Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- II (1901-1902)
- Issue
- 2 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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II. Jahrgang. Wrünn, 15. Aebruar 1901. Bi-'jugsprcne: •11; Ceftfrvcidi-Uugavn‘ balbtab'.u! . K 0- 2־. .Kl־ incl. Bcüinsellkm g; »iu da» Äu-lanb halbjährig . K Ü •*>0, .aarttiähng K •V gunflii Wunwfr 1 •i h. S i Rrbilche iLentralorgan der jüdiscl!>en 2lrbeiter und ^andelsangeftellten. mr. 2. :«kvaefion nrH -lpminittrarion - ׳ ' n. .; ־*־- Mar Zcttcrbaum'und dir jüd. Nation^ Ein sehr beliebtes und immer wieder hervorgeholtes Argument gegen jüdischnationale Politik überhaupt und damit jifglcidj gegen den Zionismus ist die Behauptung, dass die Juden keine iVation und. Sowohl die liebedienerischesten Assimilanlen als auch die .guten Juden" und nicht zulstzt die Proteslrabbiner bemühen sich ängstlich, aur den!!»bische» Volke eine jüdische Religionsgeiiieinschajt, aus der jüdischen Nation die Gesammtheit der israelitischen Glaubensgenossen Iju machen. Was Wunder, wen» wir auch in der jüngsten Zetter baum 'scheil Polemik dem Versuche begegnen, das jüdische Volk ans der Neihe der Nationen 'auszuscheiden, Allerdings scheint Herr Zetterbauin S» verkennen, dass die Entscheidung der Frage, ob die Juden eine Nation sind, von der Unleriuchuug über die Berechtigung des Zionirmns unzertrennlich ist: den» für ihn bestimmt .die Art der Lösung" des nationale» Problems nur .die Form der Liga »iiation, das Verhältnis der Einzelorganisation zui allgemeine» Landerorganisation ", während dieseLöiune gemäß dem obersten Principe des Socialirmus ir der r>lationalitä1ensrage, dem Internationalismus die Stellungnahme der Soeiälisten zum Zionismus überhaupt bc)timmcn muss, Tenn der Inter Nationalismus, in! Gegensätze znni stormopo'litisimis aus dem Gedanken der Völkerverbrüderung beruhend anerkennt das" Selbstbestimmungsrecht der Nationen und erblickt in jedem Volke, Tein gleichberechtigtes Glied der großen Familie der Menschheit". In Befolgung dieses Prineipes verlangte die inrernationale Arbeiterassoeiativn < 1*661, dass .auch der kleinste» Natwualität eine frei und selbständig! Eristenz , allezeit gesichert seilt muss" und auch Tr. Adier anerkannte aus cincfti österreichischer, Parteitage, dass nur durch , die Förderung der / nationalen Eultux die allgemein menschliche Eultnr erhöht werden kann, Tarnm ist die Beantwortung der Frage, ob die Jude» eine Nation sind, nich: nur, wie Zetterbauin glaubt, sür die Lrgaiziiaiion der jüdiichgocialistischen Proletariermassen von JeuMeton^ tkin Vuch. altes vuch ein nrncs Bon Bernard Tag. Es ist sür unsere Zeit - ganz besonders bezeichnend,, dass sie ans fast alle» Gebieten des »>tuschtieljen Lebens von einem mächtigen Zug nach dein Neuen bewegt wird: aber aus keinem vielleicht io stark, wie aus dem Gebiete der stunst, Das ist denn auch leicht zu erklären, Tenn, wenn zwar di: staust es vornehmlich mit dem Wirklichen zu thuu ha», mit deni!vas ist, - so ist sie nicht weniger heiuiijch im Reiche hesseir ivas sein kann, im schöne» Reiche der Wünsche, der^Sehnsucht, Das Wirkliche ist »ie so schön, dass man sich nicht nach Schönere», sehnen sollte. Und mehr noch als nach einer Steigerung des Schönen drängt es den Menschen, den stünstler vor Allem, nach Neuem, immer Neuem Wie er uns krast seiner Phantasie' in Welsen iiiit sorlreißl, die wir ohne ihn niemals betreten i in Gesühls- und Gedankensphären, die unier! ■Seele zwar nicht fremd, aber durch ihm erst gchtz eigentlich ossenbar werden, jo ist auch seinz Weg, den er uns niitzuwandeln bestimmt, ein besonderer, ein neuer, Tenn mehr noch als der Inhalt, niächt den ,stünstler die. Form, Ter Inhalt kann derselbe sein, den die ,stünstler vor ihm behandelt haben, die Form aber, die muh ihm allein eigen sein, die muss er selbst