Tuche in die Höhe gehalten. Ter wie von einem düstören Schleier umstörte trübe Blick drückt sein Gepräge aus die GesichtSzüge des Alten ein. Zuweilen nur blitzt es in diesem malten Auge auf und läßt!erkennen, daß er sich in der Tiefe diese« schein bäh alten Gemütes noch gefühlvoll *regt, und daß dies« Seele noch vön einem Streben durchflutet wird... Die-langen gekräuselten PeiS vermengen sich mit dem silberweißen beruntcrwallenden schönen Barte. ״ Den Greis begleitet sein Enkel — ein siebzehnjähriger Jüngling. Seilse reinen und schönen Kleider zieren goldene Knöpfe, blaue Ausschläge sind am Kragen bemerkbar, und die Mütze schmückt ein golbener Adler mit weil ausgedehnten Fittichen. Die schlanke Gestalt, die schwarzen Augen, die eigenartig aus den buschigen Wimpern hervorlcuch len, bie rosig von weiß umspielten Wangen, einige >> Haeschkol III. chcn bemerkbar. Ein leichter Wind säuselt vom Süden in den Blättern. Tie Ähren bewegen sich langsam unter ihrer Last, berühren einanbej^uweilen, als wollten sie sich gegenseitig dar.Geheimnis der Natur zuflüstern. Hie und da tauchen zwischen den Ähren einige Waldblumen aus, die mit ihrer bunten Farbenpracht und mit den nach Weitem ausströmenden balsamischen ,Düsten die Insekten an sich heranlocken. Dar Gezwitscher der Vögel, da« Surren der Mücken, bas Summen der Bienen vereint sich zu einer großartigen, wunderbaren Harmonie, die bie Saiten einer empfindsamen Seele angenehm, erzittern macht. Hier auf einem kleinen sonnigen Hügel umschwirrt bie summende Biene eine Blume, nippt von deren duftenden Kelch, und 'saugt sich an dessen Süßigkeit satt, und über siel^ fliegt im Kreise eine lang gestreckte zischende Heuschrecke, die mit neidischem Blicke die Glückliche bewundert. Uiid die Sonne, sie blickt mit lachendem. Gesichte auS ihrem klaren Himmelsrahmen aus die von ihr beschienene Erde, und tust wach mit ihren störende Element, nicht da» die Menschheit Einigende im Iubeniuin gesehen, nnb. begniteu. Wie ein ergänzender Kommentar, wie einerichligstellcnde Erklärung zu der im Schoße der 9. Ab-Trauer ruhenden Idee erscheint bas uralte jübiiche erste Frciheits- und Gleichheit»- fest, am 15. Ab. Es ist bas älleste-Bolk-sest, da» schob zur Richterzeit gefeiert wurbpf afl dem alle Menschen zum Zeichen der GleicWeit und Brüderlichkeit in. weißen Kleibern erschienen, die alle gtliehen waren. Selbst die Königstochter borgte von der Hohenpriesterslochler bas iveiße Kleid, lim jeden . Vorrang des Standes und ches Vermögens zu be» festigen unb eine gleiche menschliche lÄesellichasi 'zu schaffen. Dieses Fest, welches einst im jübi'chen Staate und Volke die glänz.:!dsten Feiertage über-' strahlte, ist nur noch ein Shnagotzen-Gcb^nkiag, den, meisten nicht einmal bem Namen nach bekannt, und die ihm zugrunde liegende Idee ist dem Gedächtnis gänzlich entschwunden, wie ja auch der Gleichheit»- und Brüberlichkeitrgedanke von bem modernen Zeit- - geilte immer mehr in. den Hintergrund gedrängt, als schöne menschliche. Verirrung mst mitleidigen Achselzucken belächelt Pird und immer mehr aus dem Herzen und der Erinnerung schwindet»- Und dennoch enthält.dieses uralte -Fest den Schlüssel zu hem b!s heute noch ungelösten Rätsel der Einheit der menschlichen Gesellschaft. Tic Ginheit und Brüderlichkeit der Menschen, und Völker, so' deutet cS jenes Fest uns an, ist bis heute nicht gelungen, ihr Tempel wurde grausam zentört und wirb noch oft in den Grund gebohrt werben, ־ weil den Menschen und Völkern daS richtigc VerstänbniS abgehl, wie diese Einheit zu schaffen sei. Dieser Mißverstand ift die' Bsttcrquclle de; zweitausendjährigen MäNhrcrtumS de» jüdischen Volker. Ter Tempel in Jerusalem hatte das Motto, die Bestimmung (Jesaia 56. .7 >: »Mein Hau» soll ein Han« des Gebetes tür alle Völker genannt werben." Von da sollte an der mehr utib ungeduldig gebärdet!er. sich — er möchte so gerne seine- Hand von der de«. Greises befreien, um der Sonne nachzulausen, dort zwischen den Ähren im Grünen lagern. . .! TaS Buch der »Ainos", da» er in der,Hand hat, stört plötzlich seinen Gedankcngang und' die Hand öffnet sich ein wenig,- -als möchte sie diese Last fallen lassen ... wohin denn? ... Zu Weinen'? Und sein Blick trifft das gsrunzellc ׳Gesicht des- Greise» und dessen fester starre» Äuge, als möchte , er in die Geheimnisse diese»! Blinden Eindringen.I Und das Auge de» Greises durchzuckt plötzlich ein kalter Strahl, die Runzeln an der hohen unb breiten Stirne ziehen sich zusammen - er empnnbet den Blick seiner Enkels... - Der arme Greis, er sieht nicht diese« Meer von Licht, das um ihn flirrt und leuchtet, dieses glitzernde Wellenspicl, diese herrlich bunte Farbenpracht '. nutzem kleiner Lichtsire,sen blendet ihn und stört sein ruhiges Denken.,. All die Hellen KlÄnge harmonischer Stimmen der freien Gotternatur si« dringen in das jchwcrhörcnde Lhr wie ein dumpfes Donnern und Dröhnen, da« die Seelenruhe aufstört,. . - "'Benjamin," ruft der Greis mit seiner schwachen Stimme, »laß uns, mein Kind, eilen." Der Jüngling schrickt aus und leise antwortet er: »Ja. noch einige Minuten ־unb wir haben die Brücke überschritten." 1 Ach, wie gerne wünschte er. daßDicsc Minuten" eine Ewigkeit dauerten, und wie schwer ist ihm da» - Strahlen alle Wesen zu neuem.Leben, zum Singen, -scheiden vom grünen Rasen, bie fveic Natur zu Surren und Zwitschern - ein herrlicher Anblick!...'verlassen und da« düstere und trübe Bethaus^au,- Wie bebt und senkt sich das empfindsame Herz j zuiuchen... Noch einmal hält er an die,er Stelle de» Jünalmas der sich ganz dem großartigem Natur-! an und läßt seine Blicke in dem großartigen wundersjbaiisniele binmbt. Sem Helle» Auge leuchtet noch!baren Bilde weiden... »chm ,che,nt der sonnenfS«»ai»1T1T1T1ggff<mossen! Gedenket des Prössfondes!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.