Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- I (1900-1901)
- Issue
- 20 (15.11.1900)
- Date
- 1900-11-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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?*־ %- Nr. 20 Volkbftimme Seite 3 gesamt,itc Lebcnstendrnz sich zum .Erhaschen von (Seid zuspitzt, altreulose Verräther an eigentut und fremden Volke, als Unistjirzler »nd Siaatserholter, als internationale Gaukler,. Indem der Zionismus die Juden.' z»r Ehre unv W»rde ru}t, lasst er ji e ihre Une.hr>; und llnwnrde erkennen,' Er weckt .V10 I nden heit zur Anslchilft» g »nd zun, Prot je stund, lässt sie »m. .so t ieier die Wertlosigkeit i h r es j a nt nt e r v o l l e n Tasc i n r erkenne », Tie Bnndesgenost'in der jüdischen Bourgeoisie ist die moderne Synagoge, Mit dieser stößt dahet der Zionismus hart auseinander, Niemals in der Gejchichle hat sich eine Kirche den Forderungen der herrschenden Elassen jo sehr angepajsl, tote die.jüdische Synagoge der Neuzeit, Tie jüdiiehe Theologie hat sich der veränderten Lebenshaltung der Juden, dem glorreichen Iud^geichaji aus dem Boden des Liberalismus, wie eine Tirneproslituirt, Ter ^jio nisnins, welcher den Herren trifft, trifft daher auch den Knecht, Er macht dar Märchen und die Mätzchen der Nabbiner von der Mission der?enden zu Nichte ' und stürzt ■im Handumdrehen das ganze Schwindel gebände um, Bon noch einer änderest, Leite in dem Zionis mus eine prjneipielle Gegnerschaft entsprungen, und doch dürste man von jener Szile her am aller wenigsten aus einen «Gegensatz gefasst sein, ״^äs -ist ltklagenswert und betrübend, dass die jüdischen Sveialisten ans den Nethen der Intelstgenz sieh zum Zionismus feindlich stellen. Wie ist es möglich ans de» Priiieipie» der Lozialisinus, dessen oberster (Grundsatz dje iKleichbereelitigung- »nd Selbstde stiinniuttez der Nationen in. eine» Widerspruch gegen eine Bewegung adzuleiten, welche weiter nichts bezweckt, als einer unglücklichen, gehetzten, verfolgten und »vmadisirenden Menschenmasse eine Heivsflätte zu ve'rschasseii? Ceii der Gegn'erschatt der I i1 d i s ch e n öl j s i in i l a t > o n s S o e i a l i >'i e n gegen de» Zionis »1 u s k v in in t e b e n i >1 r e II >1 ausgek kifi Iheit über das Wesen des Soeiatis in n.s zu in P o r sch e ili, Tie südlichen Assimilattons Sveialisten schieben nun alles mögliche vor. »in einen Teeimantet für ihren Anti^nismus zu schassen. Nachdem' nun der Internationalismus, der tanösmännische Patriötisüius, das Märchen von der Nichtexistenz des jü dischen Volkes nicht mehr tierhalte», ist es der Elassen- ׳ kamps, tuelelKr die Begriindung abgeben >oll, Nu>h die Iudenheit sei in Elassen getheilt, die-sieh gegenseitig befehden »std bekämpfen; der Gegenlatz der י*',■?׳־7־,ticfien Interesse» mache die Einheit der keatton, welce^ »1. aiargnssetzung des Zionismus in, illuiorisch. Nichts itt aver ihbrichter, als den jüdischen Elassenknznpf gegen den Zionismus aus! spielen zu!vollen. ■ Tie Ilnausgeklärih. it t!,׳t h>>> eben Widersprüche in der Idee geschossen, die in der Wirklichkeit gar nicht bestehen. Warum soll denn das jüdische Proletariat, welchem der Zionismus in erster NZhe in wirtschaftlicher Beziehung zu Gute kommen fom denselben aus dem Grunde cibweisen, weil auch die mit demselben int wirtschaftlichen alampse, liwcnbeh Elassen ihn aus. nationalen und idelogijchsn Motiven aeeeptieren