Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 35 (1913)
- Issue
- 1. Heft. (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Dem Urheber dieser Beobachtung ist nun das Bedenken aufgestiegen, ob hier Oberhaupt von einem Türflügel die Rede sein könnte oder gar müsste, das Wort bip* könnte ja im griechischen Sprachgebrauch auch die Holztafel bedeuten, auf der das Gemälde dargestellt wurde; dann würde hier von Wandgemälden die Rede sein, und der allgemeine Ausdruck ״die rechte Wand“ sich ganz leicht auf die beim Eintritt rechts liegende Wand beziehen können. Dieser Zweifel hat aber nur sehr geringe Bedeutung; mau muss nämlich mit grosser Sicherheit annehmen, dass hier von Tür■ gemälden die Rede ist Der Schmuck des Inneren eines griechischen Hauses muss sehr einfach eingedacht werden; wie z. B. der Fussboden meist nur Estrich war, so trugen die Wände des Hauses in der ältern Zeit gar keinen Schmuck; erst von Alkibiades wird uns berichtet, dass er den Vater Agatharchos zwang, ihm das Haus zu malen; zu derselhen Zeit wird auch zum ersten Male der berühmte Maler Zeuxis in Macedonien mit der gleichen Arbeit betraut; Xenophon verurteilt diesen Wandschmuck, und Plato glaubt in ihm ein Zeichen üppigen Lebens sehen zu dürfen. Dies wird uns aber erst überliefert für die spätere Zeit, etwa die des peloponnesischen Krieges, aber nicht für die Zeit, in der der Epigrammatiker Simonides, von dem unser Epigramm doch stammen soll, gelebt hat. In der Zeit von 5468—6־ hat es im alten Griechenland sicherlich noch keinen Wandschmuck gegeben, und in dieser Zeit hat wohl Simonides gelebt. Wenn wir davon auch ganz absehen, so ist es anderseits fast ohne Zweifel, dass die Malereien, die den Wand* schmuck des griechischen Hauses bildeten, auf Kalk, nicht aber auf Holztafeln angebracht waren. Wir glauben daher mit dem Danke, der dem Urheber der sohönen Beobachtung gebührt, schliessen zu dürfen. Nicht mit Unrecht ist auch in derselben Nummer ■) in Folge der Aehnlichkeit zwischen der Stelle in Shakespeares ״Kaufmann von Venedig“ H, 5 mit Horaz HI, 7. behauptet worden, dass Sh., der in der freien Lateinschule free grammar-school in Stratford den Horaz gelesen hat, ihn auch oft benutzt; dass er ihn auch in diesem Falle als Vorbild gehabt hat, ist bereits in den schönen Buche von E. Stemplinger, ״Das Fortleben der horazischen Lyrik seit der Renaissance" (Leipzig, Teubner 1906) p. 321 beohachtet worden. *) 8. das. unser ״Vermischtes“. Red. Draek von H. Itskowtki, Berti*, A«fUt»Str. 69.