Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 31 (1908-1909)
- Issue
- No. 8. (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ro. 8.-1908. 3abrg. XXXI. 1üdi$clK$ Zur Beleuchtung aller Judentum und Juden betreffenden literarischen flrsdjeinungen auf dem ßebiete der Philosophie, (5esd)id)te, Sthnograpbie, Cbeologie, Orientalia, Sxegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Begründe! uon Rabbiner Dr. Itt. Rahner. Oerantwortlicber Redakteur: Rabb. Dr. C. fl. RostMtftal in Berlin, Boyenstrasse 41. mit tUentttZMg der Ruazstiftung. Cilcraiiir-Blan. Bücher der einschlägigen Literatur, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind <9^1 an die Redaktion einzusenden. Rabner’s ״jadiscbts Literatur-Blatt“ erschejii Jaserate werden mit 30 Pfg. die dreig! nt noaatlich und kostet, uom Herausgeber bezogen, iäbrlich 4 mk. ekpaltene Zeile berechnet und sind an den Redakteur zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mit 11er Angabe: ״Aus Rahmer’s JUd. Literatur-Blatt“ gestattet. Wir bitten, soweit es noch nicht einzusenden. Wir planen für die nächste Zeit einje geschehen ist, uns die Beiträge für den Jahrgang 1908/9 Erweiterung unseres Blattes. Die Redaktion. Rabbiner Dr. L. Rosenthal. Inhalt von No. 8: Socialpolitik der Juden in der Ge;! Anfrage. — Besprechungen: ״Libanon“ 1 Spiritismus. — Nachrichten. — -־;enwart. — Flavius Josephus (Dr. Stein). — Einiges über Maasser scheni. u. ״hebräische Melodien“ (bespr. von Alexander. — Vates, Bibel und Büchersjchau. — Anzeigen. Sozialpolitik der Juden in der Gegenwart Dortrag von Dr. H. L. Eisenstadt. Charakteristisch für die jüdische Bevölkerung ist ferner die erhöhte Sterblichkeit an Constitutionskrankheiten. Es sind Bedingungen vorhanden, dass die Constitutionsfehler gewissermaßen rein gezüchtet werden, welche sonst infolge ungünstig ־wirkender Berufstätigkeit an Complicationen namentlich an Lungenschwindsucht zu Grunde gehen. Nur in einer Beziehung meint Rosenfeld komme vielleicht eine Rassenschwäche der Juden zum Vorschein, nämlich in dem hohen Beitrag zu bösartigen Neubildungen. Allein das ist nur e ne Vermutung; über die Entstehung bösartiger Neubildungen sind wir noch nicht über Vermutungen hin lusgekommen. Sie sehen, diese exakte Sterblichkeitsstatistik gibt uns eine klare Anschauung der Berufsverschiedenheit, in welcher die christliche und jüdische Wiener Bevölkerung lebt. Wir können sogar noch eine weitere Folgerung ziehen: Wir vermut an die Krankheitsstatistik der geistigen Arbeiter und der Handarbeiter dürfte Unterschiede im Sinne der Rosenfeldschen Statistik an den Tag bringen. Damit kommen wir zu einer ganz anderen Theorie der Häufigkeit gewisser Krankheiten unter den Juden. Es handelt sich um Berufskrankheiten oder richtiger um Krankheiten, die durch das sociale Milieu, wenn auch nicht bedingt, so doch verschlimmert werden. Nun ist zweifellos durch mehrere Faktoren in den letzten vier Jahrzehnten das sociale Milieu der deutschen Juden ungünstig beeinflusst wo den, nämlich durch das Uebersiedeln nach der Grossstadt, welche sowohl für die Ernährung als für mehrere Körperorgane gesundheitliche Gefahren bringt, ferner durch Aufnahme der Trinksitten, der Gesch echtskrankheiten, der Geburtenverhütung und der künstlichen Ernährung der Säuglinge. Diese Schädigungen treten in diei Generationen verschieden, aber gesetzmassig auf. in der ersten Generation ziehen die Eltern im höheren Aller nach der Grossstadt. Die zweite Generation hat noch Brustnahrung erhalten und die Jugeni auf dem Lande (in der Kleinstadt) verbracht, aber, bereits den Trinksitten, den Geschlechtskrankheiten und der Geburtenverhutung gehuldigt, während die jetzt Heranwachsende dritte Generation die Jugejid in der Grossstadt verbringt und 1m Saughngsalter grösstenteils künstlich ernährt wird.