Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 1. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ben Sakkai der Vielgenannte an der Spitze, haben Jahrhunderte des Druckes und der Erniedrigung hindurch das Geistesgut Israels mit Bewusstsein als ein Verjüngungsmittel gehegt und als eine Schutzmauer betrachtet, den niederziehenden Einflüssen der feindlichen Aussenwelt gegenüber. Und sie haben sich die Kraft gewahrt, wenn bessere Zeiten herankamen, teilzunehmen an dem Geistesleben Aller. Ihrer Grössten Einer, Maimonides, hat den Uberkühnen Grundsatz betätigt: Wahre Wissenschaft ist Torahstudium. Wissenschaft heisst die Verbindung aller Geistesgebiete zur Förderung desjenigen, welches den Mittelpunkt bilden muss; alle Sonderleistungen müssen von umsichtigen Beobachtern in ihrem Verhältnisse zu jenen Hauptgegenständen gemessen werden. Diese Hauptgegenstände werden wiederum wachsen durch die Fülle der in sie einmündenden Einzelheiten. Der Wissenschaft darf die Allgemeinheit der Grundsätze so wenig verloren gehen, wie die sondemde Kraft der Einzelforschung. Oft sind es die Stiefkinder der Zeit, welche der eifrigsten Pflege bedürfen, um nicht zu verschwinden. Die Wissenschaft musB, um etwas zu leisten, sich mit dem Rätselhaften und Schwierigen am meisten und zuerst abgeben. So wenig ein Sport ohne selbstgeschaffene Schwierigkeiten wirken kann, 80 wenig kann eine Arbeit den Namen der Wissenschaft verdienen, die sich mit dem behaglichen Sammeln des längst Vorhandenen, im besten Falle mit dessen Ausgestaltung beschäftigt. Alle diese Tätigkeiten sind als Hilfs- und als Vorarbeiten sehr zu schätzen, aber ihnen fehlt ja selbst die notwendige Richtung, wenn sie sich an Stelle der Hauptsache stellen, wenn diese gehemmt und verschoben werden soll. Die Kärrner haben eben nur dann zu tun, wenn die Könige bauen. Was ist bei uns nun Mittelpunkt, was sind die Ausstrahlungen? Das Judentum kennt, das ist nicht genug auszusprechen, schon seiner Geschichte und seinem Werdegange nach kein Dasein ohne Bibel und ohne deren Auslegung; diese Auslegung wird zum Geisteskampf, wird im Talmud zu selbständiger Lebensgestaltung, zur Gestaltung der Denkart; als jüngeres Gebiet kommt die Erklärung des einfachen Wortsinns, kommt die Sprachwissenschaft hinzu — immer im Anschluss an jene Gebiete. Wie hätte Ihn Gannach sonst so Grosses leisten können! Es meldet sich die Reihe der Denker, aber es ist immer die Frage: Denken und Glauben!