Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 2. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492408-6582240-8773759--4385-4859423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
G4 Entscheidung aber kein Ausgleich dadurch möglich. הכריע heisst auch nicht aasgleichen, nicht unterscheiden, sondern entscheiden. R. Abba, meint Vf., hält selbs'ändige Lösungen für berechtigt, so lange ihnen kein Bibelvers gegenübersteht. R. Jsmael dagegen muss den Begriff des Ausgleichens mit dem dritten Satze verbunden haben, sodass auf diesem Wege zwar jedem Satze etwas genommen wird, aber doch beide in gleichem Rechte bleiben. Da nun während der ganzen Tannaitenzeit nach Schwarz die "הכרעה שליש nicht anerkannt wurde, so will er den 13 Satz überhaupt R. lsmael absprechen. Erst zur Zeit der tiaonen soll in Babylon diese Regel entstanden sein. Durch altmählige Anerkennung der 'הכרעה שלישי musste das כיצר יתקיימו כוי gestrichen werden. Nun wurde die Regel vor den Schluss gebracht und durch רבן mit den anderen verbunden. Die Hillel’sche freie Entscheidung wurde verdrängt und dem 3. Satze unterworfen. Die vierte Midda muss es wieder sein, die das יתריימו במקום{ wieder za erhalten hat, um die freie eigene Entscheidung wieder in ihr Recht zu setzen. Das hofft Schwarz. Dies die Hauptgedanken der bedeutsamen Schrift, die sich nicht mit dem Allgemeinen begnügt, sondern durch eine reiche Fülle von Sonderbeispieien aus Talmuden, Tossefta und Midraschim die verschiedenen Behandlungsarten der שני כתיביש in ihr rechtes Licht setzt. Die ungeheure lielesenheit des Vf ’s, sein Streben nach Folgerichtigkeit, ganz besonders die Arbeitskraft im Dienste des Heiligen kann nicht genug oder braucht vielmehr nicht bervorgehoben za werden. Seine Darstellungsweise bringt uns dazu, die Arbeit unaufhaltsam durchzulesen. Sind wir aber nun mit dem Bache fertig? Dann wäre es keine Scbwarz’srhe Schrift. Eine Hervorbringang dieses Mannes kennzeichnet sich durch die Nachwirkung. Wir fragen uns, durch welche Mittel Vf. 80 auf uns wirkt and erlangen dadurch unsere Selbständigkeit und die Fähigkeit wieder, seine Auffassungen einer genauen Prüfung za unterwerfen. Die rednerische Fähigkeit des Vf.’s zeigt sich nicht nur in der Predigt, sondern auch in wissenschaftlichen Worten. Es kommt darauf an, was in der Einleitung in den Vordergrund gerückt wird. Er vergleicht Logik und Physik am Anfang mit einander und sieht in ihnen die gleichen Gesetze; sie sind so alt wie der Mensch, ihre Kenntnis soll uns unentbehrlich sein. Auch Gesetze sollen sich der Anerkennung wegen auf die Denkgesetze berufen müssen. So wird die Tora als ein Vernunftgesetz hingestellt und der Ueherlieferang in der Begründung der Gesetze jede Berechtigung abgesprochen, während sie in der kiitteilung der Satzungen selbst herrscht. Nun hat Schwarz entschieden statt der Seelenlehre die Logik vorangestellt. So wen g wir von unserem inneren Leben wissen, so unabänderlich sind die Erfahrungen der Psychologie, die dem Kenner der Völker und Menschen zeigen, wie die Eindrücke auf das innere wirken. Die Logik dagegen wurde ziemlich matt und lässig betrieben,