Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 1. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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hat, unveröffentlichte hebräische Werke zu ediren, seine berechtigte Forderung auf Unterstützung seitens des Publikums erheben. Viel von unserer alten Literatur wartet ja darauf, von neuem ans Licht zu treten, und es zeigt sich immer von neuem, dass kundige Arbeiter vorhanden sind, wenn sie nur die Hoffnung hegen können, dass ihre Arbeit nicht ausschliesslich für ihren eigenen Schreibtisch geleistet wird. Und wir Juden müssen uns doch in der Tat schämen, wenn wir uns bewusst werden, was bezüglich der Hebung unserer _ Geistesschätze versäumt wird, weil keine Akademie für uns sorgt, und kein Verleger es vernünftiger Weise wagen kann, viel Geld in die Ausgaben der dringend nötigen Werke hineinzustecken. Ich spreche nicht von den unbedeutenden Sachen, wenn auch diese, an sich geringeren Wertes, in grösserem Zusammenhange oft wertvoll sein können. Nehmen wir aber einen der allergrössten der nachbiblischen jüdischen Schriftsteller: den vielleicht unübertroffenen hebräischen Dichter Jehuda Halevy. Was hat es ihm genützt, dass Heinrich Heine für ihn geschwärmt hat, 80 dass selbst die, gebildeten Juden von einem ,Jehuda ben Halevy“ in Menschenaltem zu sprechen gewusst haben? Unsere besten Literaturforscher wie Luzzatto, Sachs, Geiger, Kaufmann und, um auch den jüngst verstorbenen, schwervermissten Geschichtsschreiber der jüdischen Literatur zu nennen, Gustav Karpeles, haben uns Dezennien hindurch auf verschiedenster Weise vor Augen geführt, was wir an Jehuda Halevy besitzen, und erst jetzt, nach und nach, werden die Schätze ans Tagelicht gebracht, sodass auch einmal eine vollkommene Verdollmetschung aus der heiligen Sprache möglieh sein wird. Oder um rein historisch zu sprechen: im ersten Jahre der erstmaligen Begründung der Mekize Nirdamim (1864) gab Luzzatto ein erstes Heft des Diwan Jehuda Halevys heraus. Kurz danach entschlief der Meister, nach einiger Zeit auch der Verein. Im zweiten Erscheinen desselben Vereins nahm Brody die verwaiste Aufgabe von neuem auf (1894 und ff. Jahre) aber erst jetzt, im dritten Stadium der Mekize Nirdamim, dürfen wir hoffen, dass jes diesem Mitarbeiter gelingen wird, die Aufgabe zu Ende zu führen, — mehr als zwei Menschenalter, seitdem Luzzatto durch seine ״Bethulath bath Jehuda“ das ganz hebräisch lesende Publikum in Kenntnis gesetzt hatte, was hier noch zu finden sei. Ich könnte auch von einem anderen der allergrössten unserer Literatur sprechen, von Moses Maimonides. Nur dem glücklichen Umstande, dass die deutschen Universitäten die Drucklegung der