Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1911-01-01 · 1. Heft. (1911) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
33 (1911)
Issue
1. Heft. (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492408-6582235-8773739--3935-4858983
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

18 Die hier getadelten Fehler sind tausendmal historisch erklärt.1״) Wenn man Jemand durch Jahrhunderte auf einen Erwerbszweig verweist, so ist es ganz natürlich, dass er mit der Zeit eine grössere Gewandheit darin erreicht wie Andere, die ihr Talent in so vielen Berufsarten und Plänen ausleben und entfalten konnten. — Sodann wird mit Berufung auf ein jüdisches Blatt der Vorwurf der Putzsucht doppelt unterstrichen. Auch diese ist psychologisch erklärlieh. Die Lust am Schmuck ist z. T. die Anaction des Menschen, der, weil er Jude war, lange Zeit gezwungen war, sich entstellend zu kleiden, der gezwungen wurde zum Absondern und schon äusserlieh aufzufallen. Es wurde ihm verboten, selbst wenn er wohlhabend war, Stoffe zu kaufen, die einen bestimmten, niedrigen Preis überschritten. Man hat das jüdische Volk selbst in die Fehler hineingetrieben, die man ihm, allerdings nur zum Teil berechtigt, zum Vorwurf macht. Man kann einen Menschen nicht foltern und dann strafen, wenn er blutet. Auch 8ir.j i\>: Vorwürfe des Socialismus zu widerlegen. Nicht nur aus! ׳utionsideen, sondern um des Fortschritts willen, wurde dev JuJe der ״roten Partei“ zugeführt. Er suchte die Partei auf, weil < •: >se sich auflehnt gegen jeden Druck, den Fortschritt will, f'.ic persönliche Freiheit, und auf ihre Menschenrechte pocht. An <ii״s׳cr Stelle seien auch Stöckers Ausfälle bemerkt gegen die zu grosse Beteiligung am Socialismus; er spricht viel von Geldern, die der ״Vorwärts“ nur aus jüdischen Kreisen haben kann. Von sehr befremdlicher Logik ist die Beweisführung des Landgeistlichen Büchsei, dass die Juden ungeeignete Lehrer sind. Er sagt in seinen Erinnerungen: ״Die Ansicht, dass in der Schule Gegenstände gelehrt werden können, die mit dem Glauben in keiner Beziehung stehen, dass ein Jude also Christenkinder unterrichten kann, ist nur ein Beweis, wie die Schule ihre Hauptaufgabe durchaus aus den Augen verloren haben mag. Er kann nicht Lehrer an einer christlichen Schule sein.“) — Hermann Daltons ״Lebens- 10) Wir arbeiten, wie die oben angeführte Stelle atu dem Familienblatt beweist, genag an nnserer Selbsterziehung, aber es wird uns durch Aeusserungen, wie die Stuhrmann'schen, sehr erschwert. Wenn wir auf unsere Fehler hinweisen, die doch auch die Fehler aller Menschen sind, denn rufen die Andern: Aha! Hört ihr’s? Sie geben es selbst zu! In der Schule wird ein Sind, das für das Leugnen so gut wie für das Geständnis geprügelt wird, wahrscheinlieh schwer zum Geständnis, noch schwerer zur Besserung gelangen. (Red.) “) Man vergisst, dass der Begriff ״christlich“ sieb vielfach als ״religiös“ so sehr mit dem Begriff ״jüdisch* deckt, dasB mas heute die Bittenlehren des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.