Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 1. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 xu gebahnt und mit zu geringen Schwierigkeiten verknüpft. In Mai• muni's Jad Hachsaka sah er keine erste Quelle, sondern ein auf Alfasi sich gründendes Werk. Ihn selbst aber mochte es reizen, zu den grossen Alten zu gehören, die nicht gebahnte Wege wandeln, sondern selbst erst Pfade eignen, nicht andere Arbeiten benutzen, sondern selbst zur Quelle späterer Arbeiten dienen. Bei Alfasi war in der Aufstellung von Halacbot die Ordnung des Talmud massgebend geblieben; indem er Stellen strich oder an einzelnen Orten dieselben versetzte, auch einige Worte hinzufügte, entstand ein Kunstwerk mit einem versteckten Plane, wie es nur einem bedeutenden Manne angehören konnte. Grosser Scharfsinn wurde auch bei denen vorausgesetzt, welche sich seiner üalachot zu ihren Entscheidungen bedienen wollten. Non erfüllte Nachmani der Ehrgeiz, selbst ein solcher Alfasi zu sein, sich geradezu dem grossen Lehrer von Lucena anzuroihen und zu den talmudischen Bahnbrechern zu gehören. So begreift es sich, dass der Fünfzehnjährige, in einem Alter, wo die Einzelheiten des Talmud der Bewältigung die grössten Schwierigkeiten bieten und etwaige Erklärungen, gleichviel in welcher Form, nicht leicht zu geben sind, dem Alfasi nachfühlt und seine altertümliche Form den eigenen Entscbeidüngen spielend anzopassen wusste. Wie gorade junge Schriftsteller das zu Ebene und Glatte vermeiden und ihren Arbeiten gern eine altertümliche Rauheit geben, so geht Nachmani vom gebahnten maimunischen Wege ab, trotzdem dessen grosses Werk den Bedürfnissen entsprach, und wandelte Alfasi's Spuren. Wahrlich, man muss die Meisterschaft bewundern, mit welcher er in so frühen Jahren völlig den Geist seines Vorbildes erkannt hat, so dass sein Werk ganz gut dem Alfasi hätte zugeschrieben werden können. Auch in der Wahl der Gegenstände zeigt sich eine Eigentümlichkeit: es sind Gesetze der Enthaltsamkeit, denen er seine Kraft weiht, Bestimmungsn, die an den Menschen Forderungen richten, ohne ihm für seine Opfer Freuden zu bieten. Wer einmal den Pinsel geführt hat, kann nach Lessing’s tiefem Wort die bezügliche Kunstleistang besser und scharfsinniger beurteilen; als der gebildetste Kunstrichter. Nachmani hatte durch seine erste Arbeit Alfasi besser verstehen gelernt, als durch das blosse Studium seiner Bücher möglich gewesen wäre. Der Name seines Stadtgenossen Serachja, der in seinem beleuchtenden Werke den Alfasi zu widerlegen sich bemüht hätte, klang wohl ruhmreich an sein Ohr, andernteils wurde derselbe aber auch wegen seiner Kühnheit gegen den grossen Heimgegangen getadelt; hatte er doch deswegen vielleicht seine Vater-