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Jüdische Volksstimme · 1902-05-15 · 8 (15.5.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
III (1902-1903)
Issue
8 (15.5.1902)
Date
1902-05-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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III. Jahrgang. ' vc»>׳govrcne: »7 c :•*;wb Ungarn d-ld,!: K 2 20, ganr:- K - -u»laut haltna: . K 2 50, gam!a2 .— י■ s - K: '׳׳8,111 aimmer 1•» h. - t i 51 * 1 8־nmn. 1 r>. Mai 1902. Süötlcße Ccnttaloraan der jüdischen 2lrK'itev und L^andelsanasstellten. ^^"^®denket"^es^ädischenTNationalfondes!" Jm Hlr. 8 Kedacriou un» Administration ־ Äidiitmo’.!: 11, Tie je Bolk«. stimme' ericveinr am I. 2:7? \ieter*!edcir Finales, v^i’frot??iIigf! derocdnel Vffencr Brief >111 verru vs111i11f;א. u. ('iompet,, Präsidcul De״ (MLinioriiiiii? Sri mähr. iüv. Vnn&c?mnjini<mDc״ 1mV vor d'iillii^ciuciiiöc THniiiit. Sie und Ihresgleichen sind gewöhnt, dass män : ' ser Beurthcilsing Ihrer öffentlichen Wirksamkest sinnen gegenüber!nur zierliche Eomplimcnte drechiclt 1.11׳ die geschmacklosesten Lobhudeleien vom Stapel la'*:.?ic Wahrheit Horen Sic von Ihren bezahlte» un' -nichtbczahlton Schmeichlern sind Lobrcdnern ,1ii.11 Und jo wissen sic scheinbar nicht, dass an den Thoren Ser jüdischen Körperschasten, deren erstes Ehrenamt Sie seit Jahrzehnten bekleiden, eine peue ,י; »■ rüttelt und stürmisch Einlass begehrt. hass Idee Zeit dort lim ist. Sic glauben,. Ihre jüdischen ״amter in der durch jahrzehntelange Tradition und Indolenz sänctionicrten Art wcilcrsükren und I Wichten huffassen zu dürsen, wie - er Ihnen biS.ur! beliebte. Ader Sie tauschen sich. Wir wollen heute offen und ehrlich jagen, dass und w!um Sie cs nichi mehr dürfen. Nicht iveil, so» obgleich gerade Sic er sind, lassen wir jede Rücksicht sallen, aus die vielleicht Ihre Person Aniri ich har, welche uns aber die Sache nicht gestattet. Wer wollte leugnen, das»' Sic als Mitglied i angesehenen reichen, um die'heimische Industrie verdienten ,zabr 3e insere Bru ' bnig sein. 1 kantcnsamilie schon krast Ihre» k-- »vollen Naminr und millioncnrcichcn Vermögens n.i osientlichcn Leben eine Stellnng innehaben, wie dass Sie sich um die Körperi> .asten, denen Sic angchören, und um die Bevblk ״!ngsschichten, i cren Sonderintcrcsscn Sic vertreten, erworben haben? Aber das hindert Thätigkeit als jüdischer Würdenr nicht so unbedingt und kritiklos, als es heute indischen Kre jen geschieht, hiuzunehmen. Es ist!ich und theiweise wahr,-dass Sic vor Jahren Jahrzehntei in jüdffchen Verlretungrkvrpern dl mitgearbe tct und erfolgreich gewirkt haben, u dies ist angst nicht mehr der Fall. Sie 1' ni sich sei vielen Jahren um Ihre jüdischen . i.r überhaupt nicht. Sie lassen sich wohl wählen und von Bekehrung heuchelnden, blinden Anbetern ,ihres (sseldes und dcrussinästigcn Soldichreibern der Großjuden. anstrudeln. Doch kam, das der alleiniqs^^wcck Ihrer Wahl sein? Darf cs Ihnen ge- MI ge II.- Kann cs die Juden befriedigen? Halten Lie cs denn mit der Würde des LandcSmaffafondcs, mit Ser Würde, der Brünner Eultusgemeindc vereinbar, dass dieic Vertretungen einen Präsidenten pur »i<taricp au ihrer Svitze dulden, der Jahre hindurch ihren Sitzungen und Bersammlungcn' fernbleibt, ohne jede Entschuldigung -sogar? Halten Sic es mit Ihrer eigenen Würde vereinbar, dass Ihr Name .PI rein deeoratiocn Zwecken missbraucht wird, dass Sie - den unlhälige» Strohmann iviclcn und wie der Spcrcttcngencral Bum Bum nffr-äußerem Wanze und trügerischem Scheine zuliche. sich mit Titeln zieren? Wir sind der Mcinuncpldass Sic cs sich selbst schuldig sind, solche Ihnen vvn Ihren jüdischen Machtgebern zugcmuthele und'jiberiragenc Nolle» abzulehncn. '* j - Ter 'Lvidsche Satz ״ckat