Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- II (1901-1902)
- Issue
- 1 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2621806-6375616-6375689--0091-4859641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
II.- Jahrgang. fi: Ccftrmich Ungarn dr'.diadrig . K i iO, gc.:niäl>rig . K i• , Poür«itnru11g:. da? -lu-land k:!r>abrig . K - gä:!;>ad:ig - K •יי - •j .;ז׳זחוזו»;'״ »:♦י M h. fl * i ^ärünn. 1. 3tcbruar 1901. Jübrlche ftr i׳ * ־atr. 1. Ccntrc>|oraan der jüdisct^cn Arbeiter und jiandelsanaettellten. Hedaciio« und Ktminiilratifn -1 1 •י :...-י " •*״א* - י י < ־ : :11 am •; : י .״־ An unsere Keknuungskreundr: Tic ״Indische Volkrstimme" lr»l mit dicict :1;uu1mcr in ihren zweiten Jahrgang, Mitj Uebcrwindung aller Schwierigkeiten jir cs gelungen? ein Crflan z» schaffen, das vor allem, bcrnien ist, den Geist des politischen Zionismus in jene Reihen zu tragen, welche die Kerntruppcn der neuen Idee werden müssen, weil ihre Roth am größicv ist und weil gerade in ihnen die Kraft des Volkes ruht — in die Reihen des jüdischen Prole- :anales, Ter Ernst unserer Sprache, die Würde der Tiscussion, die' jede ehrliche Meinung zu Wo te . kommen lässt, vor allem aber der eiserne Radicalirm»r, mit dem wir unsere heilige Sache zu verfechten gewohnt sind, haben uns siet« neue Freunde zugeführt, »nd mit berechtigtem Stolz diirsen wir anführen, das» der Leserkreis unseres Blattes von Tag zu Tag wächst. Wir wollen auch fernerhin mit Thatkrafl und Begeisterung für unsere socialen, jungsüdischen Principicn cintreten: Für de» rücksichtslosen Kampf gegen alle künstlich übcrtünchtcn,Schäden der Assimilalion, gegen alles Morsche, Faule und Veraltete, für den einzig richtigen Tcfcnsiviiationalirnius. der frei ist von der Schlacke des Chauvinismus und frei.von der Schminke kaltcr Berechnung, für die. Trganiiation aus moderner, wirtschaftlicher Basis, und nicht ’ zuletzt für die ideelle» Güter unserer | Ration I Wir danken unseren lieben Gesinnungssreunden^ jür ihre bisherige rege Thcilnahme, bitten׳ um recht - zeitige Erneuerung des Abonnements und um eifrigste-! Agitation für die ״Jüdische Volksstimme", . Air Nedartio» ««d Admiuiftration Eine socialikilchr •Otrciffdirift. , In Rümmer I I I״,d 11 bringt die iocialdemokralische- -Reue Fe»" einen ״Probleme der jüd, proletarischen Bewegung" betitelten Aufsatz, der daraus hinausläust,, die zionistische Bewegung als vom iocialistischc» Siandpunki vcrwcrslich. die Inlcresscn der jüdischen Proletarier, schädigend, zu kennzeichnen Fiir uns ,fioniiien, die wir der uinellen Todtschweigepolitil iait machllos qegenüvkrilehcn, bedeutet' jede vUentliche Polemik ,einen Glückssall. besonders dann, wenn sie in einem Trgan eronnel wird, das — wie die ״Rene Feil" — nicht schlechthin ״Partciblatl" in. sondern den obsectiven, wissenichasilichcn Eharakier seiner Aussührungcn möglichil zu ivahrc» bemüht ist, I» vorliegendem Fall macht freilich die ״Reue Feit" eine Ausnahme. indem der Verfasser des Kampsartikcls lMar Fel re rbau in, Lembcrgi, nur solche Argumente bringt, die in prineipieller Hinsicht dürftig und zum Ucberdruss oft widerlegt sind und den Stempel, einer aqiiatorischer. Sderslächlichkeit tragen, Ticj^r betrübende Umstand, dass dem Zionismus gegenüber Mittel angewandt werden dürfen, auf deren Benützung man sonst ans Klugheit»- und Anilandrrücksichlcn verzichtet, ist hauptsächlich darin gegründet, dass von zionistischer Seite fast gar -nichts gcihan wird, was in nicht direct interessierten Kreisen eine richtige Vorstellung voni Zionismus schaffen könnte. Pt» Rücksicht aus der