V, Ter Elafsenkampf erschöpft nicht alle Aeußerungen des sveialeir Leben», Wenn der׳ äußere Feind ein Volk bedroht, vereinigen sieh die im ,Kampfe liegenden : Parteien zur Vertheidigung, ׳ Auch deni innerekt! Feinde gegenüber verbinden sich die ktopjenden j Parleieii zu Wahlbündnissen und Ahlkiachungen, ן steilich im Nahmen der obersten Prineipieü, Der, ganze moderne Parlamentarismus beruht ja eben darauf. In jeder Wohlsahrtseinrichtung, in jeder i-'iga. i» jeder Vereinigung von Menschen für idea-i lisüjche Zwecke verschwindet der Kampf, der die! Menschen trennt, und dis höhere Solidarität gelaülsi zur Bethätigung, Der Elafsenkampf ist daserste'■ BewegungSmotiv der Geschichte, sein Charakter wird, aber vollständig verkannt, will man das ganze soeiale Leben in seiner gejammtan Manigfalkigkeit in ihnz auflösen. Alle vertheidigende, aüfbauende, ideo ' logische Thätigkeit vollzieht sich nicht durch den Elafsenkampf,',sondern vielmehr trotz drsse.lben. Der ZionismuSalseineaufbauendeThätigkeit der Juden, steht nicht im Widerfp.ruche zum Elafsenkampf. jonder»'0beihalb desselben, ähn können allAElajsen der Judenheit aeeeptieren, unbeschadet der C lassendisserenz. der R«!««. ttnit feine Wien, SSÄXÄÄ ß Bon r amu el *Sitiff'lr 1T0ru?wl). III Separalismns. '״"!-׳pr tt?4 ׳1 י f; t tlt.llf'lt Noihgefärbte Nvigler, die an allem etwas aus znsetzen haben, ivas rmmer nur des rotheu Abzeichens entbehrt, werde» wohl in diesem von uns in io ge' rechter Weite ausge1>o»»nenen, im Sinne der Nie lichkeit und Humanität gemeinten nativ na Kamps einen erasien Eigennutz' »nd engherzigen Separatismus erblicken, Ter Jude soll immer nur bei der.Majorilät gaiiieren, mit ihr. oder besser mit ihrer Farbe heraustreten, . Und nach der Kritibder reinen Vernunft itt die Assimilation sowohl thijricht als verabscheuungswürdig, gemein lind charakterlos, .Pöer seine Nationalität preisgijzt, gibt seinen Charakter preis. Wer sw wechselt, der wechselt seinen Etiarakleri Wer ׳eine Nationalität -verliert, ohne' eine sondere dafür ein tauschen zu können, der wird charakterlos," ,Hemaui' Es. heißt Kleinmuth und Bniantinismus, seine Nationatiiai verkeugne.n zu wolktm. Auch ein -Ver brechen in es gegenüber ieinein eigenen Staninie und-Ntegeniiber der MetoideN,-lIn alten . ,Zeiten pikgte man den Selbstmörder, sdeiien Thai durch ,rg^ib welchen-Nmiiand stercstelt tpnrde. zudestraien. weither den Staat eines Individuums berauben -getagt, sur iie kämvien, aber etwas iür sich, am wolli 'eigene Negie unternehmen, ■in Vermenenheit von ihm, Dasselbe,, was bei anderen Völkern. sei will, noch und ein Euliikrvolk, .welches absorbiert werden b'erdienl -deippelte Siraie, dev es die Pwnschheit Zitier Eigenart, einer Fndii idua!it>zr öeraudeü Griechen oder Finne»,.sei es das unaniehnlich kleine möchte? Leitv Nattem verlemhie l, heißt,- mit der Vurenvotk in'Tränsvaat oder das rieiengroße' in Natur in Wideripruch'jein Nali nalismus in nicht Ehina. das Leih jedes' edetdenlenden ■Mensckuli ver engherziger Separatismus, Aiisichluis vom allgemein dienl, in oft mit Bezug au> die Juden tadelnswert, Mensehlichen. joüd.'rii er in■ di- Verieänung der Was bei andern,׳ Nalivnei! die vollste'Anerkennung 'eigenen Leniderintereiien, um ׳v ter erst >nr s. All beansprucht, wird oft bei den Juden getadelt nah gemeine arbeiten zu können ׳ _ gerügt! Tie׳e Tattik in. iowohi bei Männern mit. Der W׳e g z»> wa bre» I!n ti 11t-att 0ila [; der weißen Nelke iin.Knop'loch, wie bei solchen mit, der rolhen Fahne in der Hand zu heobachten.' Ter<!