Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 4. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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186 zahlen? £8 ist aber nicht nur faules Obst, wie man sich 80 oft ▼orsuggeriert, was abfällt. Leider sind es oft die Tüchtigsten, die uns wegen der Prämie, die auf der Taufe steht, ▼erlassen. Man sollte einmal z. B. eine Liste der getauften Üniversitäts- Professoren in Deutschland veröffentlichen und wir würden ob des Reichtums an Intelligenz, die leider für immer für uns verloren ist, staunen. Aber noch grösser sind die Opfer, welche uns die Mischehen kosten. Männer wie Dernburg, Heyse, Hoffmannsthal e tutti quanti haben jüdisches Blut in sich. Aber es ist die alte Regel, und in meinem Buche habe ich sie statistisch belegt, dass Kinder aus Heiraten mit Christinnen zum grössten Teile für das Judentum verloren sind. Aber nicht die Taufe und!Mischehe allein lösen die deutsche Judenheit auf, führen ihre numerische Minderung herbei. Es ist vielmehr vor allem die Unterfrüchtigkeit. Die Sache ist sehr einfach erklärt. Von den Juden heiraten nur mehr drei Viertel, und deren Ehen sind durchschnittlich mit 2 Kindern gesegnet. Freilich gibt es auch welche mit einigen Kindern mehr. Dafür steigt ständig die Ziffer der völlig unfruchtbaren Ehen. Nun, dass die Zweikinderehe nicht ausreicht eine Gemeinschaft zu erhalten, liegt doch auf der Hand. Nehmen wir 200 Ebeschliessungen an, die -00 Kinder bekommen, dann sterben von diesen Kindern bis sie heiratsfähig wurden ca. 20. Ca. 10 sind geistig oder körperlich krank, 80 dass sie nicht heiraten können. Und ein weiteres Heer will oder kann aus Wirtschaftliehen Gründen nicht heiraten und sich nicht fortpflanzen. Wir haben also gefunden, dass bei dem reinen Zweikinder- System die Nachkommen von 100 Ehen als nur noch 75 heiratsfähig sind u. 8. 1. Bei uns Juden liegt aber der Fall noch tragischer, als hiervon durch die Taufe und die Mischehe weiter an 25 Ehen für das Judentum hinfällig werden. Die 100 Familien sind also in der nächsten Generation auf 50 zu6ammenge8chmolzen. Ich habe also in etwas schematischer Form die Entwickelungstendenz der deutschen Judenheit angezeigt. Die genauen Zahlen aller dieser Komponenten wird man natürlich in meinem Buche nachzulesen haben, wie ich in diesen paar Zeilen nur einige Gedankengänge skizzieren kann. Vor allem versuchte ich weiter nachzuweisen, dass die ganze jüdische Entwickelung in Deutschland auf den Einflüssen wirtschaftlicher Natur beruht. Aber weil die israelitische Bevölkerung vom Kapitalismus, der heute ganz besondere Formen angenommen hat, abhängig ist, weil ihre soziale Struktur nur Kaufleute und Akademiker kennt, haben die Juden besonders die Nachteile der Spätehe zu erfahren. Denn zum temporären Cölibat sind die Angehörigen dieser Berufe genötigt bei dem Stand unseres heutigen wirtschaftlichen Lebens, bei den davon getragenen An- Behauungen.