beschränkten, Rabm sei das nur angcdeutet und cvnslatiert, dass wir uns leider gezwungen sehen, die Sisyphusarbeit der Widerlegung abgcbraiichtcr, .zum Gemeinplatz gewordener Anwürie, wie ne der fragliche Artikel enthält, noch sinnier verrichten müssen, Herr Zetlcrbaum niu»»l in scinei» Aufsatz eine Zweilhcilunq derart vor, dass er ,Zionismus und jüdische Rationalfrage gesondert behandelt, also organisch Verknüpftes trennt, und io, statt beab׳ sichtigler Übersichtlichkeit, große Verworrenheit bewirkt, Er-übcrichreidt den ersten Theil ״Socialismus und Zionismus". Ter passendere, wenn auch weniger bescheidene Titel Kälte ge und der Zionismus׳,' ,״NN Punk»- fußt nur die eine je! ■.:»et ״wn Zciierbauui- 1ui iocialiiii-chem Stand n-or Behanvntngen, dass nämlich der Zweck des Zitznismus, die Erlananug eines national f udiichen T.-rriloriums, den sacia -lisiischcn Begriiseu, nicht Izuwiderläun: anionsien wird der Zionismus nur ar dem Maße rein Zetter bann, scher Weltanschauung z.-mefien.׳ So beginnt a. , Trr Zionismus iü die :!! eaeiion des buigcrliche» Judenlhunis aegeip deu mo ierncn M!:!:!emil1s»1us", ' Lass das qan-, unwillt: rlich gesetzte Wörtchen ״bürgerlich" weg. und T u ha» liecht. Freund Zellerbaum, Aber damit, d> >s Tu Unsere Bewegung ' als Folgeerscheinung einer l aislickien Ilriack:,׳ io desonders brtonik Tu . irlchnii' diesen, Sck>:ager librigcns imieiem bürgerlich n iä auer — lduit Tu »ns nick» sonderlich weh iit >a der Lo.ialismus auch durch die hässliche Erscheinung der Ausbeulung bewirkt, und doch ist Zetterbanm ein Socialiti, oder noch anschaulicher: Thie eklige Wanzen- und lästige Flöhe, gäb'S kein I, sectenvulver. und dpch ist Jniectenpulvcr 'eine hei rlichc Ersindungl - Ein schwerwiegender Vorwurf wäre nur Die Bezeichnung unserer Bewegung als ״bürgerliche" Wie vcgrundct aber Zelt erbauin. diese Be-.cichnyngsweisc - Er sagt: ״Aus vielen Ländern tonT-daS Gejammer über die Jndennoth",,, 11c als Bourgeois, d.ic auch he empfinden ein -Brauen vor ׳ >en>- ״Hcrabsinke!!," ins Proletariat, , , in dü-icr Lai der ״Judensiaater" aus, wo herrschen " Famos! Rach Judennolh ausschließlich lau»» die Ideologie sie ׳.über ansi.Dli-.'ß'.ich Z : tcrba um'»'! die inbefriedlgtcs ״H e r rschaftsbcdu rinis" des's ü nichen Bourg.׳o:s, Feme shren, wahrlich, die au» über die JudeDnoth nicht d׳n Verzweirlungssibrei hundcittauiender Hungerleid, herauslwren! Feine Augen, die in den gehetzte» r 1mänis>:!en Wanderern, den Borystawer Bcrgiclavc t, 'den vcrztvriieinden russischen und polnischen In )en ״nur Leute. s>!׳::>. die an ungestilltem ״Trang n ach H er r ׳ cha fi" kranken, die unnennbares die Juden - iühl:c::'!1ch r.ichcn wollen.,, sic dein G.'jam-vier״ Jeuillieton. x Golus.^ Bon Btrtdol- Feiwel. Ich glaube nicht, dass ich zu schwach oder zu sentimental veranlagt bin. Aber dieses Unglück, das doch nicht mein eigenes war, dieses Unglück anderer hat mich schwach gemacht wie ein Kind, Heule noch steht da» Bild deS Elends vor mir. deutlich in jeder Einzelheit, schreckhast in seiner Größe und Wucht. Und so werde ich es in mir tragen, und in meiner Erinnerung werden die schreienden Farven diese» Bildes nie verblassen. Aus der Straße, ei» trostloser Hause, hat dieses Elend gekauert, als! ich cS znm crstcnmale sah, Ta hat es mich in dör Seele gepackt und sich in meine Sinne eingekrallt, dass inein ganzes Ich von seiner Schaucrlichkcit beherrscht wurde, Tie Unglücklichen sind Fm Abend fort gezogen, — eine weite Fahrt, wähl über» Meer,,, Es war ein hässlicher Abend)' Ein unfreundlicher Wind peitschte mir die Regentropfen ins Gesicht, als