-orwnrs wird^nns daher nichl erspar! Theile und Theilelten zerfallen, Set Na1io>!alismas bleiben, dass wir eiaenniitzig. jelbiteindig, -egoistisch der Kilt, der Lautende vo i sind. In einer Zeit, wo die, großen .Voiksmeitfien aneinander verbindet., zu einem .Körper deezin!, und in größtem .Elend I,■!׳>».- vor Nolh und Hunger'viel 1^'icht.er in e.s Mo uw: an .Monte׳, z'u. d.rtde'n. itt .einer Zeit'.' wo Millionen Proletarier > > e 1 h e n, als Atome ' ׳nt ns ein. nig.ls l׳> mit Tüntückeit und Pauverilal lämpien, in. einer licZUPte! daher mit Neehi, dais 'Uhr uj) u r eh d a s N a t i o 1! a I,, de!:n dbue den Nationalismus wurde die Menichllei« in iioch-kletnere Zeit, wa die gesamntte Well z» eiiienif.Kampie gegen Menschennoth »115 Menscher,elend sich timet, wollen wir Separatisten sein »nd nur aut unser eigenes Elend bedacht sein. Am Aniauge des zwanzigsten Iabr- Hunderts, wo aii Stelle des individuellen Kampses der sociale getreten, wollen wir nicht als Meiv'chen iii?Vif Menschbe.il, sondern als Inden für Juden eine Erlösung aiinrebrn Wohlgeiproehen, aber, niibedaehl, Tie Juden luiden iuinier'iür die leidende Menschheit gekampil Tie I!ideal waren immer »nd sind noch heute bereit, iür iie Gut und Blut, mehr als ein anderes Volk. ׳ zu, opiern, TurchblaNekr 7־tu! großen Folianten der iKeichichte und ihr werdet dort die für die Beireiuüg der »»terdxückien Menickiheit geleisteten Heldenthaten der Juden mitblutigen Letlern verzeichnet iinden. Aus dem ,Kanipsplatze iür Freihejl und iNreekitigkeik sind Ströme jüdischen Blutes geilosseii. Aber man bat sieh unserer stets ble'ß als eines Weitzeiiges bedient und nach gelhaner Arbeit verspottet . iiiid oeryohnt, »lanchmal von-der Stadt verwiesen, ,Ter Judenhass itt ein Stück Mittelalter, der sich selbst nichtin dem Jahrhundert von Fortschritt und Enllur beseitigen lässt. Er herrscht sowohl.bei den obersten Zehntausend, wie bei den iitedrigiken ^ehichlen der Vvlkrmasien, Er hat selbst die Gtejchheitsieher und Freiheilsverlnnder eontagiert. Selbsi der iuier mitivnale Gedanke ist außer Stande, den Nationalbair gegenüber den Juden ausznmerzen, ', lind der Tichler sagt: ,Ter Judenhass wird aushoren, sobald die Tummheit aushören wird, aber Sie Ttimmbeit ist unsterblich," Sogar׳ im joeialiiiisehen iKstneinwesen wenn solches je entsteht — wird dies ihr-eigenes Land und ihre zn,r>1 1>de Nation, lfitank'tgkctt ,׳.Hallen' Tenn das wahre : adlet׳ Siek:, .eine Boden, ■mir.!,׳des gemctne ׳«,-;׳<׳ :■.!! zelne fit rer alle»׳ dnrch dii'e -A'iute ferne;?,"ee!ne« um . eine sozusagen Ge׳' ickimt M>tz׳el>er,ma ichinetie eonsieuieren z» können' " Selb'lge.'nbl der Naiiemen i't. i sittliche Ma.'ot und ei» g,׳und> »terischliche 'Zedeih,'». das bi, a> tut׳,׳ niäit ansiehließi Jeder ei, ein Glied eines-. Volkes und li» Giied der Meniehheit Tie g.o Bundes ai,.׳- Volker,nnki.»1 nielbs zn׳amm'eu nian die-'kräftige Eigenart der Volker a!1s>,׳ch!'. die ihn bilden tollen," F-, Vitetixr ״Geg,1>wä׳-l',->!'> es der naliöuale "iedan-ken, de; d;> Völle, and. S>,i!»en vorzüglich bewegt »n׳!