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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1911-01-01 · 4. Heft. (1911) · p. Seite 146

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
33 (1911)
Issue
4. Heft. (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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146 Und darum handelt es sich für uns. Dass er, immer mehr in den Hintergrund gedrängt, nicht vollkommen verschwinde. Dazu gehörte eine Vermehrung der Stätten, wo der Talmud nicht allein in wissenschaftlicher, sondern auch in volkstümlicher Art getrieben werden müsste. Es gibt in Deutschland zu wenig Mittelpunkte für diese Arbeiten. Man überlässt Alles den gelehrten Anstalten, den Seminarien, und, wenige Stiftungen aus frommer Vergangenheit abgerechnet, wird auf Erden über den Talmud zwar viel gesprochen, vorgetragen, gestritten — aber er wird immer weniger gelesen!*) In Gegenden, wo einst eine Fülle gelehrter Gemeindemitglieder an den Uebungen des Lehrhauses teilnehmen konnte, erzählen sich jetzt die Enkel am Versöhnungstage, was jene Ahnen gewesen; aber sie selbst sind vielleicht kaum im Stande, einige Zeilen hebräisch zu lesen, geschweige denn zu verstehen. Talmudische Lehrstühle, selbst an Universitäten, können in ihrer Bedeutsamkeit erst dann wirken, wenn ein Nachwuchs vorhanden ist, der vor dem Betreten jener Anstalten sich schon in die Gegenstände hat einweihen lassen. Dies muss zu einer selbstverständlichen Forderung werden, und das macht die Schöpfung von Vorbereitungsschulen zur unbedingten Notwendigkeit. Aber woher sie schaden? Woher solche Lehrstühle im Kleinen herstellen? Wo sind die Mittel dazu vorhanden? Soll die Entstehungsgeschichte jeder dieser Anstalten von soviel Schwierigkeiten erzählen, eine so lange Zeit zu ihrem Gegenstände nötig haben — dann kaun inzwischen der Talmud schon aus Deutschland verschwunden sein. Es muss mit jeder jüdischen Schule eine Sonderklasse verbunden sein, in welcher etwas mehr getrieben wird, als der enge Lehrplan unserer Religionsschulen zulässt. Da werden schon einige Fähigere sich finden, die sich dort vereinigen lassen und mit denen sich Manches aus dem Raschikommentar und aus dem Biur nehmen lässt. Da ist auch schon die Gelegenheit zur Wiederholung des Dagewesenen vorhanden. In dieser Klasse werden die Pirke Abot, von denen Einzelnes ja schon bekannt geworden ist, ganz durchgenommen, und damit wird die Jugend schon in die Art der Mischna eingeführt. Die sonstigen im Gebetbuch vorhandenen Stücke werden *) In Süddeutschland beginnt es sich in studentischen Kreisen erfreulich zu regen. V

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