eensüs koaoros" ist den heutigen Juden bei der Besetzung der Ehrenämlcr maßgebend. Tie den Gcldjuüen des Westeneigene, ost komische Scheu und Ehrfurcht vor ihren Reichsten und Krähten - ebnete auch Ihnen Ihre» Weg und sicherte Ihnen Ihre Position. Auch Sic überhäuft nian trotz Ihrer zähen Unthätigkeii und conjequentcn Bernachlässigung aller der jüdischen Seffcntlichkeit gegenüber übcrnomnicncn Pflichten mit Ehrenslellen, weil Ihnen eben Ihr Census, Ihr gesellschastlicher Rang und Ihr Vermögen den Luxus einer solchen Amtsführung gestaltet. Jeden anderen hätten selbst Ihre Nachläufer und Anbeter längst davongcjagt Und haben Sie wirklich das Recht, gerade Ihre jüdischen Acnitcr io zu bagatellisieren? Wie dürsen Sie ein jüdisches Institut von der Bedeutung des Leindesmasjasondcs und eine Eutinsgemeinde von der Größe Brünns mit so verletzender Gleichgiltigkeit und io beleidigender Zurückyaliung auch nur dem Namen nach verwalten wollen? Sie sind nebstbei Präsident der Brünner Handels- und G imrbekamincr, x jacher Verwaltungsraih, mähr. Landlagsabgeorünelcr, Herrenhausmitglicd, Gros;- industrieller :e. :e.. Ja, haben Sic daran nicht genüg? Müssen Sic denn unbedingt im Landesnwssasvnd und in der Eultusgcmcindc Präsident sein, weil Sie es früher einmal geworden und schon geblieben sind? Sic degradieren ja durch Ihr Vorgehen diese Ehrenämter zu Aemtern zweiter Kate görie. Merkwürdig, dass cs gerade den jüdischen gegenüber zutrissl. Ist cs Zufall oder?lbsichi? Wie arg müssen Sie cs treiben, wenn eS gegen Sic selbst in den Ihnen nahestehendcn^ticiienjäugähren beginnt! ״ Hat man Ihnen berichtet, dais in ^^ketzrcn General- Versammlung des Landesmast'asond« ein Curator in .öffentlicher Sitzung über Ihre stete' Abwesenheit sprach und Ihnen in unzweideutiger Weise die vor aussichtlichen. Eonscguenzen androhtc? Auch_der j Brunner Vorstand sängt an, unzufrieden zu werden. 'Das will viel heisten. Man empsindet Ihre Präsi dentschast als Ballast und ist in Verlegenheit, wie man sich- Ihrer-entledigen soll. Ihre Verdienste und Ihr Alter verlangen Rücksicht und jchönungsvollc Behandlung, sagen die Herren. Gewiss, aber auch da muss cs eine Grenze geben. Während jene sich die Köpfe zerbrechen, wie sic Ihnen recht schlau und uuauffällig die Idee einer Berzichtleistung dcibringcn sollen, gehen wir den geraden Weg und sagen, Herr von Gompcrz. Sie können oder w ollen Ihrc Amtrpstichtcn als jüdischer Mandatar nicht erfüllen, also legen Sic Ihre. Ehren siel len nieder. Sic sind!nicht unentbehrlich Tas Interesse de? j LindcSmassasondcr, der jeder festen Leitung Ihre!- 'wegen bar ist, und das Interesse der Brünner Cultusgemcindc, welche von einem führerlosen Vorstände zielunb planlos geleitet wird, erheischt es. dais Sic endlich thucn. was vor Jahren hätte geschehcn sollen, und demissionieren. Wenn Sie das Wohl jener Jnstilute und die jüdischen Ingeri essen der Landesjudenschasi Höher stellen als Ihre -Titel und Aemtcr, dann werden Sie nicht länger zögern. Sie erweisen sich selbst, der Gemeinde, dem j Landesmassasond damit einen -großen Dienst und! den Delegierten des Fanües und den Vorstands ׳Mitgliedern einen',großen Gefallen. Für Mann.,. u i 1' 1' e L o n. Äfvx, -cr Zu-r.- j heilen eines kleine», und wenn sie fehlen, haben sie den rcchlcn Weg . andere Artgezeigt.." den »ur We'g aus »ereine muss wieder der gesunde Eedge inserer Gcjihichtc weiten, wollen wir sonnig Tic Kluft, die uns von dem-ge- Lande unserer heiligen Bücher trennt,, muss - ׳ullt, -jeder fuß breit jüdischen Lebens muss;,-».ickeroberl wer len. Wer so di, beglückenden Pfade wandelt, die 11. durch die Jchrhundcrlc zu unserem ureigi-nsten . .urücksühren, muss sinnend bei dem schlichten ‘'''-'-י öon l'err• I.achaiso verweilen, in welchem L..