-na,h der Le׳»»» alle!' nationalen Fragen ivird-d,e joeiale,Idee d,r .Motor der Men'ehheii werde»,"- Biz,nl>a,n«1. / Wir -sind datier keine Eg> Elen,, Sevaraimesn -Wir iiihlen bei der ipeeielle« gr tsslich<n'I,tdenn.1::׳ '")dir Noih der geiamnite» leidend n NeeNiehheit. avci wir ntttit'en uns, zuerst aus jene, errette», um dann der ganzen Menschheit hilieleii end bc'izu'vringen. Ter in Ketten Sehm,rch1ende kan t dem Mitmenschen nicht zu Hil'e ke'iiimeu. Wir minien zuerst di! ■ ivreugen. Wir sindzue Sekt Keilen ■ dgis die bis nun grmaehhen Zchötue, uns zu emaneipieren, schlecht berechnet ivare■ e!, Wir arbciteteii an der Erlösung der Mensebü ». um ans, hieie W-ise erleit zu-iverben, und.es e elan'g uns nick» Wir macherrTs jetzt iimgekjdn: Wir arbeiten snr uniere Erlö'ung und ballen uns die Mission vor, später erst mepiehenverbrndernd n ud ve'Ikerveriohnend zu wirken. Wie der Aiiimilationsproeeick einerseits vernunst- Etnijckp gelangt. Gestnnunysflenvfl'en I Svryet sür die Verbreitung der ״Jüdischen votksstimme". sortleben. Nicht einmal schon« haben ׳ wir den widrig und, ,thvricht iit, io in er anderseits zur Judenhass mit unserem Blute gelöscht geglaubt, iliinivglichkeit geworden, da er von einet äußeren und wie . eine langgedämpste Flamme loderte er Unniöglichkc'it adhängt, Ler^i Beaulie» hat aufs neue aus, ׳aus der jedeömal der Antisemitismnr die Apimilationsunmogtichest >׳ m beiten gekeii»- - wie ein Phönix sich verjüngte. Nicht einmal nur zeichnet. Ter Jude ׳— sagt r mitseinem glaubten wir, den Antisemitismus aus,ewig todt, Particularismiis^gleicht aniiallerd dem Maunz »»t doch ist er stets neu erstanden, Jahre kommen, dem Mantel; Ter eisige Noxdw nd der-Versolgung Jahre vergehen und der ÄiitiiemitiSmus währt zwingt ihn in seinem PaNieul trismus etngehüll, ewiglich - zu bleiben, die wärmende Sonne der ,vrcäljeit ver. Wir tilgen die Ursache; ,cakulicrte man, und ״»tot. it)״. densclben^adznlegen Aber dte.Loßu, die Wtrkünq hört aus. Wir ׳Horen aus Inden zn der Fre.lK't w,ll ,ur .cuda mch. erglänzen; du«.« sein, und der Judenhass hat sein Credo verlöre»: Ncdelwolkcn haben achtzehtchut den Iadre ,hr.n Assimilieren. Amalgamiercn dbrin fand man den Glanz vor den sIudcm verborgen. Und hat »ch besten und ersolqreichsten Weg zur Lösunq der Judenmaiichmal emklciner sott ah , w> > , , 7״ ' steige. Also sprach die Vernunft, bic oft irrt. Allein -'«» ßb.rgchen löesangnt, es h׳ne,tollt >,ns der Mensch kann nicht so leichten Sinnes seines'Me.gt, ,0 ge,chah es nur. im nn,e,e Gatte noch Natioualgefühles sich entäußern. Ein.,Körnehen Ra-1"Eü^ ZU erregen, .,׳.׳' tionalität wird ihm von Geburt beigepskanzt, das! Ja, der Golus gleicht euer kalten Untieren in seinem Innern ntchr oder weniger Wurzel fasst, Nercht, im^Liien ^müssen wir^dliher die wärmende und bei aller Anstrengung nicht gründlich ausge und leuchtende cvnne der!H ihett )uehen,_Uir merzt werden kann. Mit dem Negieren-des Nalind inmitten des brandendep Mei res, .Golns genannt, t i on al g.ed a n k.en S kann unmöglich das Rageraihcn, wo wir ewig Nacht un > ewig.Wutd habe!» tionalgesühl negiert werden. Dar Herz sträubt sich, Wir müsse» muthig hindurchsegel» durch die Brnndung dem Kops bcizustimmcn. DaS Grsühl verneint, waS!dir'Wogen, bis wir zü einem Laude gelangen, emrm die Vernunft dcsichlt, Plan snh sich daher gezwungen, s Lande,- d>1S »ns sehr bekannt in, wo.unscic Atmen ein Medium zu suchen, um aus diesem Tillcma 'wohnten, die muthigerc «eglc; weite׳» als wir, hcrauszukoinmcn. Ein modernes Maranncnthuin, ,LandLand! Tarin liegt das Geheimnis dcr -,׳ '