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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1908-01-01 · No. 8. (1908) · p. Seite 62

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
31 (1908-1909)
Issue
No. 8. (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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ן — 62 — Anfrage. Es geht uns von befreundeter Seite Folgendes zu: E. Sachau hat in den ״Abhandlungen der Kgl. Preuss. Akademie d. W:“ im vorigen Jahre ״drei aramäische Papyrusurkunden qus Elephantine“ ^veröffentlicht. S. dazu auch Barth’s Abhandlung ״Zu den neuen Papyrusfunden in Elephantine“ (Jahrbuch der jüdischen literarischen Gesellschaft 1907, Frankfurt). In der ersten Urkunde (Z. 13 und 14) heisst es: כזי בנבוזי על למצרין בו^ wonach Cambyses die Tempel der ägyptischen Götter alle niedergerissen, aber den Gottestempel der jüdischen Gemeinde in Elephantine habe bestehen lassen. Bekanntlich berichten jene Papyri von einer jüdischen Gemeinde in Elephantine, die schon seit den Aegypterkönigen der vorpersischen Zeit einen Tempel mit Opfergottesdienst dortselbst besessen habe. Der ist durch die Chnubpriester zerstört worden, und die Gemeinde wendet sich um Abhilfe an den persischen Statthalter Bagoas in Jerusaleih. Die in den Urkundea befindliche Bemerkung über Cambyses machte mich stutzig. Es ist im Gegenteil bekannt, das Cambyses den ägyptischen Göttern Tempel gebaut und Apisstiere eingeweiht hat. (Siehe z. B. Jampel ״Die Wiederherstellung ' Israels unter den Achämeniden“ Breslau 1904, S. 34 etc.) Sollen nun die geschichtlichen Nachrichten nach jenen Urkunden verbessert werden oder umgekehrt? Ein Wissbegieriger bittet die Kenner, sich darüber zu äussern. Besprechungen. Robert Hirscbfeld Libanon Dichtungen für das jüdische-Haus mit einer Einleitung von Dr. G. Karpeles auf Veranlassung der Grossloge U. O. B. B. für Deutschland herausgegeben. Berlin Poppelauer 1908. XV und 338. S. 4,50 Mk. ״Hebräische Melodien“ von Julius Moses. Das ״Buch der Bücher“ verschwindet mehr und mehr aus den jfidischen Häusern, je entschiedener sich eine Legion moderner und modernster Schriften auf dem Büchertisch anhäuft. Wo ist heute noch in weiteren Kreisen eine Bibel zu finden? Wo wird sie gar gelesen? Wo dient sie den Eltern oder der Famile als Erbauungs», als Trostbuch? Wer diesen Zustand aufrichtig beklagt, muss im Interesse der Religion und der Menschheitserziehung Heilung herbeizuführen suchen. Wenn das Gottesbuch in seiner Gesaatstrüktur, selbst in bester Uebertragung sich nicht leicht in die gegenwärtige Jugendbildung einpassen lässt — soll es deshalb in seiner unvergleichlichen Wirkung auf die Herzensbildung dauernd als Erziehungsfaktor ausgeschaltet sein?! Nein! Sorgen wir vielmehr, dass auch dem heiligen Buche die ihm gebührende, ehrenvolle Stelle innerhalb der Erziehungsmittel eingeräumt werde! Doch wie das beginnen? Trotz der Schule und. Kanzel werden wir es in unseren Tagen nicht erreichen, dass die ״Entthronte“ wieder wie früher nach unserem Wunsche herrsche. Wie nun Ersatz bieten für den Verlust? Vor allem nicht müssig die Hände in den Schoss legen und auf Wunder von oben her warten. Wir müssen die Jugend dem Judentum gewinnen, indem wir ihr seinen ewigen Gehalt in zeitgemässem Gewände darbieten. Solchem Bestreben׳ ist heute die Arbeit mancher tüchtigen Männer in unserer Mitte gewidmet. Sie wollen uns die Jugend erhalten, sie für unsere heilige Sache begeistern. Die gegenwärtige ältere Generation soll sich auf sich selbst besinnen, Jung- Israel für die Arbeit der Zukunft vorzubereiten. In letzter Zeit sind dann auch verschiedentlich Werke für die Jugend und die erwachsenen Laien auf dem Büchermarkte erschienen, die unsere lebhafte Aufmerksamkeit verdienen. Es seien