Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 31 (1908-1909)
- Issue
- No. 12. (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 ג Kommt auch in den Königsdramen ein ähnlicher Zug vor? Allerdings, es baut sich die ganze Verwicklung darauf auf. Johann von Gaunt, der,Vater des verbannten Bolingbroke, liegt auf dem Sterbebette. Und wie in der Bibel die Propheten als Wahrheitskünder Königen und Völkern die Zukunft voraus sagen, so erhebt sich hier der Sterbende, um aus der unbesonnenen und frevelhaften Handlungsweise Richards II. heraus ein Bild der schlimmen Zukunft Englands zu entwerfen. Der König mit dem Rate seiner Jungen betritt das Sterbezimmer und vernimmt ohne Bewegung die bittern Klagen, die ״ sein alter Oheim ihm entgegenwirft, die Flüche, unter denen er stirbt. Er selbst muss nämlich nach Irland, um einen sehr unnötigen Krieg zu führen. Und da sagt er (wir müssen diese Stellen wörtlich anführen): Nun von dem Krieg in Irland . . . ., Der grossen Aufwand wohl erfordern wird. So halten wir zu unserm Beistand uns An Silberzeug, Gerät, an Geld und Renten, _ Die unser Oheim Gaunt besessen hat. Er zieht also das Vermögen Gaunts für sich ein, das eigentlich Bolingbroke, dem Verbannten, angehört. Da ruft der einzige noch überlebende Oheim, York, dem König zu: — ״Willst du in Anspruch nehmen Herfords Gut -Und des Verbannten Erbe an dich reissen? Ist Gaunt auch tot, so lebet Hereford noch .... Nimm Herfords Rechte weg und nimm der Zeit Die Gnadenbriefe und gewohnten Rechte; Lass morgen denn auf heute nicht mehr folgen, Sei nicht du selbst! Denn wie bist sonst du König, Als durch der Erblichkeit bestimmtes Recht?“ Nun hören wir’s. So wenig man nach Elias’ Worten ״morden und erben“ kann, so wenig kann man ״berauben und erben“. Und sowohl die Bibel, wie Shakespeare gründet eine ganze Fülle folgenschwerer Ereignisse auf den einen Umstand, dass ein Allgewaltiger, ein Herrscher, hineingreift in den Rechtskreis eines Untertanen, heisse er nun Nabot oder Heinrich Herford Bolingbroke — sein eigenes Recht beruht auf dem Erbbegriffe, also auf etwas Herkömmlichem, er ist darum zum Wahrer dieses heiligen Herkommens bestimmt, und mit dieser Ueberlieferung lockert er den festen Boden, auf dem ־er steht, und so bereitet er sich selbst den Untergang. In der Bibel ist es Jehu, der noch nach vielen Geschlechtern auf den alten Spruch Elia’s zurückgreift — bei Shakespeare ist es der verbannte Bolingbroke selbst, der demütig flehend nur sein Erbe verlangt, nichts weiter. Er sucht sein Erbe und erlangt die Königskrone — aber den Weg. hat ihm‘ Richard II. selbst gebahnt, durch den Raub an ihm den Vorwand dazu geboten. So ist es merkwürdiger Weise in der Bibel, wie im Shakespeare, der gleiche Einzelumstand, auf den die besondere Beleuchtung fällt —. nur aus Vergewaltigung des Einzelrechts erzeugt sich die Verleugnung des Herrscherrechts und der gesetzlichen Erbfolge, Richard II. beraubt Bolingbroke um sein Gut, und Bolingbroke raubt ihm die Krone — Ahab raubt Nabot den Weinberg, und Jehu raubt dem Joram das Reich. Wer herrschen will, der wahre die Rechte Anderer und lasse sich gern vom Rechtsgedanken beherrschen. _ (Fortsetzung folgt.) Flavias Josephus und seine Verteidigung: des Judentums. Ein Uortrag von Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein—Schweinfurt. (Fortsetzung) Auch an direkten Schmähungen gegen die jüdische Religion haben es Apion und seine biederen Vormänner nicht fehlen lassen. So behaupten sie, im Tempel zu Jerusalem und zwar im Allerheiligsten wurde ein Eselskopf aus Gold verehrt, wie Antiochus, der Tempelräuber und Tempelschänder konstatiert, habe. Josephus meint, die Aegypter hätten gewiss kein Recht, das zu schelten, wenn es nämlich wahr wäre; denn ein Esel sei nicht geringer als ein Bock und andere Tiere, die bei den Aegyptern für Götter gehalten würden. Allein es ist nicht wahr! Als Zeugen ruft Josephus den grossen Pompejus, Crassus und Titus auf, die den Tempel gesehen, das Allerheiligste betreten und nur die reine Gottesverehrung vorgefunden haben. Des Antiochus Frevel, der den Tempel entweihte, soll durch solche Beschuldigungen gemildert werden, das ist der Zweck der Vorwürfe; aber der Zweck wird nicht erreicht, weder durch diesen Vorwurf, noch durch den weiteren, Antiochus habe 4m Tempel einen Griechen vorgefunden, der mit den ausersehensten Leckerbissen gemästet worden sei uud der von einem Tdmpeldiener auf sein Befragen erfahren habe, dass nach einem geheimen Gesetz der Juden alljährlich ein Grieche, nachdem man ihn gemästet habe, in einem Walde geschlachtet werde; wozu er jetzt ausersehen wäre. Die Juden ässen von seinen Eingeweiden und schwüren dabei einen Eid, die Griechen zu hassen. Wir sehen, die