->w1g Börne ruht, fern von der deutschen 1 -anal, für die 11 wie ein Löwe gekämpft hat, und 'sch liebend in das Dasein dieses gebrechlichen - :!osohncS ver enken, der wie ein Heros durchs Ledeu gicng, der in seiner eingefallenen Brust ein *!'•.' trug, das o groß war und so stark. Äs b in. . es Riescnsäustc der Titanen in Feuer gestählt, und dessen Charaslcrreinheit so fleckenlos, dass selbst '-ine Lodfeinde dH« Knie vor ihm bcugciwmusstcn schon darum allein müssen wir, die wir nin trofiloie Schalten!um uns sehen, eine schlichte BlhMe »>r Erinnerung aus seine Gruft legen. Aber dieser. °>e Tragik seines lhums. Und sein ss scEst-an eimr nner großen Gei- Na1»t ist uns weit mehr; denn Lebens ist die Tragik des JudcN- Irren ist un? heilig. Dehn — wie Stelle jagt — ״Tic Jrrthümcr tes sind belehrender als die Wahr-! Befolgen wir seinen' Entwicklungsgang. Dar Milieu seiner Jugend ist dieEorrupuou > der Franksurler jüdischen G'eldcliaue, dr^wn dem 1 ״mach Mores, Jud'!" nicht allzuviel ver>Mrle, den \ FürsieiihPe» sehr nahe stand, ja. nicht selten das! adelige Wappen trug. Ter angeborene sittliche Ernst aber hieß Len Jüngling scharf Hinblicken, und so jchried!er später erbittert an Henriette Herz: ״-Drei Tinge 1 sind cs, die sic zu schätzen wissen, erstens Geld, zweitens Geld und drittens Geld. Es ist die Blüte ihres Witzes, t dais sie E*n Hamlet'schcn Monolog übersetzen, Geld!oder nicht Geld, das ist die Frage..." Er nimmt!sich übrigens kein Blatt vor den Mund^und fährt! wiederholt gegen die deutschen adeligen Juden loSf ״die sich mit allen Ministern und sürstlichcn Mai-!treffen duzen." I Dazu' kommen di« Fesseln einer verfehlten Er- - Ziehung. Sein Vpier, jenen glatten Chlindcrmännern von heute »ergl/ichbar, die keine blaffe Ahnung vom Judenthum? haben, aber an hohen Feiertagen die ersten Bankrcihen im Tempel schmücke» und iatra ,״״ras auf conv.ntioncllk Frömmelei und ein un- ' verstandenes CcremonicU halten, überlässt den Knaben 1 der Zuchtruthc eines sogcnaünten Ausgeklärtcn, der! chm in geistloser Weise Talmud und Bibel einpaukt. - ohne ein! Tröpjchcn Begeisterung, ohne c», Fünkchen!Liebe in die junge empfängliche Brust zu säen. So wunderte er voll Unmutl) und Adi.1 u aus dem Gh.-lio. Und wundersam! Toch zog uhn »eis eiue unsagbare Sehnsucht nach dem stillen Hause >,! der Judengasie hin. in. der es, wie er-wühmirrhig sagt, ״nsine Vergangenheit gibt und keine Znk!i1!ft. . in. der die lobten Mensche» schweigen, aber umso .lauter die Steine sprechen"... Und als er spater!mit Heine durch diese Straße gieng, blieb Sr lies ergriffen vor einem Lüstern Hauie siehe!,, aus dem dis zittrige abgemergelle Stimme eines Üiabbi klang, j Ter aber sang ׳.nen webmutlisvollen Schwanen gejang, der so gellen!» von Len Saiten der berstenden : TavidsHarfe erscholl, dais cr noch heule in uns weitcrtönl: An de» Waffcrn Babels saßen wir un§' weinten....! Diese ganze Golusnoth empfand alio Ler-juug,; Börne jo tief, wie ein Halewi oder zu Zeiten Tn!.Heine. Dafür seien nur die Worte angeführt, die ■ er in einer Jugendarbeit, ״der Roman", einem un!glucklichen. jüdischen Hauptmann, >n den Mund! legt: ״Ihr habt mir die Spiele meiner Kindheit! gestohlen, ihr schlechten Schelme! Ihr habt mir! Salz geworren in de» süßen,Becher der Jugend, Ehr habt den Spott hingcstelll auf den Weg des!Mannes — abhalicn konntet ihr -mich nicht,!aber!müde, verdrossen und ohne Freudigkeit ericichic ich da- Ziel. Empsindung nach Empsindung habt ihr mir gctödtct und einen Kirchhof geschaffen auL dieser ,lebensvollen Brust. Dais mir die Rache nicht einmal, gcdlicdc», dass ich nicht Krast habe, zu vergeben, und nicht Lhnmachl genug, sie zu züchtigen!" P,

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