ich nach Hause gieng. Ich konnte nun den Schrecken nicht mehr, sehen, aber er verfolgte mich am 'nächsten Tage in» derselben Hartnäckigkeit und wollte mich nicht freigcben. Ich wehrte mich mit ganzer Kraft gcgkn die ohnmächtigen Gedanken und trübsinnigen Betrachtungen, die sich mir aufdrängtcn. Immer und immer die- *1 Im Rocznik Zjdow.ki (Jüdisches Jahrbuch, Uembcrg) in polnischer Sprache erschienen :Grauen" ' vor dem : selben VorneUnngsreiden, quälend peinigend, und doch nicht zurückzudrängen, Rie Kälte eigenes Unglück so von meiner ganzen Persönlichkeit Besitz crgr >fen können. Ich setzte mich zur Arbeit Aber das Papier j das vor mir lag, blieb unbcschriebkn. Ich gieng im Zchmicr auf und ab, den ganzen Vormittag lang juchte ich nach einer Ablenkung, Vergebens, , Während ziveicr Tage lag ich so im Banne 1 jenes Schrcckcnsbildes, — ' Am Sonntag Rachmittag trug mich die Bah»! ins Freie, Ich komme auf einem wunderhübschen! Fleckchen Erde, ein Plätzchen, das mir lieb geworden > ist wie ein guter Freund,; Tas ist ein niilcS Thal, in anmuihigsier -Rundung von nick» allzuhohcw Bergen eingcschl'oisen, prächtigen, säst regelmäßigen Kegeln, die alte Tannen- , Wälder bedecken. Es ist wohl das schönste Thal der, ״mährischen Schweiz", sicherlich schöner als viele , der gepriesenen Alpenthälcr- Torl ragen die Berge! hoch in die Wolken, und die Thälcr sind wie blumcn geschmückte Grüfte, Hier aber ist alles heimlich und traulich wie in einem Garten, Unter einer alten Buche, knapp am ״Ufer" de» kleinen Bächleins, das fast nur ein Streifen ist, befindet sich das köstliche Plätzchen, Vor mir die Quelle, über mir da» goldiggrüne Blättcrdach, im Rücken niedrige» Radelgchölz, in dem eS, fröhlich piepst und zirpt und zwitschert. Ich bilde mir rin, dass er sich nirgend» besser träumen läjst mit offenen Augen als hierwenn einer überhaupt die Kunst versteht. Hier wollte ich Bcfteiung von der Erinnerung Oe8innu11gsg6110ss611 verkehre!! hur in Localen, wo die ״Jüdische V olksstiniinö“ aufliegt juchen, die mich beherrschte,! iS war ein Sommer nachmittag, wie geschasic», al e Schmerzen zu loien Aber, da ich den Schrc kensdildcrn enlilicheit wollte, iiandcn sie wieder leit!lästig vor mir Rein, nein! In dieser wundervollen llmgcdung vell-Glanz und Lick» wurden die Erinnc tiuigcn noch schmerz- Hafter, ngckl quälender. So t iel schenkt die Ratur mit vollen Händen, so viel Swönhe» gießt sic aus, so viel Leben gebärt sic, — unp doch, inmitten dieses übciauellendcn ReichthumsmMsen Menschen! betteln und darben, wandern, ruhelos,!schutzlos, müssen verkümmern in der Blüte der.Jahir, müssen verhungern, während Unzählige prassen, müssen sterben, wenn sie ein Fleckchen Erde haben wollet, wo sic ruhen sollen. Unglückliche Bruder, derenl ent'etzlichen Wanderzng• ich, sehen musste, was havl Ihr verschuldet,'? Welche ahdere Sünde belaiikt Euch, als dass Ihr i» Rumänien geboren wurdet, arme Kinder armer jüdischer Eltern? Und nun knüpft sich wie von selbst an den cincn Gedanken die ganze Gebe nkcnrcihe der "letzten Tage: Wie ihnen helfen, diesen tausenden armseligen Eniigranien? Wie dieser unqchbure Elend linder»? Und wieder jenes niederdrückenae Gefühl der eigenen Machtlosigkeit, und wieder dci Zorn gegen Jene, die ihr WdD sinnlos verschleudern, während die Brüder Hunger» sterben. Und wieder jeßc ohnmächtigen AnNage» gegen den wahnsinnigen Juden- Hai», jene Empörung gegen eine Gesellschaftsordnung, die solche unerhörte Menschenopfer duldet, Mitleid, Zorn, Wnth, Verzweifeln, Resignation, die Em° - pfindungen lösen sich ab und' greifen in einander f