Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 3. (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ho. 3.—1909. liidischcs Zur Beleuchtung aller;Judentum und Juden betreffenden literarischen Srscbeinungen auf dem Gebiete der Philosophie, 0esd>id)te. Qthnograpbie, Cbeologie, Orientale, Bxegese, וס׳ג"־ fiomiletik. Citurgik und Pädagogik. Begründe uon Rabbiner Dr. m. Rahmer. Rab in Ojerantujortlicber Redakteur: b. Dr. C. B. Roseatbal Berlin, Boyenstrasse 4t. Jabrg. XXXII. Dtcratur-Blaft Bücher der einschlägigen Literatur, deren Besprechung in diesem Blatte gecoünscbt u>ird, sowie Briefe und fltanuskripte sind ®aian die Redaktion einzusenden.90 mit (11 iterstfltziias der Zunzstiftung. Rahmer׳s ״Jldisches Citeratttr-Blatt‘ ersch i! Jnserate werden mit 30 Pta. die dreig:: int monatlich und kostet, 00m Herausgeber bezogen, jährlich 4 mk. :spaltene Zeile berechnet und sind an den Redakteur zu senden• Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe: ״Aue Rahmer’* JUd. Literatur-Blatt“ gestattet. Wir bitten, soweit es noch nich einzusenden. geschehen ist, uns die Beiträge für den Jahrgang 1908 Die Redaktion. Rabbiner Dr. L. Rosenthal. Inhalt von No. 3: Biblische Köniesbücher und Sha leben in der Völkerpsychologie geistiges. — Anzeigen. cespeare’sche Königsdramen. — Minhag u. Halakha. — Das Geschlechts- (Dr. Kroner). — Besprechungen: Lieber biblische Metrik. — Schön- Biblische Königsbücher 11. Shakespeare’sche Königsdramen. Ein Vergleich. Vortrag von Rabbiner Dr. X■. A. Rosenthal, Berlin. (Schluss) So herrscht in der Bibel, wie im Shakespeare, der strenge Begriff des Lohns und der Strafe; nicht erscheint einem Shakespeare der Unterschied zwischen gut und böse hausbacken — wer sich darüber hinwegsetzt, muss es büssen, and sein Werk besteht nicht. Wie in der Bibel Prophetenstimmen das Gesetz der Sittlichkeit verkünden, in seinem Namen Segen spenden und den Strahl des Fluches werfen, so sind es in den Shakespeare’schen Königsdramen Stimmen von Sterbenden, unglückliehe Mütter, Geister der Verstorbenen, die das Wort der Vergeltung erschütternd tönen lassen. Und nach ihren Worten dreht sich das Schicksals rad zum Guten und zum Bösen. Unseren Neuesten erscheint eine solche Ansicht gewiss beschränkt, wel diesseits von gut und böse — aber der ganze Shakespeare ist ein Rind des Reformations::eitalters, und dieses beruht auf dem biblischen Gesetz des freien Willens, der Sittlichkeit. In der Bibel erscheinen die Eroberer als Gottesgeissein, als Ausführer göttlichen Willens. Aus den Schwächen und Gräueln ihrer Zeitalte r tauchen sie empor, und ihre Schandtaten rächen das beleidigte Gesetz. So wird Nebuchadnezar ir der Bibel ermöglicht,?0 wird er begreiflich gemacht. So taucht bei Shakespeare Richard III. aus allen Schrecknissen der Rosenkämpfe empor, ein Bösewicht, der in anderen Zeiten nicht möglich gewesen wäre und dessen andere Zeiten nicht bedurft hätten. Hier wie dort der Zweck, reinigend zu wirken. Darum kann weder bei Shakespeare (trotz seines Hamlet und Timon), noch in der Bibel (trotz des Hiob und des Koheleth) eine finstere Weltanschauung Platz greifen. Die Königsbücher der Bibel schlossen nicht, ohne einen befriedigenden Umstand zu erwähnen: Jojachin, der bisher im Kerker schmachten le König von Juda, wird von Ewil Merodach an den königliehen Tisch gezogen und ehrenvoll behänd 21t. Und die den Königen entsprechenden Bücher der Chronik berichten am Schlüsse von dem Erlasse de; Kyrus, dass die Juden nach Palästina zurükkehren und dort den Tempel bauen sollen. Und die Esrabücher, die Fortsetzung der Chronik, bieten uns geradezu Gelegenheit, die kommende Entwicklung zu beobachten und ihren befriedigenden Erfolg vorauszusehen. Es zeigt sich in ihnen noch nichts Vollendetes, es sind Neubildungen, Anfänge,־׳^ämpfe, Parteiu n g e n, die sich uns da zeigen, aber der Weg führt in die Zukunft — mit diesem erfreulichen Eindrucke schliessen die biblischen Geschichtsdarstellungen.