Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1908-01-01 · No. 5. (1908) · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
31 (1908-1909)
Issue
No. 5. (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492408-6582231-8771060--3732-4858804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

38 Besprechungen Dr. M. L. Bamberger, Schönlanke: Commentar des R. Joseph Nachmias zu den Pirke Aboth (77 Seiten ohne die Bemerkungen des Herausgebers). Louis Lamm, Berlin 2 Mk. Die Pirke Aboth sind eine stete Quelle zu allen Zeiten mit dem Zeitgeiste sich erneuernder Gedanken, weshalb dieser kleine Traktat zum Lieblingsbuch der Gelehrten, wie des Volkes geworden ist Und so viele Erläuterungen im LaufeUer Zeiten entstanden sind, so viele entstehen immer auf’s Neue. R. Josef Nachmias, ein Zeitgenosse Rabbenu Aschers in Toledo, hat ausser den Pirke Aboth noch die fünf Bücher Mosis, Jeremia, die Psalmen, Mischle, Kohelet, Ester, den Traktat Nedarim, die Abodah אתה כוננתה mit Erklärungen versehen, er hat auch Tefilloth in ,Versen verfasst. Auch ein astronomisches Werk ist von ihm in arabischer Sprache vorhanden. Dieser Vielseitigkeit entspricht auch die vorliegende Erklärung zu Pirke Aboth. Bamberger, der früher die Estererklarung des Verfassers gegeben hat, benutzte zu den Sprüchen der Väter die Handschrift de Rossi 1402 aus der König). Bibliothek zu Parma, die er in der Einleitung beschreibt. Die Erklärung des Josef Nachmias ist vielseitig, entsprechend dem talmudisch so hochstehenden Zeitalter des R. Ascher.' Was nur irgendwie im Talmud, der Tossefta, den halachischen und agadischen Midraschim, den Targumim, den kleinen Massechtoth Bezug auf Aboth hat, ist vom Verfasser in geeigneter Weise herangezogen worden. Und da Aboth seihst trotz seiner Kürze allseitig ist und die verschiedensten Gebiete berührt, so bietet eine solche Erläuterung willkommene Gelegenheit, den Talmud selbst von allen Seiten ohne grosse Schwierigkeit kennen zu lernen, in diesem Falle auch, dem Zwecke von Aboth gemäss, die Geschichte der Tannaiten und der Halakha an sich. Aber auch das zeitgenössische Schrifttum, das uns vielfach entlegen ist, wird ausgiebig herangezogen, so dass eine Fülle von Gestalten und Zeitaltern an uns vorüberzieht, ein Stück Geistesgeschichte. Wir müssen Bamberger dankbar sein, dass er seine bewährte Kraft als Herausgeber hier einem Werke geweiht __hat, das nur in einer Handschrift vorhanden und somit bei seiner Bedeutsamkeit der Veröffentlichung besonders bedürftig war. Ausserdem hat er sich als bewährten Führer durch das gesamte herangezogene Schrifttum in seinen sachgemässen Bemerkungen gezeigt, die eben sowohl von seiner tiefen Vertrautheit mit dem weitschichtigen Stoffe wie auch von seiner Fähigkeit zeugen, in der Kürze viel zu bieten. Möge Verfasser durch die schnelle Verbreitung des Buches dazu ׳ ermutigt werden, uns durch weitere ähnliche Gaben zu erfreuen. P. Hildebrand Hoepfl, Rom; Die höhere Bibelkritik. 2. Auflage IV und 157 Seiten. Paderborn, Schöningh, 3,60 Mk. Wir glauben es dem Verfasser wohl, dass manchen Feuerseelen seine Darlegungen über die neueste Bibel- Wissenschaft einen zu wenig scharfen Ton zeigen. Ja, es gibt in allen Kreisen Forscher, die sich nicht von Hass noch Liebe leiten lassen, die darum selbst einem ihnen nicht vollkommen zusagenden Gegenstände gerecht werden können. Und es hat sich in letzter Zeit gezeigt, was wir stets gern bemerkt und hervorgehoben haben, dass gerade strengkatholische Forscher diesen ruhigen Blick für die Fortbewegung der Bibelwissenschaft gezeigt haben. Hoepfl hat ein gut lesbares und leicht übersehbares Buch geschaffen, das seine Leser nicht mit zuviel Einzelheiten quält und ihnen trotzdem oder gerade darum einen klaren Einblick in die vielverschlungenen Bahnen der Bibelforschung bietet. Er führt uns in den jetzigen Stand der Quellenforschung ein, zeigt uns den Zusammenhang dieser Gegenstände mit der Geschichte, mit dem Werden des Gottesdienstes und des Gottesgedankens selbst, sowie er uns auch die Entlehnungsfragen vorführt. Nachdem er uns so seine־ Fähigkeit bewiesen hat, diese schwer fassbaren und noch schwerer darstellbaren Anschauungen mit der Ruhe und Geduld einer guten Lehrkraft uns, abgelöst