prägen. Die ,stunst unserer Zeit will in Beidem neu sein: im Inhalt unch in der.Forni, Wichtigkeit,, sic ist vielmehr siii^den Soeialiszen dieeinzige Grundlage, r>»f der sich die Tisrusiion über jüdische Polilik, delbshrndigkeitsbrstrebungen des jüdischen Polker »1id über den Zionismus bewegen kann, 1 Für Herrn Zet! xrt> aum rinn ist es eine ausgemachte Sache, . dass die Juden keine Nation sind. Er dedueier»,nämlich aas dgr Tliatmche, dgis sie sich hkiite her verschiessenstem Sprachen, der Sprachen ihrer Wirtsvolker bedienen, dass sie auch keine Nation sind:-durch das nielit abzaleugnende Solidaritätsgesühl, das selbst die nicht religiösen Jude» bezeigen,.dürre »in» sich nicht beirren taiien. 'da doch auch niemand bebaupte» wird, dais. das Schweizervolk eine Nation sei: jeder werde vietmebr sehr wohl Deutsche, Franzosen und Italiener unter- >cheide»7 Tie Jiide» seien nur.eine durch gemeiniame lüsiorische Schicksale und oft durch-üieselbe Religio» prteneierte Stannnesqenosseiischast.V Stammeseinheit", Herr Zette-rpäum besliinmt alio den Begrns der •Nanoi: abiolut i Indem er ein bei saii alle» -Nationen" gegebenes Begriiismcrkmat — die ■ geinevisame Sprache — l>e,1h»irr1ucht und daS^Vorkandensein desiatben bji den! Juden vernirisi. ist es sür ihn entschieden, dais von einer jüdischenNation keine-Rede sein könne, Nstn geht es aber nicht an,- W Begriss der Nation absolut-!zu fassen, vielmehr ist es »olhwcndig-joie,Relativität desselben anzuerkenne» und die, betrgchlele Mnichengrnppe 'mit andern neben ihr beslihende», , abgesonderten Menschengruppen zu vergleictstu, weil man nur dann z» einem riUjeitig •besriedigenden Resultate kommen fei»». , Tenn, was hat zur Herausbildung des Nati-! onalen und folglich der Nalioneu gerührt? 'lliibe*; streitbar haben einst mehrere, hon den jetzt bestehenden Nationen, eine größere. eiiihsitliche'Masie gebildet, 'Nach einer aus welcher Uriache'immer, dieselbe ist für unsere Untersuchung! gleichgiitig — vor »ich ' gegangenen Trennung und einer Scheiduna. ivelckie'!natürlich durch lange Zeiten - währte., Untren aus ^hen zwei abgesonderten Gruppen zwei,Nationen ent-; standen: denn die iieue Gruppe batte^rlUirlicherweiie!nicht in allen Punkten 'der Enlturentwicklnng mit! Nun — unter den Dichtern sowohl wix unter den j Matern, um nur diese zwei Wcbiete zu berühren, : könnte man wohl manchen Künstler nenntzn. per so wohl dem Ideengehalt wie der Form 'wich Neuer!und Bedeutendes geschossen hat,, Stellt man aber!diesem Bedeutenden und׳ Selteiien diestuni! des! Durchschnitts gegenüber, sb ist auch hier die Devise': >Neu! Und dieie Devise beginnt nachgerade eiste ly-! rannische Pcachl aus uns arme Biensckien zu üben, diehvir naiv und einpfangend der stunit gegenüber! stehen. Tyrannisch wird diese Macht »amenltich dadurch, dass die' stritiker. die ' sonss Gestrengen und'dem ' stünstler nicht eben WohldesiuLlÄlNnu» auch aus ihre־ Fahne die Devise ,.neu" setzen. Da-denkt daL-grme : Publicum, jetzt darf nichts iuebr. gelten: als was!ganz neu ist, um das Alte ist es geschehe», ,das 1 Neu? allein hat Werl,! •.! Da darf man denn einmal iragen: Wie verhält es sich dcmu Hgepllich mit dein :'{cueii und wie mit dem Alten? Soll ,man dieses Letzleie wirklich ganz über den Hausen werfen, soll man darüber einfach zur Tagesordnung übergehen '? Nun, ein etwas näheres Eingehen aus unser Per-, hältnis zur Welt wird uns ,sehr bald darthun. dais dies nicht gut möglich ist. Trotz der Herolde des Reuen sehen wir das Alte mjit Ehren sich behaupten.