hier nur der ״Libanon“ von Robert Hirschfeld und die ״Hebräischen Melodien“ von Dr. Julius Moses genannt Die Grossloge U. O, B. B., seit langer Zeit segensreich tätig auf dem Gebiete der jüd. Jugenaschriftenliteratur und eifrig für deren Verbreitung bemüht, hat Herrn Hirschfeld beauftragt, ein Sammelwerkchen,enthaltend dieschönsten Perlen jüdischer Dichtung, für die Jugend zu bearbeiten. Es muss anerkannt werden, dass der Verfasser, der sich durch die Herausgabe einer ähnlich gearteten Antho- Iogie, der ״Saronsrosen“ bereits bekannt gemacht, seine Aufgabe auf’s beste gelöst hat. Mfk geschickter Hand hat er das Schönste ausgewählt, was/die Besten unter uns, sowie auch Nichtjuden über Judentum, jüdisches Leben, jüdische Einrichtungen und Gebräuche zu sagen wussten, soweit es dem Verständnis der Jugend angemessen. In seinem Liederkranze kommt in zahlreichen Proben die sittlich-religiöse Seite zur vollsten Geltung, aber auch den ansprechen dsten Formender Religion und ihren Ceremonien hat er als duftenden Blüten in diesem ewig grünenden Kranze eine Stätte bereitet. Das ganze jüdische Leben zieht in anziehender Dar- Stellung an dem Geiste der Jugend vorüber, regt es an zum Nachdenken über den Wert der eigenen Religion, erhöht seine Selbstachtung und hilft es mit Ausrüsten für den Kampf des Lebens in den Versuchungen, die so mannigfach auf den lauern, der ihnen keine gefestigte Ueberzeugung entgegenzustellen weiss Wie muss das Kind seinen Festen höhere Wert- Schätzung entgegenbringen, sich an ihnen erst recht erfreuen, wenn sie in so verklärter Form wie in den Schöpfungen von Flanter, Gustav Jacobsohn, Em. Stern und S. Katz dem Kindesgemüte gegenübertreten: ״So soll euch nichts, ihr Kinder, je trennen Vom Glauben der Väter, dem ihr geweiht. Und stolz und freudig sollt ihr bekennen, Dass ihr von Israels Stamme seid“. (Schabuoth von Jacobsohn). In guten Uebertragungen wird die Jugend mit einigen der schönsten Psalmen vertraut gemacht: ״Dir nah’ gestellt hast Du dein Kind hienieden; Du hast ’s geschmückt mit hoher Ehrenkrone, Hast Deiner Werke Herrschaft ihm beschieden — O Herr! Wir danken Dir vor Deinem Throne“. (Psalm 8 von Hammer). Ein richtiger Zusatz zu 'den lyrischen und epischen Stoffen sind Proben aus Jacobsohns ״Makkabäerkriegen“, Lessings ״Nathan dem Weisen“ und Otto Ludwigs ״Makkabäern“, wenn es sich auch m. E. empfohlen hätte, nur einen dieser beiden Stoffe in die Sammlung aufzunehmen und den gewonnenen Raum für einige modern jüdische Dichtungen zu verwenden, Dichtungen, die ich m einem Werkchen für die Jugend schon aus praktischen Gründen nicht gern vermisse, da die Jugend bekanntermassen den Modernen lebhaftes Interesse entgegenbringt, und wir anderseits dadurch den Boden für weitere Schöpfungen zum Segen unserer Jugend bereiten; Vielleicht holt der Verfaser in einer neuen Auflage das Versäumte nach. Hervorzuheben ist noch, dass durch eine kurze Bemerkung über Beruf und Lebenszeit der zu Worte kommenden Autoren die Jugend wohl angeregt wird, sich mit den Personen auch einmal etwas näher zu befassen. Das Werk muss als eine wertvolle Bereicherung unserer Jugendliteratur bezeichnet werden, welches in keiner Jugendbibliothek und auf keinem jüdischen Büchertisch fehlen sollte. Es ist gewiss, dass unsere Kinder gern nach diesem Werkchen in ihren Mussestunden einmal greifen, mit Interesse darin lesen und sich erbauen, und es mit Befriedigung aus der Hand legen werden. Der grosse jüdische Gedanke wird unvermerkt in ihrem Bewusstsein befestigt, und damit ist schon viel erreicht. Ich möchte mich daher vollständig den Worten anschliessen, mit denen Dr. Karpeles seine Einleitung zu der Anthologie schliesst: ״Wenn nun hier in diesem Buche die

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