von allen Empfindungen (nur nicht von ׳ der der Achtung vor so viel wissenschaftlicher Forschermühd) vor’s Auge zu führen, verhehlt er in einem besonderen Teile uns seine Bedenklichkeiten nicht. Und da sind es zum Teile ernste wissenschaftliche Einwürfe, welche, er jener Wissenschaft entgegenhält, wie sie jeder Richtung wichtig erscheinen müssen; zum Teil ist es der katholische Standpunkt, zu welchem er diese Anschauungen in Be- Ziehung bringt. Wir verstehen dies Vorgehen vollkommen. Hätten wir einen Geistlichen vor uns, der .unbesehen seine Verdammungsurteile über derartige Richtungen äussert, dann würden wir mit Recht ihm Unduldsamkeit und unklugen Eifer vorwerfen. Wer aber sich mit so vielem Eifer durch all dies Allgemeine und Besondere der Einleitungswissenschaft durchgearbeitet hat, der darf mitreden, wo es sich um allgemein wissenschaftliche Bedenken handelt; wer geinem Glauben mit solcher Treue gegenübersteht, der hat nach all diesen Beweisen des Geistes auch die Gegensätze nicht zu verschweigen, welche sich in den Beziehungen des behandelten Gebiets zu seiner Kirche zeigen. Und dabei findet Jeder seine Rechnung. Der Wissbegierige, der den gefährlichen Gegenstand kennen lernen will, der Tieferdenkende, der erfahren will, was denn wirklich an der Sache ist und der fromme. Leser, der eine reinliche Scheidung zwischen seinem Gewissen und den Uebergriffen der Wissenschaft vornehmen will. Derartige Arbeiten dienen der Ausbreitung des Wissens und der Klärung. Wir wünschen der verdienstvollen Arbeit besten Erfolgt Dr. Moerchen: Die Psychologie der Heiligkeit, j 47 S. Halle. Carl Marhold. 1908. 1 Das tägliche Leben widerstreitet allem Uebermenschlichen durch Antriebe, welche die Ruhe und Gemächlichkeit als erstrebenswertestes Ziel zeigen. Doch können stärkere Gefühle diese Hemmungen entweder auf kurze Zeit oder dauernd zurückdrängen, ohne dass es Schwierigkeiten macht, und diese erhebende Empfindung 1 kann man durch Mittel, die erfahrungsgemäss einmal gewirkt haben, auch fernerhin festhalten. So wird der Träge und Schlaffe durch Selbstüberwindung zum Eifrigen und Hurtigen, die inneren Antriebe sind stärker, als die! Hemmungen des Tages. Wenn durch Selbstzucht und | Kasteiung der Körper zu Gunsten des Geistigen und Göttlichen | zurückgedrängt wird, so entsteht der herkömmliche Begriff ן der Heiligkeit, und eslassen sich auf ein derartiges Streben all’ die Selbstquälereien zurückführen, welche von Säulenheiligen und sonstigen Schwärmern erzählt werden. Vf. hält viele Züge in den Heiligenberichten, die von einem unmittelbaren Verkehr mit der himmlischen Welt erzählen, für Ausflüsse ungesunden Denkens und Empfindens bis zum Wahnsinn hin. Soweit nun die Wirkung einer solchen Heiligkeit auf die Aussenwelt zu Vorurteilen führen kann, verurteilt Vf. alle Bestrebungen, die aus der Menschheit und dem Leben hinausführen. Doch verwahrt er sich gegen die Unterstellung, dass er darum notwendig die Religion als eine Quelle ungesunder Bestrebungen hinstellen wollte. Soweit die Unterordnung unter Gott den Menschen zur Selbstüberwindung in menschheitlichem Sinne, zu sittlichem und wohltätigem Wirken (Alles nach vernünftigen Gesichtspunkten gestaltet) bringt, hat sie einen hohen Wert. Vf. hat nach seinem eigenen Geständnis damit nicht das Wesen der Heiligkeit erschöpft, sondern nur die Art angegeben, wie sie erreicht wird, also eine Reihenfolge der Erscheinungen geboten, wie die Seelerilehre als Wissenschaft es uns ermöglicht. Wenn er in religiösen Kreisen Widerwillen gegen diese Forschungsart voraussetzt, so braucht er im Judentum eine solche Feindseligkeit nicht zu suchen. Das Judentum bejaht gerade nach Schopenhauers feindlichem Urteile die Welt und kenpt die Selbstzucht in seinen Enthaltsamkeitsgesetzen wohl als ein Mittel zur Heiligkeit, d. h. aber zu heiligem Wirken in Welt und Menschheit, wie gerade der Leviticus beweist. Juda Halevi in seinem Cusari zeigt, wie das Judenthum in seiner Lehre und in seinen Formen alle Seiten des menschlichen Wesens ausbilden will — und das verlangt ja unser Vf. auch — und Maimonides betrachtet das uebände der Thora und des Talmuds mit dem Blicken des Erziehers; die höchste

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.