׳ sehen wir mit Bietät es wahren, Unier Blick, wenn er lange genug kauf dem Bilde der Gegenwart ver weilt hat, geht/übch diese , hinaus und rückwärts in die Vergangenheit, um. zu -forschen, wie es einnial gewesen »st. nm das Einst und Jetzt gegeneinander der Mnttrrgruvpe. gleichen Schritt geh> lteü־und,-üer Unterschied hin den L-öiüngsarten der Cu tuiprobleme" halte schließlich "dhs Nationalr gescb,sieb, .Eine!Nationalität tii hiemit eine Gruppe vuz-Menschen, die während einer langen Reihe von Geschlechtern iämmtliche Probleme der Eultur für sich 1:nd-einige voy ihnen auch anders gelöst hat. als an! ere "Gruppen, mirdenen sievcrglicheuwird oder geichichtl ichzuiammev ' tritt, es sür sich gcthan haben. '"!S cl itlowsky,!- Tie Nation muss also diese Euliurp odleme nicht - nur,für sich, sondern auch inhaltlich o! rschieden von , andern Nationen lösen Und auch aus p nchologiichetn!!Gebiete Selbständigkeit, ausweisin, Wenden . diesen Satz aus die Jaden'au. ,jo sinken wir,-dais alle, diese Ersorderniise in der Zeit vor der- Zersireuung iniolge der, sirengen Abgeschlossenheit 'der Juden stitresien, aber'auch in der gar zen Folrezeüselbst in der -bcibetlal'.en.' picht, verliere, weide, ' Dpis־ Zetterbauin nicht sehte» lind bar jüdische Volk Zerstreuung -sein-.״ ־jüdisu׳: Eigenart jq, sogar sich be;nühl Herl, dass er,sie! vorn natio1:est-,־u llntergange ezeretie.l - ־dies gelungen sei., leugnet auch Heitnicht,-dass selbst die Assimilierten sich der jüdische» glaube» sie allgemeiii : Eigenart nicht, ganz eutschlagen-koune selbst bederuern zu müssen, -Zahtreich! gebräuchliche, Redeuserrten.- wie .'jütischer stop׳ .jüdisches- H^Z״, »jüdischer Familiensinn"'».«, 111 : zeuge-n sür jp psycho physische Selb!' jüdischen tiiation. Dar Nationale lässt i - führen au> die Verschiedenheit in den des Culturlebens einer Menichengrupvi ändigkeii. der chal07־z»ruch ^leußerungz-nvon den-aus Vas gleiche Zixl gerichisiea, also gtei! jarruzen einer andern Menschengrupve- Es. geht aber »ich! an. eitle einzige von diesen Aeußerlingen -- und sei ii! auch'eine io bedcutiame 1bie,die, Sprache — heraus^ zugreislN und, »ach Meier eine -Men b'curihejleu. Und serner ietltl -uns dieses ' Eharaklerislikon der ,Naligu! SpFrche hkiestgruppc zu Inden auäi nichl! Dennhaben wi:' setbsläutchz gesiiiasieu,, - auch eine und nur äußere Momenle ivaren Weilerbltbuug, nich! die Bcgründuna unser« uoiivizaleu Selvsiäudigkeil per Mit der Anerkeunulig der im Vo angegangen zu halten, miieniander z» pergleichen. Und bei die>er mililnler zusälligen.iiiillpiterbeabsichtigl u W.^nL'rung: begegnet es uns o'l. das« wir voll Staunen. und Verwunderung vor dey Tenkoiälern der!st׳rga»geuheil stehen, von ihrer Tauer nicht »ziudti beweg:,, wis von ihrem inneren Gehalt.und Wert 'in der Geichichle'der Eulturvölker.' d,- l ,bei denen ,sich das geistige' Sckasie 1 Hunderten in sichtbares Zeichen au keines giuden, das »ich! mil Slotz' mäler!'einer Vergangeuheil zuriilldlickn dieser Völker ist längst!»Ilergelzgi grn und ' ist dennoch in ledendigeiy Andenken der er Werke vollbracht Hais - deren Geist ,ist- Dichter wie,Homer u»ü Sophokl,!Plato und Sokr.rtes oeileiheu, dem angehören, Ilnsterdlichkeit, Mii ivlchem Maße genixsieii, was ist,- io sräPN wir, unier Volk?' Was ist die Vere augeichiit de Judcnlhums? Weiches "sind die Tenki läler.' die an dieser zu,uns lirrüderragen?, Nun, denknialer der bildenden stunst besitzen wir keine, w! nigsiens keilte aur die wir uns mil Stolz beruien k der Tempel Salomoiis. noch der Tamv ,sind stuilsiwerke, aus die uft hinwei׳ n konnten selbst wenn sich von iduen mehr, erbe l'teu Hane, als ' die sogenannte — Klagemaucr, Wobl haben jüdische Hände , daran inilzearbeilet, aber nichl uidiiche .stünsiser waren es. die den Plan, jdie den Bau eulworsrn! Aber ein Denkmal, auch ein Denkmal ׳,der stunst, wenn auch irir ,stunn im trjeiteften Snine, die »ns - die diesir Seile veaneu. Wrr werden hjener Voller, von Jahrgeprägt 'ha!, chi! du- Deut- Ja, 'manches Zeilen, wett unvergänglich i. Deut,», wie d,-:u sie - simtey. Weder, l des-Hervdes ^68i1nnuL^8K6no88611 v^L׳Ii6I1L6׳n mir in Localen, ivo die ״Jndische > olk^stimine6״ jauflij^t! 1